Wer die Arbeitszeit kürze, gefährde das Wohlstandsnivau, warnt die WKÖ.
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Arbeitszeit liegt hierzulande schon jetzt unter EU-Schnitt

37,6 Stunden arbeiten Herr und Frau Österreicher pro Vollzeitwoche – um 0,7 weniger als im europäischen Durchschnitt. 

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Aktualisiert am 22.09.2023

Die Forderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung werden häufig damit begründet, dass in Österreich besonders lange gearbeitet werden muss. Zur Unterstützung dieser These wird dabei die normale Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten herangezogen. Dass dies jedoch selektiv ist und durch einen genaueren Blick auf die Zahlen ein deutlich anderes Bild zum Vorschein kommt, argumentiert Rolf Gleißner, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der WKÖ. 

Gemäß Eurostat liegt Österreich mit 40,7 Stunden pro Woche zwar über dem EU-Schnitt von 39,7 Stunden. Jedoch, so Gleißner, blendet der Wert die 37 Urlaubs- und Feiertage heimischer Beschäftigter aus – ein Spitzenwert innerhalb der EU. Dabei zählen Heiligabend und Silvester hierzulande gar nicht als Feiertage, sondern sind oft aufgrund kollektivvertraglicher Regelungen oder betrieblicher Übung frei. Bei den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden werden Urlaubs- und Feiertage hingegen berücksichtigt. Und hier liegt Österreich mit 37,6 Stunden pro Woche sogar unter dem EU-Schnitt von 38,3. Zudem berücksichtigen diese Werte nur Vollzeitbeschäftigte. Schließt man auch Teilzeitbeschäftigte ein, wird im Schnitt sogar nur 32,7 Stunden gearbeitet und damit deutlich weniger als in der EU mit 35,2 Stunden. 

Die heimische Entwicklung sei bedenklich, so Gleißner, weil nicht nachhaltig. Während die durchschnittliche Arbeitszeit in der EU seit 2010 um 0,9 Stunden zurückging, arbeitet man in Österreich im Schnitt heute um 2,7 Stunden weniger. Der Grund: Der Anteil der Teilzeitarbeit stieg, gleichzeitig fielen Überstunden weg. Dabei geben laut Eurostat aber nur 7,9 Prozent der Österreicher an, unfreiwillig Teilzeit zu arbeiten (Frauen sogar nur 6,9 Prozent), in der EU sind es immerhin 20,8 Prozent. „Wünsche nach Mehrarbeit scheitern in der Regel nicht an den Unternehmen, sondern an der Unvereinbarkeit mit anderen Aktivitäten, etwa Pflege und Kinderbetreuung“, gibt Gleißner zu bedenken. Anstelle einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung braucht es für die WKÖ deshalb Anreize für mehr Beschäftigung und Mehrarbeit. Aus diesem Grund wurde u.a. auch ein 3-Stufen-Plan für Kinderbetreuung in Österreich entwickelt, um den Anforderungen gerecht zu werden.