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Fritz Breuss: Österreich in der EU – eine Erfolgsgeschichte

Ausgabe 2/2015 der Wirtschaftspolitischen Blätter
Stand:

Österreich hat vom EU-Beitritt stark profitiert

Der österreichische EU-Beitritt erfolgte am 1. Jänner 1995 nach einer Volksabstimmung im Juni 1994. Österreich hat vom EU-Beitritt stark profitieren können, v.a. durch die Teilnahme am EU-Binnenmarkt, den Beitritt der mittel- und osteuropäischen Staaten 2004 und 2007 sowie die Einführung der Wirtschafts- und Währungsunion (1999) und des Euro (2002).  Dank des EU-Beitritts lukrierte Österreich einen „EU-Bonus“ von rund 0,5 bis 1 Prozent mehr Wirtschaftswachstum pro Jahr. Dabei haben nicht nur die großen Unternehmen profitiert, sondern insbesondere auch die Klein- und Mittelbetriebe (KMU). Am meisten dürften wohl die Unternehmen, die stark in den neuen EU-Mitgliedstaaten engagiert sind, gewonnen haben.  

Die Ostöffnung hat Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum generiert

Vor allem die „Ostöffnung“ bzw. der Fall des Eisernen Vorhangs war für die österreichische Wirtschaft ein Geschenk. Der Abbau der Grenzen und die Ausweitung des Binnenmarktes gegenüber den neuen Mitgliedstaaten in Osteuropa ermöglichte eine zusätzliche Ausschöpfung von Handelspotenzialen. Insgesamt schlägt sich die Ostöffnung in einem Anstieg des realen BIP von 0,2 Prozent pro Jahr nieder. Das ermöglichte die Schaffung von mehr als 3.000 neuen Arbeitsplätzen pro Jahr und verringerte die Arbeitslosigkeit.  

Die EU wurde 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet

Die Europäische Union hat aber auch entscheidend zur demokratischen Entwicklung beigetragen. Als Anerkennung für den Beitrag zur Friedenssicherung in Europa nach dem 2. Weltkrieg wurde die EU - und damit auch Österreich - im Jahr 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 

Der „EU-Wachstumsbonus“ läuft aus

Doch die Krisen in Europa seit 2009 haben den Schwung aus der europäischen Entwicklung herausgenommen. Die anhaltende Euro-Krise und die Unsicherheiten und Krisen in Osteuropa haben die Aussichten für Österreichs Wirtschaftsentwicklung deutlich eingetrübt. Besonders die Eintrübung der Wirtschaftsaussichten in den dynamischen Märkten der neuen EU-Mitgliedstaaten in Osteuropa dürfte dazu führen, dass der bisherige „EU-Wachstumsbonus“, der sich in einem Wachstumsvorsprung vor anderen EU-Mitgliedstaaten manifestierte, langsam ausläuft.  

„Säkulare Stagnation“ in Zukunft

Vielfach wird für die kommenden Jahre in Europa eine „säkulare Stagnation“ vorausgesagt. Europa wächst im Durchschnitt der letzten Jahrzehnte langsamer als die USA. Darüber hinaus hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise v.a. die Peripheriestaaten der Eurozone besonders hart getroffen. Zusätzlich werden die Sanktionen gegen Russland Europas Wirtschaft härter treffen als jene der USA. Ob der explosionsartige Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten ab 2015 mehr Nutzen als Kosten für Europas Wirtschaft bedeuten wird, ist noch offen. 

Neue Wachstums- und Beschäftigungsstrategien

Um die Lücke zwischen Integrationserwartungen und Realisierung zu schließen, wurde bereits im Jahr 2000 eine neue Wachstums- und Beschäftigungsstrategie („Lissabon-Strategie“) gestartet. Da auch dieser Versuch misslang, hat die EU im Jahr 2010 mit der Strategie „Europa 2020“ einen neuen Anlauf unternommen.  

Wirtschaftliche Impulse notwendig

Österreich muss sich auf das schwieriger gewordene wirtschaftspolitische Umfeld einstellen und kann sich nicht mehr wie bisher auf den Lorbeeren des „EU-Integrationsbonus“ ausruhen. Neue Impulse durch Erweiterungen der EU-28 wird es bis auf weiteres nicht mehr geben, nachdem der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker ausgeschlossen hat, dass es in den nächsten Jahren zu einer Aufnahme neuer Länder kommen wird.  

Daraus ergeben sich entsprechende Konsequenzen für die Zukunft, etwa dass sich Österreich aktiver als bisher in der Mit- und Neugestaltung der EU und der New Economic Governance der Eurozone einbringen sollte oder dass es seine wirtschaftlichen Impulse nun wieder stärker von innen (durch strukturelle Reformen), also selbst, generieren muss. Eine stärkere Beteiligung an der Globalisierung, also Ausweitung des Exportradius, könnte ebenfalls Wachstum generieren.  

Autoreninformation 

Fritz Breuss

Fritz Breuss

Fritz Breuss ist Jean Monnet-Professor für „wirtschaftliche Aspekte der Europäischen Integration“ und seit 2009 emeritierter Universitätsprofessor für Internationale Wirtschaft an der Wirtschaftsuniversität (WU-Wien). Langjähriger Mitarbeiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO); Forschungsschwerpunkte: Europäische Integration.




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