Zellstoff Pöls
© Otmar Winterleitner

Papierfabrik als Energie-Nahversorger

In Pöls werden Zellstoff und Papier für den Weltmarkt produziert – und die Region mit Wärme und sauberem Wasser versorgt.

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Aktualisiert am 05.08.2023

Dunkle Abgaswolken, giftige Schaumkronen auf Abwässern und Chemikalien, die nicht wiederverwertbar waren: Das Bild, das die heimische Papier- und Zellstoffindustrie in den 1980er-Jahren abgab, war düster. Mittlerweile scheint die Sonne.

Erneuerbare Energiequellen

Im kris­tallklaren Pölsbach gleich neben der Papier- und Zellstofffabrik im obersteirischen Pöls tummeln sich kleine Fische. Erstmals seit hundert Jahren können sie wieder flußaufwärts ziehen. Eine gefinkelte Aufstiegskonstruktion macht es möglich. Sie wurde im Zuge des Baus eines fabrikseigenen Kleinwasserkraftwerks installiert, das das alte Wehr ersetzt, das bis vergangenen Juli den Wasserlauf blockierte. Neben dem Wasser setzt man als erneuerbare Energiequelle auch auf Photovoltaik.

Die über das Betriebsgelände verteilten Kollektoren schaffen über ein Megawatt Leistung. Noch wird für die Produktion von jährlich 460.000 Tonnen Zellstoff und 200.000 Tonnen Papier auch Erdgas gebraucht. „Der Bedarf soll bis 2030 aber halbiert und bis 2040 auf Null reduziert werden“, rechnet Siegfried Gruber, Chef der technischen Planung bei der Zellstoff Pöls, vor.

Energie-Nahversorger mit 500 Mitarbeitern

Seit 1905 gibt es hier eine industrielle Zellstoffproduktion, 2000 wurde der Standort von der Heinzel Group übernommen, die Marktzellstoff, Verpackungspapiere sowie Magazinpapiere produziert und weltweit als Zellstoff- und Papierhändler agiert. Das Geschäft boomt. Für das abgelaufene Geschäftsjahr vermeldete die Gruppe einen Rekordumsatz von 2,77 Milliarden Euro. Gleichzeitig konnten die CO2-Emissionen um insgesamt 15 Prozent reduziert werden. In Pöls sorgt eine Abluftreinigungsanlage für entsprechende Luftgüte. 

Die Fabrik, in der 500 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist zum Energie-Nahversorger geworden. So werden Pölser Haushalte bereits seit 30 Jahren mit Abwärme aus der Dampf-Großturbine versorgt, seit 2011 hat man die Fernwärmeversorgung auf das gesamte Aichfeld von Judenburg über Fohnsdorf bis Zeltweg und Knittelfeld ausgeweitet. Und auch die Kläranlage, die im Werk noch zur Behandlung von Bleichchemikalien im Einsatz ist und auf eine Reinigungsleistung von bis zu 200.000 Menschen ausgelegt ist, fungiert als kommunaler Dienstleister. Sieben Gemeinden in der Region werden bedient.