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Klaus Weyerstraß: Der Einfluss der Investitionen auf die Arbeitsproduktivität

Ausgabe 1/2017 der Wirtschaftspolitischen Blätter

In Österreich und den meisten anderen Industrieländern hat sich das Wachstum der Arbeitsproduktivität in den vergangenen Jahren markant abgeschwächt. Dies ist problematisch, da das Produktivitätswachstum bei sinkender Erwerbsbevölkerung einen wichtigen Treiber des Wirtschaftswachstums darstellt und sich zudem der Spielraum für Reallohnerhöhungen nach dem Produktivitätsfortschritt bemisst. Eine empirische Analyse zeigt, dass der Rückgang der Investitionsquote eine wesentliche Ursache für das schwache Produktivitätswachstum darstellt. Reformen zur Stärkung der Sachkapitalbildung würden sich also auch positiv auf die Arbeitsproduktivität auswirken.

Die Rolle der Arbeitsproduktivität  

Die Arbeitsproduktivität stellt eine wichtige ökonomische Kennzahl dar, sowohl auf Unternehmens-ebene als auch für Branchen und die Gesamtwirtschaft. Nur eine wachsende Arbeitsproduktivität ermöglicht steigende Realeinkommen, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen. Die Arbeitsproduktivität ist auch ein wesentlicher Einflussfaktor des Wirtschaftswachstums. Bei einer sinkenden Anzahl von Personen im erwerbsfähigen Alter kann der Wachstumsbeitrag des Faktors Arbeit nur durch eine Ausweitung der Arbeitszeit oder durch kontinuierliche Produktivitätsfortschritte aufrechterhalten werden.

Was bei der Analyse beachtet werden muss

Bei der Analyse der Produktivitätsentwicklung sollten längere Zeiträume betrachtet werden, um die Prozyklizität der Arbeitsproduktivität zu berücksichtigen. Da Unternehmen im Konjunkturabschwung in der Regel Arbeitskräfte horten, geht die Produktion stärker zurück als die Beschäftigung, sodass die Produktivität sinkt. Im Aufschwung wird umgekehrt die steigende Nachfrage zunächst mit den vorhandenen Arbeitskräften bedient, sodass die Produktivität deutlich zunimmt.

In Österreich ist das reale BIP je Erwerbstätigen seit der Jahrtausendwende deutlich schwächer gestiegen als noch in den 1970er bis 1990er Jahren. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise wächst die Arbeitsproduktivität in Österreich schwächer als in Deutschland, der Schweiz oder dem USA. Wird das Produktivitätswachstum jedoch auf Basis der Arbeitsstunden gemessen, stellt sich die Entwicklung für Österreich etwas günstiger dar. Österreich liegt dabei über dem Durchschnitt der EU-Länder und auch vor Deutschland, da die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigen in Österreich stärker gesunken ist als in der übrigen EU.

Auch wenn Österreich in den vergangenen Jahren ein unterdurchschnittliches Wachstum der Arbeitsproduktivität aufwies, ist das Niveau im europäischen Vergleich hoch. Im Jahr 2015 wies Österreich eine höhere Produktivität je Erwerbstätigen, aber eine niedrigere Produktivität je Stunde als Deutschland auf. Diese Unterschiede resultieren aus unterschiedlichen Teilzeitquoten, zudem ist in Österreich die Zahl der gesetzlichen Feiertage höher.

Bestimmungsfaktoren der Arbeitsproduktivität

Die Determinanten der Arbeitsproduktivität können aus dem neoklassischen sowie dem endogenen Wachstumsmodell abgeleitet werden. Die Grundlage des neoklassischen Modells bildet eine Produktionsfunktion mit den Faktoren Arbeit, Kapital und technischer Fortschritt. Demnach hängt das Wachstum der Arbeitsproduktivität je Stunde von drei Faktoren ab: der Kapitalintensivierung, der Differenz zwischen der Veränderung der Zahl der Arbeitskräfte und der geleisteten Arbeitsstunden sowie dem Wachstum der totalen Faktorproduktivität (TFP), das vor allem den technischen Fortschritt abbildet. Bei Abweichungen von den Annahmen des neoklassischen Modells kann die TFP neben dem technischen Fortschritt auch durch Faktoren wie unvollkommener Wettbewerb, positive externe Effekte (Bildung, Forschung und Entwicklung etc.), konjunkturelle Einflüsse sowie nicht explizit berücksichtigte Einsatzfaktoren beeinflusst werden.

Die Kapitalintensivierung, also das Wachstum der Kapitalausstattung der Arbeitsplätze, hat sich in Österreich und den anderen betrachteten Ländern abgeschwächt. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass eine schwache Investitionstätigkeit eine Ursache für die Verlangsamung des Wachstums der Arbeitsproduktivität darstellt.

Ein weiterer Grund für die Abschwächung des Produktivitätswachstums kann die Verlangsamung des TFP-Wachstums sein. Unterschiede im TFP-Fortschritt können auch als Hauptgrund für das langsamere Produktivitätswachstum in Europa im Vergleich zu den USA ausgemacht werden. Die TFP ist in Österreich im zurückliegenden Jahrzehnt deutlich schwächer gewachsen als im EU-Durchschnitt, insbesondere seit der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Ausgaben für Bildung, Forschung und Entwicklung befinden sich auf einem hohen Niveau, aber die ökonomischen Erträge der Aufwendungen scheinen in Österreich niedriger zu sein.

Investitionen und Arbeitsproduktivität

Sowohl die neoklassische Theorie als auch die des endogenen Wachstums schreiben den Investitionen eine wichtige Rolle bei der Erklärung des Wachstums der Arbeitsproduktivität zu. Materielle Investitionen beeinflussen direkt den physischen Kapitalstock und damit die Kapitalintensität, immaterielle Investitionen wirken auf den technischen Fortschritt. Indirekte Wirkungen von Investitionen in Maschinen und Geräte gehen zudem vom in neuen Anlagen gebundenen technischem Fortschritt aus.

Mittels eines ökonometrischen Modells für 30 Industrieländer über den Zeitraum 1970 bis 2015 wird untersucht, ob ein signifikanter positiver Einfluss der Investitionsquote auf das Wachstum der Arbeitsproduktivität besteht. Das Modell erlaubt es, das Arbeitsproduktivitätswachstum durch die Veränderung der Investitionsquote zu erklären, indem es die langfristige Gleichgewichtsbeziehung zwischen den Variablen mit den kurzfristigen Abweichungen vom langfristigen Gleichgewicht kombiniert.

Sowohl für die gesamten Anlageinvestitionen als auch separat für die Ausrüstungs- und die Bauinvestitionen kann ein signifikanter positiver Einfluss auf das Produktivitätswachstum nachgewiesen werden. Im Durchschnitt ist eine um einen Prozentpunkt höhere Investitionsquote mit einer um knapp 0,1 Prozentpunkte höheren Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität verbunden. Für die Ausrüstungsinvestitionen ist der Effekt mit knapp 0,4 Prozentpunkten wesentlich größer, während für die Bauinvestitionen nur ein sehr kleiner Effekt gefunden werden kann. In Österreich stieg im Jahr 2015 die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen um 0,2 %, je Stunde um 0,5 %. Die Investitionsquote belief sich auf 22,1 %. Hätte die Investitionsquote wie im Jahr 1994 26,3 % betragen, dann wäre die Arbeitsproduktivität gemäß den Ergebnissen um 1,9 % bzw. um 1,8 % gestiegen.

Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen

Die hohe Arbeitsproduktivität in Österreich ist auf das gute Qualifikationsniveau der Erwerbstätigen und die hochwertige Kapitalausstattung der Arbeitsplätze zurückzuführen. Die totale Faktor-produktivität wird vor allem von Forschung und Entwicklung beeinflusst. Staatliche Investitionen in Bildung und Forschung sowie die Förderung von Innovationen im Unternehmenssektor bilden Ansatzpunkte für die Wirtschaftspolitik zur Stärkung der Arbeitsproduktivität. Auch der internationale Handel ist förderlich für die Produktivitätsentwicklung, da Freihandel eine Vertiefung der globalen Wertschöpfungsketten und damit eine Spezialisierung gemäß komparativer Vorteile ermöglicht.

Der tendenzielle Rückgang der Investitionsquote kann als eine wesentliche Ursache für die Abflachung des Produktivitätswachstums in Österreich und anderen Industrieländern identifiziert werden. Maßnahmen zur Belebung der Sachkapitalbildung würden über eine Steigerung der Kapitalintensität positiv auf die Arbeitsproduktivität wirken. Lockerungen im Bereich der Bürokratie, etwa bei der Unternehmensgründung, sowie eine konsequente Umsetzung des europäischen Binnenmarkts, auch bei den Dienstleistungen, gelten als weitere wirtschaftspolitische Ansatzpunkte. 

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Autoreninformation

Klaus Weyerstraß
PD Dr. Klaus Weyerstraß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Höhere Studien (IHS) sowie an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und Lehrbeauftragter an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seine Forschungsinteressen umfassen die wirtschaftliche europäische Integration, Konjunkturanalysen und –prognosen, Wachstumsanalysen sowie makroökonomische Modellierung.