Trotz Pandemie, Mega-Inflation und Energiekrise verzeichnete die Steiermark 2022 den zweithöchsten Gründungswert aller Zeiten.
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Steirische Gründer trotzen widrigen Bedingungen

Applaus, Applaus! Trotz Pandemie, Mega-Inflation und Energiekrise verzeichnete die Steiermark 2022 den zweithöchsten Gründungswert aller Zeiten.

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Aktualisiert am 13.03.2023

4.736 Personen haben sich im Vorjahr selbständig gemacht, damit gab es lediglich im Rekordjahr 2021 um 209 Neugründungen mehr. Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie stellt der Vorjahreswert ein Plus von 8,1 Prozent dar (2019: 4.383 Gründungen), was WKO Steiermark Präsidenten Josef Herk größten Respekt ab zollt: „2022 war angesichts der internationalen Entwicklungen ein wirtschaftlich höchst herausforderndes Jahr. Trotzdem haben sich im Schnitt 13 Steirerinnen und Steirer pro Tag selbständig gemacht.“ Seitens der Wirtschaftskammer wird der Trend zur Selbständigkeit mit einem umfangreichen Serviceangebot unterstützt. 41.646 Gründungsberatungen bzw. Kontakte stehen 2022 in der Steiermark zu Buche. Weder Corona noch die horrenden Energiepreise und die dadurch ausgelöste hohe Inflation haben dem Trend, sein eigener Chef zu werden, einen Abbruch getan – im Gegenteil: Mit 4.736 Neugründungen verzeichnete die Steiermark 2022 den zweithöchsten Gründungswert aller Zeiten. Lediglich im Jahr davor haben sich mehr Personen in unserem Bundesland selbständig gemacht (4.945).


UBIT-Bereich mit meisten Gründungen

Auf die Steiermark entfallen damit 13,7 Prozent aller bundesweiten Firmengründungen. Rechnet man noch die selbständigen Personenbetreuer dazu, waren es sogar 5.907 Neugründungen. Für WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk ist das ein „positives Zeichen für den Gesamtstandort“. Schließlich belegen die Zahlen, „dass die Selbständigkeit auch oder gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen eine echte Alternative für die Steirerinnen und Steirer ist. Trotz erschwerter Planbarkeit haben diese Menschen Eigenverantwortung und Eigeninitiative bewiesen. Genau jene Eigenschaften, die gefordert sind, um den Standort weiterzuentwickeln und durchzustarten. Denn die Unternehmerinnen und Unternehmer schaffen Arbeitsplätze und damit Wohlstand im Land.“ Am meisten Firmengründungen (ohne Personenbetreuung) gab es 2022 in den Branchen Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) mit 8,8 Prozent, Versand- und Internethandel (7,7 Prozent), Werbung und Marktkommunikation (6,8 Prozent), Persönliche Dienstleister (6,4 Prozent) sowie Direktvertrieb (5,4 Prozent).


Umfangreiches Serviceangebot für steirische Gründer

Im Vorfeld der Gründung werden die angehenden Unternehmerinnen und Unternehmer mit einem umfassenden Serviceangebot der Wirtschaftskammer unterstützt, das zeigt auch ein Blick auf die Statistik: 41.646 Gründungsberatungen bzw. Kontakte hat man 2022 im Gründerservice oder in einer der Regionalstellen der WKO Steiermark verzeichnet, darunter waren 7.845 umfangreiche Beratungen. „Gemäß dem Motto ,gut beraten, sicher starten‘ bieten wir umfangreiche Workshops, Gründertrainings und Sprechtage an, die von den angehenden Gründerinnen und Gründern auch hervorragend genutzt werden“, betont Leopold Strobl, Koordinator des Gründer- und Wirtschaftsservice in der WKO Steiermark. „Der Fokus reicht hier von Themen wie Steuern und Businessplan bis hin zu Versicherungen, Gewerberecht, Rechtsformen, Buchhaltung und Kundengewinnung."

Eigener Chef als Hauptmotiv 

Warum die Selbständigkeit auch 2022 für so viele Steirerinnen und Steirer eine Option war, erklärt Strobl so: „Wir erleben im Gründerservice seit geraumer Zeit einen Trend zur nebenberuflichen Tätigkeit, dieser hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Sei es, um aus dem Hobby ein kleines Business zu machen oder auch um aus einer gesicherten Position heraus zu gründen.“ Andere wiederum würden gleich hauptberuflich den Schritt in die Selbständigkeit wagen, so Strobl. Dahinter stecke vor allem der Wunsch nach mehr Flexibilität und Eigenverantwortung. Änderungen in der Arbeitswelt, die sich auch in der aktuellen Motivumfrage der WKO widerspiegeln: Demnach war „Wollte immer schon selbständig sein“ für 15,1 Prozent der Gründerinnen und Gründer das Hauptmotiv, gefolgt vom Wunsch sein eigener Chef zu sein (12,3 Prozent) sowie dem Wunsch sich ein zweites berufliches Standbein zu schaffen (11,5 Prozent) und dem Streben nach größtmöglicher Flexibilität in der Zeit- und Lebensgestaltung (11,3 Prozent). 

Steirische Gründer sind im Schnitt 35,3 Jahre alt

Und die Statistik fördert weitere Details aus der steirischen Gründerlandschaft zutage: So beträgt das Durchschnittsalter bei den weiß-grünen Einzelunternehmen (ohne selbständige Personenbetreuer) aktuell 35,3 Jahre, der Bundesschnitt liegt leicht darüber bei 36,2 Jahren. Gegliedert nach Rechtsformen, machen die Einzelunternehmen mit einem bundesweiten Anteil von 81 Prozent das Gros der Gründungen aus, gefolgt von der GmbH (14,6 Prozent). Bei der Altersstruktur waren 2,5 Prozent der Gründer von Einzelunternehmen unter 20 Jahre alt, weitere 29,5 Prozent waren zwischen 20 und 30 Jahren, 34,3 Prozent waren bei der Gründung zwischen 30 und 40 Jahre alt. 19,8 Prozent gründeten im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, weitere 10,5 Prozent zwischen 50 und 60 Jahren. 3,3 Prozent der Gründungen entfielen auf Über-60-Jährige. 


Fast jede zweite Firmengründung im Land ist weiblich

In der Steiermark weist die Gründerstatistik auch für 2022 einen hohen Frauenanteil aus – von den gegründeten Einzelunternehmen (ohne selbständige Personenbetreuer) liegen 45,2 Prozent in weiblicher Hand. Ein Blick auf die Regionen zeigt, dass die meisten Gründungen in der Landeshauptstadt erfolgten (1.421), gefolgt von Graz-Umgebung (560), Leibnitz (361) Hartberg-Fürstenfeld (333), Weiz (311) und Liezen (299). Im Schnitt bestehen 94,5 Prozent der neugegründeten Unternehmen länger als ein Jahr, 77,7 Prozent mehr als drei Jahre und 65,7 Prozent sind auch nach über fünf Jahren noch am Markt. 


Weitere Infos unter: www.gruenderservice.at