Zum Inhalt springen
Gate to heaven, Kyoto, Japan
© Sven Taubert | stock.adobe.com

Japan: Treiber und Trends

Welche Trends bestimmen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Japans? Was sind die großen Treiber hinter Veränderungen in Japan?

Lesedauer: 15 Minuten

28.05.2026

Was sind die Push- und Pull-Faktoren für Nachfrage und Angebot in den einzelnen Industriebereichen? Die nachfolgenden Top-Trends machen deutlich, welche Rahmenbedingungen für Japan und seine Wirtschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten relevant sind. 

Die nachfolgenden Trends zeigen, welche Rahmenbedingungen für Japan und seine Wirtschaft in den nächsten Jahren besonders relevant sind. Neu ist dabei vor allem: Erstens haben sich zentrale Kennzahlen seit 2024 - als wir vor der EXPO 2025 Osaka unsere Road To Expo begonnen hatten - nochmals deutlich verschoben. Zweitens treten neben den bekannten Trends zusätzliche Treiber stärker hervor – insbesondere der Inbound-Tourismus sowie die neue Lohn‑ und Produktivitätsdynamik. Drittens lassen sich die Entwicklungen heute klarer in kurz- und mittelfristige Treiber (nächste zwei bis drei Jahre) 

und langfristige Treiber unterscheiden. 


Kurz- und mittelfristige Treiber (nächste zwei bis drei Jahre)

Japan – geopolitisches Umfeld und sicherheitspolitische Neuaufstellung

Japans geopolitisches Umfeld bleibt angespannt. Der strategische Wettbewerb mit China, die Unsicherheiten rund um Taiwan, Nordkorea und die sicherheitspolitischen Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wirken direkt auf Investitionsentscheidungen, Lieferketten und Standortpolitik.

Neben dem weiteren Ausbau des Sicherheitsbündnisses mit den USA – traditionell Grundlage japanischer Verteidigungsstrategie – sucht Japan aber auch neue Partner. Dies einerseits bei anderen OECD-Ländern zur gemeinsamen Entwicklung von Verteidigungssystemen oder auch als Lieferant derselben. Neben den großen europäischen Ländern fällt hier etwa auch Australien hinein. Andererseits werden vermehrt gemeinsame Übungen, Verträge und Allianzen im Sicherheitsbereich mit den Anrainerstaaten Südostasiens vorangetrieben.

Parallel dazu baut Japan seine Verteidigungsfähigkeit weiter aus: Für das Fiskaljahr 2025 wurde ein Rekordbudget von 8,7 Billionen Yen beschlossen; die laufende „Defense Buildup Program“-Linie soll zentrale Fähigkeiten in Bereichen wie Stand-off Defense, Luft- und Raketenabwehr, unbemannte Systeme, Cyber, Weltraum und Resilienz stärken. Damit wird Sicherheitspolitik zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen Standortfaktor. Die Verteidigungsindustrie erlebt aber auch dadurch einen Aufschwung, dass Japan die Exportmöglichkeiten deutlich erweitert. Die erweiterten Exporte dienen einerseits dazu Partner technologisch hochentwickeltes Material zur Verfügung zu stellen, andererseits aber auch dazu die Wirtschaftlichkeit und Profitabilität der eigenen Großunternehmen in diesem Bereich zu gewährleisten und Innovationen in neue Technologien zu garantieren.

Die geopolitischen Spannungen zwischen Japan und China haben sich in den letzten Jahren spürbar verschärft und wirken sich zunehmend direkt auf wirtschaftliche Beziehungen und Lieferketten aus. Besonders kritisch ist die Abhängigkeit Japans von chinesischen seltenen Erden: Rund 70–80% der japanischen Importe stammen nach aktuellen Daten aus China. Diese Materialien sind essenziell für Schlüsselindustrien wie Automobilbau, Halbleiter und erneuerbare Energien, wodurch China erheblichen Einfluss auf Japans industrielle Wertschöpfung erhält. Neue Exportkontrollen und strengere Lizenzverfahren seit 2025/2026 haben bereits zu Verzögerungen und Unsicherheiten in den Lieferketten geführt. Studien zeigen, dass ein vollständiger Lieferstopp aus China das japanische BIP um bis zu 1,33,2% reduzieren könnte, insbesondere durch Einbrüche in der Industrieproduktion.

Als Reaktion auf diese Abhängigkeit verfolgt Japan seit Jahren eine umfassende Strategie zur Diversifizierung und Absicherung seiner Lieferketten. Ein zentraler Ansatz ist die verstärkte Zusammenarbeit mit Partnerländern wie Australien, Vietnam oder den USA, insbesondere bei Förderung und Verarbeitung kritischer Rohstoffe. Parallel dazu investiert Japan gezielt in eigene Projekte, etwa in Offshore‑Vorkommen oder strategische Lagerhaltung, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Ausbau von Recycling und Wiederaufbereitung seltener Erden, um vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen und Importabhängigkeiten zu reduzieren. Darüber hinaus fördert die Regierung Forschung und Entwicklung alternativer Materialien sowie neue Technologien zur Substitution kritischer Rohstoffe. Diese Maßnahmen sollen langfristig die strategische Verwundbarkeit reduzieren, auch wenn Japan kurzfristig weiterhin in hohem Maße auf chinesische Lieferungen angewiesen bleibt.

Economic Security, Halbleiter und KI

Im Mai 2022 wurde das Gesetz zur „Economic Security Promotion“ erlassen. Die Re-Industrialisierung Japans nicht nur in Schlüsselbereichen, wie der Halbleiterindustrie, hat höchste Priorität. „Economic Security“ ist inzwischen nicht mehr nur ein Schlagwort, sondern ein strukturierendes Prinzip japanischer Industriepolitik. Der Schwerpunkt hat sich nochmals erweitert: Nicht nur klassische Lieferketten, sondern auch KI, Halbleiter, Quantentechnologien, Energie, Weltraum und maritime Infrastruktur stehen heute im Fokus. Auf Basis des neuen Rahmens zur Stärkung der AI‑ und Halbleiterindustrie will Japan über 10 Billionen Yen an öffentlichen Mitteln bis 2030 mobilisieren und damit mehr als 50 Billionen Yen an öffentlichen und privaten Investitionen in zehn Jahren anstoßen. Gleichzeitig wurde der wirtschaftssicherheitspolitische Aktionsplan 2025 erneut verschärft, weil sich die Konkurrenz zwischen den Großmächten mittlerweile von generativer KI und Quantenforschung bis in klassische Industrien wie Stahl und Schiffbau ausgedehnt hat. Für Unternehmen bedeutet das: Staatlich gestützte Investitionen in strategische Technologien, stärkere Auswahl nach sicherheitspolitischer Relevanz und eine aktivere Industriepolitik werden Japans Markt in den nächsten Jahren stark prägen. Im Halbleiterbereich konnten durch diese Förderungen beachtenswerte Kapazitäten zurück- oder neu ins Land geholt werden. Hervorzuheben sind etwa Milliardeninvestitionen von TSMC in neue Werke, die vor allem Chips für die breite Masse an Industrieanwendungen erzeugen, und Rapidus, ein komplett neues Werk in Hokkaido im 2nm-Spitzenbereich. Ebenso ambitioniert sind Japans Anstrengungen im Energiebereich – die Wiederanreicherung von Brennstäben im eigenen Werk in Rokkasho soll schon kurzfristig Abhängigkeiten senken. Zur Ergänzung wird mittelfristig auf erneuerbare Energiequellen gesetzt und langfristig soll die Kernfusion eine unabhängige Energieversorgung ermöglichen. Während Europa dessen Realisierung nach hinten verlegt, hat die neue japanische Regierung Takaichi eine deutliche Vorverlegung um zehn Jahre angeordnet.

Handelspolitik

Japan bleibt ein ausgesprochen aktiver Verfechter regelbasierter Handelsbeziehungen. Gleichzeitig wird Handelspolitik zunehmend digital. Mit der EU bestehen besonders enge Beziehungen, die sich nach dem Economic Partnership Program (2019), einem der größten Handelsabkommen der EU, noch einmal deutlich verstärkt haben. Im Juli 2024 etwa trat ein Abkommen zum freien Datenverkehr zwischen der EU‑Japan in Kraft. Damit wurden die Rahmenbedingungen für grenzüberschreitende Datenflüsse zwischen Japan und der EU deutlich gestärkt. Auch regional bleibt Japan tief in Freihandelsarchitekturen eingebunden, etwa über CPTPP und RCEP. Für europäische und österreichische Unternehmen ist Japan damit weiterhin nicht nur ein attraktiver Absatzmarkt, sondern auch ein Hub in einem dichten Netz moderner Handels- und Datenregeln.

Neben dem EU-Japan Partnerschaftsabkommen 2019 sind es vor allem die nachfolgenden regionalen Abkommen, die Japans Wirtschaft nützen:

  • TTP / CPTPP

Der transpazifische Freihandelspakt (TTP, heute als CPTPP – Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership – bezeichnet) umfasst derzeit elf Anrainerstaaten des Pazifiks, darunter Mexiko, Kanada, Australien, Chile und Peru, und repräsentiert ein Gesamt‑BIP von über USD 11 Billionen. Nach dem Rückzug der USA übernahm Japan eine zentrale Führungsrolle und etablierte sich erfolgreich als treibende Kraft bei der Finalisierung und Weiterentwicklung des Abkommens. Mit dem Beitritt Großbritanniens (unterzeichnet 2023, Ratifizierung im Laufe von 2024/25) gewinnt das Abkommen erstmals eine explizit interkontinentale Dimension und erhöht seine globale Relevanz. Darüber hinaus positioniert Japan das CPTPP zunehmend als strategisches Instrument zur Setzung internationaler Handelsstandards und als Gegengewicht zu anderen regionalen Initiativen, insbesondere im Kontext wachsender geopolitischer Spannungen in Asien. Parallel dazu laufen Erweiterungsdiskussionen mit weiteren Interessenten (z. B. China, Taiwan, Südkorea), wobei Japan eine Schlüsselrolle bei der Bewertung neuer Beitritte spielt.

  • RCEP

Das Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) ist ein seit 2022 in Kraft befindliches Freihandelsabkommen zwischen den zehn ASEAN-Mitgliedstaaten sowie China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland. Für Japan hat RCEP besondere Bedeutung, da es das erste wirtschaftliche Rahmenwerk darstellt, das Japan gleichzeitig mit China und Südkorea verbindet und damit eine neue Ebene wirtschaftlicher Integration in Ostasien schafft. Mit rund 30 % der Weltbevölkerung und des globalen BIP ist RCEP das weltweit größte Freihandelsabkommen, auch wenn es inhaltlich weniger tief geht als etwa das CPTPP. In der Praxis gewinnt RCEP vor allem durch Vereinheitlichung von Ursprungsregeln und Vereinfachungen in Lieferketten an Bedeutung – ein entscheidender Faktor für japanische Unternehmen mit Produktionsnetzwerken in der gesamten Region. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen nutzt Japan RCEP zugleich pragmatisch als stabilisierenden Rahmen für wirtschaftliche Beziehungen zu China, während es parallel stärker diversifizierte Partnerschaften vorantreibt.

  • ASEAN-Japan Comprehensive Economic Partnership Agreement

Mit dem ASEAN-Japan Comprehensive Economic Partnership Agreement vertieft Japan seit 2019 systematisch seine wirtschaftlichen Beziehungen zu den zehn südostasiatischen ASEAN-Staaten. Diese Volkswirtschaften zählen zu den dynamischsten Wachstumsregionen weltweit und sind sowohl als Produktionsstandorte als auch als Absatzmärkte von zentraler Bedeutung für japanische Unternehmen. Japan baut dabei auf eine langjährige Präsenz auf, die durch umfangreiche Entwicklungszusammenarbeit, Investitionen und eine hohe Akzeptanz in der Region geprägt ist. In den letzten Jahren wurde die Partnerschaft insbesondere im Kontext von Lieferketten-Resilienz und „China+1“-Strategien weiter intensiviert, wobei ASEAN-Staaten verstärkt als alternative Produktionsstandorte positioniert werden. Zusätzlich gewinnen Kooperationen in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung, Energie, Infrastruktur und Dekarbonisierung an Bedeutung. Japan nutzt diese enge wirtschaftliche Verflechtung gezielt, um seine regionale Position zu stärken und gleichzeitig Abhängigkeiten von einzelnen Märkten zu reduzieren.

Digitalisierung

Japans Digitalisierung ist heute deutlich weiter als noch vor wenigen Jahren. Die My Number Card hat sich von einem schwer vermittelbaren Verwaltungstool zu einer breit genutzten Digitalinfrastruktur entwickelt: Die Gesamtzahl der ausgestellten Karten lag Dezember 2025 bei über 100 Millionen, und ihre Nutzung breitet sich in Verwaltung, Gesundheitswesen und privaten Diensten weiter aus. Parallel dazu ist Japan auch im Zahlungsverkehr einen großen Schritt vorangekommen: Bereits für 2024 lag der Anteil bargeldloser Zahlungen bei 42,8%, womit das Regierungsziel von 40 % früher als geplant erreicht wurde; für 2025 weist METI bereits 58,0% aus. Digitalisierung bedeutet in Japan daher heute nicht mehr nur E‑Government, sondern zugleich Identität, Zahlungsverkehr, Gesundheitsdaten, kommunale Services und produktivitätssteigernde Anwendungen in Wirtschaft und Verwaltung.

Mit der Schaffung eines eigenen Digitalisierungsministerium (Digital Agency) im Herbst 2021 beschleunigte sich die Entwicklung deutlich. Das Digitalisierungsministerium

  • ist verantwortlich für die Digitalisierung aller Lebensbereiche, nicht nur für E-Government 
  • setzt den Fokus darauf, Technologien einzusetzen und anzuregen, um „alle Bürger in die Digitalisierung mitaufzunehmen“
  • ist stark auf KMU ausgerichtet, damit deren Überleben, wirtschaftlicher Erfolg und Effizienzsteigerungen ermöglicht werden sollen 
  • verfügt über einen hohen Anteil an Mitarbeitern (ca. 1/3) direkt aus der privaten Digitalwirtschaft.

Inbound-Tourismus

Ein zusätzlicher, lange im Entstehen begriffener Treiber ist der inzwischen strukturell wichtige Inbound-Tourismus. Japan verzeichnete 2025 insgesamt fast 43 Millionen ausländische Besucherinnen und Besucher – ein neuer Rekord, der aber 2026 sehr wahrscheinlich schon wieder fallen wird – trotz derzeit schwacher Zahlen bei der wichtigsten Zielgruppe, den Festlandchinesen. Gleichzeitig stieg der die wirtschaftliche Wertschöpfung stark an, allein ausländische Gäste gaben 2025 in Japan mehr als 9,45 Billionen Yen, also ca. 55 Mrd. Euro, aus. Der Großteil entfiel auf Unterkunft und Verpflegung, gesamt ca. 60%, über 25% wurden aber auch für Einkaufen ausgegeben.

Der Tourismus wirkt damit nicht nur als Konjunkturtreiber für Handel, Gastronomie und Hotellerie, sondern zunehmend auch als Hebel für Regionalentwicklung, Infrastruktur, Zahlungsdigitalisierung und neue Dienstleistungen. Für viele Präfekturen ist Inbound heute nicht mehr Zusatzgeschäft, sondern ein strategischer Wachstumstreiber.

Um mit den steigenden Zahlen umzugehen bzw. um davon auch bestmöglich zu profitieren, suchen japanische Firmen und Gebietskörperschaften aktiv nach Lösungen in den Bereichen:

  • Digitalisierung und Automatisierung: self checkin-in/check-out, Selbstbedienungsanlagen, mobile, grenzübergreifend verwendbare Zahlungsmethoden, KI-gestützte Übersetzungstools, digitale Buchungs- und Ticketsysteme mit multilingualer Unterstützung im Front- und Backend, Service-Roboter.
  • Smart Toruismus / Datenplattformen: Tracking von Besucherströmen (Echtzeit), Crowd Informationen, dynamische Bepreisung.
  • Infrastruktur u. Kapazitätslösungen: smart mobility, Ausbau von Verkehrsknotenpunkten, digitale Besucherlenkung.
  • Erfahrungs-Tourismus: weg von der Konzentration auf einige Must-See Ziele wie Kyoto und dem Fokus auf Shopping hin zu einem Erlebnistourismus mit gleichzeitiger Verlagerung in bisher wenig besuchte Regionen, Kulinarik, Kultur-Handwerk, Wellness, Medizintourismus stehen hier ganz oben.
  • Premium- und Nachhaltigkeitsbereiche: Luxus Onsen und Ryokan Erlebnisse, exklusive Events und Touren, aber auch erste Bemühungen um Begrenzungen, Eintrittsgebühren, Slot-Systeme.
  • Ganzjahrestourismus: in Japans sehr beliebt gewordenen Ski- und Wintersportregionen geht es vermehrt um die Frage der Ganzjahresbewirtschaftung, oft im Zusammenhang zum oben erwähnten Erlebnistourismus.

Lohn‑ und Preiswende

Ein zweiter neuer Treiber ist die Rückkehr nominaler Lohnsteigerungen in einer Größenordnung, die Japan lange nicht gesehen hat. Laut JILPT lag die durchschnittliche Lohnsteigerung der Shunto‑Verhandlungen 2025 erneut über 5%, nachdem bereits 2024 ein ähnlich hoher Wert erreicht worden war. Treiber sind anhaltender Arbeitskräftemangel, politischer Druck und die Notwendigkeit, Kaufkraftverluste durch höhere Preise auszugleichen. Obwohl die Shunto-Verhandlungsergebnisse längst nicht bei allen Arbeitnehmern in gleicher Höhe ankommen, sind sie doch ein deutliches Zeichen für eine neue Realität der Inflation.

Diese Entwicklung verändert das Land wirtschaftlich spürbar: höhere Personalkosten erhöhen den Druck auf kleine und mittlere Unternehmen, gleichzeitig steigen die Anreize für Automatisierung, Softwareeinsatz, KI, Robotik und produktivitätssteigernde Investitionen. Für Anbieter von Effizienz‑, Automatisierungs‑ und HR‑nahen Lösungen entsteht dadurch ein zusätzliches Nachfragefenster.

Nach einem Anstieg der Verbraucherpreise um rund 2,5% im Jahr 2022, folgten weitere kräftige Jahre mit etwa 2,7% im Jahr 2024 und zuletzt sogar über 3% im Jahr 2025. Dies mag im europäischen Kontext nicht viel erscheinen, für ein Land, das über Jahrzehnte aber quasi keine Preissteigerungen erlebt hat, sind diese Anstiege ein echter Paradigmenwechsel. Diese Entwicklung wurde vor allem durch höhere Importpreise (insbesondere Energie und Lebensmittel), den schwachen Yen sowie globale Krisen ausgelöst. Die Lebenshaltungskosten steigen deutlich, sodass viele Haushalte ihren Konsum einschränken und stärker auf Preise achten, als man in der Vergangenheit von japanischen Konsumenten gewöhnt war.

Lohn‑ und Preiswende

Ein zweiter neuer Treiber ist die Rückkehr nominaler Lohnsteigerungen in einer Größenordnung, die Japan lange nicht gesehen hat. Laut JILPT lag die durchschnittliche Lohnsteigerung der Shunto‑Verhandlungen 2025 erneut über 5%, nachdem bereits 2024 ein ähnlich hoher Wert erreicht worden war. Treiber sind anhaltender Arbeitskräftemangel, politischer Druck und die Notwendigkeit, Kaufkraftverluste durch höhere Preise auszugleichen. Obwohl die Shunto-Verhandlungsergebnisse längst nicht bei allen Arbeitnehmern in gleicher Höhe ankommen, sind sie doch ein deutliches Zeichen für eine neue Realität der Inflation.

Diese Entwicklung verändert das Land wirtschaftlich spürbar: höhere Personalkosten erhöhen den Druck auf kleine und mittlere Unternehmen, gleichzeitig steigen die Anreize für Automatisierung, Softwareeinsatz, KI, Robotik und produktivitätssteigernde Investitionen. Für Anbieter von Effizienz‑, Automatisierungs‑ und HR‑nahen Lösungen entsteht dadurch ein zusätzliches Nachfragefenster.

Nach einem Anstieg der Verbraucherpreise um rund 2,5% im Jahr 2022, folgten weitere kräftige Jahre mit etwa 2,7% im Jahr 2024 und zuletzt sogar über 3% im Jahr 2025. Dies mag im europäischen Kontext nicht viel erscheinen, für ein Land, das über Jahrzehnte aber quasi keine Preissteigerungen erlebt hat, sind diese Anstiege ein echter Paradigmenwechsel. Diese Entwicklung wurde vor allem durch höhere Importpreise (insbesondere Energie und Lebensmittel), den schwachen Yen sowie globale Krisen ausgelöst. Die Lebenshaltungskosten steigen deutlich, sodass viele Haushalte ihren Konsum einschränken und stärker auf Preise achten, als man in der Vergangenheit von japanischen Konsumenten gewöhnt war.

Langfristige Treiber

Demografische Entwicklung

Die Demografie bleibt der langfristig prägendste Trend Japans. Die Bevölkerung lag laut amtlicher Statistik per 1. Oktober 2024 bei 123,8 Millionen; Ende Dezember 2025 belief sie sich auf rund 123,17 Millionen, und auch die Schätzungen für Mai 2026 zeigen den weiteren Rückgang. Gleichzeitig steigt der Anteil älterer Menschen weiter: 29,3% der Bevölkerung waren 2024 bereits 65 Jahre oder älter. Die Geburtenzahl sank 2024 auf 686.061, die Fertilitätsrate fiel auf 1,15 – beides Rekordtiefststände. Dazu kommt eine weiter steigende Zahl Hochbetagter: 95.119 Menschen waren im September 2024 hundert Jahre oder älter. Für Japan bedeutet das auf lange Sicht weniger Erwerbspersonen, höhere Sozial- und Gesundheitsausgaben, stärkeren Fachkräftemangel und einen anhaltenden Druck zu Automatisierung, längerer Erwerbstätigkeit, Zuwanderung in ausgewählten Bereichen sowie Innovationen in Gesundheit, Pflege und altersgerechten Dienstleistungen.

Die Zuwanderung nach Japan hat sich in den letzten fünf Jahren deutlich dynamisiert, nachdem sie während der COVID-19-Pandemie zunächst rückläufig war. Die Zahl der ausländischen Einwohner sank zwischen 2020 (ca. 2,9 Mio.) und 2021 leicht, stieg danach jedoch stark an und erreichte bis Ende 2024 rund 3,77 Mio. Personen. 2025 wurde mit über 4 Mio. ausländischen Bewohnern ein neuer Höchststand erreicht, womit sich der Trend beschleunigt fortsetzt. Die rasante Zuwanderung kann zwar den Rückgang der japanischen Bevölkerung nicht kompensieren, sorgt dafür aber auch für Nachfrage nach neuen Produkten besonders im Bereich Nahrungsmittel und Getränke und neuen Angeboten. Die Zunahme ist vor allem auf die aktive Politik zur Anwerbung von Arbeitskräften zurückzuführen, insbesondere über Programme wie das „Specified Skilled Worker“-Visum. Die rasante Zunahme in kurzer Zeit führt inzwischen aber auch schon zu politischen Diskussionen in einer ohnehin konservativ geprägten Gesellschaft.

Energiewende, Dekarbonisierung und Energiesicherheit

Auch die Energiewende bleibt ein struktureller Langfristtreiber – allerdings in Japan stärker als früher mit Energiesicherheit verknüpft. Die 7. Strategische Energieplanung von 2025 betont ausdrücklich, dass Japans Strombedarf durch DX und GX steigen wird und dass das Land gleichzeitig genug dekarbonisierten Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitstellen muss. Die Regierung hält am Ziel der Klimaneutralität bis 2050 fest, setzt aber auf einen realistischen, technologieoffenen Energiemix: Erneuerbare Energien sollen als „major power source“ maximiert werden, ohne einseitige Abhängigkeiten von einzelnen Energiequellen zu schaffen. Bereits bestehende Zielbilder für 2030 sehen eine deutliche Ausweitung nichtfossiler Stromerzeugung vor, darunter mehr erneuerbare Energien und eine stärkere Rolle der Kernenergie. Damit bleibt die Energiewende in Japan kein reines Umweltprojekt, sondern zugleich ein Industrie‑, Wettbewerbs‑ und Versorgungssicherheitsprojekt.

Chancen für Österreich

Für österreichische Unternehmen ergeben sich Marktchancen in fast allen genannten Bereichen. Angefangen von Tourismuslösungen (Österreich hat zahlreiche Trends, die in Japan am Anfang stehen, bereits erlebt), über das vielfältige Angebot öst. Nahrungsmittel und Getränke und vor allem dem Angebot österreichischer Hochtechnologiefirmen in den Bereichen Life-Science, Sensorik, Zulieferungen für die Halbleiterindustrie, digitale Lösungen im Smart Factory Bereich, der Digitalisierung schlechthin bis hin zu IT Systemen im Kommunikationsbereich und dem starken Angebot im alternativen Energiebereich (v.a. Biomasse und Wasserkraft) macht der Blick österreichischer Anbieter nach Japan Sinn.

Das AußenwirtschaftsCenter Tokio organisiert zahlreiche Veranstaltungen für verschiedenste Fachrichtungen.

Diese finden Sie unter japan-veranstaltungen.

Umgekehrt ist es in vielen Bereichen sinnvoll die Trends und Technologien in Japan näher anzusehen. Das AußenwirtschaftsCenter Tokio hat etwa 2026 schon eine zweite Zukunftsreise zum Thema neue Trends im Nahrungsmittelbereich gemacht und veranstaltet im Herbst (29.11. – 4.12.) gemeinsam mit Korea eine weitere Zukunftsreise zum Thema nächste Generation von Robotern.

 

Sie haben noch Fragen zu diesem Thema oder zum Markt Japan allgemein? Dann hilft Ihnen Arnold Ackerer (+81-3-34031777) im AußenwirtschaftsCenter Tokio gerne weiter.


 


 






Weitere interessante Artikel