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2013/3 Wachstum und Wohlstand

Wirtschaftspolitische Blätter
Stand:

Editorial

Mag. Anna Maria Hochhauser

Wachstum und Wohlstand

Wirtschaftswachstum ist in unserem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell der Sozialen Marktwirtschaft eine wesentliche Grundlage von Wohlstand und Prosperität. Durch das stetige Wachstum der Wirtschaftsleistung in den vergangenen Jahrzehnten konnte der Lebensstandard enorm erhöht werden: Nicht nur die Zahl der Beschäftigten, das Einkommen und die Kaufkraft sind fortwährend gestiegen, sondern auch sozioökonomische Faktoren wie Lebenserwartung, Gesundheitszustand und Bildungsniveau. 

Doch gerade im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise werden die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Wirtschaftswachstum zunehmend in Frage gestellt, und alternative Arten des Wirtschaftens, die nicht auf einem Wachstum der Wirtschaftsleistung basieren, werden vielfach gefordert.  

Tatsache ist aber, dass ein Abwenden weg von Wirtschaftswachstum und damit auch weg vom System der Sozialen Marktwirtschaft keineswegs wünschenswert ist. Wirtschaftswachstum und damit einhergehend die Versorgung von Haushalten und Konsumenten mit laufend verbesserten Gütern und Dienstleistungen dient der Steigerung von Wohlstand und Lebensqualität in der Bevölkerung. Darüber hinaus ist Wachstum ein wesentliches Instrument zur Erreichung von wirtschafts- und sozialpolitischen Zielen: Die Stabilisierung von Staatsverschuldung und Reduktion von Arbeitslosigkeit sowie die nachhaltige Finanzierbarkeit der Gesundheits-, Bildungs- und Pensionssysteme ist von einer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung abhängig.

In Entwicklungsländern ist Wirtschaftswachstum unabdingbar, um Armut zu reduzieren und die Lebensbedingungen zu verbessern. Es zeigt sich, dass in jenen Ländern die Armut am stärksten gefallen ist, wo das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) am stärksten war und dass es kein Land bzw. keine Region gibt, wo ein erfolgreicher Aufholprozess gegenüber Industrieländern nicht mit einer verstärkten Integration in die Weltwirtschaft verbunden war. 

Ein System ohne Wirtschaftswachstum hingegen kann mit massiven sozialen Verwerfungen einhergehen. Verteilungskämpfe und soziale Unruhen würden daraus resultieren, dass alles, was jemandem zusätzlich gegeben wird, einem anderen erst genommen werden muss. Darüber hinaus käme es im Falle eines Nullwachstums rasch zu einer Explosion der Staatsschulden und einem wirtschaftlichen Kollaps mit entsprechenden Implikationen für Sozialsysteme sowie Bildungs- und Infrastrukturinvestitionen. 

Zweifellos hat die wirtschaftliche Dynamik der vergangenen Jahrzehnte auch zahlreiche Herausforderungen mit sich gebracht. Dazu gehören Umweltverschmutzung und der zunehmende Ressourcenverbrauch einer wachsenden Weltbevölkerung und Weltwirtschaft. Die Bewältigung dieser Herausforderungen liegt aber keineswegs in einer Abkehr von Wirtschaftswachstum, sondern vielmehr in der Setzung stärkerer Anreize zu gesellschafts- und umweltpolitisch erwünschtem Verhalten. Solche Anreize können beispielsweise saubere Technologien, Recycling und Innovationen im Umweltschutz fördern. Der technische Fortschritt führt dazu, dass bessere und umweltfreundlichere Produkte hergestellt werden. Die Entwicklung ökologischer Konzepte ist jedenfalls mit beträchtlichen Investitionen verbunden, deren Finanzierung das Wirtschaftswachstum ermöglicht und ankurbelt.

Insgesamt ist festzustellen, dass die Bewältigung gesellschaftlicher und wirtschaftspolitischer Herausforderungen nicht in einem Verzicht auf Wirtschaftswachstum oder in einem gänzlich neuen Wirtschaftssystem liegt. Vielmehr bedarf es geeigneter Rahmenbedingungen, um ein nachhaltiges Wachstum sicherzustellen, das die ökonomischen, ökologischen und sozialen Lebensgrundlagen kommender Generationen erhält und verbessert. 

Wesentlich ist dabei, dass Österreich bzw. Europa insgesamt einen nachhaltigen Wachstumspfad verfolgt. Dabei kann Wachstum in entwickelten Volkswirtschaften primär über qualitative Verbesserungen, nicht aber über quantitative Steigerungen erreicht werden. Basis dafür sind Innovationen und damit Investitionen in Forschung und Entwicklung wie auch in soziale und institutionelle Innovationen. 

Ein weiterer Aspekt in Hinblick auf „Wachstum und Wohlstand“ bezieht sich auf die Messung von Wirtschaftsleistung und Lebensqualität und damit einhergehend die Kritik am BIP als Maßstab wirtschaftlicher Entwicklung. Doch trotz aller Kritik am Bruttoinlandsprodukt ist und bleibt das BIP ein anerkanntes und weltweit verwendetes Maß, um die wirtschaftliche Dynamik in einem Land zu messen und es ermöglicht einen zuverlässigen internationalen Vergleich. Es wurde jedoch nicht als Wohlstandsmaß im engeren Sinne konzipiert. Dennoch lässt das BIP pro Kopf Rückschlüsse auf Wohlstand und Lebensqualität in einem Land zu: So korreliert das Bruttoinlandsprodukt mit wesentlichen Aspekten sozialen und gesellschaftlichen Wohlstands wie Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Bildungsniveau und Gesundheitsversorgung. Zusätzliche Indikatoren, die explizit Dimensionen wie Lebensqualität, Lebenszufriedenheit, Umweltqualität etc. messen, stellen zwar durchaus wertvolle Zusatzinformationen dar, sind aber keineswegs dazu geeignet, das BIP gänzlich zu ersetzen. 

Die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter widmet sich all diesen und weiteren spannenden Aspekten. 

Inhalt

  • Harald Badinger
    Wohlstand ohne Wachstum?

  • Samuel Rutz/Gerhard Schwarz
    Wachstum – ein natürliches Phänomen

  • Christian Keuschnigg/Christian Reiner/Andreas Schibany
    Wachstum durch Bildung, Innovation und Strukturwandel

  • Karl Aiginger
    Wachstum und Wohlstand – Alte Freunde suchen neue Partnerschaft

  • Thomas Apolte
    Wohlstand und Globalisierung

  • Ludger Wößmann
    Bildungssystem, Bildungsleistungen und Wirtschaftswachstum

  • Niklas Potrafke/Marina Riem/Christoph Schinke
    Staatsausgaben und Wirtschaftswachstum

  • Ralph Wrobel
    Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Prosperität in Europa – Ein Vergleich geokultureller Typen von Marktwirtschaften

  • Harald Mahrer
    Agenda für Wohlstand

  • Julian Dörr/Nils Goldschmidt
    Angewandte Glückforschung – Karriere eines neuen Politikfeldes?

  • Klaus Weyerstraß
    Europäische Integration fördert Wachstum und Wohlstand

  • Claus J. Raidl
    Ausstattung des österreichischen Unternehmenssektors mit Eigenkapital

Aufsätze/Essays

  • Robert Klinglmair/Birgit Aigner-Walder
    Herausforderungen am Arbeitsmarkt aufgrund der demografischen Entwicklung – Analyse am Beispiel Kärntens

Autoren

  • Elisabeth Beckmann, MSc, Abteilung für die Analyse wirtschaftlicher Entwicklungen im Ausland, Oesterreichische Nationalbank (OeNB)
  • Prof. Mag. Dr. Karl Aiginger, Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) Koordinator des Projekts WWW for Europe
  • Dr. Birgit Aigner-Walder, Senior Researcher am Institut für Höhere Studien (IHS) Kärnten sowie nebenberufliche Lektorin an der Fachhochschule Kärnten
  • Prof. Dr. Thomas Apolte ist Inhaber des Lehrstuhls für Ökonomische Politikanalyse an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
  • Univ.-Prof. Dr. Harald Badinger, Department für Volkswirtschaft, Wirtschafts-universität Wien, und Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)
  • Dipl. Pol. Julian Dörr, VWL BA, Zentrum für ökonomische Bildung (ZöBiS), Universität Siegen
  • Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Zentrum für ökonomische Bildung (ZöBiS),
    Universität Siegen
  • Mag. Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich
  • Univ.-Prof. Dr. Christian Keuschnigg, Institut für Höhere Studien
  • Dr. Robert Klinglmair, Senior Lecturer und Researcher am Institut für Volks-wirtschaftslehre der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am IHS Kärnten
  • Dr. Harald Mahrer ist Präsident der Julius Raab Stiftung. Neben seinen unter-nehmerischen Aktivitäten und seinem Engagement als Business Angel ist er als Forscher und Autor in den Themenfeldern Ordnungspolitik und Demokratie-entwicklung europaweit aktiv. Mahrer gründete den Thinktank demokratie.morgen und das METIS Institut für ökonomische und politische Forschung.
  • Niklas Potrafke, ifo Zentrum für Öffentliche Finanzen und Politische Ökonomie
  • Claus J. Raidl, Präsident der Oesterreichischen Nationalbank
  • Mag. Dr. Christian Reiner, Institut für Höhere Studien
  • Marina Riem, ifo Zentrum für Öffentliche Finanzen und Politische Ökonomie
  • Dr. Samuel Rutz ist Vizedirektor des schweizerischen Think-Tanks Avenir Suisse
  • MMag. Andreas Schibany, Institut für Höhere Studien
  • Christoph Schinke, ifo Zentrum für Öffentliche Finanzen und Politische Ökonomie
  • Dr. Gerhard Schwarz Direktor des schweizerischen Think-Tanks Avenir Suisse
  • Dr. Klaus Weyerstraß, Institut für Höhere Studien
  • Prof. Dr. Ludger Wößmann, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Bildungsökonomik, Ludwig-Maximilians-Universität München; Leiter, ifo Zentrum für Bildungs- und Innovationsökonomik, ifo Institut
  • Prof. Dr. Ralph Wrobel, Westsächsische Hochschule Zwickau


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