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Wettbewerbsfähigkeit in der digitalen Ökonomie: Eine Standort-Perspektive | Alexander Börsch 

Ausgabe 2/2018 der Wirtschaftspolitischen Blätter

Digitale Technologien transformieren viele Bereiche des Wirtschaftslebens in ungeahnter Geschwindigkeit. Dabei ist Digitalisierung kein trennscharfer Begriff und wird in verschiedenen Branchen und Unternehmen unterschiedlich interpretiert. Für manche Unternehmen bedeutet es interne Prozesse digital und effizienter zu machen. Für andere, beispielsweise im Konsumentenbereich und im Retail Banking, bedeutet es den Auf- und Ausbau digitaler Kanäle. Für Industrieunternehmen bedeutet es, digitale und vernetzte Produktionsmethoden einzuführen (Industrie 4.0). In anderen Branchen geht es um die Entwicklung und Einführung ganz neuer digitaler Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, wie z.B. Drohnen, selbstfahrende Autos, Bitcoins oder Sharing Economy Geschäftsmodelle. 

Gemeinsam ist diesen Beispielen, dass die Digitalisierung Wettbewerbsvorteile von Unternehmen verändert. Diese werden entweder über Kostenvorteile durch digitalisierte Prozesse oder über Differenzierung durch neue Kanäle, neue Produkte oder neue Geschäftsmodelle erreicht. In diesem Sinne hängt die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Standorten zunehmend von ihren digitalen Kompetenzen ab. 

Aus einer Standortperspektive sind vor allem vier Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit wichtig, nämlich Talente, digitale Investitionen, Innovationen sowie regionale Ökosysteme/Cluster:

  • Humankapital als kritischer Engpassfaktor
    Die digitale Ökonomie ist in außerordentlich hohem Maße auf hochqualifizierte Arbeitnehmer angewiesen. Neue Ideen, neues Wissen und neue Technologien können nur von hochqualifizierten Experten entwickelt und angewendet werden. Somit ist Humankapital zum entscheidenden Innovationstreiber geworden.
  • Digitale Investitionen und Intangible Assets 
    Das Investitionsverhalten von Unternehmen ist durch die Digitalisierung im Wandel begriffen. Der traditionelle Investitionsbegriff, der sich auf Gebäude, Anlagen und Maschinen fokussiert, wird der digitalen Ökonomie nicht gerecht. Intangible Assets (Software, Datenbanken, R&D, Trademarks, firmenspezifisches Humankapital, Branding und Marketing) sind hier die hauptsächlichen Assets, in die Investitionen fließen. Der Investitionsbegriff wird damit deutlich breiter und schließt primär Assets ein, die weder physisch noch direkt monetarisierbar sind wie bei klassischen Investitionen. Dieser Wandel in den Investitionsstrategien bedeutet, dass der traditionelle Investitionsbegriff und damit die Messung von Investitionen überprüft werden muss.
  • Neue Innovationsmuster: Start-ups und Ökosysteme 
    Ein zentraler Aspekt bei der Digitalisierung der Wirtschaft ist die Entstehung neuer Innovationsmuster. Innovationen finden nicht zwangsläufig in großen Forschungsabteilungen statt, sondern können mit vergleichsweise wenigen Ressourcen von kleinen Teams vorangetrieben werden. In diesem Kontext wird auch der Begriff des Innovations-Ökosystems wichtig. Ökosystem ist dabei eine Metapher dafür, dass Innovationen über Unternehmensgrenzen hinweg in Kooperationen entwickelt werden und verschiedene Akteure, wie Unternehmen, Universitäten und Start-ups einschließen. 
  • Renaissance der Cluster 
    Während in der Frühphase der Digitalisierung die Vorstellung vorherrschte, dass digitale Technologien eine entgrenzte Wirtschaft ermöglichen, in der Standorte weitgehend irrelevant werden, ist das Gegenteil eingetreten. Nicht zuletzt die Leitindustrie der Digitalisierung, die Software-Industrie, ist in höchstem Maße konzentriert. 

Die digitale Wettbewerbsfähigkeit in einer Standortperspektive kann als Fähigkeit eines Landes oder einer Region verstanden werden, innovative digitale Technologien zu entwickeln, zu kommerzialisieren, anzuwenden und damit langfristig den Wohlstand zu sichern. Laut Berechnungen von Deloitte sind die führenden OECD-Ländern in Hinblick auf die digitale Wettbewerbsfähigkeit die USA, Finnland und Israel, gefolgt von Südkorea und Kanada. Deutschland und Österreich befinden sich im Mittelfeld. Österreich befindet sich in den Bereichen Talente und Investitionen knapp unter dem Durchschnitt der OECD-Ländern, nicht zuletzt durch eine vergleichsweise geringe Zahl an MINT Studenten.

Die digitale Wettbewerbsfähigkeit ist ein Querschnittsthema und tangiert viele Bereiche der Standort-, Wirtschafts- und Technologiepolitik. Für Politik und Wirtschaft ergeben sich hauptsächlich folgende drei Ansatzpunkte:

  • Fokus auf Talente und Humankapital 
    Die Wirtschafts- und Standortpolitik muss die Bildungs-, Aus- und Weiterbildung priorisieren. Ebenso wie viele der heute gefragten Berufe – Data Scientist, Mobile Developer oder Social Media Manager – vor wenigen Jahren noch nicht existierten, wird es viele Berufsbilder geben, die heute noch völlig unbekannt sind. Von daher muss das Ausbildungssystem flexibel bleiben, neue berufliche Anforderungen und Fähigkeiten schnell reflektieren und Kompetenzen vermitteln, die in der digitalen Welt vielfältig einsetzbar sind. Dazu gehören neben analytischen und digitalen ebenso soziale Fähigkeiten und Kreativität
  • Neue Ausbildungsmöglichkeiten für neue Technologien 
    Zu dieser Flexibilität in der Ausbildung gehört auch, schnell neue Technologien in Forschung und Ausbildung zu integrieren, um in den neuen Gebieten eine führende Position einnehmen zu können. Hier bietet sich auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und Wirtschaft an.
  • Cluster und Standortattraktivität weiterentwickeln 
    Die digitale Wettbewerbsfähigkeit von Ländern basiert auf der Wettbewerbsfähigkeit der führenden Regionen in einem Land. Das Silicon Valley oder Tel Aviv stehen exemplarisch dafür. Diese stark regionale Komponente erfordert eine Weiterentwicklung der Cluster-Politiken. Darüber hinaus zeigt sich im digitalen Bereich eine zunehmende Spezialisierung regionaler Cluster. Von daher kommt es für Regionen darauf an, ihre spezielle Nische in der digitalen Ökonomie zu finden, für die vorhandene Stärken am relevantesten sind. Ebenfalls wichtig für die Standortattraktivität ist die Lebensqualität. Die „kreative Klasse“ ist mobil und Städte können sie durch Attraktivität und hohe Lebensqualität anziehen. 

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Autoreninformation

Dr. Alexander Börsch ist Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte Deutschland. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Wachstum und Konjunktur, digitale Ökonomie, Brexit sowie Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, Städten und Ländern.

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