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Warum die Zeit für die eigene Pension tickt

Als Unternehmerin zu mehr Pension

Franz Ahm
© Daniel Waschnig

Mitten im Leben. Zwischen Kunden und Familie. Wer denkt da schon daran, wie es in ein paar Jahrzehnten mit den eigenen Finanzen aussehen wird. Aber genau das ist für Frauen ein großer Fehler. Denn nur wer sich als Unternehmerin rechtzeitig um das eigene Pensionskonto kümmert, kann Lücken ausgleichen und erlebt beim Ausstieg aus dem Berufsleben keine bösen Überraschungen. Doch noch immer wissen viel zu wenig Frauen über die Zusammensetzung ihrer Pension Bescheid und tappen aus Unwissenheit in so manche Stolperfalle auf dem Weg zu einer sorgenfreien Pension. Franz Ahm, Vorsitzender der SVS-Landesstelle Kärnten, räumt als Versicherungs-Experte mit den Mythen auf und gibt wertvolle Tipp für die eigene Pensionsvorsorge.  

Mit dem Beitrag bei der SVS ist die auch die Pensionsvorsorge abgedeckt. Reicht das aus oder muss ich mich zusätzlich als Unternehmerin um die Pension kümmern?

Franz Ahm: Die Höhe der gesetzlichen Pension ergibt sich grundsätzlich aus der Höhe der Beiträge und aus der Summe der Pflichtversicherungsmonate, auch Vollversicherung genannt. Je höher das Einkommen ist und je länger eine Erwerbstätigkeit ausgeübt wurde, umso höher werden die Pensionsleistungen aussehen. Wie funktioniert das genau? Alle Versicherten, die ab dem 1.1.1955 geboren wurden haben im Jänner 2014 auf ihrem Pensionskonto eine Kontoerstgutschrift erhalten. Wenn die Erwerbstätigkeit erst nach 2005 begonnen wurde, wurde keine Erstgutschrift erstellt.

Jedes Jahr kommen nun 1,78 Prozent der Jahresbeitragsgrundlage hinzu. Der Wert dieser jährlichen Gutschriften wir kumuliert und steigt in den folgenden Jahren entsprechend der Einkommensentwicklung. Die Summe aller Teilgutschriften bildet die Gesamtgutschrift. Um die Bruttopension zu berechnen, wird die Gesamtgutschrift zum Stichtag durch 14 geteilt. Wenn in Summe 45 Versicherungsjahren erreicht und 1,78% der Beitragsgrundlage auf das Pensionskonto gutgeschrieben werden, dann können für den oben genannten Zeitraum 80 Prozent der lebenslangen Beitragsgrundlage als Pensionshöhe erreicht werden. Sollte über das Regelpensionsalter hinausgearbeitet werden, gibt es auf der anderen Seite wieder einen Bonus. Wird oder kann diese Möglichkeit nicht genutzt, ergibt sich aus der Systematik des Pensionskonto grundsätzlich für die meisten schon eine Lücke von mindestens 20 Prozent. Kosten, die Unternehmerinnen während ihrer Selbstständigkeit im Unternehmen prozentuell ansetzen kann, zum Beispiel das Auto, Handy usw., fallen in der Pension weg und müssen dann natürlich auch von der Pension beglichen werden. Dieser positive Kostenhebel ist vielen Unternehmerinnen nicht bewusst und sorgt dafür, dass die Lücke im Normalfall indirekt noch höher wird. Zu erwähnen wäre zusätzlich, dass die Höhe der Pensionen auch an die Höchstbemessungsgrundlage geknüpft ist. Für jene, welche in der Erwerbstätigkeit die Höchstbemessungsgrundlage wesentlich überschritten haben, wird die Lücke auch dementsprechend höher ausfallen.

Warum sind Frauen oft bei den Pensionsansprüchen benachteiligt?

Franz Ahm: Die Benachteiligung ergibt sich aus der Berechnungssystematik. Auf Grund des früheren Pensionsantrittsalter bei Frauen (zurzeit noch 60. Lebensjahr bei Frauen, 65. Lebensjahr bei Männern) kommen diese sehr oft nicht auf 45 Versicherungsjahre und somit verringert sich bei z.B. 40 Versicherungsjahren die Pensionshöhe in etwa um 10 Prozent – eine einjährige Berufsunterbrechung verringert die Pension um etwa 2 Prozent. Wenn Frauen dann zusätzlich einem Erwerb nachgehen, in welchem ein geringeres Einkommen zu erwarten ist, verschärft sich die Situation nochmals. Ein niedrigeres Einkommen wird häufig durch Doppelbelastungen und somit auch das „Unternehmerin in Teilzeit sein“ verursacht. Eine weitere Verschärfung erfahren Unternehmerinnen, welche ein kleinstrukturiertes Unternehmen führen, sogar alleinerziehend sind oder die Betreuung und Pflege von Angehörigen übernehmen. Kleinstuntenehmerinnen, welche nur den Unfallversicherungsbeitrag zahlen, erwerben weder Beitragszeiten noch Beitragsgutschriften für ihre Pension. In der Erwerbsphase wird das von vielen durchaus positiv gesehen, weil Beiträge für Kranken- und Pensionsversicherung gespart werden, doch auf die Pensionshöhe wirkt sich das negativ aus. Ähnlich ist die Situation bei Frauen, die bei ihrem Mann mitversichert sind. 

Welche Rolle spielen die Zeiten der Kindererziehung für die Pensionsvorsorge?

Franz Ahm: Eines der größten Mythen rund ums Pensionssystem ist, dass „das Kinder bekommen“ und die Kindererziehung als „Pensionskiller“ gelten. Das ist aber definitiv für einen geraumen Zeitraum nicht so. Zeiten, in denen sich Eltern um kleine Kinder kümmern müssen, werden in der gesetzlichen Pensionsversicherung besonders berücksichtigt. Für die Mutter werden die Kindererziehungszeiten für 48 Monate ab der Geburt als Beitragszeiten im Pensionskonto eingetragen. Zusätzlich werden aus einer fixen Beitragsgrundlage von 1.986,04 Euro monatlich Gutschriften auf das Pensionskonto übertragen. Liegt während der Kindererziehungszeit auch eine Erwerbstätigkeit vor, gibt es zwar keine "doppelte" Anrechnung als Versicherungszeit, für die Pensionshöhe wird allerdings zur Beitragsgrundlage aus der Erwerbstätigkeit die fixe Beitragsgrundlage für Kindererziehungszeiten (maximal gesamt bis zur Höchstbeitragsgrundlage) dazugeschlagen. Also, arbeiten Sie ruhig auch während der Kindererziehungszeiten. Das wirkt sich positiv auf die Pension aus. ACHTUNG: bei einem Bezug von Kinderbetreuungsgeld sich unbedingt über die Zuverdienstgrenzen informieren und diese auch unbedingt einhalten!

Ihr Tipp für Unternehmerinnen, damit sie in der Pension mehr Geld erhalten?

Franz Ahm: Beim Thema Pensionen und Pensionslücke kann das Thema Zeit eine sehr wichtige Rolle spielen. Ich benötige für die Schließung der Lücke, egal ob durch eine Höherversicherung im gesetzlichen System oder über private Vorsorgemodelle, immer ein dementsprechendes Kapital. Kapital = Geld x Zeit. Je früher Sie sich mit dem Thema Pension beschäftigen, umso eher können Sie Lücken ausgleichen.  

12.5 Online-Talk, 9:00 – 10:30 Uhr: Pensionsvorsorge - Mythen, Stolpersteine & Lücken 

Aber was kann "frau" tun, um nicht mit einer Pensionslücke leben zu müssen und welche weiteren Stolpersteine gilt es, auf dem Weg zur Pension zu umgehen? Diese und noch viele weitere Fragen wird Vizepräsidentin Astrid Legner im Talk mit unserem Experten Franz Ahm online stellen. 

Sie haben auch eine konkrete Frage? 
Dann schicken Sie uns bitte Ihre Frage(n) bereits vorab an: unternehmerin@wkk.or.at.   

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