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Michael Grömling: Was blockiert private Investitionen in Deutschland?

Ausgabe 3/2017 der Wirtschaftspolitischen Blätter

Zusammenfassung

Anhand einer Unternehmensbefragung wurden Investitionshemmnisse in Deutschland im Herbst 2014 und im Frühjahr 2017 ermittelt. Eine fehlende Güternachfrage zählt nicht zu den vordringlichen Investitionshemmnissen. Zwar hat sich das Niveau an politischer Unsicherheit merklich erhöht, was auch über ein Viertel der Unternehmen als ein starkes Investitionshemmnis wahrnehmen. Im Frühjahr 2017 nennen Unternehmen vor allem wirtschaftspolitische Investitionshemmnisse, v.a. das hohe Regulierungsniveau und die Bürokratie. Auch hohe Energie- und Arbeitskosten, Unternehmenssteuern und Fachkräftemangel bremsen Investitionen.

Hat Deutschland eine Investitionsschwäche?

Ob Deutschland derzeit unter einer Investitionsschwäche leidet, ist empirisch nicht eindeutig festzustellen. Das gegenwärtige Niveau der Investitionsquoten ist schon seit fast 15 Jahren zu beobachten. Allerdings fiel in Deutschland das Wachstum des Kapitalstocks zuletzt schwächer aus. Die Kapitalbildung hält mit dem steigenden Arbeitseinsatz nicht Schritt, sodass die Kapitalintensität seit gut 10 Jahren stagniert. Auch der Modernisierungsgrad des Kapitalstocks geht zurück. Dies kann einerseits zu schwache Investitionen signalisieren, andererseits kann sich auch das Investitionsverhalten der Unternehmen verändert haben.

Zunehmende politische Verunsicherung

In der Diskussion über die Investitionen und den Kapitalstock wird gefragt, ob eine zunehmende wirtschaftliche Verunsicherung der Unternehmen ihre Investitionsneigung beeinträchtigt. In den letzten Jahren hat sich die wirtschaftspolitische Unsicherheit erhöht, bis einschließlich Juni 2017 befindet sie sich auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Das Niveau der Unsicherheit in Deutschland war bereits während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 merklich höher als etwa nach den Terroranschlägen in den USA 2001. Einen erheblichen Schub erfuhr die Verunsicherung in Deutschland mit der eskalierenden Staatsschuldenkrise in Europa im Jahr 2011. Mit dem Abstimmungsergebnis im Vereinigten Königreich zum Austritt aus der EU entstand eine neue Welle der Unsicherheit, die im November 2016 mit der US-Wahl einen weiteren Impuls bekam. Ein Blick in die Vergangenheit lehrt, dass solche institutionellen Verschlechterungen den Handel, die grenzüberschreitenden Unternehmensfinanzierungen und die Mobilität von Fachkräften beeinträchtigen und das Wachstum der Weltwirtschaft nachhaltig bremsen können.

Eine Unternehmensbefragung zur Analyse der Investitionstätigkeit

Um den Einfluss der Unsicherheit auf die Investitionstätigkeit zu beantworten, befragte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Frühjahr 2017 die Unternehmen in Deutschland nach den wichtigsten Investitionshemmnissen. Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage werden mit einer ähnlichen Umfrage aus dem Herbst 2014 verglichen.

Im Herbst 2014 gab über die Hälfte der befragten Unternehmen an, dass die weltwirtschaftliche Unsicherheit ihre Investitionstätigkeit stark hemmt. Nur 14 % sahen darin überhaupt kein Hemmnis. Obwohl die politische Unsicherheit seither deutlich angestiegen ist, beeinträchtigt dies bei weitem nicht mehr so stark die Investitionsneigung. Die weltweit hohe Unsicherheit infolge von Protektionismus ist nunmehr für 28 % aller Unternehmen ein starkes Investitionshemmnis. Die wirtschaftliche Unsicherheit in Europa bremst 27 % der Unternehmen in hohem Maß. Nur für rund ein Viertel der Unternehmen sind globaler Protektionismus und wirtschaftliche Unsicherheit überhaupt kein Problem.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland in den letzten vier Jahren von jahresdurchschnittlich 1,5 % entsprach dem Wachstumsbeitrag der Inlandsnachfrage. Der Außenbeitrag war nahezu neutral. Der expandierende Arbeitsmarkt und die damit einhergehende Einkommensentwicklung bestimmen im Wesentlichen das Konsum- und Wirtschaftswachstum der letzten Jahre. Nur knapp 12 % der Unternehmen geben im Frühjahr 2017 an, dass eine schwache Inlandsnachfrage ihre Investitionen im Inland hemmt. Für die Hälfte der Unternehmen ist die Binnenkonjunktur überhaupt keine Investitionsblockade.

Wirtschaftspolitisch verursachte Investitionshemmnisse

Mit Blick auf Bürokratie und Regulierungen haben sich die Rahmenbedingungen verschlechtert. So gab im Frühjahr 2017 gut die Hälfte der Unternehmen in Deutschland an, dass hohe Bürokratie und Regulierungen die Investitionsanreize im Inland stark bremsen. Dies ist das Investitionshemmnis mit dem größten Wert.

Der Anteil der Firmen, die sich aufgrund von Unternehmenssteuern von Investitionen abhalten lassen, lag im Frühjahr 2017 wie auch im Herbst 2014 bei über einem Drittel. Vor allem unter den kleinen Unternehmen beklagen 50 % die hohe Besteuerung als ein starkes Investitionshindernis. Bei den mittelständischen Firmen sind es gut 37 %, bei den Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten 18 %.

Die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten sind ein Standorthandikap. 38 % aller befragten Firmen nannten diesen Kostenfaktor als ein starkes Investitionshemmnis (Herbst 2014: 50 %). Die stark rückläufigen Preise haben die Bedeutung der Energiekosten relativiert, nicht jedoch die belastende Gesetzgebung im Energiebereich aufgehoben, die die Planungssicherheit für energieintensive Unternehmen in Deutschland einschränkt.

Im Frühjahr 2017 gaben 21 % aller Unternehmen an, dass Mängel bei der Infrastruktur für sie ein Investitionshemmnis darstellen. Die vorwiegend staatliche Infrastruktur – vor allem im Verkehrs- und Versorgungsbereich sowie bei der Breitbandversorgung – kann als ein komplementärer Produktionsfaktor verstanden werden. Im Vergleich zum Herbst 2014 hat sich die Bedeutung der Infrastruktur als Investitionsblocker in Deutschland leicht verschärft: Der Anteil der stark beeinträchtigten Firmen stieg zwar nur um 2 Prozentpunkte, der Anteil der nicht betroffenen Firmen sank dagegen stark von 39 % auf 32 %.

Die deutsche Wirtschaft, v.a. die Industrie, hat im internationalen Vergleich hohe Arbeitskosten. Infolge der ebenfalls höheren Produktivität fällt der Lohnstückkostennachteil geringer aus. Im Rahmen der Unternehmensbefragung vom Frühjahr 2017 gaben jedoch gut 44 % aller Firmen an, dass hohe Arbeitskosten ein starkes Investitionshemmnis sind.

Investitionen im Ausland zur Kostensenkung oder Absatzsteigerung hemmen kaum die Investitionen im Inland. Im Herbst 2014 gaben 19 % der Firmen an, dass kostengetriebene Investitionen im Ausland die Investitionstätigkeit im Inland stark hemmen. Derzeit beläuft sich der Anteil der Firmen, die kostenbedingte Standortverlagerungen zulasten von Inlandsinvestitionen vornehmen, auf nur 10 %.

46 % der Firmen gaben im Frühjahr 2017 an, dass ein Fachkräftemangel ein starkes Investitionshemmnis darstellt. Sachkapital und Humankapital können demnach als komplementäre Produktionsfaktoren verstanden werden. Fachkräftemangel ist in der aktuellen Befragung das Argument mit der zweithöchsten Bedeutung.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Volkswirtschaften sind Finanzierungsschwierigkeiten in Deutschland nach wie vor kein wichtiges Investitionshemmnis. Im Frühjahr 2017 nennen nur 11 % der Firmen Finanzierungsschwierigkeiten als starkes Investitionshindernis, 59 % sehen darin kein Hemmnis.

Im Frühjahr 2017 wurden Unternehmen auch gefragt, ob Unsicherheit aufgrund von neuen Technologien oder im Zusammenhang mit der Digitalisierung ein Investitionshemmnis darstellt. Von den befragten Unternehmen gaben 11 % an, dass die Unsicherheit hinsichtlich neuer Technologien beziehungsweise der Digitalisierung für sie ein starkes Investitionshemmnis.

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Autoreninformation

Prof. Dr. Michael Grömling ist Leiter der Forschungsgruppe Gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Internationalen Hochschule Bad Honnef/Bonn.

Michael Grömling