th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home

2011/4 Strukturwandel

Wirtschaftspolitische Blätter
Stand:

Editorial

 
Mag. Anna Maria Hochhauser
 
Schwerpunkt
 
Veränderungen im Markt ziehen Veränderungen im Gefüge der Wirtschaft und in den Spezialisierungsmustern von Unternehmen und Regionen nach sich. Dabei macht oft erst der Blick zurück deutlich, wie groß der bereits bewältigte Strukturwandel ist.
 
Die landwirtschaftliche Produktion war über Jahrhunderte praktisch der einzige Wirtschaftssektor, der zählte. Heute beträgt der Anteil der Land- und Forstwirtschaft an der Wirtschaftsleistung Österreichs rund 1,5 % (1995: 2,5 %). Der Strukturwandel ist größer und verläuft rascher, wenn das technologisch und ökonomisch Mögliche mit dem gesellschaftlich Akzeptablen Hand in Hand gehen. Jüngste Beispiele sind die Automatisierung und Digitalisierung der Produktion, die Internet-Nutzung und die Mobiltelefonie, die vor 15 Jahren nur für eine Minderheit von Unternehmen möglich waren und heute alle Bereich der Wirtschaft durchdringen.
 
In der Marktwirtschaft vollzieht sich ein struktureller Wandel der Wirtschaftsstruktur in der Regel nicht ruckartig und unerwartet, sondern stellt das Ergebnis zahlreicher dezentraler Entscheidungen sowie bewusster Entscheidungen bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen dar.
 
Dabei richten Konsumenten und Unternehmer ihren Blick nach vorne, in die Zukunft. So treffen ca. 8,4 Millionen Österreicher und ausländische Gäste jährlich weit mehr als 10 Milliarden Kaufentscheidungen und bestimmen so das Angebot und einen erheblichen Teil der Logistikströme mit. 300.000 Neuwagenkäufer im Jahr entscheiden sich für ein Benzin-, Diesel-, Gas- oder Elektroauto. Jedes der mehr als 400.000 heimischen Unternehmen trifft über das Geschäftsjahr Investitionsentscheidungen, die nicht nur die technologische Basis der Produktion von morgen und das Potential für die Verbesserung ihrer Produktivität bestimmen, sondern auch den künftigen Energieverbrauch und den bewältigbaren Einzugsbereich für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter. Jährlich werden in Österreich bei rund 4 Mio. Beschäftigten ca. 1,6 Mio. Beschäftigungsverhältnisse neu begonnen und etwa gleich viele beendet. Das gibt dem Arbeitsmarkt Flexibilität und schafft gleichzeitig eine bessere Übereinstimmung von Ausbildung, Qualifikation und persönlichen sowie geographischen Präferenzen mit dem Arbeitskräftebedarf von Unternehmen und deren Entwicklungspotential.
 
Die Megatrends der Strukturveränderung treffen uns unmittelbar: Die globale Arbeitsteilung mit einer steigenden Bedeutung Asiens als Wachstumspol ist Aufforderung, auch in diesen Märkten aktiv zu sein und uns gleichzeitig auf jene Produkte und Dienstleistungen zu konzentrieren, bei denen wir im Wettbewerb erfolgreich sein können und die eine hohe Wertschöpfung generieren. Eine alternde Gesellschaft verändert die Markterfordernisse z. B. im Wohnbau und im Lebensmittelhandel und erfordert einen stärkeren Fokus auf das lebensbegleitende Lernen. Die Absiedlung aus peripheren Regionen und ein weiterer Zuzug in die Ballungszentren verändern das Bild von Stadt und Land und die Möglichkeiten ihrer Unternehmen.
 
Die Wirtschaftspolitik will, trotz aller gegebenen Einschränkungen, wünschenswerte Entwicklungen vorbereiten, die zu erwartenden Trends optimal für die Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung nutzen und die Anpassungskosten möglichst gering halten. Spätestens die Globalisierungsdebatte hat gezeigt, dass den Globalisierungsgewinnen auch Globalisierungsverluste gegenüber stehen und dass Strukturveränderung neue Chancen schafft, gleichzeitig aber andere Entwicklungspfade, im Idealfall jene mit geringerem Entwicklungspotential, schließt. Österreich hat den Strukturwandel der letzten Jahrzehnte außerordentlich gut bewältigt und bewiesen, dass es seine Chancen nutzen kann. Das ist der Verdienst der Unternehmen, ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Verbraucherinnen und Verbraucher und der politisch Verantwortlichen.
 
Österreich muss zeigen, dass es in der Lage ist, sich auf den künftigen Strukturwandel vorzubereiten und neue Chancen zu schaffen. Das ist die Verantwortung der Unternehmen, der Verbraucher und der Politik. Die Gesellschaft scheint bereit dazu, die Wirtschaft ist es auch.
 
Die Beiträge dieser Ausgabe sollen unterschiedliche Facetten der Strukturveränderung in Wirtschaft und Gesellschaft, ihre Einflussfaktoren, die Veränderungsmechanismen und Knowhow für die Gestaltung und Bewältigung des Strukturwandels bündeln und zueinander in Beziehung setzen. Ich wünsche eine interessante Lektüre.
 
Inhalt
 
·         Michael Grömling
Strukturwandel – Dimensionen und Erklärungen
·         Harald Hagemann
Wachstum und Strukturwandel
·         Peter Egger/Martin Wörter
Bestimmungsfaktoren des Strukturwandels
·         Roman Stöllinger
Veränderungen im Welthandel – Chancen und Herausforderungen für Europa
·         Karin Steigenberger
Wirtschaftlicher Entwicklungsprozess und Strukturwandel in Singapur
·         Martin Berger
Strukturen, Quoten und (falsche) Stereotypen – Über den österreichischen Strukturwandel, seinen Beitrag zur F&E-Quote und warum High-Tech nicht immer High-Tech ist
·         Gerhard Lehner
Strukturelle Gestaltungsspielräume in den öffentlichen Haushalten
·         Peter Biwald
Verwaltungsreformen im Bundesstaat – Status und Perspektiven
·         Klaus Wirth
Strukturreformen bei Gemeinden
·         Peter Filzmaier
Demokratiepolitische Mechanismen der Veränderung und ihre Grenzen
·         Josef Hochgerne
Soziale Innovation und Veränderungsbereitschaft
·         Irene Mandl
Europäische Beispiele öffentlicher Unterstützungsinstrumente für Restrukturierungen


Buchbesprechung/Review
 
·         Robert Koza
Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute
 
Autoren
 
·         Dr. Martin Berger, Zentrum für Wirtschafts- und Innovationsforschung – POLICIES, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH
·         Mag. Peter Biwald, KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung
·         Prof. Dr. Peter Egger, ETH Zürich, Konjunkturforschungsstelle KOF
·         Peter Filzmaier ist Professor für Politische Kommunikation an der Karl Franzens-Universität Graz und an der Donau-Universität Krems sowie geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Strategieanalysen (ISA) in Wien
·         Prof. Dr. Michael Grömling, Institut der deutschen Wirtschaft Köln und Internationale Hochschule Bad Honnef/Bonn, Deutschland
·         o. Univ.-Prof. Dr. Harald Hagemann, Universität Hohenheim, Institut für Volkswirtschaftslehre
·         Univ.-Prof. Dr. Josef Hochgerner, Soziologe, Gründer (1990) und wissenschaftlicher Leiter des ZSI (Zentrum für Soziale Innovation) in Wien: www.zsi.at
·         Mag. Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich
·         Mag. Robert Koza, Stabsabteilung Wirtschaftspolitik, Wirtschaftskammer Österreich
·         Dr. Gerhard Lehner, Honorarprofessor an der Universität Wien, Mitglied des Staatsschuldenausschusses sowie Mitglied der Kommission zur langfristigen Pensionssicherung beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
·         MMag. Irene Mandl, Research Manager, Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound)
·         Mag. Karin Steigenberger, Wirtschaftskammer Österreich
·         Mag. Roman Stöllinger, WIIW
·         Dr. Klaus Wirth, Berater/Trainer und wissenschaftlicher Mitarbeiter im KDZ Zentrum für Verwaltungsforschung. Neben Fragen der Modernisierung des öffentlichen Sektors sind Strukturreformen und die Zusammenarbeit von Gemeinden ein weiter Arbeitsschwerpunkt von Dr. Wirth
·         Dr. Martin Wörter, ETH Zürich, Konjunkturforschungsstelle KOF
Bitte wählen Sie oben ein Bundesland aus, um Kontakte und Serviceangebote des Bundeslandes zu erhalten.