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Herwig W. Schneider: Die Industrie ist das Herzstück der österreichischen Volkswirtschaft

Ausgabe 3/2015 der Wirtschaftspolitischen Blätter
Stand:

Eine solide Industriebasis als Grundvoraussetzung für Wohlstand

Eine solide Industriebasis stellt eine Grundvoraussetzung für den Wohlstand und den wirtschaftlichen Erfolg Europas dar. Musste sich die Industrie lange mit dem Schlagwort De-Industrialisierung herumschlagen, so wird gegenwärtig immer wieder von Re-Industrialisierung gesprochen. Vor allem die empirische Erfahrung, dass Länder mit einer starken Industriebasis die Krise besser gemeistert haben, hat in der Europäischen Union prinzipiell ein neues Bewusstsein für die Bedeutung der Industrie hervorgerufen.  

Österreich ist eine Industrienation mit langer Industrietradition und reichhaltigem Industriekapital. 25.000 Unternehmenseinheiten mit rund 617.000 Beschäftigungsverhältnissen charakterisieren in Österreich die Industrie im engeren Sinne. In der weitesten Industrieabgrenzung sind es mehr als achtmal so viele Unternehmen bzw. aufgrund insgesamt überdurchschnittlicher Unternehmensgrößen mehr als dreimal so viele Arbeitsplätze. Insgesamt sind in Österreich mehr als 1,9 Mio. Arbeitsplätze servo-industrieller Herkunft. 

Hohes Leistungsniveau der österreichischen Industrie

Damit hat die Industrie Österreichs in den letzten Jahrzehnten trotz nicht durchwegs günstiger Standortbedingungen ein beachtliches Leistungsniveau erklommen. Auch und vor allem in der Zeit nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union (EU) hat sich gezeigt, dass Ambition, Idee und Kompetenz trotz des oft bemühten Korsetts an Strukturnachteilen zum Erfolg führen können. 

Österreich hat seine günstige Standortposition verloren

Doch das Tempo der Weiterentwicklung wesentlicher Standortfaktoren ist gerade in jüngerer Vergangenheit wenig dynamisch. Die Rahmenbedingungen reagieren zu unflexibel auf die Bedürfnisse der Unternehmen der heimischen Industrie. Industriebetriebe agieren in einem dynamischen Umfeld steigender Produkt- und Prozesskomplexität in Verbindung mit volatilen Märkten und Rahmenbedingungen.

Somit hat Österreich seine noch vor einigen Jahren sehr günstige internationale Standortposition mittlerweile verloren und rutscht immer weiter in das europäische Mittelfeld ab. Durch Langsamkeit und Unflexibilität verliert ein jeder Wirtschaftsstandort an komparativen Vorteilen, v.a. wenn sich Konkurrenzstandorte schneller und dynamischer entwickeln.  

Mangelnde Standortqualität spiegelt sich sodann zeitverzögert in sämtlichen makroökonomischen Maßzahlen wider. So korrelieren das reale Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosigkeit, die Inflationsrate, die Leistungsbilanz bis hin zu den Budgetsalden mit der Standortqualität eines Wirtschaftsstandortes im Allgemeinen bzw. des österreichischen Industriestandortes im Speziellen.  

Es bedarf eines kritischen Blicks auf Rahmenbedingungen

Jeder moderne Standort befindet sich in einem anspruchsvollen internationalen Wettstreit. Komparative Vorteile sichern die Wirtschaftskraft und damit Beschäftigung und Wohlstand. Und hier hat Österreich zurzeit Probleme. Jahr für Jahr verliert das Land an internationaler Wettbewerbsfähigkeit – in einem schleichenden und dafür umso gefährlicheren Prozess.

Handlungsfelder auf vielen Ebenen

Primäre Handlungsfelder sind v.a. in den Bereichen Gesetzgebung, Förderungen und öffentliche Verwaltung sowie im Bereich Produktionskosten zu identifizieren. Neben der Realisierung von Entlastungspotentialen für Unternehmen sowie einer Senkung des Verwaltungsaufwands bzw. einer Beseitigung von bürokratischen Hürden ist eine Mobilisierung von Fachkräften eine wichtige Maßnahme, da die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften ein wesentlicher Einflussfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit und Standortwahl von Leitbetrieben und deren umgebende Netzwerke ist. 

Die Belastungen des Faktors Arbeit – auch nach der aktuellen Steuerreform – bzw. eine mangelnde Arbeitszeitflexibilisierung sind seit Jahren als den Standort belastende Faktoren hinlänglich bekannt. Diese Handlungsfelder sind auch für die Bewertung und Auswahl eines (Produktions-)Standortes durch internationale Unternehmen entscheidend. In diesem Punkt muss Österreich versuchen, für Investoren und internationale Betriebsansiedelungen attraktiv bleiben. 

Aber auch bei der Infrastruktur (gezielte bedarfsorientierte Weiterentwicklung und Ausbau bestehender Infrastrukturen im Bereich IKT, Verkehr und Energieversorgung), im Bereich Human Resources (vorausschauende Qualifikationsplanung) sowie bei den Bedingungen für Forschung, Technologie und Innovation (Bürokratieabbau bei der F&E-Förderung und Intensivierung des Dreiecks Bildung – Forschung – Wirtschaft) gibt es Handlungsfelder, die einer großen Beachtung bedürfen. 

In einigen Bereichen wurden aktuell Maßnahmen von der Bundesregierung in Angriff genommen, z.B. im Bereich der Fachkräfteförderung oder auch der Unternehmensfinanzierung (Crowdfunding-Gesetz, Neustrukturierung der Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft etc.). Dies kann als Schritt in die richtige Richtung gewertet werden, es müssen jedoch noch weitere und größere Schritte folgen, um Österreich in die Gruppe der Top-Standorte (zurück) zu führen.    

Autoreninformation 

DDr. Herwig W. Schneider

DDr. Herwig W. Schneider

DDr. Herwig W. Schneider ist Volkswirt sowie Politikwissenschaftler und leitet das IWI seit zwölf Jahren sowohl in der Funktion des angewandt-wissenschaftlichen Leiters als auch als kaufmännischer Geschäftsführer. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen in der Wachstums-, Struktur- und dabei insbesondere Industrieökonomie.




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