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WKO Analyse: Datenökonomie 

Dezember 2019: Publikation der Abteilung Wirtschafts- und Handelspolitik

Die Datenökonomie der EU war 2018 fast so groß wie das BIP Österreichs. Es ist ein wichtiger und schnell wachsender Teil der europäischen Wirtschaft, der es Wert ist, genauer betrachtet zu werden.


Die Datenökonomie der EU28 wurde in einer Studie für die Europäische Kommission im Jahr 2018 auf € 377 Mrd. und somit 2,6 % des BIPs der EU geschätzt. Dieser Wert soll bis 2025 im Basisszenario auf € 680 Mrd. ansteigen und 4,2 % des Europäischen BIPs ausmachen. Der Umfang der Datenökonomie ergibt sich aus den Auswirkungen des Datenmarktes, auf dem bis 2025 voraussichtlich mehr als 300.000 Unternehmen datenbezogene Produkte und Dienstleistungen anbieten werden. Etwa 800.000 Unternehmen sollen 2025 ihre erzeugten Daten intensiv verwerten. Außerdem geht die Kommission davon aus, dass bis 2025 mehr als 11 Million Menschen als Datenexperten daran arbeiten werden, Daten zu sammeln, zu verwalten, zu interpretieren und zu visualisieren.

Die Datenökonomie der EU28 wurde von der Europäischen Kommission 2018 auf € 377 Mrd. geschätzt.

Die europäische Datenökonomie wird demnach in den nächsten Jahren einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und der Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen leisten. Es stellt sich die Frage, unter welchen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen diese optimal gedeihen kann und welche Herausforderung noch bestehen. Laut der erwähnten Studie wird beispielweise erwartet, dass auf die EU bis 2025 ein nicht gedeckter Bedarf von mehr als einer Million Fachkräften in der Datenökonomie zukommen wird.

Die Autoren dieser Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter haben eine Vielzahl an interessanten Aspekten der Datenökonomie bearbeitet.

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Der österreichische Datenmarkt

Innerhalb Europas weisen Island und Luxemburg die höchsten „digitalen Alphabetisierungsquoten“ auf.

Laut Bruck hat Österreich wesentlichen Aufholbedarf bei der marktwirtschaftlichen Verwertung von Daten: Viele Unternehmen konzentrieren sich darauf, bestehende Prozesse zu digitalisieren und nicht auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Durch die Verbreitung von Sensorik, Konnektivität und Softwareplattformen entstehen wirtschaftliche Chancen in alle Branchen, von der Buchhaltung über die Kommunikation bis hin zur Industrieproduktion. Risiken entstehen jedoch, wenn Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nicht ausreichend nutzen, da Wettbewerber Marktlücken füllen und neue Lösungen anbieten. Dadurch gehen Marktpositionen verloren und Kunden - somit Umsätze - wechseln den Anbieter.

Bruck weist darauf hin, dass Österreich im digitalen Wirtschafts- und Gesellschaftsindex der Europäischen Kommission im Mittelfeld liegt. In der Unterkategorie „Business Digitisation“ liegt Österreich unterdurchschnittlich auf dem zehntletzten Platz. Bei der Nutzung von Big Data liegt Österreich laut Eurostat EU-weit auf dem letzten Platz, also beim Anteil der Unternehmen die Big Data analysieren und nutzen.

Ein robuster Datenhandel ist wichtiges Fundament um das Potential der Datenökonomie zu nutzen.

Der robuste und technisch fundierte Datenhandel ist ein wichtiges Fundament, um das Wertschöpfungspotential der Datenökonomie zu nutzen. Data Market Austria soll als Forschungs- und Entwicklungsvorhaben die langfristigen Wachstumsperspektiven im Bereich der Data Services sowie die technologische Realisierbarkeit und rechtliche Sicherung aufzeigen. Durch sicheren Datenhandel kann der Mehrwert des Datenmarktes realisiert werden.

Um die Stärkung der Datenwirtschaft in Österreich voranzutreiben wurde unter Einbindung aller relevanter Stakeholder die interdisziplinäre Data Intelligence Offensive (DIO) gestartet. Die DIO unterstützt die Stakeholder der Datenökonomie dabei einen sicheren, wirtschaftlichen und effizienten Datenaustausch zu verbessern.


Data Governance für wirtschaftlichen Erfolg

Engels führt aus, dass Daten eine wichtige Unternehmensressource sind, jedoch häufig nicht als solche behandelt werden. Durch die richtige Nutzung und passende Data Governance können Unternehmen mithilfe von Daten erfolgreicher und wettbewerbsfähiger werden. Um in der Datenökonomie erfolgreich zu sein, ist Data Governance unerlässlich.

Gutes Data Governance deckt laut Engels mehrere Teildimensionen ab, wird jedoch derzeit selten über Compliance (Einhalten von Gesetzten und Richtlinien) hinaus betrachtet. Data Governance sieht Daten als strategische Vermögenswerte, und stellt diese Unternehmensprozesse und -einheiten, den jeweiligen Anforderungen entsprechend, zur Verfügung.

Nur etwa 20 % der Unternehmen in Europa betreiben eine Data Governance. In den USA liegt dieser Wert bei 30 %.

In den Unternehmen Europas ist Data Governance noch nicht weit verbreitet. Etwa ein Fünftel hat eine Data Governance etabliert und 48 % planen dies zu tun. Damit liegen europäische Unternehmen deutlich hinter den USA, wo 30 % eine Data Governance etabliert haben und 50 % eine solche planen.


Datenbasierte Geschäftsmodelle und KMU

Etablierte KMU haben laut Hoffmann und Schröder häufig nur durch eine Veränderung ihrer Geschäftsmodelle die Möglichkeit der datenbasierten Wertschöpfung. Um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, ist es daher für KMU entscheidend, datenbasierte Innovationen zu analysieren und einzusetzen. Dies geschieht im Zuge eines strategischen Transformationsprozesses, in dem Geschäftsmodelle iterativ an neue Gegebenheiten angepasst werden.

Durch die Datenökonomie kann die Produktivität steigen.

KMU liegen bei der Auswertung von Daten hinter großen Unternehmen, da sie deutlich weniger digitalisiert sind als Zweitere. In Österreich werten 2019 nur 6 % der KMU größere Datenmengen aus, während dies 29 % der größeren Unternehmen tun. Spezialisierte Technologieunternehmen sind hingegen die Treiber bei der Verbreitung von datenbasierten Geschäftsmodellen, wodurch sie ein rasantes Wachstum erfahren und einen großen Teil der diesbezüglichen Wertschöpfung generieren.


Wettbewerbspolitik für die digitale Wirtschaft

Das Wachstum von Online-Plattformen und die Nutzung von großen Mengen an Daten zeichnet laut Haucap die digitale Ökonomie aus. Er sieht dadurch eine Steigerung beim Wettbewerb, jedoch auch neue wettbewerbspolitische Fragen, da durch Plattformen Märkte abgeschottet werden können. 

Diese Tendenzen der Marktabschottung böten Gründe für das Ergreifen neuer wettbewerbspolitischer Maßnahmen. In seinem Beitrag empfiehlt Haucap, Wettbewerbsbehörden zu stärken, damit die Marktbeherrschung durch einzelne Plattformen verhindert werden kann. Beispielswiese könnten Strategien die „Multi-Homing“ – also den parallelen Einsatz mehrere Plattformen – künstlich verhindern, untersucht werden. Die bereits vorhandenen Konzepte von relativer und überlegener Marktmacht bieten sich hierfür an.

Der Zugang zu Daten ist wichtige Voraussetzung um datenbasierte Lösungen anzubieten.

Ebenso sollte laut Haucap der Datenzugang für Dritte vereinfacht werden. Dieser wäre besonders wichtig, wenn ein Unternehmen in einem Markt bereits eine marktbeherrschende Stellung hat. Jegliche Maßnahmen in diesem Bereich sollten jedoch darauf abzielen, Innovations- und Gründungsanreize zu erhalten.


Data-Sharing-Mandate

In Ihrem Beitrag gehen Biancotti und Ciocca auf Data-Sharing-Mandate ein und argumentieren, dass eine hohe Datenkonzentration hinderlich für den Wettbewerb sein kann, da Daten zu einem Schlüsselinput in der Wirtschaft wurden. Die Kontrolle über große Datenmengen in Kombination mit fortgeschrittenen Analysemethoden und Netzwerkeffekten bringen einer kleinen Zahl an Unternehmen (z.B. Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft) einen kompetitiven Vorsprung.

Sie argumentieren daher, dass das Teilen von anonymisierten Daten durch Marktführer für den Wettbewerb in einer Volkswirtschaft förderlich wäre. Sie betonen, dass Daten vor allem auch in der Forschung und Anwendung von Methoden der Künstlichen Intelligenz notwendig sind und das Teilen von Daten Fortschritte in diesem Bereich auf die ganze Wirtschaft ausbreiten könnte.

Besonderes Augenmerk legen die Autoren darauf, dass die Privatsphäre von „Datensubjekten“ in diesem Prozess aufrechterhalten bleiben muss. Hierfür wäre es notwendig, Sicherungsmechanismen einzubauen, die garantieren, dass auch detaillierte Datensätze nicht auf einzelne Personen rückschließen lassen.


Datenökonomie für wirtschaftliche Entwicklung

Arbache und Magalhães untersuchen in ihrem Beitrag den Zusammenhang zwischen der Datenökonomie und wirtschaftlicher Entwicklung. Sie argumentieren, dass das digitale Zeitalter die wirtschaftliche Landschaft verändert: Neue Marktstrukturen sind entstanden, innovative Produkte und Dienstleistungen haben effektivere Lösungen für Unternehmen und Verbraucher angeboten, und Daten sind ein wichtiger Inputfaktor für die Weltwirtschaft geworden. Die Datenökonomie steigert außerdem die Produktivität und bringt den Verbrauchern beispiellose Vorteile. Ebenso setzt sie Unternehmen neuen Ideen und Technologien aus und ermöglicht neue Management- und Geschäftsmodelle.

Die Autoren sehen jedoch auch eine stärker werdende Konzentration auf wenige Plattformen, die für aufstrebende Volkswirtschaften eine Herausforderung darstellen, um die Vorteile der Datenökonomie voll nützen zu können. Sollten die Schwellenländer von der Datenwirtschaft als Motor für die wirtschaftliche Entwicklung profitieren wollen, müssen sie ehrgeizigen Zielen nachgehen.

Wichtig wären dafür Maßnahmen, die darauf abzielen, dass digitale Technologien nicht nur angenommen und verwendet, sondern auch entwickelt werden. Dafür ist es notwendig Bildung, Wissen und Innovation zu stärken. Als bereichsübergreifender Ansatz sollte eine Strategie für die digitale Entwicklung eine symbiotische und komplementäre Beziehung zur Politik in den Bereichen Handel, Investitionen, Bildung, Technologie, Innovation, Dienstleistungen und Wettbewerb aufweisen.


Das BIP in Zeiten der Datenökonomie

Daten können mit geringen Grenzkosten ohne Abnutzung und Verbrauch verarbeitet und verbreitet werden.

Straubhaar führt aus, dass sich die Güter- und Datenökonomie fundamental voneinander unterscheiden. Dies läge daran, dass Daten (monetär) fast nichts kosten und diese nach begleichen der Fixkosten mit sehr geringen Grenzkosten und ohne Abnutzung oder Verbrauch verarbeitet und verbreitet werden können. Ebenso erzeuge die intensive Nutzung und Verbreitung durch Netzwerkeffekte eine Steigerung des Wertes der Daten.

Die Datenwirtschaft erfordert daher laut Straubhaar ein Umdenken im ökonomischen Denken, das sich stark an physischen Gütern orientiert. Sie ist mit einer Entdinglichung, Entterritorialisierung und Entstaatlichung verknüpft, wodurch klassische Konzepte der Nationalökonomie oder Volkswirtschaften nicht mehr voll greifen. 


Fazit

Die Datenökonomie wurde bereits zu einem bedeutsamen Teil der Wirtschaft in Europa. Sie wird voraussichtlich weiterhin schnell wachsen und innovative Lösungen hervorbringen, wirft jedoch auch Fragen bezüglich Wettbewerbsfähigkeit, Wettbewerb, Geschäftsmodellen, etc. auf. Auf einige dieser Fragen und Herausforderungen wird in dieser Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter eingegangen.


Mehr Informationen zu dieser Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter finden sie auf der Homepage der Wirtschaftspolitischen Blätter.

Die Wirtschaftspolitischen Blätter werden in Kooperation mit dem MANZ-Verlag vertrieben und können dort käuflich erworben werden.
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