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WKO Analyse: Produktivität

April 2017: Publikation der Stabsabteilung Wirtschaftspolitik

In Kürze

Die kontinuierliche Verlangsamung des Wachstums der Arbeitsproduktivität stellt für viele Volkswirtschaften eine Herausforderung auf verschiedenen Ebenen dar:

  • eine alternde Bevölkerung braucht Produktivitätswachstum, um eine steigende Anzahl an Pensionsempfänger/innen zu finanzieren.
  • Die Unternehmen benötigen es, um im internationalen Wettbewerb besser bestehen zu können.
  • Und die Arbeitnehmer/innen, um von nachhaltigen Lohnsteigerungen zu profitieren.

Doch die Zusammenhänge sind komplex und häufig kontextspezifisch. Die Ausgabe 1/2017 der Wirtschaftspolitischen Blätter zum Thema „Produktivität“ beleuchtet einige davon. 

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Wachstum der Arbeitsproduktivität stagniert

Die langfristige Analyse der Arbeitsproduktivität zeigt eine Periode sehr hohen Wachstums nach dem zweiten Weltkrieg von über 5 % pro Jahr in Österreich oder Deutschland. Schon in den 1970er Jahren sinken die Wachstumsraten, ein Wachstum von rund 2 % pro Jahr ist seither Normalität. In den USA stellt sich ab 1995 eine Wiederbelebung des Produktivitätswachstums durch die Informationstechnologie ein, was sich allerdings ab 2005 wieder abschwächte. Seither sind die Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität in den meisten Industrieländern auf weniger als 1 % gesunken (vgl. Kleinknecht).

Die Verlangsamung des Produktivitätswachstums ist auch in Österreich zu beobachten, insbesondere seit 2012 trat eine Abschwächung der Zuwachsraten ein. Da wachsende Arbeitsproduktivität Reallohnsteigerungen ohne Verluste an Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht und den Wohlstand in einer alternden Bevölkerung gewährleistet, ist ein Anstieg der Produktion je eingesetzter Arbeitskraft bzw. Arbeitsstunde essentiell. Selbst bei einer konstanten Erwerbsbevölkerung muss die Wertschöpfung pro Arbeitsstunde steigen, um eine wachsende Anzahl an Pensionsempfänger/innen zu finanzieren. Der langfristige gesellschaftliche Wohlstand hängt somit entscheidend davon ab, wie viel ein/e Arbeitnehmer/in in Österreich erwirtschaften kann (vgl. Weyerstraß).

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Geringes Produktivitätswachstum ist Risiko für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit.


Was beeinflusst die Produktivitätsentwicklung?

  • Rückläufige Investitionen
  • Langsame Diffusion von Innovationen 

Die Gründe für das anhaltend geringe Produktivitätswachstum sind vielfältig und häufig ungeklärt. Eine Kernthese lautet, dass sich die Diffusion von Knowhow zwischen Unternehmen und Regionen verlangsamt hat. Möglichen Erklärungen dafür sind, dass neue und insbesondere Internet-basierte Technologien „Winner‑takes‑all-Märkte“ fördern, sowie dass die Replikation und Adaption von Innovationen schwieriger geworden ist. Da neue Produkte oft eine Vielzahl von Prozessen kombinieren, benötigen Firmen nicht nur die Technik zur Herstellung, sondern müssen diese auch in Marketing, organisatorische Prozesse, usw. einbinden (vgl. Lembcke & Maguire).

Auch der Rückgang der Investitionsquote stellt eine wesentliche Ursache für die Abschwächung des Produktivitätswachstums dar. Schätzungen für Österreich zeigen, dass das Wachstum der Arbeitsproduktivität (pro Stunde) im Jahr 2015 1,8 % anstelle von 0,5 % betragen hätte, wäre die Investitionsquote auf dem Niveau von 1994 (26,3 % statt 22,1 % 2015). Besonders Ausrüstungsinvestitionen erhöhen die Produktivität (vgl. Weyerstraß). 

Eine empirische Untersuchung zur Wirkung von Förderungen für Unternehmen in Deutschland deutet darauf hin, dass Förderungen per se keinen direkten signifikanten Beitrag zur Steigerung der Arbeitsproduktivität haben, dafür aber die Investitionstätigkeit ankurbeln und so einen indirekten Beitrag zum Produktivitätswachstum leisten können (vgl. Kölling).

1,3 %-Punkte höheres Wachstum der Arbeitsproduktivität bei Investitionsquote von 1994 


Arbeitsproduktivität auf Unternehmensebene

Eine wichtige Frage ist auch, ob und wie sich der demographische Wandel und die damit einhergehende Alterung der Erwerbstätigen auf die Arbeitsproduktivität auswirken. Die Berechnung eines Alter-Produktivitätsprofils für Deutschland zeigt, dass die Wertschöpfung pro Kopf von Arbeitnehmern/innen 50+ sich nicht von der Kohorte unter 30 unterscheidet, aber geringer ist als jene von Beschäftigten im mittleren Alter (30-49 Jahre) (vgl. Pfeiffer & Wagner).

Beispiel Bereich der Gesundheitswirtschaft: Innovativ und Personalintensiv. Während der medizinisch-technische Fortschritt selbst durch neue, teure Behandlungen Kosten verursacht, tragen sich etwa 20 % der Kosten durch Produktivitätsgewinne in der Gesundheitswirtschaft selbst. Zudem stellen gesündere Arbeitnehmer/innen eine „Qualitätsverbesserung“ des Faktors Arbeit dar, (arbeitsplatzbezogene) Gesundheitsmaßnahmen führen also zu Produktivitätsgewinnen (vgl. Karman, Plaul & Rösel).

Zudem wirken sich internationale Verflechtungen zwischen Unternehmen auf die Produktivität aus. Es zeigt sich, dass die Kooperation der verarbeitenden Industrie mit in- und ausländischen Unternehmensdienstleistern das Produktivitätswachstum fördert. Die Effekte sind am stärksten in kleinen, offenen Volkswirtschaften wie Österreich, wo vor allem hoch- und mitteltechnologische Industrien von ausländischen Unternehmensdienstleistungen profitieren. Besonders für die kleinen und mittelgroßen EU-Länder erleichtert der europäische Binnenmarkt also eine effiziente Ressourcenallokation (vgl. Leitner & Stehrer).

Schließlich wirken auch die Entlohnung und Arbeitsmarktregulierungen auf das Produktivitätswachstum: Lohnerhöhungen können die Arbeitsproduktivität steigern, während eine vollkommene Deregulierung und eine hohe Fluktuation der Belegschaft negative Auswirkungen haben kann (vgl. Kleinknecht).

Produktivität steigt durch Verflechtunge mit ausländischen Unternehmen


Unterschiedliche Produktivität in Regionen

Die Produktivitätsentwicklung variiert zwischen Ländern, aber vor allem zwischen Regionen. Während in den meisten OECD-Ländern die Arbeitsproduktivität in den Regionen mit dem höchsten Produktivitätsniveau, zumeist urbane Agglomerationen, am schnellsten wächst, ist die Situation in Österreich umgekehrt: Das Produktivitätswachstum ist im Burgenland und in Salzburg am größten, während es in Wien stagniert. Wenn sich die aktuellen Wachstumstrends fortsetzen, dann würde es dennoch 2056 dauern, bis das Burgenland das Produktivitätsniveau Wiens erreicht hat (vgl. Lembcke & Maguire).

Fazit: Produktivitätswachstum als komplexe Heraus-forderung für die gesamte Politik

Um ein bereits sehr hohes Produktivitätsniveau weiter zu steigern, müssen alle Pro duktionsfaktoren noch effektiver eingesetzt werden als bisher. Das benötigt

  • ein Bildungssystem, das eine hochwertige Bildung, Ausbildung und lebenslanges Lernen gewährleistet,
  • ein marktwirtschaftliches Umfeld, das den Unternehmen Wachstum und eine effiziente Ressourcenallokation ermöglicht, anstatt sie mit überbordender Bürokratie und Regulierungen zu belasten, sowie
  • eine Infrastruktur, die die Schaffung und Diffusion von innovativen neuen Technologien und Arbeitsweisen fördert.

Eine effektive Wirtschaftspolitik muss zudem regionale, nationale wie internationale Verflechtungen zwischen Unternehmen und Regionen, sowie regionale und sektorale Charakteristika berücksichtigen und deren Interessen und Bedürfnisse aufeinander abstimmen