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WKO Analyse: Resilienz

August 2018: Publikation der Stabsabteilung Wirtschaftspolitik

Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Frage der „Resilienz“ von Systemen, Regionen und Volkswirtschaften in den Fokus des medialen wie akademischen Interesses gerückt.

Die Krisenerscheinungen schufen eine Aufmerksamkeit für Länder und Regionen, die den Schockwirkungen und Negativerfahrungen trotzten bzw. sich schnell von den Schrumpfungsprozessen erholten. Darüber hinaus bot der Diskurs um erfolgreiche Krisenbewältigung auch das Potenzial, nicht nur negative Folgen solcher Schockereignisse zu betrachten, sondern auch das Veränderungspotenzial, das eine Krise zu bieten scheint, in den Vordergrund zu rücken (vgl. Wink).

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Resilienz als Widerstandsfähigkeit

Der Begriff der „Resilienz“ wird in vielen unterschiedlichen Disziplinen verwendet und beschreibt im Allgemeinen die Widerstandsfähigkeit von Systemen gegenüber weitreichenden Veränderungen sowie das Vermögen, mit belastenden Situationen und Krisen umzugehen. Das beinhaltet nicht nur das Vermögen, sich zu entwickeln und zu wachsen, sondern auch, sich von überkommenen Strategien und Verhaltensweisen zu verabschieden, Krisenphasen nicht nur überstehen, sondern die damit verbundenen Veränderungsprozesse zu nutzen, sowie neue Ziele zu definieren (vgl. Katzmair). Je nach Definition kann Resilienz bedeuten,

  1. dass Regionen nach einer Störung wieder in ihre alten Entwicklungsmuster zurückfinden („Engineering Resilience“),
  2. dass sich Regionen im Anschluss an einen Schock in Richtung eines neuen Gleichgewichts bewegen („Ecological Resilience“) 
  3. oder, dass Regionen permanenten Anpassungsprozessen als Folge eines Kontinuums an Schocks unterliegen („Evolutionary Adaptive Resilience“) und Adaption dementsprechend ein dauerhafter Prozess ist, der die Überlebensfähigkeit von regionalen Wirtschaftsräumen sichert (vgl. Vöpel und Wolf).
Cover Wipol Blätter
© wkö


Zum Begriff „Resilienz“ gibt es unter-schiedliche Definitionen und Konzepte.



Schockereignisse können regional sehr heterogene Wirkungen entfalten

Dabei versteht die ökonomische Theorie unter Schocks exogene Störeinflüsse auf ein zuvor im Gleichgewicht befindliches System. Schocks können sowohl in Form temporärer Störungen – wie konjunkturelle Effekte, etwa in Form einer Eintrübung der Konsum- und Investitionsgüternachfrage – als auch langfristig wirkende Struktureinbrüche annehmen. Dazu zählen die digitale Transformation, der demografische Wandel, geopolitische Verschiebungen der Handelsbeziehungen oder Veränderungen im regulatorischen Rahmen.
Schocks sind exogene Störeinflüsse auf ein zuvor im Gleichgewicht befindliches System.


  • Solche Schocks können regionale Wirtschaften sowohl im Hinblick auf das Ausmaß der Störung, als auch hinsichtlich des Zeithorizonts der anschließend einsetzenden Erholung unterschiedlich beeinflussen. 
  • Auch das Resultat einer solchen Erholungsphase kann unterschiedlich ausfallen, etwa wenn manche Regionen eine Krise zum Anlass nehmen, um sich standortpolitisch neu zu positionieren, während andere weiterhin innerhalb traditioneller Strukturen agieren (vgl. Vöpel und Wolf). 

Was macht resiliente Systeme bzw. Regionen und Volkswirtschaften aus?

Ein wesentlicher Faktor im Hinblick auf die Resilienz einer Region ist ihre Fähigkeit, auf exogene Veränderungsprozesse nicht einfach nur in Form einer passiven Anpassung zu reagieren, sondern sie aus eigener Kraft zu lenken und im Sinne einer Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit zu gestalten. Das wiederum setzt sowohl ein ausreichendes Maß an innerregionalem Innovationspotenzial als auch eine entsprechende Gründerdynamik und –mentalität voraus. Eine grundlegende Voraussetzung für ein hohes Innovationspotenzial ist zunächst eine qualifizierte, gut ausgebildete und spezialisierte Bevölkerung (Vgl. Vöpel und Wolf).
Wesentlich ist die Fähigkeit, Veränderungs-prozesse aus eigener Kraft zu lenken und zu gestalten. 


Darüber hinaus zählen zu den strukturellen Faktoren, die die wirtschaftliche Resilienz von Regionen begünstigen, auch Offenheit und Kreativität (Vgl. Wink). Eine Kultur der Offenheit beinhaltet nicht nur die Offenheit gegenüber neuen Lösungen und neuen Ideen, sondern auch gegenüber neuen Herangehensweisen und Fragestellungen (vgl. Katzmair). Offenheit zeigt sich darüber hinaus in der Absorbtionsfähigkeit von neuem Wissen, das außerhalb der Region entstanden ist, beispielsweise durch F&E-Kooperationen von Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit regionsexternen Partnern.

Im Bereich der Kreativität werden positive Impulse durch Gründungsneigungen, Entwicklung patentfähigen Wissens, aber auch soziale Innovationen durch neue Initiativen in der Zivilgesellschaft erzielt (vgl. Wink).


Österreich: hohes Maß an Resilienz

Analysen zeigen, dass Österreich im Vergleich mit anderen industrialisierten Volkswirtschaften ein hohes Maß an Resilienz gegenüber externen Güternachfrageschocks aufweist. So hat Österreich – wie auch die Schweiz - die Finanz- und Wirtschaftskrise im internationalen Vergleich recht gut überstanden, obwohl diese Länder als kleine offene Volkswirtschaften gegenüber globalen Schocks naturgemäß besonders exponiert sind (vgl. Eichler und Bill-Körber).
Österreich hat die Wirtschafts- und Finanzkrise gut überstanden.

Resilienz auf den Finanzmärkten

Die Resilienz der Finanzmärkte hängt von den auf den Märkten aktiven Finanzakteuren bzw. von den Institutionen und Firmen ab, die durch Gesetz oder Übereinkunft geschaffen worden sind. Das sind zuerst Banken, aber auch Versicherungen, Fonds, Firmen und öffentliche Körperschaften, die am Finanzmarkt aktiv sind. Historisch waren das plötzliche Ansteigen von Zinssätzen oder Wechselkursänderungen Ursachen von Schocks, die Banken und häufig ganze Staaten in Schwierigkeiten gebracht haben (vgl. Felderer).


Resilienz von Staaten 

Die Frage nach der Resilienz des Staates betrifft u.a. die Frage nach der Rückzahlungsfähigkeit der Schulden des Staates. Offensichtlich ist bei einer hohen Staatsschuldenquote und hohen Zinsen die Rückzahlung schwieriger. Eine Grenze wird erreicht, wenn der Zinsendienst durch die Steuereinnahmen des Staates nicht mehr geleistet werden kann. Wenn das Vertrauen der Finanzmärkte verloren geht – und dies kann sehr kurzfristig passieren – springen die von dem betreffenden Land zu zahlenden Zinsen schnell nach oben. In einem solchen Fall kann sich dieser Staat kaum helfen und benötigt Hilfe von außen. Wo die Grenze ist, an der die Resilienz des Staates geringer wird bzw. aufhört, ist Gegenstand verschiedener empirischer Untersuchungen gewesen, doch ohne eindeutiges Ergebnis. 
Die Resilienz von Staaten hängt u.a. von der Rückzahlungs-fähigkeit der Staatsschulden ab. 


Somit kann gefolgert werden, dass die finanzielle Resilienz von Staaten nicht ausschließlich von der Verschuldung des Staates abhängt, sondern von der Einschätzung der Märkte über die zukünftige Rückzahlungsfähigkeit der Schulden bzw. die Fähigkeit, die Zinsen zu bedienen (vgl. Felderer).


Resilienz der Sozialversicherungssysteme

Die Resilienz der Sozialversicherungssysteme wird in den nächsten Jahrzehnten sehr stark durch den demografischen Wandel beeinflusst. Dieser wird durch eine signifikante Verschiebung des Verhältnisses von Beitragszahlern und Leistungsempfängern zulasten der Beitrags- und Steuerzahler zu einer gravierenden Änderung der Rahmenbedingungen führen. 

Als resilient kann man ein umlagefinanziertes Sozialversicherungssystem dann bezeichnen, wenn die auf der Grundlage des geltenden Leistungsrechts erworbenen Ansprüche dauerhaft gewährleistet werden können, ohne dass die Beitragssätze und/oder Steuerzuschüsse signifikant erhöht oder Leistungen gekürzt werden müssen. Ist dies nicht der Fall, muss durch höhere Beitragssätze, ausgeweitete Steuerzuschüsse oder Leistungsrücknahmen reagiert werden.
Generell hängt die Resilienz von Sozialversicherungssystemen ganz entscheidend von der Widerstandfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft ab, sprich deren Fähigkeit, externe Schocks ohne Verwerfungen zu verarbeiten (vgl. Rürup und Huchzermeier). 
Die Resilienz der
Sozial-versicherungs-systeme wird durch den demografischen Wandel beeinflusst. 

Unternehmerische Resilienz 

Auf unternehmerischer Ebene sind große und oft auch abrupte Veränderungen zum Normalfall statt zur Ausnahme geworden. Deswegen suchen immer mehr Unternehmen nach Möglichkeiten, ihre Resilienz zu steigern. Sie wollen auf Unvorhergesehenes und neue Entwicklungen schnell reagieren können und stark genug sein, um mit plötzlichen Veränderungen optimal umgehen zu können. Der Umgang mit Fehlern und die Sensibilität dafür spielen eine wichtige Rolle, um Sicherheit aufrechtzuerhalten und Gefahren zu antizipieren (vgl. Heller).
Große Veränderungen sind für Unternehmen zum Normalfall geworden.

Digitalisierung und Resilienz 

Die Trends in der digitalen Wirtschaft haben unmittelbare Auswirkungen auf die Resilienz von Standorten und verändern die Wettbewerbsvorteile von Unternehmen. Die digitale Wettbewerbsfähigkeit in einer Standortperspektive kann als Fähigkeit eines Landes oder einer Region verstanden werden, innovative digitale Technologien zu entwickeln, zu kommerzialisieren, anzuwenden und damit langfristig den Wohlstand zu sichern. Dabei sind vor allem vier Faktoren der digitalen Wettbewerbsfähigkeit wichtig, nämlich Talente, digitale Investitionen, Innovationen und Cluster. Für Politik und Wirtschaft ergeben sich daraus drei Ansatzpunkte:

  • Fokus auf Talente und Humankapital
  • Neue Ausbildungsmöglichkeiten für neue Technologien 
  • Cluster und Standortattraktivität weiterentwickeln

Fazit

Gerade in Zeiten großer Umbrüche und Übergänge, in denen typischerweise etablierte Regionen unter Druck geraten und neue Regionen schnell aufholen, ist die Beschäftigung mit Resilienz eine wichtige standortpolitische Aufgabe.