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Kommentar Wirtschaftspolitik: Mobilität

Ausgabe 13/2015
Stand:

In Kürze

  • Die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter ist dem Thema „Mobilität“ gewidmet.
  • Die einzelnen Beiträge beleuchten unterschiedliche Teilaspekte und Wirkungskanäle von „Mobilität“, über welche Wirtschaft und Gesellschaft geprägt werden.
  • Neben der physischen Mobilität und damit der Beweglichkeit im Raum, impliziert „Mobilität“ auch zahlreiche nicht-physische Aspekte, wie die durch moderne Informations- und Kommunikationsmittel ermöglichte Interaktion im virtuellen Raum oder die Bewegung von Individuen zwischen unterschiedlichen beruflichen und sozialen Positionen. 

Mobilität war seit jeher eine Voraussetzung für die Weiterentwicklung von Mensch und Wirtschaft. Mobilität ist notwendig, um Gegenden mit guten bzw. besseren Lebensbedingungen aufzusuchen, Informationen zu verbreiten, Güter zu handeln und um einen dynamischen Austausch und die Verbreitung von Sprache, Kultur, Wissen, Technologie und Gütern zu ermöglichen.  

Im Laufe der Zeit haben sich die Verkehrsmittel, welche uns physische Mobilität ermöglichen, enorm entwickelt, sodass sich unser Aktionsradius heute zu Land, Wasser, in der Luft und in den Weltraum erstreckt. Mit der zunehmenden Verbreitung der Verkehrsinfrastrukturen und Verkehrsmittel sowie mit der Erschwinglichkeit des Transports für immer mehr Menschen manifestieren sich aber nicht nur die Chancen der Mobilität, sondern auch ihre Herausforderungen. Dazu gehören etwa Verstädterung und Infrastrukturüberlastung, die Notwendigkeit einer Steigerung von Energieeffizienz und einer Reduktion von Energieverbrauch und die Importabhängigkeit Österreichs bzw. Europas von Energie. Die EU importierte im Jahr 2012 mehr als die Hälfte (53,4 %) aller ihrer energetischen Rohstoffe wie Öl, Kohle, Gas und Uran; in Österreich betrug der Importanteil 63,6 %. Ein hoher Anteil des Endenergieverbrauchs wird in Österreich  für den Verkehr aufgewendet (2012: 31 %).  

Vor diesem Hintergrund gilt es, Lösungen für eine zukunftsfähige Mobilität zu erarbeiten. Wichtig ist dabei eine Gesamtsystemoptimierung in einem integrativen und interdisziplinären Ansatz, der u.a. die Automobilwirtschaft, die Energieindustrie und die Verkehrsorganisation mit einschließt. Innovation bzw. Forschung und Entwicklung können einen wesentlichen Beitrag leisten, um neue Lösungen und Konzepte zu entwickeln. Dabei ist Österreich für Innovationen im Automobilbereich stark aufgestellt: Österreichs Auto- und Zulieferindustrie setzt mit rund 170.000 Beschäftigten ein Produktionsvolumen von 21,5 Milliar­den Euro ab. Innerhalb der EU beschäftigt die Verkehrsbranche rund 10 Millio­nen Menschen und erwirtschaftet rund 5 Prozent des BIP. Diese Zahlen belegen, dass Mobilität nicht nur ein wichtiges Element einer modernen Wirtschaft und Gesellschaft ist, sondern auch enorme Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt bietet. In Zukunft muss Österreich seine Anstrengungen weiter erhöhen, um die Anforderungen an Innovatoren in Forschung und Industrie zu erfüllen und im globalen Wettlauf mitwirken zu können.  

Auf europäischer Ebene wurde die Bedeutung von Mobilität und Verkehr für Wirtschaft und Gesellschaft früh erkannt. Schon im Rahmen der Vorläufer der heutigen Europäischen Union war es ein erklärtes Ziel, eine gemeinsame europäische Verkehrspolitik zu entwickeln. Denn in einem gemeinsamen geografischen Raum ist es auch notwendig und sinnvoll, gemeinsame Regeln und 

Rahmenbedingungen der Verkehrspolitik zu etablieren. Mobilität ist ein wesentlicher Bestandteil bzw. Voraussetzung für den Binnenmarkt und prägt darüber hinaus die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger.  

Ein weiterer wirtschaftlich relevanter Aspekt betrifft die Fragestellung, inwieweit die Verkehrsinfrastruktur die regionale Entwicklung – die Wirtschaft, Bevölkerung und die Arbeitsmärkte einer Region – beeinflusst. Dabei zeigt sich, dass langfristig Investitionen in die Infrastruktur – unter geeigneten Rahmen­bedingungen – zu einer Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit einer Region führen können. Dabei hängt die Entwicklung einer Region natürlich nicht „nur“ vom Standortfaktor Verkehrsinfrastruktur ab, sondern ebenso von weiteren Faktoren, wie der Kommunikationsinfrastruktur, der Energie- und Wasserversorgung, der Abwasser- und Abfallentsorgung, des Gesundheitswesens wie auch der Ausbildungs- und Bildungsmöglichkeiten sowie der regionalen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten.  

Im Bereich Arbeitsmarkt spielt neben der Mobilität der österreichischen Erwerbstätigen ebenso die Migration nach Österreich eine wesentliche Rolle. Ein höheres Ausmaß an Mobilität wird in Zukunft notwendig sein, um vorhandene Arbeitsplätze adäquat besetzen zu können. Engpässe an Fachkräften bestehen heute schon in einigen Sektoren und in bestimmten Regionen. Untersuchungen zeigen, dass Engpässe insgesamt zunehmen und Unternehmen in Österreich größere Schwierigkeiten beim Besetzen offener Stellen haben als anderswo in der OECD. Damit in Zusammenhang steht die Mobilitätsbereitschaft der Österreicher, wobei  die Österreicher zu den am wenigsten mobilen Bürgern EU-weit zählen. Die Mobilitätsbereitschaft in Österreich bezieht sich zum Großteil auf relativ geringe Entfernungen. Insgesamt sind somit neben Initiativen, die am inländischen Arbeitskräftepotenzial ansetzen, auch umfassende Maßnahmen im Bereich der Arbeitsmigration notwendig. Die Rot-Weiß-Rot-Karte war ein erster Schritt, um die Attraktivität Österreichs für internationale Talente zu steigern, sie birgt aber ein viel größeres Potenzial, das es zu heben gilt.  

Steigende Mobilität am Arbeitsmarkt zeigt sich aber nicht nur in einer räumlichen Dimension. Unsere Arbeitswelten generell sind durch grundlegende Änderungen geprägt, die zeitlich und räumlich flexible Arbeitsweisen begünstigen. Durch die neuen Informationstechnologien wird Kommunikation und Zusammenarbeit über größere Distanzen hinweg so einfach und kosten­günstig wie nie zuvor. Immer mehr Menschen haben die Möglichkeit, außerhalb des Firmenbüros mobil zu arbeiten, was Auswirkungen auf Aufgaben, die Gestaltung von Firmenbüros und auf Führungskonzepte hat. Es ist davon auszugehen, dass mit dem technischen Fortschritt bei weiter fortschreitender Automatisierung und Digitalisierung die Nachfrage nach hoch qualifizierten und innovativen Arbeitskräften zunehmen wird, die komplexere kognitive, analytische bzw. interaktive Tätigkeiten ausüben. Eine Erleichterung von Mobilität zwischen Unternehmen und Berufsbildern auf einem Arbeitsmarkt, der sich in einem beschleunigten strukturellen Wandel befindet, ist vor diesem Hintergrund wesentlich.  

Ein weiterer Aspekt von Mobilität bezieht sich auf die Bewegung von Individuen zwischen unterschiedlichen beruflichen und sozialen Positionen und damit auf das Konzept der „Einkommensmobilität“. Im europäischen Vergleich ist die Einkommensmobilität in Österreich überdurchschnittlich, wobei insbesondere die Mobilität aus dem untersten in höhere Einkommensbereiche im Vergleich zu den anderen Staaten hoch ist. Einen wesentlichen Einfluss auf die soziale Mobilität haben neben der Bildung auch die Haushaltsgröße, das Alter der Haushaltsmitglieder und die Tatsache eines möglichen Migrationshintergrunds. 


» Weiter Informationen zu den Wirtschaftspolitischen Blättern


Autorin

Mag. Karin Steigenberger, BA
Wirtschaftskammer Österreich
Stabsabteilung Wirtschaftspolitik

+43 (0)5 90 900-4262
Karin.Steigenberger@wko.at


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