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Kommentar Wirtschaftspolitik: Migration und Integration

Ausgabe 31/2016
Stand:

In Kürze

  • Migration und Integration sind aktuell zentrale Themen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Zuwanderung ist sowohl mit wichtigen Chancen für die demographische und ökonomische Entwicklung Österreichs verbunden als auch mit Herausforderungen.
  • Darum muss Migrationspolitik in ein Gesamtkonzept der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik eingebunden werden.
  • Welche Auswirkungen zu erwarten sind, welche Möglichkeiten sich bieten und welche Strategien im Bereich Bildung und Arbeitsmarkt erfolgversprechend sind, erörtert die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter „Migration und Integration" 


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Die Zuwanderung als Determinante des Bevölkerungswachstums in Österreich

Die wissenschaftliche und öffentliche Debatte über die ökonomischen Auswirkungen von Migration in den Zielländern hat eine lange Geschichte. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob die mit der Zuwanderung verbundenen Erträge die Kosten übersteigen oder negative Effekte auf die Volkswirtschaft überwiegen (vgl. Niebuhr). Angesichts der zunehmenden sprachlichen und ethnisch-kulturellen Diversität der Migranten/innen spielt aber auch die Sicherstellung des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle in der Migrationsdebatte (vgl. Biffl).

Dabei ist die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte für Volkswirtschaften, die wie Österreich stark vom demografischen Wandel betroffen sind, von erheblicher Bedeutung (vgl. Biffl). Ohne Zuwanderung sind bei einer Fertilitätsrate von 1,42 Kindern pro Frau die zukünftigen Sozialleistungen nicht aufrecht zu erhalten bzw. nur mit erheblichem Anstieg der Abgaben finanzierbar (vgl. Berger/Strohner).

So ist, ausgehend von 7,9 Millionen Einwohnern im Jahr 1995, die Wohnbevölkerung Österreichs bis zum Jahr 2015 auf 8,6 Millionen gestiegen. Ein Großteil dieses Anstiegs entfiel auf Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft, womit die Zuwanderung eine wesentliche Determinante der Bevölkerungsentwicklung ist. Die kräftige Zunahme der Bevölkerung schlägt sich auch am Arbeitsmarkt nieder. Seit dem EU-Beitritt ist das (unselbständige) Arbeitskräfteangebot deutlich gestiegen, von knapp 3,3 Millionen Menschen auf 3,9 Millionen 2015. Die Anzahl der Erwerbspersonen mit ausländischer Staatsbürgerschaft hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt und stieg von 325.000 auf 712.000 Personen (vgl. Hofer/Weyerstraß).

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Migration lindert die Folgen der demographische Entwicklung und der  Abwanderung

Schon 2024 wird voraussichtlich der Höhepunkt der demographischen Lücke erreicht: die Zahl der Berufsaussteiger, also Personen im Alter von 60 Jahren, wird die Anzahl der Berufseinsteiger (Personen im Alter von 20 Jahren) um 40.000 übersteigen (vgl. Dornmayr). In einem Szenario ohne Zuwanderung wird die Bevölkerung Österreichs bis zum Jahr 2060 auf 7,3 Millionen Menschen sinken, während mit Zuwanderungen die Einwohnerzahl auf 9,7 Millionen geschätzt wird. Ohne Zuwanderung wird auch der Anteil der über 65-jährigen bis 2060 massiv zunehmen – mit erheblichen Folgen auf die Wirtschaftstätigkeit und die Finanzierung des Sozialsystems (vgl. Berger/Strohner).

Aber auch Österreicher/innen emigrieren - rund 414.000 Personen lebten 2010/2011 im Ausland. Während die Abwanderungsquote mit 5,5% im internationalen Vergleich gering ist, wandern überdurchschnittlich viele Österreicher/innen mit hoher Qualifikation ab (13%). Durch die Neuausrichtung der österreichischen Migrationspolitik im neuen Jahrtausend in Richtung Höherqualifizierung ist es allerdings gelungen, den Anteil der hochqualifizierten Migranten/innen zu erhöhen und somit die Abwanderung mehr als zu kompensieren (vgl. Biffl).

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Die Auswirkungen von Migration auf ökonomische Kennzahlen

Für die ökonomischen Auswirkungen von Migration ist entscheidend, welche Qualifikationen die ausländischen Arbeitskräfte mitbringen und inwieweit diese Fähigkeiten und Kenntnisse die der einheimischen Erwerbspersonen in Produktionsprozessen komplementieren (vgl. Niebuhr). Die Zuwanderung von Flüchtlingen wird in den nächsten Jahren zu einem merklichen Anstieg der Beschäftigung führen, aber auch die Arbeitslosigkeit deutlich erhöhen, besonderes bei den Flüchtlingen selbst (vgl. Berger/Strohner). Schätzungen zufolge wird das Produktionspotenzial im Zeitraum 2016 bis 2020 um durchschnittlich 1,5% pro Jahr steigen. Dazu dürfte die Ausweitung des Arbeitsvolumens einen Beitrag von 0,8 Prozentpunkten pro Jahr leisten, wovon wiederum 0,6 Prozentpunkte bzw. 75% auf das Arbeitsvolumen von Migranten/innen zurückzuführen ist (vgl. Hofer/Weyerstraß).

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition lag im Jahr 2015 bei 9,1%, wobei 8,1% der österreichischen Staatsangehörigen und 13,5% der Menschen mit Migrationshintergrund ohne Beschäftigung waren (vgl. Marik-Lebeck). Bis 2020 soll die strukturelle Arbeitslosigkeit von Ausländern/innen um weitere 1,75 Prozentpunkte steigen, die der Inländer/innen um 0,75 Prozentpunkte. Die Eingliederung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt stellt eine besondere Herausforderung dar, da erst ausreichende Sprachkenntnisse erworben werden müssen und die formale berufliche Qualifikation häufig unter jene der Österreicher/innen und Arbeitsmigranten/innen liegt (vgl. Hofer/Weyerstraß).

Migranten/innen sind in allen Qualifikationssegmenten angesiedelt, nicht zuletzt in der mittleren Fachqualifikation, der Stärke der gegenwärtigen österreichischen Wirtschaft. Sie werden aber nicht in demselben Maße und nicht so systematisch wie in den Innovationsführerländern Schweden und Dänemark in der Spitzenforschung eingesetzt, sondern decken insbesondere den Bedarf an einfachen Qualifikationen ab (vgl. Biffl). Die migrationsbedingte Veränderung des Arbeitsangebots führt meist zu positiven Effekten auf die Produktivität, die Innovationsfähigkeit und die Exportaktivitäten. Auch gehen von der zunehmenden kulturellen Vielfalt der Beschäftigten positive, wenngleich eher moderate Impulse aus (vgl. Niebuhr).

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Die Politik muss im Wettbewerb um Talente langfristig denken und handeln

Die emotional geführte Debatte über die aktuelle Flüchtlingsmigration darf die strategische Positionierung Österreichs im internationalen Wettbewerb um Talente nicht überlagern. Angesichts der demographischen Entwicklung, sowie der überdurchschnittlich hohen Abwanderung von hochqualifizierten Österreichern/innen, muss Migration eine wichtige Komponente einer langfristig ausgelegten Wirtschaftspolitik sein. Denn nicht nur Österreich ist mit einem sich abzeichnenden demographisch bedingten Mangel an Fachkräften konfrontiert, sondern auch wirtschaftlich bedeutendere Länder wie die USA, Kanada oder China. Es ist daher wichtig, potenziellen Migranten/innen interessante Chancen zu bieten, sowie Geflüchtete zu integrieren und ihnen Möglichkeiten zu geben, die die gesamte Wohlfahrt mittel- und langfristig erhöhen.

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Autorin

Dr. Elisabeth Nindl
Wirtschaftskammer Österreich
Stabsabteilung Wirtschaftspolitik
+43 5 90 900-4216
Elisabeth.Nindl@wko.at

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