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Oliver Gassmann, Roman Sauer: Kreative Zerstörung 4.0 - Trends und neue Geschäftslogik

Ausgabe 2/2016 der Wirtschaftspolitischen Blätter
Stand:

Geschäftsmodellinnovationen sind wichtiger denn je

Im Zuge der Digitalisierung ist die Schumpetrische Theorie der Innovation hochaktuell. Radikale Innovationen und Neukombinationen von Produktionsfaktoren führen zu einer kompletten Neuordnung von Unternehmen oder Wirtschaftssystemen. Der Einfluss digitaler Intelligenz verändert derzeit maßgeblich die Art wie Menschen, Organisationen, ganze Branchen oder Wirtschaftssysteme funktionieren. Fokussierten Unternehmen in der Vergangenheit auf Produkt- und Prozessinnovationen, sind nun insbesondere Geschäftsmodellinnovationen wichtiger denn je.

So ist AirBnB das größte Hotel ohne  eigene Gebäude. Uber ist das größte Fuhrunternehmen ohne ein Taxi zu besitzen. Skype ist der größte Kommunikationsanbieter ohne eigene Netzwerkinfrastruktur. Allen ist der Fokus auf Geschäftsmodellinnovationen – getrieben durch die Digitalisierung – gemein. 

Die große Masse der europäischen Unternehmen hinkt der Digitalisierung hinterher

Ein Großteil solcher Geschäftsmodellinnovationen stammt jedoch aus den USA. Europa ist zwar mit einzelnen Initiativen wie 'Industrie 4.0' aktiv, aber sieht die Digitalisierung noch nicht als disruptives Element, welches jede Industrie früher oder später revolutionieren wird. E-Commerce ist heute angekommen, aber bei jeder neuen Branche wie Taxis, Touristik oder Maschinenbau wird die Geschwindigkeit, mit der Software die reale Welt erobert, stark unterschätzt. In einer Befragung zur Industrie 4.0 sehen sich beispielsweise nur 15 % der deutschen Unternehmen beim Thema Geschäftsmodellinnovation gut aufgestellt (Ungeheuer, Westerkamp, & Mischkovsky, 2016). Ausgerechnet jenem Bereich, wo es um die Dominanz neuer Marktfelder, signifikante Umsatzsteigerungen und neue Arbeitsplätze geht. Somit ist noch immer das einzige Software-Unternehmen von Weltrang aus Europa SAP und die große Masse hinkt der Digitalisierung bislang hinterher. 

Alle wirtschaftspolitischen Akteure sind gefordert

Die Initiativergreifung liegt jedoch nicht ausschließlich bei den Unternehmen. Voraussetzung für den digitalen Wandel ist auch, dass die Wirtschaftspolitik anerkennt, wo Informations- und Kommunikationstechnologien einen immer größeren Wertschöpfungsanteil haben werden. Ansätze liegen im Ausbau der digitalen Infrastruktur bis hin zur Entwicklung und Ausbildung kreativer Köpfe. Alle wirtschaftspolitischen Akteure sind gefordert, Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Gründung digitaler Geschäftsmodellinnovationen zu setzen, denn diese werden über den wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand eines Landes entscheiden.  

Vielfalt an Schritten erforderlich um digitale Schocks zu vermeiden

Um Industrie 4.0 erfolgreich umzusetzen, benötigt es eine flächendeckende digitale Infrastruktur und die Entwicklung und Ausbildung kreativer Köpfe, vor allem im Elektronik- und Informatikbereich. Das Innovationspotenzial verschiebt sich zunehmend in Richtung Software und IT, und diese Veränderung sollte sich auch in der Ausrichtung vieler Studiengänge abzeichnen. 

Vernetzung und Finanzierung muss verbessert werden

Agile, junge Unternehmen sind stärker zu fördern und sollen mehr Gehör in Wirtschaft und Wissenschaft bekommen. Auch sind Kollaborationen zwischen Wirtschaft und Universitäten zu unterstützen. Großer Handlungsbedarf besteht zudem bei der Finanzierung, da Europa für traditionelle Großkonzerne, den Mittelstand und eine gewisse Risikoaversion bekannt ist. Es fehlt an Risikokapital, das mit traditionellen Unternehmens- und Finanzierungsstrukturen konkurrieren kann. 

Wettbewerbsrecht und Regulierungen hinderlich

US-amerikanische Technologiegiganten wie Google beherrschen aktuell viele Bereiche des digitalen Lebens und Arbeiten. Das europäische Wettbewerbsrecht ist hier mehr hinderlich als förderlich, da es zu häufig Europa oder gar die nationalen Länder als ‚relevanten Markt‘ für eine möglicherweise marktbeherrschende Stellung definiert. Digitalisierung führt aber zu Konzentration aufgrund der marginalen Grenzkosten und typischen Netzwerkeffekten. Zudem steht zahlreichen Geschäftsmodellen die klassische Regulierung im Weg. Deregulierung unterstützt nicht nur nationale Digitalisierungsinitiativen, es ermöglicht österreichischen Unternehmen die Chance digitale Opportunitäten im heimischen Stammland zu erproben anstatt abzuwarten, bis die amerikanischen Konkurrenten die letzten weißen Flächen erobern. 

Die ersten Wellen des Digitalisierungsschocks sind am Abklingen und sie waren geprägt von US-amerikanischen Geschäftsmodellinnovatoren wie Facebook, Uber, Skype oder Ebay. Es gilt, die weiteren Wellen der Digitalisierung zu gestalten.  

Autoreninformation 

Prof. Dr. Oliver Gassmann ist Vorsitzender der Direktion des Instituts für Technologiemanagement an der Universität St.Gallen sowie Gründer des auf Geschäftsmodelle spezialisierten BMI-Labs.

Prof. Dr. Oliver Gassmann


Dipl.Ing Roman Sauer ist Doktorand am Lehrstuhl für Innovationsmanagement des Instituts für Technologiemanagement, Universität St.Gallen sowie Berater am BMI-Lab.
Roman Sauer


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