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MORGENgespräch vom 8. Mai 2018

Startups – Moderner Trend oder fundiertes Unternehmertum?

Tanja Sternbauer und Lisa Fassl sind zwei von drei Gründerinnen der Initiative Female Founders. Ihr Ziel ist es, mehr Frauen in die Startup-Szene zu bringen, indem sie Gründerinnen miteinander vernetzen und ihnen dabei helfen, Investoren zu finden.  

Startup-Experten durch Zufall

Tanja Sternbauer hat bereits mit 25 Jahren ihr eigenes Startup gegründet. In Berührung mit dieser Unternehmensform kam sie erstmals bei einem Praktikum eines Berliner Startups, für das sie kurzfristig ein Angebot bekam. Lisa Fassl, ihre Co-Gründerin, ist damals nach ihrem BWL-Studium ebenso zufällig auf diesen Bereich aufmerksam geworden. Bei einer Startup-Veranstaltung wurde Lisa Fassl von der Begeisterung und der Motivation der jungen Menschen angesteckt und entschied sich dazu, selbst eines zu gründen. Beide Frauen hatten davor aber nie geplant, sich in der Startup-Szene zu etablieren.  

Unternehmen mit schnellem Wachstum

Female Founders ist ein Netzwerk wie das von Frau in der Wirtschaft, das sich eben auf Startup-Gründerinnen fokussiert. Ein Startup ist ein Unternehmen, das auf schnellen Wachstum ausgerichtet ist, während es zu Beginn noch kein klares Business-Modell* gibt. Zudem hat ein Startup meist einen Innovations- und Technologiebezug. Dies macht den Unterschied zu herkömmlichen Unternehmen. Auch bei der Finanzierung der Unternehmung gibt es Besonderheiten. Einen Kredit bei der Bank aufzunehmen, ist aufgrund des fehlenden Business-Modells kaum möglich. Deshalb wird meist auf Business Angels* zurückgegriffen, welche Personen/Institutionen sind, die die Unternehmerin/den Unternehmer mit privatem Geld sowie mit Tipps unterstützen. Venture Capital* (Beteiligungskapital) oder Bootstrapping* (Verwendung eigener Ressourcen) sind weitere Finanzierungsformen.  

Es geht um die Emotion

Lisa Fassl ist neben Female Founders-Gründerin auch CEO der Austrian Angel Investors Association, welche ebensolche Business Angels an Startups vermittelt. In Österreich werden Startups im Durchschnitt mit einer Ticketgröße* von 120.000 Euro unterstützt. Die Investition betrifft in den meisten Fällen jedoch den Menschen und nicht die Idee. „Es spielt ganz viel Emotion und Chemie zwischen den Menschen mit“, so Lisa Fassl. Abseits des Vernetzens von Startup-Gründerinnen bieten die Female Founders auch ein Mentoring-Programm, bei dem die Unternehmerinnen ein Jahr lang von erfahrenen Startup-Gründerinnen begleitet werden. Ein Pre-Acceleration-Programm* hilft den Frauen gerade in der Anfangsphase ihres Startups. Nach ca. sieben Jahren steht idealerweise ein Exit* oder IPO* des Startups an – der Verkauf des Unternehmens.  

Anreize für Investoren gewünscht

Tanja Sternbauer würde Startups nicht als Trend bezeichnen, allerdings gab es einen Hype* darum, der langsam abklingen wird. Ohne diesen Hype wäre jedoch heute das Bewusstsein für die Startup-Szene nicht gegeben. Um diese Unternehmensform in Österreich weiter zu fördern, müsste in Sachen Investment und Bürokratie noch einiges getan werden. Es gibt zwar schon zahlreiche Förderungen, diese sind aber nur punktuell einzusetzen. Steueranreize für Investoren würden hingegen viel helfen.  

Prädestinierte Rollenbilder

Lediglich zehn bis fünfzehn Prozent der Startups in Österreich werden von Frauen gegründet – bei normalen Unternehmensgründungen liegt der Prozentsatz bei 45. Hauptsächlich liege dies an der Gesellschaft und der Sozialisierung, meinen die Female Founders-Gründerinnen. Mädchen und Jungen werden schon sehr früh in Geschlechterrollen gedrängt, was sich bis zur Schul- und Studienwahl zieht. Für MINT-Fächer* entscheiden sich kaum Mädchen. Da sich die Startup-Szene im Bereich von Technologie und Innovation bewegt, ist es eher ein Boys-Club*. Das Schlimmste was passieren kann, ist, dass eine Szene als frauenfeindlich bekannt wird und das wollen die Female Founders mit ihrer Initiative verhindern. Ein weiterer Grund für die niedrige Frauenquote ist die Risikobereitschaft, die bei Männern von Natur her viel höher ist. Startups sind stark risikobehaftet, was viele Frauen abschreckt. Lisa Fassls Tipp zum Abschluss: „Stellt euch nicht so an! Macht es einfach und macht euch nicht über alles Sorgen!“

 * Glossar:

  • Bootstrapping: Finanzierungsart der Unternehmensgründung, die gänzlich ohne externe Finanzierung funktioniert
  • Boys-Club: Männerdominierte Szene
  • Business Angel: jemand, der sich finanziell an Unternehmen beteiligt und gleichzeitig die Gründer mit Know-how und Kontakten in einer typischerweise sehr frühen Phase unterstützt
  • Business-Modell: auch Geschäftsmodell, beschreibt die logische Funktionsweise eines Unternehmens und insbesondere die spezifische Art und Weise, mit der es Gewinne erwirtschaftet
  • Exit: Verkauf des Startups nach Wachstum
  • Hype: in den Massenmedien aufgebauschte oder übertriebene Nachrichten
  • IPO: Initial Public Offering, erstmaliges öffentliches Anbieten von Aktien an der Börse
  • MINT: zusammenfassende Bezeichnung von Unterrichts- und Studienfächern beziehungsweise Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik
  • Pre-Acceleration-Programm: Unterstützung des Startups innerhalb eines festgelegten Zeitraums durch intensives Coaching; Entwicklungsprozess wird zu Beginn des Startups dadurch stark beschleunigt
  • Ticketgröße: Höhe der Investition
  • Venture Capital: auch Risikokapital, ist außerbörsliches Beteiligungskapital, das eine Beteiligungsgesellschaft zur Beteiligung an als besonders riskant geltenden Unternehmungen bereitstellt

Quelle: www.gründerszene.de


30. MORGENgespräch vom 8. Mai 2018