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Michael Christl, Dénes Kucsera: Reformoptionen des österreichischen Pensionssystems und ihre finanziellen Auswirkungen

Ausgabe 3/2015 der Wirtschaftspolitischen Blätter
Stand:

Die österreichische Pflichtversicherung für Pensionen besteht aus dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (dieses gilt für den weitaus größten Teil der Bevölkerung), dem Bauern-, dem Freiberuflich-Selbständigen- und dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz. Jeder Arbeitnehmer im ASVG-Bereich zahlt 10,25 % seines Bruttolohnes ein, zusätzlich werden 12,55 % vom Arbeitgeber einbezahlt, insgesamt monatlich 22,8 % des Bruttolohns.  

Zentrales Element ist ein fiktives Pensionskonto

Zentrales Element ist ein fiktives Pensionskonto, auf das jeder Versicherte einzahlt. Das System beruht auf dem Grundsatz, dass jeder Versicherte ab dem Alter von 65 und nach 45 Beitragsjahren 80 % des durchschnittlichen Bruttolohns seines Arbeitslebens als Pension ausbezahlt bekommt (Formel 45/65/80). Wer früher in den Ruhestand geht, muss mit Abschlägen rechnen, wer länger arbeitet, bekommt Zuschläge. Diese Abzüge können je nach Art der Pension (Invaliditätspension, „Hacklerregelung“, Korridorpension, usw.) stark variieren. Auch die Deckelung kann sehr unterschiedlich ausfallen. 

Das Geld auf dem Pensionskonto wird mit der Wachstumsrate des Durchschnittslohns verzinst. Laufende Pensionszahlungen werden üblicherweise an die Inflation angepasst, um einem Verlust des Lebensstandards der Pensionisten über den Zeitverlauf entgegenzuwirken. Zusätzlich ist eine Mindestpension  garantiert.  

Das österreichische Pensionssystem ist nicht nachhaltig

Das österreichische Pensionssystem zeigt sich auf Basis dieser Fakten nicht nachhaltig, wie sowohl von der Europäischen Kommission als auch von der OECD kritisiert wird. Demographische Entwicklungen wie niedrigere Fertilität, steigende Lebenserwartung, die Pensionierung der Baby-Boom-Generation in Kombination mit einem stagnierenden Pensionsantrittsalter beeinflussen die Ein- und Auszahlungen in das System substanziell.

Politische Maßnahmen in Form von steigenden Bundesbeiträgen sind Indiz dafür, dass das System über den Staat finanziert werden muss und somit zu einem kontinuierlichen Anstieg der Staatsverschuldung beiträgt. Das österreichische Umlageverfahren kommt also aus dem Gleichgewicht und in der Folge muss der Staat bzw. die Politik eingreifen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: ein höheres (effektives oder gesetzliches) Pensionsantrittsalter, höhere Pensionsbeiträge, geringere Pensionen oder einen noch höheren Zuschuss aus dem Budget - oder eine Kombination aus diesen fünf Möglichkeiten.  

Im Beitrag in den Wirtschaftspolitischen Blättern wird untersucht, wie sich die demographischen Entwicklungen auf die Finanzierbarkeit des österreichischen Pensionssystems auswirken. Des Weiteren werden die Möglichkeiten aufgezeigt, um die bereits jetzt relativ hohen, nicht gedeckten Ausgaben zumindest stabil zu halten.  

Ohne Reformen steigen die staatlichen Zuschüsse

Es kann gezeigt werden, dass das österreichische Pensionssystem ohne größeren Eingriff nur durch vermehrte staatliche Zuschüsse finanzierbar bleibt. Selbst der Anstieg des effektiven Pensionsantrittsalters auf die vorgesehenen 65 Jahre wird nicht ausreichen, um das System im aktuellen Gleichgewicht zu halten.

Will man das aktuelle System vor der kommenden demographischen Mehrbelastung schützen, so muss das gesetzliche Pensionsantrittsalter zumindest an die Lebenserwartung angepasst werden. Ein Anstieg um zwei Monate pro Jahr könnte hier eine beachtliche finanzielle Entlastung bringen. Eine Nichtberücksichtigung der zukünftigen Belastungen durch das Pensionssystem würde einen starken Anstieg der öffentlichen Schulden mit sich bringen, was sich wiederum negativ auf langfristiges Wachstum auswirken könnte. 

Die Einführung eines Automatismus gewährleistet Nachhaltigkeit  

Um das gewährleisten zu können, wäre die Einführung eines Automatismus mit Berücksichtigung der Lebenserwartung notwendig. Dieser würde die demographische Belastung der kommenden Jahre (Pensionierung der Baby-Boomer) abfedern und auch den Anstieg der Lebenserwartung korrigieren.  

Die Anpassung kann relativ einfach durch das Anheben des gesetzlichen Pensionsantrittsalters geregelt werden. Wird dieses um zwei Monate pro Jahr angehoben und steigt das effektive Pensionsantrittsalter im selben Ausmaß, so würde sich die zusätzliche Belastung für das Bundesbudget in Grenzen halten. Würde man das gesetzliche Pensionsantrittsalter um drei Monate pro Jahr anheben, so ergäbe sich bis 2045 keine Mehrbelastung im Pensionsbereich.  

Ein Automatismus zur Anpassung der 45/65/80-Formel an die Lebenserwartung (zumindest um zwei Monate pro Jahr) wäre somit eine sinnvolle Möglichkeit, das Pensionssystem auch mittelfristig stabil zu halten. Dazu müsste lediglich die Lebenserwartung in das gesetzliche Pensionsantrittsalter einfließen. 

Will man innerhalb des Bundesbudgets keine Umschichtungen zum Pensionsbereich vornehmen, so ist eine Reform des österreichischen Pensionssystems unumgänglich.   

Autoreninformation 

Michael Christl

Michael Christl

Geboren 1987, studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und Quantitative Finance an der WU Wien. Er ist Ökonom beim österreichischen Think Tank Agenda Austria mit Forschungsschwerpunkten im Bereich Arbeitsmarkt und Pensionssysteme.  



Dénes Kucsera

Dénes Kucsera

Geboren 1984, studierte Volkswirtschaftslehre an der WU Wien und am Institut für Höhere Studien (IHS) mit Dissertationsschwerpunkt im Bereich der Regulierungsökonomie. Er ist Ökonom beim österreichischen Think Tank Agenda Austria mit Forschungsschwerpunkten im Bereich Arbeitsmarkt und Pensionssysteme.




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