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Brigitte Ecker, Helmut Gassler: Forschung und immaterielle Investitionen als zentrale Elemente für die Zukunftssicherung moderner Volkswirtschaften

Ausgabe 1/2016 der Wirtschaftspolitischen Blätter
Stand:

Forschung als Zukunftsinvestition

Moderne Volkswirtschaften sind an die technologische Grenze gekommen und müssen vor allem in Bildung, Innovation und Strukturwandel investieren, um diese Grenze weiter auszuweiten. Gerade die Forschung muss als Zukunftsinvestition angesehen werden. Denn schließlich ist die Wissenschaft ein wichtiger Impulsgeber für Innovation, und Innovation der wichtigste Wirtschaftsmotor in hochentwickelten Volkswirtschaften. 

Österreich holte in den vergangen 15 Jahren im Bereich F&E stark auf

Österreich hat in den letzten 15 Jahren zu den führenden Innovationsnationen aufgeschlossen. Nicht zuletzt der EU-Beitritt und die Implementierung großer Strukturprogramme führten zu einer starken Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen F&E-Intensität (F&E-Aufwendungen in Relation zum BIP). Konkret ist die F&E-Quote von 1,53 % im Jahr 1994 auf 3,01 % im Jahr 2015 gestiegen, womit Österreich heute deutlich über dem EU-15-Durchschnitt (2,08 %) und dem OECD-Durchschnitt (2,37 %) liegt. 

Anschluss an Innovations-Benchmarks noch nicht ganz gelungen

Diese Entwicklung zeigt, dass sowohl der Unternehmenssektor als auch die öffentliche Hand in Österreich ihre Ausgaben für F&E über die Jahre ausgeweitet haben. Die F&E-Ausgaben der Unternehmen lagen im Jahr 2015 mit einem Anteil von 1,42 % klar über dem Schnitt der EU-15 (1,15%), allerdings im Vergleich zu Schweden (2,02%) und Finnland (1,7%) oder auch Dänemark und Deutschland auf einem niedrigeren Niveau.

Somit ist trotz der dynamischen Entwicklung der F&E-Aktivitäten des österreichischen Unternehmenssektors in den vergangenen Jahren Österreich diesbezüglich der Anschluss an die Benchmarks der Innovation Leader noch nicht ganz gelungen. Allerdings ist bei der Interpretation solcher internationalen Vergleiche auch immer der nationalspezifische Kontext zu berücksichtigen. So auch in diesem Fall, wo es zu berücksichtigen gilt, dass die Produktionsstruktur in Österreich von der sogenannten „Mittelhochtechnologie“ geprägt ist, während in einigen Innovation Leader Ländern die IKT-Industrie prägend ist.  

Wissenschaftsgetriebene Innovationen und Technologien auf dem Vormarsch

Ein Charakteristikum solch führender Innovationsnationen besteht darin, dass Innovationen und Technologien zunehmend „wissenschaftsgetrieben“ sind. Der Wettbewerb zwischen hochentwickelten Volkswirtschaften wird vor allem durch Investitionen in langfristig ausgerichtete Forschung, die Entwicklung von Spitzentechnologien sowie globale Vernetzung bestimmt. Dies betrifft vor allem die „wissenschaftsnahen“ Wirtschaftszweige wie Pharma/ Biotechnologie und IKT, aber auch die Wirtschaftszweige der „Mittelhochtechnologie“ wie Maschinenbau oder Metallverarbeitung. 

Wissensbasiertes Kapital von enormer Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit

Somit ist wissensbasiertes Kapital (oder „intangible assets“ bzw. „knowledge based capital“) in hochentwickelten Gesellschaften und Ökonomien eine der zentralen Ressourcen geworden. Neben dem physischen Kapitalstock ist nunmehr offensichtlich auch der immaterielle Kapitalstock von enormer Bedeutung für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Zum Aufbau und Erhalt dieser Ressourcen sind – analog zum physischen Kapitalstock – einschlägige Investitionen notwendig. Darunter zählen beispielsweise Ausgaben für Software und Informationsaufbereitung, Copyrights, Marken und Designs, sowie Ausgaben für Organisations- und Humankapital. 

Immaterielle Investitionen wachsen überproportional

Immaterielle Investitionen haben in den vergangen Jahren einiges an Bedeutung gewonnen und sind überproportional gewachsen. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung hat sich gegenüber 1995 stark erhöht. Empirische Analysen zeigen, dass diese Investitionskategorie in einigen Ländern bereits ein größeres Ausmaß erreicht hat als die physischen Investitionen (z.B. Gebäude, Maschinen und Anlagen). 

Geänderte Bewertungsperspektive des BIP berücksichtigt immaterielle Investitionen

Basierte die Berechnung des BIP bislang hautsächlich auf materiellen Leistungen, so hat sich die Bewertungsperspektive mit der im September 2014 in Kraft getretenen überarbeiteten Version des Europäischen Systems Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESGV) 2010 geändert. Dem zugrunde liegt das ökonomische Verständnis, dass F&E-Ausgaben als Investitionen in einen F&E-Kapitalstock angesehen und immaterielle Investitionen damit verstärkt berücksichtigt werden.  

Aufholbedarf für Österreich bei immateriellen Investitionen

In Betracht dieser Änderung muss man der Frage nachgehen, inwieweit Österreich bezüglich immaterieller Investitionen der Stellung als hochentwickelte Volkswirtschaft gerecht wird. Trotz der positiven Entwicklung der Forschungsquote zeigt Österreich in diesem Bereich eine geringere Dynamik und weist einen Aufholbedarf gegenüber jenen Ländern auf, die üblicherweise bei innovationssystemorientierten Betrachtungen als Vorbilder dienen. Auch Förderungen sollen in Zukunft verstärkt einen Fokus auf immaterielle Vermögenswerte legen, um die Schaffung eines optimalen Innovationsumfelds zu unterstützen.   

Autoreninformation 

Dr. Brigitte Ecker ist Wirtschaftswissenschaftlerin und seit 2013 als Senior Researcher in der Angewandten Ökonomie und Finanzwirtschaft des Instituts für Höhere Studien Wien tätig. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Empirische Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsforschung und FTI-Politikanalyse. 


Brigitte Ecker


Mag. Helmut Gassler ist Regionalökonom und seit 2013 am Institut für Höhere Studien Wien tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Analyse des technologischen Wandels und dessen Einfluss auf die regionale und nationale Wirtschaftsdynamik, im Bereich der Unternehmensgründungen sowie im internationalen Vergleich von Technologiepolitiksystemen.


Helmut Gassler


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