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Gesundheitsmanagerin des Monats September 2019

Elke Guenther
Elke Guenther
© AIT/Zinner

Berufliche und persönliche Eckdaten 

Nach einem Studium der Biologie an den Universitäten Konstanz und München und der Postdoc Zeit am Max-Planck Institut für Psychiatrie in Martinsried, war Elke Guenther jahrelang als Leiterin eines Labors für Zellbiologie und Molekularbiologie an der Universitäts-Augenklinik Tübingen in der medizinischen Forschung und Lehre tätig, unterbrochen von mehreren Forschungsaufenthalten in China und Amerika. Sie ist dann in die angewandte F&E gewechselt und hat am Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) in Reutlingen die Leitung des Fachbereichs Zellbiologie und parallel dazu der Sektion Pharmaservices der NMI TT GmbH übernommen. Seit 2006 ist Elke Guenther in Wien und leitet dort das Center for Health & Bioresources am AIT, dem größten außeruniversitären Forschungsinstitut in Österreich.

Statement: Gesundheit und Wohlbefinden in einer intakten Umwelt sind die wesentlichen Faktoren für eine stabile Gesellschaft


Interview:

1. Wie wird sich die Gesundheitswirtschaft weltweit in den nächsten Jahren entwickeln?

Die Lebenserwartung der Bevölkerung wird in den meisten Ländern der Welt auch in Zukunft weiter ansteigen und damit die Zahl von Patienten mit chronischen Erkrankungen und Komorbiditäten. Wir stehen damit vor der großen Herausforderung der bedarfsgerechten Versorgung einer Vielzahl von Menschen.  Es werden neue Finanzierungsformate, sowie neue Geschäfts- und Versorgungsmodelle nötig sein, um diese Herausforderungen zu bewältigen und eine nachhaltige Basis für eine qualitativ hochwertige, und gleichzeitig leistbare Gesundheitsversorgung zu schaffen.

Geleistet werden kann dies nur durch einen vermehrten Schulterschluss und eine bessere Interaktion zwischen allen im Gesundheitswesen tätigen Akteuren und durch die Etablierung von Versorgungssystemen, die sich von der reinen Behandlung von Patient/innen hin zu einer Gesundheitsversorgung entwickeln, in der Information und Aufklärung der Bevölkerung und damit Prävention eine zentrale Rolle spielen.


2. Was möchten Sie im Bereich Gesundheitswirtschaft Österreich verändern?

Österreich ist im Bereich der biomedizinischen Forschung und Entwicklung gut aufgestellt. Die rasante Entwicklung neuer Technologien und Methoden, verbunden mit den Chancen, die die Digitalisierung im Bereich des Gesundheitswesens bietet, können dazu beitragen die Bandbreite an Präventivmaßnahmen sowie Therapiemöglichkeiten und -angeboten nachhaltig vergrößern.

Das Gesundheitswesen in Österreich ist allerdings fragmentiert; die Überführung neuer biomedizinischer Erkenntnisse in den klinischen/ärztlichen Alltag dauert oft zu lange. Was fehlt ist eine programmorientierte Zukunftsstrategie für Österreich im Bereich Lebenswissenschaften, so wie sie in anderen Ländern schon implementiert ist. Wir brauchen einen länderübergreifenden Dialog und eine Abstimmung zwischen allen am Gesundheitssystem beteiligten Playern um eine zukunftsfähige Gesundheitswirtschaft zu ermöglichen, die an den Bedürfnissen und Erwartungen der Bevölkerung orientiert ist und eine nachhaltige Gesundheitsversorgung garantiert. Parallel dazu müssen wir daran arbeiten, das Verantwortungsbewusstsein eines Jeden in Bezug auf die Erhaltung seiner Gesundheit zu stärken. 


3. Welche Rolle wird dabei Ihre Geschäftsidee spielen?

Das AIT (Austrian Institute of Technology) als Österreichs größte Forschungs- und Technologieorganisation hat die Zielsetzung zusammen mit unseren Partnern wissenschaftliche Erkenntnisse in die Anwendung zu bringen. Die Mission des Centers for Health & Bioresources ist es, zur Verbesserung der Lebensqualität im Hinblick auf den demographischen Wandel, die Zunahme der Weltbevölkerung und die Limitierung von Ressourcen, beizutragen. Im Bereich Gesundheit decken wir die gesamte Wertschöpfungskette von der Prävention, über die Diagnose bis hin zum Monitoring und der Therapieunterstützung. 

Wir verfügen über eine langjährige und umfassende Expertise im Bereich der Identifizierung von molekularen Markern für die minimal invasive Diagnostik und der Realisierung miniaturisierter und automatisierter Messsysteme für eine mobile molekulare Diagnostik. Einen besonderen Schwerpunkt nimmt dabei der Speichel ein, der sich dank der nicht-invasiven und jederzeit möglichen Probennahme besonders gut für die patientennahe und personalisierte Diagnostik eignet.

Im Bereich Biomedizinische Systeme entwickeln wir, basierend auf der kontaktlosen Funktechnologie der Nahfeldkommunikation (NFC), Lösungen, die für die Therapieüberwachung und zur regelmäßigen Messung von Gesundheitsdaten eingesetzt werden können, sowie neue Prozesstechnologien zur Optimierung und Beschichtung von bioaktiven Materialien für innovativer Implantate.

Im Bereich der Gesundheitsinformationssysteme erarbeiten wir integrierte dHealth-Lösungen für die Biomedizinische Forschung und patientenzentrierte Gesundheitsversorgung und arbeitet dabei eng mit den führenden medizinischen und technischen Universitäten in Österreich und darüber hinaus zusammen.

Darüber hinaus erforschen, entwickeln und betreiben wir IKT-Infrastruktur-Lösungen für institutions- und domänenübergreifende Forschung. Dabei werden technologischen Herausforderungen, die sich bei der Generierung, Sammlung, Wiederauffindung, Analyse, Verarbeitung, Erkennung und Präsentation der biomedizinischen und klinischen Daten ergeben, adressiert.


4. Was ist in Ihrem Leben besonders wichtig?

Hier möchte ich den Satz von Montaigne verwenden, den ich versuche für mich umzusetzen  „Das Meisterstück eines Menschen, auf das er besonders stolz sein kann, ist, sinnvoll zu leben“, und ergänzen durch die Wichtigkeit des Respekts und des Verständnisses den man Menschen und ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen entgegen bringen sollte, denn nur so können wir in einer lebendigen, vielfältigen und konstruktiven Gemeinschaft leben und uns den wirklich wichtigen Zielen unseres Daseins widmen.