Panoramablick auf Bonifacio Global City, Finanzdistrikt in Taguig in Manila auf den Philippinen, moderne Wolkenkratzer
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Philippinen: Wirtschaftslage

Die wichtigsten Informationen zur philippinischen Wirtschaft – zuverlässig und aus erster Hand

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Aktuelle Lage: Wirtschaftsbericht

Nach einem Wachstum von 6,4 % im 1. Quartal und nur noch 4,3 % im 2. Quartal, revidieren Ökonomen und Wirtschaftsforscher die BIP-Erwartungen nach unten und rechnen für 2023 mit einem Wirtschaftswachstum von 5,2 – 5,5 % für das 115 Mio.-Einwohner Land. 

Unterschiedliche Gründe werden für diese empfindliche „Abkühlung“ angeführt: von einer generell langsam wachsenden Weltwirtschaft und einer weniger starken Nachfrage nach philippinischen Exporten in China, über die hohen Leitzinsen der Nationalbank (BSP), die private Investitionen bremsen und die merklich geringeren Staatsausgaben (-7,1 % im Vergleich zum Vorjahr) bis hin zur weiterhin hohen Inflation im Land.

Die Auswirkungen des Ukraine-Russland-Konflikts auf die weltweiten Energiemärkte und die teilweise angespannte Lage bei der Versorgung von Rohstoffen hatten im letzten Jahr auch unmittelbare Auswirkungen auf die Inflation im Inselstaat, die im Laufe des Jahres kontinuierlich anstieg und über das Jahr gerechnet 5,8 % erreichte. Die Zentralbank hatte in der Folge die Leitzinsen aggressiv auf 6,25 % angehoben. Während im Jänner 2023 mit 8,7 % noch die höchste Inflation seit 2009 gemessen wurde, ging diese bis Juli auf 4,3 % zurück.

Im August 2023 stieg die Inflation jedoch unerwartet wieder auf 5,6 % an. Kontinuierliche Teuerungen bei Rohstoffen und zahlreiche Taifune, die Ernten zerstörten, trieben die Verbraucherpreise im August wieder in die Höhe. 

Besondere Entwicklungen

Ferdinand „Bongbong“ Marcos trat mit Ende Juni 2022 das Präsidentenamt an und war im ersten Jahr seiner Präsidentschaft vor allem mit der Pflege internationaler Beziehungen beschäftigt. In den ersten zwölf Monaten brachte es Präsident Marcos auf immerhin 13 Auslandsreisen: Neben regionalen Playern wie Indonesien, Japan und China, fanden sich auch die USA, Großbritannien und die EU (Belgien) am Reiseplan. Erklärtes Ziel der im eigenen Land teilweise kritisierten intensiven Reiseaktivitäten ist der (Wieder)-Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen und die Sicherung ausländischer Investitionen für das eigene Land.

Die Philippinen sind eines der Länder mit den reichsten Vorkommen an Bodenschätzen weltweit. Schätzungen gehen davon aus, dass das Land über noch ungenutzte Reserven von Kupfer, Gold, Nickel, Zink und Silber im Wert von etwa USD 1 Billion verfügt. Nach Indonesien verfügen die Philippinen über die größten Nickelvorkommen in Asien und die fünftgrößten weltweit. Nickel ist ein integraler Bestandteil von hitzebeständigen Metallverbindungen, von Batterien und Halbleitern. Die Regierung hofft, durch die heimische Förderung und Verarbeitung der seltenen Erden einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Ländern schaffen zu können. Im ersten Halbjahr 2023 stieg allein schon die Produktion von Nickel um 40 % an.

Um die Energiewende durch ausländische Investitionen zu finanzieren und voranzutreiben, haben die Philippinen ihren Sektor für erneuerbare Energien vollständig für ausländisches Eigentum geöffnet, was einen bedeutenden Wandel in der Energiepolitik des Landes darstellt. Mit dieser Änderung können nun ausländische Investoren (mit wenigen wichtigen Ausnahmen im Fall der Wasserkraft) bis zu 100 % Eigentum an der Erschließung und Nutzung von erneuerbaren Energieressourcen halten. 

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich

Das Gesamtjahr 2022 brachte für die österreichische Exportwirtschaft das zweit-höchste Ergebnis in den Handelsbeziehungen mit den Philippinen. Waren im Wert von über EUR 170 Mio. wurden im abgelaufenen Jahr in den Inselstaat exportiert. Im ersten Halbjahr 2023 wurde dann mit angezogener Handbremse gefahren und die Lieferungen gingen um 1,9 % leicht zurück und beliefen sich auf EUR 89,58 Mio. (im Vergleich zu EUR 91,32 Mio. im ersten HJ 2022).  

Wie es schon der Tradition entspricht, sind Elektronikprodukte mit über EUR 26,5 Mio. die wichtigsten Exportgüter aus Österreich. Allein elektronisch integrierte Schaltungen machen über EUR 18,6 Mio. aus. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Lieferungen hier jedoch um über 25 % zurück, was sich mit einem Minus von fast EUR 7 Mio. in der Statistik niederschlägt. An zweiter Stelle im Export-Ranking finden sich erstmals Maschinen und mechanische Geräte: ein Plus von rund 30 % (EUR 11,7 Mio.) gegenüber 2022 aufgrund von Lieferungen bei Verbrennungsmotoren und Wasserturbinen.

Auf den weiteren Rängen: Waren aus Holz (-13,9 %) erreichten EUR 7,66 Mio., einen fulminanten Anstieg von fast 250 % verzeichnen Lieferungen von PKW und Motorradteilen (EUR 6,86 Mio.), Papier und Pappe legten mit 7,4 % leicht auf EUR 5,09 Mio. zu. Während die Lieferungen von Messgeräten um die Hälfte zurückgingen (EUR 4,56 Mio.), konnten die Exporte von pharmazeutischen Produkten, allen voran Penicillin, um 71,8 % zulegen und erreichten im ersten Halbjahr bereits EUR 3,12 Mio.

Entwickeln sich die Importe aus den Philippinen im zweiten Halbjahr 2023 ähnlich dynamisch wie im ersten Halbjahr, wird eine neue Höchstmarke erzielt werden. Nach dem Rekordjahr 2021 (erstmals wurde mit EUR 205,68 Mio. die EUR 200 Mio.-Marke übersprungen) gab es 2022 mit EUR 284,57 Mio. einen weiteren Rekord. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden Warten im Wert von über EUR 171,44 Mio. nach Österreich importiert. Ein Drittel mehr als in der Vergleichsperiode 2022 (EUR 128,26 Mio.).

Geschäftschancen für österreichische Unternehmen

Die positiven makroökonomischen Daten gepaart mit einer konstant wachsenden Bevölkerung mit steigendem Einkommen, machen den Inselstaat in Südostasien zu einem interessanten Absatzmarkt für österreichische Produkte, Technologien und Dienstleistungen. Besonders die folgende Sektoren bieten hier Geschäftschancen: Energiewirtschaft, Verkehrsinfrastruktur, Medizin und Gesundheitseinrichtungen, Umwelttechnologie in den Bereichen Wasser- und Abfallwirtschaft und Erneuerbare Energien.

Besonders viel Aufholbedarf gibt es zudem auch bei Technologien und modernen Produkten in der Landwirtschaft und Tierzucht da.

Die 110 Mio. Einwohner der Philippinen sind konsumorientiert und ausländischen Produkten gegenüber sehr aufgeschlossen, weshalb sich der Markt mittelfristig auch für Konsumprodukte aus Österreich eignen wird. 

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Philippinen der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik. 

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Podcast: Akustische Geschäftsreise in den Markt

In der Metropole Manila lebt und arbeitet die WKÖ-Wirtschaftsdelegierte Christina Stieber. Die Export-Expertin und Asien-Kennerin erzählt in Podcast Folge #24 Philippinen vom Inselleben, Häuserkauf über Facebook und über den Umgang der Filipinos mit Klimawandel und Naturkatastrophen.

Der Export-Podcast der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA führt auf akustische Geschäftsreisen in alle Welt. Die WKÖ-Wirtschaftsdelegierten sprechen über ihre Erfahrungen in ihren mehr als 70 Ländern und werfen als lokale Expertinnen und Experten einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der Exportmärkte. Sie zeigen Geschäftschancen auf, geben praktische Tipps, informieren über Trends und Innovationen! Versehen mit einer zusätzlichen Prise an Fun Facts, Dos & Don'ts und bunten Erfolgsstories, können österreichische Unternehmen im Ausland mit diesem Know-how ganz einfach punkten, denn AUSTRIA IST ÜBERALL!

Maßgeschneiderte Informationen

Damit Ihre Marktbearbeitung auf den Philippinen problemlos abläuft, hat unser Team vor Ort Informationen zu außenhandels- und investitionsrelevanten Fach- und Branchenthemen, die Sie jederzeit beim AußenwirtschaftsCenter Manila anfordern können.

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Philippinen

Das AußenwirtschaftsCenter Manila berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zu den Philippinen haben.

Stand: 25.09.2023