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2015/4 Unsicherheit und Volatilität

Wirtschaftspolitische Blätter
Stand:

Editorial

Mag. Anna Maria Hochhauser

Unsere Welt ist durch zunehmende Unsicherheit, Volatilität, Komplexität und Ambivalenz gekennzeichnet. Immer neue schockartige wirtschaftliche Entwicklungen, Ölpreisschocks, geopolitische Risiken und Konflikte, Panik auf den Finanzmärkten und andere negative Ereignisse erhöhen die Unsicherheit über künftige politische und wirtschaftliche Entwicklungen. Darüber hinaus kam es in den letzten Jahren auf den Rohstoff-, Energie- und Agrarmärkten zu heftigen Preisausschlägen, was die Inflationserwartungsunsicherheit erhöht hat. Insbesondere seit dem Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 hat die Unsicherheit von Unternehmen, Haushalten und Entscheidungsträgern enorm zugenommen und in weiterer Folge erhebliche volkswirtschaftliche Kosten mit sich gebracht. 

Die Verunsicherung und die Angst der Ansteckungsgefahr in Europa, in den USA und anderen Teilen der Welt trägt – über eine Vielzahl von Wirkungskanälen - maßgeblich zur zögerlichen wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre bei. Da- mit sind hohe volkswirtschaftliche Kosten, aber auch große Chancen verbunden. 

Für Unternehmen und Haushalte wird es immer schwieriger, weitreichende strategische Entscheidungen zu treffen. Stattdessen werden Investitionen sowie der Kauf von langlebigen Konsumgütern aufgeschoben und abgewartet, wie sich die Zukunft entwickelt. Steigende Unsicherheit kann darüber hinaus zu einer Reduktion der Kreditvergabe führen. Denn höhere Unsicherheit steigert die Wahrscheinlichkeit, dass Firmen in die Insolvenz gehen, und dementsprechend verlangen Investoren und Gläubiger höhere Risikoprämien, um für das gestiegene Ausfallsrisiko kompensiert zu werden. Darüber hinaus beeinflussen die neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel III) bzw generell die neuen Bankenregulierungen die Liquidität der Banken. Die damit einhergehende höhere Risikovorsorge kann die Kreditvergabe spürbar bremsen. Durch all diese Effekte kann es zu Investitionsstau, Arbeitslosigkeit und ausbleibendem Strukturwandel kommen. Insbesondere die Zurückhaltung bei Investitionen wird in Europa zunehmend zum Problem. 

Darüber hinaus können unsichere Zeiten zur Folge haben, dass Firmen zögern, in neue Auslandsmärkte zu investieren und zu exportieren. Vor allem bei Exporten in Länder mit hohem Länderrisiko werden potenziell rentable Exportgeschäfte häufig nicht realisiert. 

Generell spielt die Stabilität von Rahmenbedingungen für Unternehmen nicht nur im Falle von Exporten, sondern insbesondere auch bei deren Standortwahl eine bedeutende Rolle. Unternehmen, die über einen Standort entscheiden, werden die aktuell vorherrschenden politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen bewerten, aber auch Erwartungen darüber bilden, wie stabil die Rahmenbedingungen in der Zukunft tendenziell sein werden. Zu den wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen gehören die Wirtschafts- und Eigentumsverfassung, die Regulierung wirtschaftsrelevanter Bereiche wie zB Arbeitsmarktregulierungen oder Betriebsanlagengenehmigungen sowie die mit diesen Regulierungen einhergehende Bürokratie.

Die meisten Unternehmen streben Standorte an, die ihnen ein möglichst großes Maß an Planungssicherheit gewähren. Die Planungs- und Rechtssicherheit kann erheblich dadurch erschwert werden, dass Gesetze allzu schnell geändert werden können und laufend eine schier unübersichtliche Zahl neuer Regelwerke geschaffen wird. Eine stabile Wirtschaftsordnung erfordert hingegen Rechtssicherheit, Vertrauen und Handlungsfreiheit.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass auch die kommenden Jahre unter dem Einfluss hoher Unsicherheit stehen werden und die Notwendigkeit mit sich bringen, die unterschiedlichen Aspekte von Unsicherheit zu analysieren, mögliche Effekte zu antizipieren und entsprechende Strategien zu einer erhöhten Resilienz zu entwickeln. Dafür ist die konsequente Fortsetzung und Weiterentwicklung von Strukturreformen essentiell. Genau in diesem Bereich verbergen sich die Chancen, die Unsicherheit und Volatilität mit sich bringen: nämlich dieses unsichere und volatile Umfeld und die damit einhergehenden Umstände zu nutzen, um Veränderungen durchzusetzen, die unter „normalen“ oder „business-as-usual“-Szenarien von Entscheidungsträgern nicht gewagt werden würden und daher gar nicht möglich wären.

Mit diesen unterschiedlichen Aspekten von Unsicherheit und Volatilität beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter.

Inhalt

  • Ansgar Belke: Unsicherheit und der Optionswert des Wartens - Anwendungen aus der Ökonomie

  • Christian Grimme/Steffen R. Henzel/Said B. Bonakdar: Zum Einfluss von Unsicherheit auf die deutsche und österreichische Konjunktur

  • Michael Berlemann: Stabilität politischer und rechtlicher Rahmenbedingung und Standortwahl von Unternehmen

  • Heinz Zimmermann: Regulierung, Transparenz und Unsicherheit auf Finanzmärkten

  • Leef H. Dierks: Wie Volatilität Unsicherheit begünstigt - und was die Finanzmärkte signalisieren

  • Burkhard Raunig: Unsicherheit und die Kreditvergabe durch Banken: Empirische Evidenz

  • Andrej Drygalla/Stefan Gießler/Oliver Holtemöller: Konjunkturelle Effekte des Ölpreisfalls in den Jahren 2014 bis 2016

  • Fabio Rumler/Maria Teresa Valderrama: Uncertainty of Inflation  Expectations – Evidence for Austria

  • Erdal Yalcin/Alexander Sandkamp: Die Bedeutung von Exportkreditgarantien in unsicheren Absatzmärkten – am Beispiel Deutschlands

  • Burkhard Schwenker: Über gute Strategie: Ein Blick in die strategische Natur der Ungewissheit

  • Freier Beitrag von Paul JJ Welfens: EU-Osterweiterung: Anpassungsprozesse, Binnenmarktdynamik und Euro-Perspektiven 

Autoren

  • Univ.-Prof. Dr. Ansgar Belke, ad personam Jean Monnet Chair und Fakultät für Wirtschaftswissenschaften; Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insb Makroökonomie und Direktor des Instituts für Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft (IBES); Research Fellow am Centre for European Policy Studies (CEPS), Brüssel und Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), Bonn.

  • Prof. Dr. Michael Berlemann ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Politische Ökonomik und Empirische Wirtschaftsforschung an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Forschungsprofessor am ifo Institut für Wirtschaftsforschung und Mitglied des CESifo Netzwerkes.

  • Said B. Bonakdar, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

  • Prof. Dr. Leef H. Dierks ist Inhaber der Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzierung und Internationale Kapitalmärkte an der Fachhochschule Lübeck. Zu den bevorzugten Forschungsgebieten zählen neben der Dynamik von Finanzmarktkrisen die internationale Geldpolitik, die europäische Banken- und Kapitalmarktunion sowie die Entwicklung der Finanzierungsbedingungen in Europa.

  • Andrej Drygalla ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Makroökonomik des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

  • Stefan Gießler ist Doktorand am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Volkswirtschaftslehre, insb Makroökonomik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

  • Christian Grimme, ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.

  • Prof. Dr. Steffen R. Henzel, Munich University of Applied Sciences, ifo Institut – Leibnitz- Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V., CESifo

  • Mag. Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich

  • Prof. Dr. Oliver Holtemöller ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insb Makroökonomik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und stellvertretender Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), er leitet dort die Abteilung Makroökonomik.

  • Dr. Burkhard Raunig ist Ökonom in der Abteilung für Volkswirtschaftliche Studien der Oesterreichischen Nationalbank. Seine Forschungsschwerpunkte sind empirische Finanz- marktanalyse, Finanzmärkte und die reale Ökonomie, sowie angewandte Ökonometrie.

  • Fabio Rumler works at the Oesterreichische Nationalbank (OeNB) since 2000 and has pub- lished numerous articles in the fields of inflation and price setting. He is also involved in the inflation forecasting process of the OeNB and contributes to regular inflation reports of the OeNB.

  • Alexander Sandkamp ist Doktorand am ifo Zentrum für Außenwirtschaft. Er hält einen MSc in Economics der London School of Economics sowie einen MSc in Managerial and Financial Economics der HEC Paris.

  • Prof. Dr. Burkhard Schwenker ist seit Juli 2015 Chairman of the Advisory Council von Roland Berger. Zuvor war er Vorsitzender des Aufsichtsrates (2010–2013; 2014–2015) und langjähriger CEO (2003–2010; 2013–2014) der Strategieberatung. Neben einer Reihe ehrenamtlicher Tätigkeiten in Stiftungen und Verbänden lehrt Burkhard Schwenker strategisches Management an der HHL, der Leipzig Graduate School of Management und ist Akademischer Co-Direktor des HHL Center for Strategy and Scenario Planning. Nach seinem Studium der Mathematik und Betriebswirtschaftslehre, ersten beruflichen Stationen bei den PWA Papierwerken Waldhof-Aschaffenburg AG und seiner Promotion kam er 1989 zu Roland Berger und wurde 1992 zum Partner gewählt. Inhaltlich steht Burkhard Schwenker für die Beratungsschwerpunkte Strategie, Organisation und Unternehmenstransformation. Burkhard Schwenker ist anerkannter Publizist und verfasst regelmäßig Bücher und Beiträge zu aktuellen Themen im Bereich Strategie und Führung sowie zu wirtschafts- und industriepolitischen Fragestellungen.

  • Maria Teresa Valderrama also works in the Economic Analysis Division of the Oesterreichis- che Nationalbank since 2000. She has published extensively in the fields of monetary policy and inflation expectations.

  • Prof. Dr. Paul JJ Welfens, Präsident des Europäischen Instituts für internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW) an der Bergischen Universität Wuppertal; Jean Monnet Chair und Lehrstuhl Makroökonomik, Non-resident Senior Research Fellow at AICGS/Johns Hopkins University, Washington DC; IZA Research Fellow, Bonn. Prof. Dr. Welfens ist Mitherausgeber des Journals „International Economics and Economic Policy“. Er gilt als einer der meistpublizierten Volkswirte Deutschlands.

  • Dr. Erdal Yalcin ist stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft in München. Seine aktuelle Forschung befasst sich mit den Auswirkungen von Unsicherheit auf die internationale Handelspolitik, mit internationalen Handelsabkommen und mit dem Zusammenspiel von Outsourcing und Firmendynamik. Er wurde an der Universität Tübingen mit einer Arbeit zu der Rolle von Unsicherheit bei ausländischen Direktinvestitionen promoviert.

  • Prof. Dr. Heinz Zimmermann, Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum WW|Z, Universität Basel, Schweiz  

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