Schulsachen werden zurzeit in rauen Mengen gekauft.
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Schulstart lässt Fachhandel jubeln

Hefte, Stifte und Füllfedern stehen vor dem Schulbeginn hoch im Kurs – die regionalen Fachgeschäfte jubeln. Die Steirische Wirtschaft hat sich in den Bezirken umgehört.

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Aktualisiert am 22.09.2023

Das neue Schuljahr steht in der Steiermark vor der Tür, am 11. September werden dann wieder die Klassenräume gestürmt. Schon jetzt sehen sich die regionalen Schreibwarenhändler mit einer Flut an Kunden konfrontiert, wie Michael Bernd Wilhelm, Obmann des Landesgremiums Papier- und Spielwarenhandel, weiß: „Von Mitte August bis Ende September befinden wir uns in der umsatzstärksten Phase des Jahres. Das Einkaufsverhalten hat sich heuer dahingehend geändert, dass die Kunden nicht gleich nach Schulschluss mit der neuen Liste gekommen sind. Kein Mensch hat zu Beginn der Ferien etwas gekauft, das hat sich nun in den letzten Tagen schlagartig gedreht.“

So sieht es auch Markus Gangl, der sein Geschäftslokal Gangl 162 seit vielen Jahren in der Hauptstraße von Premstätten führt. „Wir sind jetzt voll im Trubel, die Kunden kommen mit ihren Listen, die wir dann im Bestfall auch gleich gemeinsam abarbeiten. Die Produkte bleiben eigentlich immer recht ähnlich, Farbe und Form der Schultüte ändern sich natürlich regelmäßig. Stark nachgefragt sind heuer Werkzeugkoffer.“ Mehr als nur ein Nebengeschäft ist es für Gangl, die gewünschten Schulhefte gleich direkt an die Bildungseinrichtungen zu schicken, „obwohl das zeitintensiver ist, als man denkt, da die Wünsche der Lehrer doch sehr individuell sind“. Der Wunsch nach Nachhaltigkeit hat sich übrigens auch bei den Papierfachgeschäften niedergeschlagen, wie Obmann Wilhelm betont: „Wurden früher Schnellhefter und Heftumschläge aus Plastik gekauft, greifen die Kunden jetzt zu jenen aus Karton. Generell wird mehr aufs Geld geschaut, Buntstifte werden beispielsweise nur einzeln nachgekauft.“

76 Jahre alt und seit 1984 im Geschäft

Diesen Eindruck teilt Karl Sommer von der Bunten Ecke in St. Barbara im Mürztal. „Die Kunden kaufen sehr viel beim Diskonter ein und kommen nur noch zu mir, wenn sie die Sachen benötigen, die es dort eben nicht gibt. In den letzten Tagen ist die Frequenz aber besser geworden.“ Der Fachhandel-Haudegen weiß natürlich, wie der Hase läuft. Das Geschäft wurde am Standort 1952 gegründet, seit 1984 hat der 76-Jährige die Fäden in der Hand. „Wenn morgen jemand kommt, der mein Geschäft übernehmen will, bin ich übermorgen weg“, sagt Sommer, der in den letzten Jahren in den umliegenden Gemeinden viel an die Fachhandel-Konkurrenz verloren hat. „Das Geschäft wird natürlich immer schwieriger, aber so geht es dem Fachhandel eh in jeder Sparte. Ich habe derzeit das zusätzliche Problem, dass ich zwei Mitarbeiter suche, aber keine finde.“

Beratung bleibt ein Vorteil

Eine Beobachtung, die auch Theresia Bauer in Bad Gleichenberg macht. Sie sieht aber genau darin die Vorteile des Fachhandels.  „Bei uns können alle Schreibutensilien günstig einzeln nachgekauft werden. Bei großen Ketten geht das nicht immer.“ Ein weiterer Vorteil des Fachhandels? Die Beratung und das Ausprobieren. „Eben das ist der größte Gewinn für unsere Kunden. Wir kennen uns aus.“ Im September darf sie sich jedenfalls noch über viele Kunden  freuen: „Dann starten erfahrungsgemäß die älteren Schüler ihren Einkauf“, sagt Bauer. 

Eine ähnliche Beobachtung macht auch Michaela Hengstler in Trofaiach. Über die Aktion der Stadtgemeinde, jedem Schulanfänger einen 300-Euro-Gutschein zu schenken, ist sie daher froh: „Viele Eltern von Taferlklässlern geben den Gutschein in meinem Geschäft aus. Aber auch sonst versuche ich so günstig wie möglich einzukaufen und den Preis an die Kunden weiterzugeben.“ Ein Schuleinkauf ohne Schultasche kostet in ihrem Laden rund 120 Euro. Um den Preis etwas zu senken, gibt es heuer für alle Kunden mit einer Schulliste ein besonderes Schmankerl: „Am Ende des Einkaufs wird mit zwei Würfeln gewürfelt. Die Augenzahl bestimmt den Rabatt. Das gefällt den Leuten“, verrät Michaela Hengstler.

Schulpakete als Renner

Für Daniela Pretschuh, die ihr Fachgeschäft seit zwölf Jahren in Landl leitet, läuft es zufriedenstellend: „Auch mir ist aufgefallen, dass die Leute im Gegensatz zum letzten Jahr spät dran sind mit ihren Bestellungen. Aber ich richte auch Schulpakete, wenn die Kunden mit ihren Listen kommen, und das läuft auch wirklich gut.“

Ganz ähnlich ging es Michaela Binder von Michi’s Papier- & Geschenkewelt in Bärnbach. Die Jungunternehmerin, die erst im Oktober ihr Geschäft übernommen hat, ist erst seit August im „Schulstress“. Denn: „Im Juli ist nicht wirklich etwas los gewesen, im August sind die Leute dann verstärkt gekommen. Viele geben ihre Schullisten bei mir ab und ich erledige dann das Abarbeiten.“ Der Wunsch nach Nachhaltigkeit hat sich übrigens auch bei den Papierfachgeschäften niedergeschlagen, wie Obmann Michael Wilhelm betont: „Wurden früher Schnellhefter und Heftumschläge aus Plastik gekauft, greifen die Kunden jetzt zu jenen aus Karton. Auch auf Umweltzeichen wird stark geachtet. Generell wird aber mehr aufs Geld geschaut, Buntstifte werden beispielsweise nur einzeln nachgekauft.“

Stammkunden halten Treue

Das beobachtet auch Michaela Dellemeschnig. Sorgen machen ihr aber vor allem die großen Handelsketten, von denen es in Graz Dutzende gibt, während die Zahl der Papierfachhändler sinkt. Dellemeschnigs Stammkunden bleiben ihr aber auch in Zeiten der Teuerung treu: „Wir haben das Glück, dass wir uns über die Zeit einen guten Kundenstock aufgebaut haben. Die Leute, die bei uns einkaufen, schätzen unseren Service. Sie kommen mit einer Schulliste, wir richten dann alles her und sie müssen die Sachen nur abholen. Das gibt es bei den großen Ketten oft nicht“, erzählt die Unternehmerin.

Feuertaufe für den "Joker"

Seine Feuertaufe in Sachen Schulstart erlebt derzeit Michael Wilfling mit seinem Geschäftslokal „Joker“ in Sankt Ruprecht an der Raab. Erst am 1. Juli des heurigen Jahres hat Wilfling mit der Übernahme völliges Neuland betreten, war er doch zuvor im Bereich Stahlbau und Schweißtechnologie tätig. „Der Wunsch nach Selbständigkeit begleitet mich seit geraumer Zeit, aber ich fand nie den richtigen Zeitpunkt. Mit der Gelegenheit, dieses Geschäft zur erwerben, habe ich den Schritt gewagt und es übernommen.“ Angeboten wird natürlich die breite Palette des Schulbedarfs. „Und wir bieten auch Hefte an, die das schuleigene Design der Volksschule St. Ruprecht an der Raab tragen. In Zusammenarbeit mit den Schulen in der Umgebung erhalten wir im Voraus die Schulartikellisten und stellen Schulheftpakete für die jeweiligen Schulstufen zusammen, die dann im Geschäft abgeholt werden können."