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Nachhaltige Finanzierung erfolgreich gestalten | Markus Demary, Adriana Neligan

Ausgabe 4/2019 der Wirtschaftspolitischen Blätter

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen mit ihrer umfangreichen Sammlung an nachhaltigen Entwicklungszielen ist ein globales Abkommen mit einem umfassenden Aktionsplan, der alle Länder und Interessensgruppen inkludiert. Unternehmen nehmen hier eine Schlüsselrolle für die Erreichung der Ziele ein. Die Europäische Union (EU) hat ambitionierte Klima- und Energieziele definiert, die die EU auch durch Einbeziehung des Finanzsystems in den Klimaschutz erreichen möchte. Ein Markt für grüne Anleihen ist ein Bestandteil dieser Strategie.

Grüne Investitionen und deren Finanzierung

Um die Agenda 2030 umzusetzen und die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen, sind umfangreiche Investitionen erforderlich. Laut einer Metastudie von Demary und Neligan beläuft sich der Gesamtinvestitionsbedarf auf 6 bis 7 Billionen US-Dollar weltweit. Über Green Bonds kann der Finanzsektor einen Teil dieses Investitionsbedarfs finanzieren, diese machen jedoch derzeit nur einen geringen Teil des ca. 23 Billionen US-Dollar (2017) schweren Anleihenmarktes aus.

Die EU Initiative zur nachhaltigen Finanzierung

Die Schaffung eines Marktes für grüne Anleihen beginnt mit der Definition von grünen Anleihen. Wird eine Anleihe als „grün“ bezeichnet, ist der Emittent verpflichtet, den Erlös in Projekte oder Technologien zu investieren, die klimarelevant oder umweltfreundlich sind. Die EU hat hierfür Kriterien, ein Klassifizierungssystem und ebenso die Schaffung von Benchmarks zum Vergleich von „Low-Carbon“ und „Positive Carbon Impact“ Investitionen vorgeschlagen. 

Beispielsweise können Erlöse aus grünen Anleihen nur in Projekte investiert werden, die zu folgenden Zielen beitragen:

  • Klimaschutz
  • Klimawandel-Adaptierung
  • Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und Meeresressourcen
  • Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft
  • Reduzierung und Vermeidung von Verschmutzung
  • Schutz gesunder Ökosysteme 

Das Umlenken von Kapitalströmen

Wichtig ist jedoch anzumerken, dass ein wirtschaftspolitisch gelenktes Umleiten von Finanzströmen zu nachhaltigen Investitionen ökonomisch nur gerechtfertigt ist, wenn ein Marktversagen bei der Finanzierung grüner Projekte vorliegt. Wird ohne ein Marktversagen eingegriffen untergräbt die Beeinflussung von Investitionsströmen den Markt in seinen Kernfunktionen. Es gibt durchaus auch Risiken, wenn die Finanzmärkte für die Erreichung politischer Ziele genutzt werden. Beispielsweise wurden in den USA vor der US-Subprime-Immobilienblase, Wohnbauinvestitionen durch den „Community Reinvestment Act“ stark gefördert. Diese zielten darauf ab, die Kreditvergabe an Haushalte auszuweiten. Das Entstehen und Platzen einer grünen Anleihenblase wäre weder für den Standort noch für das Erreichen der Klimaziele nützlich.

Als effizientere Lösung zur Steuerung von Kapitalströmen sollte sich die Beseitigung von Hindernissen für grüne Investitionsprojekten herausstellen: z.B. durch die Beseitigung von Informationsasymmetrien bzgl. der Bewertung von grünen Investitionen oder der Verwendung der eingesammelten Gelder. Die europäischen Green Bond-Standards können hierfür eine Lösung sein.

Green Bonds aus Emittenten-Sicht

Demary und Neligan argumentieren, dass das derzeitige Rahmenwerk für nachhaltige Finanzierungen in der EU unausgewogen ist und zu stark die Sicht von Investoren und weniger jene der Emittenten betont. Finanzierungskosten können derzeit für Unternehmen steigen, da weder Vorleistungsgüterproduzenten zu grünen Endprodukten, noch der Beitrag von Investitionen zur Emissionsreduktion berücksichtigt wird.

Grüne Endprodukte setzen sich häufig aus nicht grünen Vorprodukten zusammen. Die Produktion der Endprodukte kann über grüne Anleihen finanziert werden, aber nicht die Produktion wichtiger Vorleistungsprodukte, wie z.B. der Batterie eines Elektroautos. Für die Lieferanten von Bestandteilen der Batterie kann es daher schwierig und unmöglich werden ihre Investitionen über grüne Anleihen zu finanzieren, obwohl diese für ein grünes Endprodukt notwendig sind. Wäre es möglich, Vorprodukte von grünen Produkten über grüne Anleihen zu finanzieren, würden sich die Gesamtfinanzierungkosten für grüne Produkte reduzieren.

Fazit

Demary und Neligan empfehlen den Fokus auf grüne Wertschöpfungsketten zu legen, wodurch auch Vorleistungsgüterproduzenten die Möglichkeit haben, grüne Anleihen zu emittieren, vorausgesetzt sie leisten einen Beitrag zu grünen Produkten. Ebenso sollten aus ihrer Sicht grüne Anleihen ausgegeben werden können, wenn dieses Kapital in Investitionen in Technologien fließen, die Emissionen deutlich reduzieren. 

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Autoreninformation


Dr. Markus Demary ist Senior Economist für Geldpolitik und Finanzmarktökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft.

Dr. Markus Demary
© IW Köln


Dr. Adriana Neligan ist Senior Economist für Umwelt, Energie, Infrastruktur am Institut der deutschen Wirtschaft.

Dr. Adriana Neligan
© IW Köln