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Kommentar Wirtschaftspolitik: Kreative Zerstörung 4.0 - Fokus: Digitalisierung

Ausgabe 26/2016
Stand:

In Kürze

  • Wir leben in einer Welt permanenter und grundlegender Veränderungen – diese zeigen sich bzw. werden u. a. verursacht durch Globalisierung, Digitalisierung und Migration.
  • Im Sinne der „kreativen Zerstörung“ nach Schumpeter werden alte Strukturen, Industrien, Prozesse sowie Produkte und Dienstleistungen fortwährend durch neue ersetzt.
  • Die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter beschäftigt sich mit unterschiedlichen Aspekten von „Kreativer Zerstörung“, wobei der Fokus auf Veränderungen durch die Digitalisierung liegt. 


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„Kreative Zerstörung“ ist Motor der wirtschaftlichen Entwicklung

Entsprechend dem Prinzip der „Kreativen Zerstörung“ haben bereits viele Wirtschaftszweige und Berufsbilder an Bedeutung verloren, während gleichzeitig neue Tätigkeitsfelder, Firmen und ganze Branchen entstanden sind. Die „Kreative Zerstörung“ geht mit Verbesserungen einher und ist Motor der wirtschaftlichen Entwicklung. 

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Digitalisierung zu. Die Digitalisierung hat einen weitreichenden strukturellen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt und verändert maßgeblich die Art, wie Menschen, Organisationen, ganze Branchen bzw. Wirtschaftssysteme funktionieren. In quasi allen Lebensbereichen kommen Computer zum Einsatz, viele Prozesse sind digitalisiert und Unternehmen und Menschen aus aller Welt stark vernetzt. Dabei stehen wir aber nicht am Beginn eines tiefgreifenden Wandels, sondern wir befinden uns bereits mitten im Transformationsprozess (Vgl. Lichter).  

Die „Digitale Revolution“ basiert im Wesentlichen auf dem konsequenten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien sowie auf der Auswertung und Ausnutzung riesiger gesammelter Datenmengen, auch „Big Data“ genannt. Diese Daten werden daher bereits als „der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Durch ihre Echtzeit-Auswertung und die umfangreiche Vernetzung werden Systeme „intelligent“ und können autonom ohne Steuerung reagieren und sich optimieren. Die Digitalisierung verändert Wertschöpfungsketten und die zeitliche und räumliche Distanz zwischen Produzent und Konsument verringert sich enorm (Vgl. Rische & Vöpel).  

Basierend auf den neuen technischen Möglichkeiten lässt sich eine Vielzahl von neuen Geschäftsmodellen entwickeln, welche die Struktur und Wettbewerbs­situation bestehender Märkte grundlegend verändern und bestehende Techno­logien Geschäftsmodelle unter Druck setzen können. Radikale Veränderungen erfuhren beispielsweise die Branchen Musik und Unterhaltungs­elektronik, der Einzelhandel sowie die Mobilitätsbranchen. Am deutlichsten wird der digitale Wandel durch die Gründung internetbasierter innovativer Geschäftsmodelle, wie Facebook, Amazon oder Google symbolisiert (Vgl. Gassmann & Sauer).

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Hohes Potenzial zur Steigerung von Wachstum, Produktivität und Prosperität

In dieser schöpferischen Kraft des Wandels liegt ein hohes Potenzial zur Steigerung von Wachstum, Produktivität und Prosperität. Die globale digitale Vernetzung bringt alle Marktteilnehmer näher zusammen und führt zu einem Rückgang der Informations- und Transaktionskosten. Neue Unternehmen aus aller Welt können am globalen Wettbewerb teilnehmen. Die Digitalisierung ermöglicht neue Flexibilität, Spezialisierungsgrade und Kooperationsmöglich­keiten. Es ergeben sich enorme Chancen für Effizienzsteigerungen und Produktivitätsgewinne sowie für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen (Vgl. Rische & Vöpel, Schmidt et al.).

Chancen ergeben sich auch in Hinblick auf den demografischen Wandel. Dieser wird in einigen Ländern zu einem deutlichen Rückgang der Erwerbsbevölkerung führen. Im Zuge der Digitalisierung ist es vorstellbar, dass durch die Unterstützung intelligenter Systeme ältere Arbeitskräfte besser und länger in die Wertschöpfung integriert werden können. Neben den wirtschaftlichen Potenzialen ergeben sich infolge einer besseren Unterstützung durch digitale Produkte und Dienstleistungen (z.B. Roboter im Haushalt) auch allgemeine Vorteile für die Gesellschaft. Insgesamt zeigt sich auch eine starke Veränderung des Kundenverhaltens. So ist beispielsweise ein gesellschaftlicher Trend hin zur „Share Economy“ zu beobachten (Vgl. Rische & Vöpel, Gassmann & Sauer).  

Ein Großteil der Geschäftsmodellinnovatoren stammt aus den USA

Besonders große Wertschöpfungspotenziale bieten sich für jene Länder, die sich als Leitanbieter für relevante Dienstleistungen und Technologien etablieren. Beispielsweise haben sich die USA mit zahlreichen global erfolgreichen Unternehmen und Geschäftsmodellinnovationen hervorragend positioniert. So stammt ein Großteil der Geschäftsmodellinnovatoren wie Facebook, Uber, Skype oder Ebay aus den USA (Vgl. Rische & Vöpel, Gassmann & Sauer).  

Europa hingegen hinkt der Digitalisierung bislang hinterher. Europa ist zwar mit einzelnen Initiativen wie „Industrie 4.0“ aktiv, sieht die Digitalisierung aber noch nicht als disruptives Element, welches jede Industrie früher oder später verändern wird. E-Commerce ist zwar angekommen, aber bei jeder neuen Branche wie Taxis, Touristik oder Maschinenbau wird die Geschwindigkeit, mit der Software die reale Welt erobert, stark unterschätzt. Das einzige Software-Unternehmen von Weltrang aus Europa ist SAP (Vgl. Gassmann & Sauer).  

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Die Zukunft muss tatkräftig mitgestaltet werden 

Vor diesem Hintergrund ist es von höchster Bedeutung, alle verfügbaren Kräfte darauf zu bündeln, die Zukunft tatkräftig mitzugestalten. Denn all jene, die sich nicht schnell und stark genug wandeln, laufen Gefahr, in der neuen digitalen Welt keine Rolle mehr zu spielen. Europa und Österreich müssen das digitale Zeitalter gestalten, um den Anschluss nicht zu verlieren (Vgl. Schmidt et al.).  

Ein erster wichtiger Schlüssel zum Erfolg in der digitalisierten Wirtschaft der Zukunft sind hinreichende Investitionen in IKT – und ihre Nutzung zur Steigerung der Produktivität. Des Weiteren müssen entsprechende Maßnahmen im Bereich Aus- und Weiterbildung gesetzt werden. Beispielsweise sind eine Stärkung von „Lebenslangem Lernen“ oder mehr informatikaffine Ausbildungen notwendig sowie auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Universitäten. Darüber hinaus gestaltet sich – gerade für junge Unternehmen - die Wachstumsfinanzierung oftmals schwierig. Ein weiterer Bereich von höchster Relevanz betrifft den Abbau von Regulierungen (Vgl. Spermann).   

Befürchtungen vor massiven Arbeitsplatzverlusten großteils unbegründet 

Die vielfach geäußerten Befürchtungen, dass die Digitalisierung aufgrund der rasanten Geschwindigkeit des technischen Fortschritts zu einem massiven Verlust von Arbeitsplätzen führen wird, sind großteils unbegründet. Diverse Studien, die eine dramatisch erhöhte Arbeitslosigkeit prognostizieren (z.B. Fey, Osborne), liefern keine empirische bzw. historische Evidenz für ihre Thesen. Im Gegenteil: Der technische Fortschritt hat seit der Erfindung der Dampfmaschine in Summe mehr Arbeitsplätze geschaffen als zerstört (Vgl. Lichter). 

Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass sich der Wandel am Arbeitsmarkt fortsetzen wird. Die Nachfrage nach hoch qualifizierten Personen wird weiter steigen, zahlreiche Berufsfelder werden neu entstehen, während andere verschwinden. Darüber hinaus werden neue Arbeitsplatzmodelle entstehen, deren Gestalt bisher noch nicht vollständig absehbar ist. Dies bedeutet, dass umfangreiche Umstellungs- und Anpassungsmaßnahmen auch im Bereich der Bildung und Personalentwicklung erforderlich werden. Sicher ist, dass die Menschen kontinuierlich an der Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen arbeiten müssen, um zukünftig Beschäftigung finden zu können (Vgl. Schmidt et al.). 

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Autorin

Mag. Karin Steigenberger, BA
Wirtschaftskammer Österreich
Stabsabteilung Wirtschaftspolitik

+43 5 90 900-4262
Karin.Steigenberger@wko.at

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