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Freiheit und Verantwortung: Alle Beiträge und Autoren

Abstracts zur Ausgabe 3-4/2014 der Wirtschaftspolitischen Blätter
Stand:

Inhalt



Erich Weede: Wirtschaftliche Freiheit – Hintergrundbedingungen, Auswirkungen und Gefährdungen  

Obwohl die Bedeutung der Freiheit für Prosperität und Wohlstand immer wieder betont wird, findet in den modernen westlichen Gesellschaften eine schleichende Erosion von Freiheitsrechten statt. Der Widerstand aus der Bevölkerung dagegen ist allerdings mo- derat. Im Gegenteil, Initiativen zur Senkung der Freiheit, geschickt getarnt als Schutz- maßnahmen gegen Ausbeutung, (Selbst-)Schädigung und Umweltbelastungen finden breite Zustimmung. Offenbar verbinden sich der Wunsch nach Sicherheit und Bewahrung des Erreichten auf Seiten der Bevölkerung mit dem Ziel des Machterhalts bei den Regie- renden und der Verwaltung. Dieser Beitrag versucht, den starke Ausbau des Wohlfahrts- staates in Deutschland seit den späten 1960er Jahren zu erklären und leitet daraus die These ab, dass er zu einer massiven Einschränkung individueller Freiheiten vieler führt, der Preis des Sozialen also die Freiheit ist. Gleichzeitig ist diese Intensivierung des Wohl- fahrtsstaates auch eine Folge der Furcht vieler, für ihre eigenes Handeln die Verantwor- tung zu tragen; damit geben sie freiwillig Freiheit ab.

Autoreninformation: Univ.-Prof. Dr. Erich Weede ist emeritierter Professor für Soziologie, Universität Bonn.

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Andreas Freytag: Freiheit als Preis des Sozialen in der Sozialen

Obwohl die Bedeutung der Freiheit für Prosperität und Wohlstand immer wieder betont wird, findet in den modernen westlichen Gesellschaften eine schleichende Erosion von Freiheitsrechten statt. Der Widerstand aus der Bevölkerung dagegen ist allerdings mo- derat. Im Gegenteil, Initiativen zur Senkung der Freiheit, geschickt getarnt als Schutz- maßnahmen gegen Ausbeutung, (Selbst-)Schädigung und Umweltbelastungen finden breite Zustimmung. Offenbar verbinden sich der Wunsch nach Sicherheit und Bewahrung des Erreichten auf Seiten der Bevölkerung mit dem Ziel des Machterhalts bei den Regie- renden und der Verwaltung. Dieser Beitrag versucht, den starke Ausbau des Wohlfahrts- staates in Deutschland seit den späten 1960er Jahren zu erklären und leitet daraus die These ab, dass er zu einer massiven Einschränkung individueller Freiheiten vieler führt, der Preis des Sozialen also die Freiheit ist. Gleichzeitig ist diese Intensivierung des Wohl- fahrtsstaates auch eine Folge der Furcht vieler, für ihre eigenes Handeln die Verantwor- tung zu tragen; damit geben sie freiwillig Freiheit ab.

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Ulrich E. Zellenberg: Staat und Politik im Spannungsfeld von Verantwortungsüberlastung und Verantwortungsvermeidung

Der Begriff Verantwortung ist im 20. Jahrhundert aufgrund gesellschaftlicher Modernisierung und der daraus resultierenden normativen Ratlosigkeit zu einer zentralen Kategorie moralisch-politischer Diskurse aufgestiegen. Der Ruf nach Verantwortung ertönt, wenn ein Problem keinem konkreten Verursacher angelastet werden kann. Das hat zur Folge, dass dem Staat immer mehr Aufgaben und Pflichten überbürdet werden, während parallel dazu Strukturen entstehen, die vorhandene Verantwortlichkeiten von Amtsträgern und Politikern aufspalten und verbergen. Zudem lässt sich beobachten, dass es – manifest in der Etablierung der Doktrin des „too big to fail“ – einzelnen Marktteilnehmern durch Regulierungsmaßnahmen ermöglicht wird, unverhältnismäßige Risiken einzugehen, ohne deren Folgen verantworten zu müssen, da diese auf die Steuerzahler über- wälzt werden können. Angezeigt sind daher Strukturreformen, die Entscheidung und Haftung auf allen Ebenen wieder zusammenführen und klare Verantwortlichkeiten herstellen.

Autoreninformation: Dr. Ulrich E. Zellenberg ist Mitarbeiter der Wirtschaftskammer Österreich.

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Dominik H. Enste/Mara Ewers/Marie Möller: Freiheit und Wohlbefinden – Wie beeinflussen Regulierungen Wohlstand und Lebenszufriedenheit? – Eine Analyse auf Basis von internationalen Umfrage- und Regulierungsdaten

In diesem Beitrag wird das Ausmaß der staatlichen Beeinflussung durch Vorschriften sowie direkte Eingriffe des Staates in Marktabläufe, die als Regulierungen bezeichnet werden in 28 OECD-Ländern dargestellt. Theoretisch und empirisch wird untersucht, welchen Einfluss Regulierungen auf Wohlstand und Lebenszufriedenheit haben. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Regulierungen in den Bereichen Produkt- und Dienst- leistungs-, Kapital- und Arbeitsmarkt. Im Ergebnis zeigt sich, dass zu starke Regulierungen eher wohlstandshemmend wirken und negativ mit der Lebenszufriedenheit korreliert sind.

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Peter Altmiks: Bildung und Fortschritt 

Der Zusammenhang zwischen Bildung und Fortschritt ist offensichtlich. Nur gebildete Bürger können Fortschritt ermöglichen. Eine umfangreiche Bildung der Bevölkerung gilt als ein entscheidender Einflussfaktor für die Entwicklung eines Staates. Die Produktivität sowie Innovationsfähigkeit der Bevölkerung können durch Investitionen im Bildungs- und Gesundheitssektor gesteigert werden. Dadurch wird auch die wirtschaftliche Entwicklung gefördert. Zudem sind qualifizierte und über eine gute Bildung verfügende Arbeitnehmer in einer globalisierten Weltwirtschaft ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Unsere Wirtschaft basiert maßgeblich auf Bewahrung und Schöpfung von Wissen. Dabei hat sich die „Halbwertzeit“ von Wissen zunehmend verringert, so dass Produkte und Prozesse immer schnelleren Innovationszyklen unterliegen. Eine moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft kann sich kein mangelhaftes Bildungssystem leisten. Erfolg- reiche Forschung ist ohne gute Bildung nicht zu erreichen.

Autoreninformation: Dr. Peter Altmiks ist Referent für Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Soziales und Bildung im Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF)

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Birger P. Priddat: Freiheit und Verantwortung. Ein Mythos 

Freiheit und Verantwortung bilden ein älteres Modell, das voraussetzt, dass die beteiligten Akteure die Interessen der anderen mitreflektieren. In modernen Märkten wird das nicht vorausgesetzt, so dass die Verantwortung an den Staat delegiert wird. Dagegen werden neuerdings Modelle gemeinschaftlicher shared economies gesetzt. Was daran„gemeinschaftlich“ ist, hat nichts mit älteren Formen zu tun, sondern beruht auf einer liquid solidarity, die instabil ist.

Autoreninformation: Univ.-Prof. Dr. Birger P. Priddat, Lehrstuhl für Volkswirtschaft und Philosophie an der Universität Witten/Herdecke. Forschungsschwerpunkte: institutional economics, Theoriegeschichte der Ökonomie, Wirtschaftsphilosophie, Zukunft der Arbeit, cultural economics.

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Gerd Habermann: Der Wohlfahrtsdespotismus kehrt zurück 

Der Aufsatz zeigt Parallelen und Unterschiede zwischen dem älteren Wohlfahrtsstaat der Könige (namentlich Preußens) und dem modernen Wohlfahrtsstaat der Demokratie auf. Parallelen bestehen in der Ambition beider Gebilde, für das „Glück“ und die materielle Sicherheit der Untertanen zu sorgen und sie insoweit der Selbstverantwortlichkeit und der Selbsthilfe zu entheben. So sind die staatlichen Vorsorgeeinrichtungen zwar teilweise unterschiedlich organisiert (zB im 18. Jahrhunderte mehr über Magazine oder Preisregulierungen von Lebensmitteln als über Sozialversicherungen), aber beide gehen über Verbraucherschutzpolitik (Tabak, Drogen, Glücksspiel) hinaus. Einschränkungen der Meinungs- und Vertragsfreiheit, namentlich im Arbeitsrecht, und in der Familienpolitik greifen tief in die Privatautonomie hinein.

In der Durchsetzung eines Ideals der von oben zuteilenden sog. sozialen Gerechtigkeit und Gleichheit (gleiche Startbedingungen,„soziale Inklusion“) geht der demokratische Wohlfahrtsstaat inzwischen entschieden weiter als sein Vorgänger. Ein wichtiger Unterschied ist der Verzicht einer Perspektive der „Erziehung zur Freiheit“ im modernen Wohlfahrtsstaat, während die idealistischen königlichen Beamten dies zB im Allgemeinen Preußischen Landrecht von 1794 zum Ziel machten. Der moderne Wohlfahrtsstaat geht von einem offenbar unvermeidlich fortschreitenden sozialen Sicherungs- und Regulierungsbedarf aus.

Autoreninformation: Prof. Dr. Gerd Habermann, Wirtschaftsphilosoph und Publizist, Berlin/Werder, studierte an den Universitäten Frankfurt, Wien, Tübingen und Konstanz die Fächer Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Politische Wissenschaft, Philosophie und Volkswirtschaft. Seit 2003 Honorarprofessor an der Universität Potsdam. Ferner Sekretär und Mitgründer der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft e.V., Vorstandsvorsitzender der Friedrich A. von Hayek-Stiftung und Mitglied der Mont Pelèrin Society (seit 1998). Scholar Adjunct des Mises-Instituts, Auburn (Alabama).

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Helmut Eymannsberger: Freiheit und Verantwortung sind Geschwister 

Die historischen Entwicklungslinien des Bürgertums zeigen klar auf, dass ohne unternehmerisch tätige Menschen der von ständischen Rechten und Vorrechten geprägte Feudalismus letztlich kaum oder erst sehr viel später überwunden hätte werden können. Das wirtschaftlich geprägte Bürgertum erkämpfte sich seit dem Mittelalter Freiheiten, ohne die etwa ein Fernhandel, Überseehandel etc undenkbar erschienen. Diese Freiheiten gingen (später) einher mit Fortschrittlichkeit und Vernunft, Leistung und Bildung. Das Bürgertum entwickelte sich zu einem wichtigen Teil der Mitte der Gesellschaft, die im letzten Jahrhundert aufgrund gestiegener Bildung, Wohlstandzuwächsen und gestiegenem Lebensstandard immer breiter wurde.

Der Mittelstand bzw die Mittelschicht forderte nicht nur politische Mitentscheidung, sondern trug und trägt in vielen Bereichen der Gesellschaft Verantwortung. Diese äußert sich in Form von Selbsthilfe und Selbstorganisation, sozialem und kulturellem Engagement über die Verantwortung des Unternehmers für seine Mitarbeiter, seine Umwelt bis hin zu den Lieferantenbeziehungen und insbesondere an der Beteiligung am Wettbewerb. Dadurch trägt letztlich die Wertegemeinschaft „Mittelstand“ Staat und Gesellschaft. 

Autoreninformation: Mag. Helmut Eymannsberger ist Leiter der Stabstelle Wirtschafts- und Standortpolitik in der Wirtschaftskammer Salzburg und befasst sich beruflich insbesondere mit Fragen der regionalen Wirtschaftspolitik, Energie, Infrastruktur und Verkehrspolitik sowie regionalen FTI-Agenden. Außerdem fungiert er ua als Vorsitzender der Franz Triendl-Stiftung für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, als Mitglied des Beirats des Zentrums für Humane Marktwirtschaft und als Lehrbeauftragter an der FH Salzburg

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Ulrike Bechtold/Harald Wilfing: Freiheit und Verantwortung – Gedanken über den Freiheitsbegriff im Spannungsfeld nachhaltiger Entwicklung 

In demokratischen Systemen geht es immer um den Freiheitsdiskurs: was kann, darf, soll der Einzelne tun und wie kann, darf, soll die politische Entscheidungsebene damit umgehen? Das ist der Treibstoff des politischen Systems. Der Freiheitsbegriff, um den es hier geht, ist kein festgeschriebener, sondern ein unabgeschlossener. Verschiedene Zugänge und Deutungsebenen werden hier illustriert.

Die Implikationen, die sich aus dem unabgeschlossenen Begriffsdiskurs ergeben, werden für Partizipation im Bereich Nachhaltige Entwicklung, für eine konkrete Umsetzung der Anforderungen der Energie- wende, betrachtet: Die Argumente der BefürworterInnen und GegnerInnen etwa, die in einem Beteiligungsverfahren auftauchen, das dem Bau eines Windparks vorausgeht, sind vielfältig und mitunter auf sehr unterschiedlichen Informationsniveaus angesiedelt. Hier stellt sich jedenfalls die Frage nach der Bedeutung der Freiheit des Einzelnen in Bezug auf die Anforderungen und Notwendigkeiten einer nachhaltigen Gesellschaft: Inwieweit ist es die Freiheit des Einzelnen, die die weitere Vorgehensweise prägend beeinflusst, und wo genau liegen die Grenzen, wenn das Interesse der Gemeinschaft den individuellen Interessen gegenüberstehen?

Autoreninformation:

  • Mag. Dr. Ulrike Bechtold ist promovierte Humanökologin und seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in den Bereichen Technologie und Nachhaltigkeit
  • Univ.Prof. Dr. Harald Wilfing ist Leiter des Departments für Anthropologie der Universität Wien und Leiter der Forschungsgruppe Humanökologie, die sich mit gesellschaftlichen Transitionen im Bereich Nachhaltigkeit, Koevolution in sozialen Systemen und Kulturlandschaftsforschung beschäftigt.


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Hartmut Kliemt: Verantwortungsfreiheit 

Der Begriff „Verantwortung“ ähnelt dem Begriff „gut“. Alle wollen mehr vom Guten, doch sind sie sich uneinig darüber, worin denn das Gute konkret besteht. In einer Welt, die von pluralen Werten gekennzeichnet ist, kann das kaum anders sein. Hier erzwingen Politik und Recht in bestimmten Bereichen, dass eine bestimmte Konzeption vom Guten durchgesetzt wird.

Die Rechts- und Wirtschaftspolitik können aber häufig auch geordnete Wege finden, die Uneinmütigkeit zu „privatisieren“. Soweit das gelingt, können plurale Werte koexistieren. Wenn wir nach rechtspolitischer Definition des privaten Bereichs zulassen, dass Individuen dafür verantwortlich gemacht werden, eine bestimmte Konzeption vom Guten mit ihren „privaten“ Handlungen zu realisieren, verwischen wir tendenziell die Grenze zwischen dem privaten Bereich, in dem wir von der Verantwortung für das Gemeinwohl freigestellt sind, und dem politischen Bereich des kollektiven Handelns nach einer (mehrheitlichen) Gemeinwohlvorstellung. Das Ideal der Privatrechtsgesellschaft ist demgegenüber untrennbar mit der Freistellung von der Gemeinwohlverantwortung verknüpft. Private Verantwortungsfreiheit muss vor den Folgen des Rufs nach mehr Verantwortung geschützt werden.

Autoreninformation: Prof. Dr. Hartmut Kliemt arbeitet an der Frankfurt School of Finance & Management.

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Alexander Brink: Das Vier-Generationen-Modell unternehmerischer Verantwortung - ein Vorschlag zur Entwicklung regionaler moralischer Intelligenz 

Die Grundlagen zur moralischen Entwicklungsfähigkeit von Individuen ist in vielen Be- reichen bereits gut erforscht. Adaptionen auf Institutionen liegen hingegen erst vereinzelt vor (Kapitel 2). Es gibt wissenschaftlich gestützte Erkenntnisse über die unternehmerische Verantwortung von deutschen Unternehmen durch den jüngst erschienenen Corporate Responsibility Index (Kapitel 3). Innerhalb einer Sozialen Marktwirtschaft kann die moralische Entwicklungsfähigkeit von Individuen und Institutionen in Regionen, Clustern und Netzwerken jedoch als Forschungslücke identifiziert werden. Die Entwicklung einer regionalen moralischen Intelligenz soll durch ein Vier-Generationen-Modell unternehmerischer Verantwortung skizziert werden (Kapitel 4).

Autoreninformation: Prof. Dr. Dr. Alexander Brink, geboren 1970 in Düsseldorf, ist Professor für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Universität Bayreuth und Gastprofessor für Corporate Governance& Philosophy am Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance der Universität Witten/Herdecke. Er ist Partner der von ihm mitbegründeten concern GmbH, einer CSR Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Köln und wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Wirtschaftsethik in Berlin

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Thomas Neumann: Stützung der Eigenverantwortung im Gesundheitswesen

Die Gesundheitsförderung ist eine Pflichtaufgabe der Sozialversicherung. Durch Prävention sollen gesundheitliche Schäden gar nicht erst entstehen. Für die eigene Gesundheit ist jeder selbstverantwortlich. Durch Anreizmodelle können Versicherte dazu bewogen werden, aktiv am Gesundheitssystem mitzuwirken. Während solche Modelle in privaten Versicherungen durchaus üblich sind, gibt es diese in der gesetzlichen Sozialversicherung lediglich vereinzelt

Autoreninformation: Dr. Thomas Neumann ist Direktor der SVA und leitet dort seit 2009 den Geschäftsbereich Kundenmanagement. Nach seiner Tätigkeit als Universitätsassistent an der juristischen Fakultät der Universität Wien war er ua in der Wirtschaftskammer Österreich, zuletzt als stv Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit, beschäftigt und wirkte an zahlreichen sozialpolitischen Reformen als Experte mit.

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Maria M. Hofmarcher: Eigenverantwortung im Gesundheitssystem verlangt eine Symphonie klug abgestimmter Regulierungen 

Eigenverantwortung im österreichischen Gesundheitswesen wird hauptsächlich über die Einhebung von Kostenbeteiligungen und durch Selbstzahlungen eingelöst. 2012 wurden von den gesamten privaten Ausgaben etwa zwei Drittel über Selbstzahlungen finanziert; direkte Kostenbeteiligungen finanzierten 12 Prozent; etwa eine Milliarde wird von der privaten Krankenversicherung aufgebracht.

Das Niveau der privaten Zahlungen in Österreich ist im internationalen Vergleich hoch. Sie fallen in allen Bereichen des Gesundheitssystems an und unterscheiden sich zwischen den gesetzlichen Krankenversicherungsträgern sowohl in der Struktur, als auch in der Höhe. Neuere Initiativen setzen auf die Geltendmachung eines finanziellen Bonus bei Erreichung bestimmter Gesundheits- ziele. Steuernde Maßnahmen auf der Nachfrageseite sollten durch Verhaltensanreize für Anbieter und Industrie begleitet werden. Die Etablierung einer fortschrittlichen nationalen Präventionsstrategie in Österreich ist überfällig.

Autoreninformation: Mag. Maria M. Hofmarcher-Holzhacker ist Ökonomin und Expertin für Gesundheitssysteme; Gründerin von HealthSystemIntelligence

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Kai-Uwe Hellmann: Freiheit ohne Verantwortbarkeit? – Zur Hyperkomplexität des Konsumsystems 

Das moderne Konsumsystem präsentiert sich, wie Karl Marx dies schon im Kapital formulierte, als eine ungeheure Warensammlung. Die schiere Zahl der zur Auswahl stehen- den Sach- und Dienstleistungen übersteigt jedes menschliche Fassungsvermögen. Dieser Umstand befördert ein außerordentliches Freiheitsgefühl, wie kaum ein anderer Be- reich der modernen Gesellschaft dies bietet. Genau diese Überfülle auswählbarer Konsummöglichkeiten führt aber auch dazu, dass man genau daran schier verzweifeln kann, weil eine umfängliche Warenkunde und Marktkenntnis keinesfalls mehr erreicht werden kann. Ohne dieses Wissen kaufen und verbrauchen wir aber auf Verdacht hin, wie beim Roulettespielen. Zwar kann man dann formal noch für seine Entscheidung, so und nicht anders zu konsumieren, zur Verantwortung gezogen werden. Aber eine volle Verantwortbarkeit erscheint damit verunmöglicht.

Autoreninformation: Kai-Uwe Hellmann, Prof. Dr., Soziologe, Institut für Soziologie, TU Berlin. Forschungsschwerpunkte: Konsum- und Wirtschaftssoziologie, Militär- und Organisationssoziologie.

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>> Übersicht Ausgabe 3-4/2014

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