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Steffen Elstner, Lars Feld & Christoph Schmidt: Bedingt abwehrbereit - Deutschland im digitalen Wandel

Ausgabe 2/2016 der Wirtschaftspolitischen Blätter
Stand:

Digitalisierung als Motor des nächsten Innovationszyklus

Die Weltwirtschaft befindet sich inmitten eines umfassenden Umbruchs, getragen vom nahezu unerschöpflich scheinenden Potenzial der Digitalisierung. Diese wird in den kommenden Jahren enorme Kräfte der schöpferischen Zerstörung in Gang setzen und etablierte Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle herausfordern. In der Folge stehen die bisherigen Erfolgsmodelle ganzer Volkswirtschaften auf dem Prüfstand. Diese schöpferische Kraft des Wandels hat ein hohes Potenzial zur Steigerung der globalen Prosperität. 

Industrie 4.0 von besonderer Bedeutung

Von besonderer Bedeutung wird die umfassende Veränderung in der industriellen Produktion sein. So wird der Digitalisierung des verarbeitenden Gewerbes bereits vielfach das Potenzial attestiert, eine neue industrielle Revolution auslösen zu können. Der Begriff „Industrie 4.0“ beschreibt die vollumfängliche Digitalisierung und Vernetzung der Wertschöpfungsketten im verarbeitenden Gewerbe mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). 

Innovative Geschäftsmodelle können alte verdrängen

Kein Aspekt symbolisiert den digitalen Wandel jedoch besser als die Gründung internetbasierter, innovativer Geschäftsmodelle wie Facebook, Amazon oder Google. Diese verdrängen oft alte Geschäftsmodelle und können etablierten Marktteilnehmern die Marktbedingungen vorgeben. 

Vor den Erfolgen müssen Anstrengungen stehen

In die Digitalisierung der Wirtschaft werden große Hoffnungen hinsichtlich zukünftiger Wachstums- und Produktivitätssteigerungen gesetzt. Doch um die Erfolge ernten zu können, müssen zuerst alle verfügbaren Kräfte darauf gebündelt werden, die Zukunft tatkräftig zu gestalten. 

Stagnierende Arbeitsproduktivität

Bislang hat der digitale Wandel zu keiner kräftigen Erhöhung der Arbeitsproduktivität geführt. Im Gegenteil: die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität hat sich in Deutschland seit dem Jahr 2005 deutlich verlangsamt. Wenngleich dies zu einem erheblichen Teil der Integration einer Vielzahl von geringqualifizierten Arbeitskräften in den Arbeitsmarkt geschuldet ist und zudem die produktivitätssteigernden Effekte der Auslagerung von vorgelagerten, arbeitsintensiven Wertschöpfungsprozessen ins Ausland wohl ihr Ende gefunden haben, dürfte diese Verlangsamung dennoch nicht zuletzt auf eine unzureichende Innovationstätigkeit zurückzuführen sein.

  • Eine genauere Analyse zeigt, dass vor allem für die IKT-intensiven Wirtschaftsbereiche nur eine mäßige Entwicklung der Totalen Faktorproduktivität zu verzeichnen ist.
  • Hinsichtlich der Gründungstätigkeit lässt sich zwar eine erhebliche Gründungsdynamik für die digitale Wirtschaft feststellen, diese hat aber Probleme, zu wachsen und sich zu konsolidieren.

Defizite bei der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien

Im internationalen Vergleich weisen deutsche Unternehmen bislang Defizite bei der Nutzung von IKT auf. Viele KMU scheinen die Bedeutung der anstehenden Veränderungen durch den digitalen Wandel bislang nicht voll wahrzunehmen und nutzen IKT zu wenig. 

Finanzierungsprobleme für junge Unternehmen

Zudem haben junge Unternehmen in Deutschland gerade in der Wachstumsphase große Finanzierungsprobleme. Junge Unternehmen können noch nicht nachweisen, dass ihre Geschäftsidee dauerhaft in der Lage ist, Gewinne zu erwirtschaften. Dies versperrt ihnen den Zugang zu Fremdkapital. 

Voraussichtlich kein Verlust von Arbeitsplätzen

Schließlich ist der deutsche Arbeitsmarkt nur bedingt auf den jetzt anstehenden Strukturwandel vorbereitet. Der deutsche Arbeitsmarkt scheint eher durch Ängste als durch Aufbruchstimmung geprägt zu sein. Nach Einschätzung der Autoren sind die massiven Sorgen über einen massiven Wegfall existierender Jobs unbegründet, da einem Wegfall die durch Digitalisierung entstehenden Arbeitsplätze gegenübergestellt werden müssen. Durch die zunehmende Digitalisierung zeichnen sich zudem zahlreiche neue Formen der Beschäftigung wie Crowdsourcing und Job-Sharing ab, die es im Jahr 2000 noch nicht gegeben hat. 

Hohe Regulierung und niedrige Akzeptanz neuer Technologien

Weitere Herausforderungen ergeben sich durch die hohe Regulierung auf den Arbeits- und Produktmärkten. Zudem ist davon auszugehen, dass in einer alternden Gesellschaft die Akzeptanz neuer Technologien sowie der damit einhergehenden neuen Geschäftsmodelle in der Tendenz sinkt. 

Handlungsfelder für die Wirtschaftspolitik

An all diesen Stellschrauben muss die Wirtschaftspolitik nun mit allen Kräften arbeiten, um die Attraktivität des Wirtschafts- und Investitionsstandorts zu stärken. Die Wirtschaftspolitik sieht sich mit der besonders mühsamen Aufgabe konfrontiert, Innovationen nicht nur zu wünschen, sondern durch ihr Handeln tatsächlich zu ermöglichen. Dies wird insbesondere dann nicht gelingen, wenn Wirtschaft und Politik zu sehr an Bestehendem festhalten, statt den Wandel zu fördern. Die Wirtschaftspolitik ist jedoch keine Unternehmensleitung, die den Kurs ihres Unternehmens weitgehend steuern kann. Sie kann lediglich die Weichen für bessere Rahmenbedingungen stellen. 

Die Politik muss sich daher auf diejenigen Instrumente besinnen, welche sie tatsächlich beeinflussen kann. Dazu zählen die Bereitstellung von Infrastruktur, gute gesetzliche wie regulatorische Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln sowie die Bereitschaft, beim politischen Handeln Unternehmergeist und Risikobereitschaft zu honorieren, statt einer plumpen Umverteilungsrhetorik zu folgen. Notwendig sind darüber hinaus hinreichende Investitionen in IKT sowie eine grundlegende Veränderung der Unternehmensbesteuerung, um den Nachteil eines schwach entwickelten Kapitalmarkts zu kompensieren. 

Insgesamt müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden, denn ansonsten könnten Länder wie Deutschland den Anschluss an das weltweite Wirtschaftsgeschehen verpassen.

Autoreninformation 

Dr. Steffen Elstner ist Mitglied im wissenschaftlichen Stab des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.


Dr. Steffen Elstner


Prof. Dr. Lars P. Feld ist Professor für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Universität Freiburg, Direktor des Walter Eucken Instituts, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim BMF, Mitglied des Unabhängigen Beirats des Stabilitätsrats und Sprecher des Kronberger Kreises.

Prof. Dr. Lars P. Feld


Christoph M. Schmidt ist Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Professor für Wirtschaftspolitik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Christoph M. Schmidt



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