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Was sich Patienten wirklich wünschen: bestmögliche Qualität!

WKÖ, AK NÖ und Patienten- und Pflegeanwaltschaft setzen Impulse für Reformschritte im Gesundheitssystem

Das Konzept „Gesundheit 2020 – Patienten im Mittelpunkt“ zeigt auf, welche Veränderungen für die österreichischen Patienten und Versicherten tatsächlich notwendig sind und weist auf Ansatzpunkte für Reformen hin. Dieses Konzept wurde nun weiterentwickelt und der Schwerpunkt „bestmögliche Qualität“ vertieft.

Aber was macht die bestmögliche Qualität aus und wie wird diese erreicht? Lösungsansätze dazu skizzierten Martin Gleitsmann, Leiter der WKÖ-Abteilung Gesundheits- und Sozialpolitik, der Sprecher der Patienten- und Pflegeanwälte Gerald Bachinger und Bernhard Rupp, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen in der AK NÖ, am Mittwoch in einem gemeinsamen Pressegespräch.

Qualität braucht Transparenz

„Gute Qualität kostet viel Geld, schlechte Qualität noch viel mehr“, sind sich die drei Experten einig. Vor allem sollten die Patienten wissen, wo sie die für ihre Gesundheit bestmögliche Qualität finden. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Messung der Ergebnisqualität in Spitälern (Austrian Impatient Quality Indicators, AIQI). Für den Patienten notwendige Ergebnisse werden dabei allerdings nicht veröffentlicht.

„Um die Qualitätstransparenz wird in Österreich eine unglaubliche Geheimniskrämerei inszeniert. Für gute Qualitätstransparenz brauchen wir mutige Politiker und vorbereitete PatientInnen“, betonte Bachinger. Ende Mai hat die ARGE der Patientenanwälte zum Thema Qualitätstransparenz eine Resolution erlassen. 

Qualität braucht Wettbewerb 

Wichtig für die Erhöhung der Qualität des Systems ist auch ein gesunder Wettbewerb zwischen allen Anbietern von Gesundheitsleistungen. „Nur durch sinnvollen Wettbewerb kann der Patient von der besten Qualität profitieren. Das System spart langfristig Geld, indem qualitativ schlechte und teure Anbieter vom Markt verdrängt werden“, erläuterte Gleitsmann.  

Qualität braucht einen simplen Zugang und genug Personal

Zum Thema Qualität gehört aber auch der einfache Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen. Rupp: „Bevor wir überhaupt über die ersehnte gute Qualität der Behandlung sprechen können, müssen alle PatientInnen physisch und kulturell einen de facto Zugang zum Gesundheitsdiensteanbieter haben – auch bzw. insbesondere Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Sprachproblemen. Die Barrierefreiheit in Arztpraxen ist oft ein großes Problem für diese Menschen. Das kann und darf nicht sein.“

Mindestens jeder fünfte Patient versteht nicht, was Ärzte und Pflegekräfte ihnen auf wichtige Fragen antworten. Qualität ist jedoch ohne verständliche Kommunikation nicht möglich. „Hier muss man bereits in der Ausbildung der Gesundheitsberufe ansetzen, um eine qualitätsvolle Behandlung durch gute Kommunikation und ein zufriedenstellendes menschliches Miteinander zu gewährleisten“, so Rupp. „Qualität braucht nicht nur einen simplen Zugang, sondern auch gut ausgebildete MitarbeiterInnen in ausreichender Zahl‎. Wir brauchen daher bundesweit anwendbare Personalbedarfsberechnungsmodelle. Andernfalls droht z.B. ein erhebliches  Ansteigen nosokomialer Infektionen“, ergänzt Rupp.

Behandlung chronischer Krankheiten erfordert besondere Qualität

Gerade bei chronischen Erkrankungen ist eine besondere Qualität der Behandlung gefragt – und diese werden immer häufiger: Eine aktuelle Studie im renommierten Fachmagazin „The Lancet“ bestätigt: Die Österreicher leben zwar länger, verbringen aber mehr Lebenszeit in Krankheit als früher. Dies liegt vor allem am starken Anstieg nicht tödlicher Krankheiten. In Österreich liegt der Fokus noch immer auf der Vermeidung tödlicher Krankheiten. Dabei werden die starken Beeinträchtigungen ignoriert, die mit chronischen Krankheiten einhergehen.

So werden etwa Diabetiker viel zu wenig systematisch behandelt, was zu massiven Einschränkungen der Lebensqualität führt. Die Zahl der an Diabetes erkrankten Männer in Österreich ist zwischen 1990 und 2013 um 129% gestiegen. Die Versorgung eines Typ2-Diabetikers kostet im Durchschnitt pro Jahr um ca. 3.300 Euro bis 4.000 Euro mehr als die eines vergleichbaren Nicht-Diabetikers.

Hier setzt das Disease Management Programm „Therapie Aktiv“ an, dessen Wirksamkeit zwar positiv evaluiert wurde. „Nur 1175 Ärzte nehmen bisher am Programm teil und nur 20% der betroffenen Patienten. Diese Ergebnisse sind klar ausbaufähig“, so Gleitsmann. „Unser Gesundheitssystem ist nach wie vor auf Reparaturmedizin ausgerichtet. Der massive Wandel in den Krankheitsbildern hin zu chronischen Krankheiten wie Diabetes ist noch nicht in der Gestaltung der Patientenbetreuung angekommen. Das Disease-Management-Programm sollte so gestaltet werden, dass alle Diabetiker in Österreich davon profitieren können. Außerdem sollten wir den technischen Fortschritt für die Medizin nützen, um gerade chronisch Kranken eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen“, zeigt der WKÖ-Experte Handlungsbedarf auf. 

Qualität braucht richtige Dosis

Last, not least bedeutet Qualität auch die Wahl der richten Dosis an Maßnahmen. Bachinger: Gute Qualität kann auch bedeuten, etwas NICHT zu tun, nach dem Motto „Weniger ist mehr“. In den USA wurde dazu die Kampagne „Choosing wisely“ ins Leben gerufen. Die Initiative soll das Bewusstsein über unnötige Eingriffe bzw. Maßnahmen erhöhen. Die Vision: lediglich jene Untersuchungs- und Therapiemethoden anzuwenden, die durch Evidenz gestützt sind und den Patienten tatsächlich nützen. (PWK484/PM) 

v.l: Bernhard Rupp, Martin Gleitsmann und Gerald Bachinger
v.l: Bernhard Rupp, Martin Gleitsmann und Gerald Bachinger