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WKO Analyse: Nachhaltigkeit

Dezember 2019: Publikation der Abteilung Wirtschafts- und Handelspolitik

Nachhaltigkeit bedeutet langfristig verantwortungsvoll zu handeln


Die Nachhaltigkeit der europäischen Finanzpolitik hat sich verbessert, was sich darin zeigt, dass sich die Verschuldung der EU von 86,6 % in 2014 auf 80 % in 2018 reduziert hat. Zwischen 2007 und Ende 2018 hat die Europäische Investitionsbank mehr als 23 Mrd. Euro an Klimaanleihen („Climate Awareness Bonds“) ausgegeben und im Jahr 2018 sogenannte „Sustainability Awareness Bonds“ gestartet. Die Exportquote der österreichischen Umwelttechnikindustrie beträgt 72 % und trägt durch ihren Umsatz von 9,7 Mrd. Euro (2015) dazu bei, die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen global zu erreichen. Wie man sieht, ist der Nachhaltigkeitsbegriff äußerst vielfältig und hat drei wesentliche Aspekte: ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit.

Unternehmen bestehen, weil sie nachhaltig wirtschaften und um nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen, sind innovative Unternehmen notwendig. Sie erfinden ressourceneffiziente Lösungen und verbreiten diese, indem sie sie erfolgreich kommerzialisieren. Durch das steigende Umweltbewusstsein in Österreich, in Europa aber auch weltweit, entsteht ein wachsender Markt für neuartige Lösungen.

2007-2018 wurden von der Europäischen Investitionsbank mehr als 23 Mrd. Euro an Klimaanleihen ausgegeben.

Um die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaften voranzutreiben, ist es unerlässlich, einen globalen Blick zu bewahren, der systemische Zusammenhänge nicht außer Acht lässt. Maßnahmen, die von ökologischer Nachhaltigkeit motiviert sind, jedoch ökonomisch nachhaltiges Wirtschaften verunmöglichen, können negative globale ökologische Effekte haben. Wenn Produktionsprozesse aus Ländern mit hohen Standards in Regionen mit niedrigen Standards verlegt werden, da sie auf Grund erhöhter ökologischer Auflagen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verlieren, ist die globale ökologische Bilanz negativ.

Autoren und Autorinnen dieser Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter haben sich mit einigen nachhaltigkeitsbezogenen Themen und Fragen auseinandergesetzt. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre. 


Mehr lesen


Nachhaltige Finanzierung erfolgreich gestalten

Demary und Neligan argumentieren, dass das derzeitige Rahmenwerk für nachhaltige Finanzierungen in der EU unausgewogen ist und zu stark die Sicht von Investoren und weniger jene der Emittenten betont. Finanzierungskosten können derzeit für Unternehmen steigen, da weder Vorleistungsgüterproduzenten zu grünen Endprodukten, noch der Beitrag von Investitionen zur Emissionsreduktion berücksichtigt wird.

Die Autoren empfehlen den Fokus auf grüne Wertschöpfungsketten zu legen, wodurch auch Vorleistungsgüterproduzenten die Möglichkeit haben, grüne Anlagen zu emittieren, vorausgesetzt sie leisten einen Beitrag zu grünen Produkten. Ebenso sollten aus ihrer Sicht grüne Anleihen ausgegeben werden können, wenn dieses Kapital in Investitionen in Technologien fließen, die Emissionen deutlich reduzieren.


Nudging und Nachhaltigkeit

Unter Nudging versteht man laut Bornemann und Burger, das Verhalten von Personen gezielt und effizient durch „sanfte“ Impulse zu beeinflussen. Mit Bezug auf Nachhaltigkeit könnte dieses Prinzip verwendet werden, um nachhaltiges Verhalten zu unterstützen. Es gibt Nachweise, dass durch Nudging ressourceneffiziente Verhaltensweise angeregt werden können.

Die Autoren bewerten die Chancen und Risiken von Nudging für eine gesellschaftliche Transformation anhand der Kriterien ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit. Sie argumentieren, dass Nudging und Nachhaltigkeit nicht unvereinbar sind, jedoch gewisse Nebenwirkungen auftreten könnten. Beispielsweise kann Nudging einerseits ressourceneffiziente Verhaltensweise fördern und andererseits zu Nebeneffekten führen, die z.B. den Energieverbrauch erhöhen.

Mittels Nudges können durch „sanfte“ Impulse Verhaltensweisen hin zu mehr Nachhaltigkeit beeinflusst werden.

Nudges sind ein interessantes Werkzeug, jedoch sollten je nach Anwendungsfall potenzielle Chancen und Nebenwirkungen genau bedacht werden, um darauf bei der konkreten Ausgestaltung einzugehen


Intelligente Eisenbahnnetze für nachhaltige Mobilität

Knieps untersucht Möglichkeiten, die sich durch das Internet der Dinge bieten, um im Schienenverkehr intelligente Netze zu implementieren. Insbesondere wird die Entwicklung hin zu 5G-Mobilfunknetzen und die Innovationspotenziale, die sich daraus ergeben, betrachtet.

Die europäischen Schienensysteme sind zunehmend ausgelastet, jedoch können durch neue Technologien die Kapazitäten weiter erhöht werden. Der derzeitige Standard zur Zugüberwachung (ETCS) basiert z.B. auf alten Mobilfunkstandards, die nur geringe Datenübertragungsraten erlauben. Die neueste Version des ETCS-Standards ermöglicht eine höhere Auslastung, jedoch wird dafür auch ein schnelleres und verzögerungsfreies Mobilfunknetz benötigt, um einzelne Züge sicher steuern zu können. 

5G-Mobilfunknetze können genutzt werden, um Eisenbahnsysteme effizienter zu gestalten.

Zuverlässige Breitband-Internetverbindungen sind eine wichtige Voraussetzung dafür: Durch 5G-Netze können Daten sehr schnell und ohne große Verzögerung übertragen werden. In einem weiteren Schritt wird dadurch möglich, virtuelle Eisenbahnnetze zu betreiben, die die Sicherheit physischer Netze erhöhen.


Eco-Innovationen messbar machen 

Kemp präsentiert gemeinsam mit elf weiteren Co-Autoren ein Handbuch für die Messung von Eco-Innovationen. Dabei gehen sie auf wichtige Definitionen ein, auf mögliche Messmethoden und auf ihren Vorschlag eines Indikatorensystems für die Messung von Eco-Innovationen.

Das viersäulige Messsystem, dass die Autoren vorschlagen, basiert auf Umweltindikatoren, Eco-Innovations-Indikatoren, Eco-Politik-Indikatoren und Sozioökonomische Well-Being-Indikatoren. Umweltindikatoren bilden die Grundlage für die Messung der Auswirkungen von Eco-Innovationsaktivitäten und Eco-Politiken. Eco-Policy-Indikatoren messen den Einfluss von Politiken auf die Umweltleistung durch Öko-Innovationen und können so Policy-Lücken identifizieren. Indikatoren für das sozioökonomische Wohlergehen stellen einen vierten Typ dar, der eine wertvolle Rolle spielt, um sicherzustellen, dass Verlagerungen zu einer nachhaltigen Wirtschaft nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

In Ihrem Handbuch zu Eco-Innovationen arbeiten Kamp et. al daran, Eco-Innovationen messbar zu machen.

Kemp et al. empfehlen Definitionen von Eco-Innovationen international zu harmonisieren, um Daten besser sammeln zu können und Vergleichbarkeit zu garantieren. Weiters empfehlen sie mehrere Maßnahmen, die darauf abzielen, die statistische Erfassung von Eco-Innovationen zu verbessern und die Verwertbarkeit der erstellten Daten sicherzustellen.


Die Chancen der Zirkulärwirtschaft

Hansen und Schmitt sehen die Zirkulärwirtschaft als Quelle für neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Form des Wirtschaftens hat positive umweltbezogene Nachhaltigkeitseffekte. Unternehmen spielen darin eine wichtige Rolle als Innovatoren und können neue Standards setzten. Dadurch entstehen Nachahmungseffekte und mehr Unternehmen bringen sich in Prozesse der Zirkulärwirtschaft ein.

Die Zirkulärwirtschaft kann Unternehmen wettbewerbsfähiger machen und den Ressourcenverbrauch reduzieren.

Um in diesem Bereich erfolgreich Innovationen umzusetzen, sehen Sie jedoch auch die Notwendigkeit, dass sich Unternehmen wichtige Kompetenzen im Produktdesign, in der Geschäftsmodellentwicklung, im Management von Produktrückflüssen und in der wertschöpfungsübergreifenden Zusammenarbeit aufbauen. Diese Kompetenzen sind erforderlich, um in der Zirkulärwirtschaft erfolgreich zu sein.


Nachhaltige Investmentstrategien

Gabriel stellt in seinem Beitrag nachhaltige Investmentstrategien vor. Beispielsweise können Investments auf Basis von Positivkriterien getätigt werde. Hierbei steht im Vordergrund, dass gezielt in Unternehmen investiert wird, die zu nachhaltiger Entwicklung beitragen. Dies kann einen Wettbewerb erzeugen, innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die einen besonders starken Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten.

Impact Investment zielt darauf ab durch Investitionen klar definierte gesellschaftlich relevante Wirkungen zu erzeugen.

Eine weitere Investmentstrategie ist das Impact Investment, bei dem darauf abgezielt wird, eine besonders hohe „Wirkung“ zu erreichen. Dabei wird klar definiert, welche Wirkung erreicht werden möchte und welche Risiken das nach sich zieht. Impact Investments können z.B. auf bestimme soziale oder ökologische Wirkungen abzielen.

Gabriel argumentiert, dass durch die Integration von Nachhaltigkeitskriterien, der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens gestärkt werden kann. Indem nachhaltige Ansätze wirtschaftlich erfolgreich sind, können die Hebel der Finanzmärkte genutzt werden, um Kapital zu mobilisieren.


Innovation durch Social Entrepreneurship

Wendt beschreibt in ihrem Artikel das Konzept der „Social Entrepreneurs“ und skizziert ihre Relevanz für das Wirtschaftssystem. Diese Unternehmer und Unternehmerinnen sehen globale und lokale gesellschaftliche Herausforderungen als Möglichkeiten, wirtschaftliche Potenziale zu heben und gleichzeitig gesellschaftliche Probleme zu lösen. Dafür müssen „Social Entrepreneurs“ jedoch funktionierende Geschäftsmodelle entwickeln und auch im Stande sein, diese zu skalieren.

Die gewählte Skalierungsstrategie ist dabei von den Schlüsselfaktoren des Unternehmens wie Lebensfähigkeit des operativen Modells oder notwendige Managementkompetenzen abhängig. Laut Wendt ist es wichtig, dass ein operatives Modell dafür reproduzierbar ist, also leicht z.B. auf neue Standorte übertragen werden kann. Die Reproduzierbarkeit erhöht sich, wenn die Kernpfeiler des Modells durch Standardisierung und Mechanisierung vereinfacht werden.


Fazit

Das Thema Nachhaltigkeit bringt viele Chancen und Herausforderungen. Umwelttechnologie von Unternehmen aus Österreich kann dazu beitragen, nachhaltige Entwicklung global zu ermöglichen. Bei ökologisch motivierten Maßnahmen, ist jedoch besonders darauf zu achten, dass die Produktion von Industriegütern durch erhöhte Auflagen nicht in Regionen mit niedrigen Standards abwandern und dadurch die globale CO2-Bilanz verschlechtert wird.


Mehr Informationen zu dieser Ausgabe der Wirtschaftspolitischen Blätter finden sie auf der Homepage der Wirtschaftspolitischen Blätter.

Die Wirtschaftspolitischen Blätter werden in Kooperation mit dem MANZ-Verlag vertrieben und können dort käuflich erworben werden.
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