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Die Hafner in Wien

Sichtbare Zeichen alter Traditionen

Der Hafnersteig

Wirft man einen Blick auf das historische Wien findet man immer noch zahlreiche Merkmale, die auf die 777jährige Geschichte der Hafner hinweisen. Der in der Moderne am meisten beachtete Ort ist wohl der Hafnersteig im 1. Wiener Gemeindebezirk. Es ist jener Ort, wo sich die Meister schon im 13. Jahrhundert versammelt und ihre Betriebsstätten aufgebaut haben. Anlässlich der großen Stadterweiterung wurde um 1200 die Lage der Hafner-Werkstätten bestimmt, die bis heute unverändert blieb. Der Standort an einer Böschung war kein Zufall, denn die Lage zeichnete sich durch die Nähe zu einem vorbei fließenden Donauarm sowie das Vorhandensein von Lehm und Wasser aus, was einen wichtigen Schutz gegen die Feuergefahr, die von den Brennöfen ausging, bot.

Eine besondere Auszeichnung erlangte das Gässchen im Jahr 1984, als anlässlich des 750jährigen Bestehens die Landesinnung Wien der Hafner der Stadt Wien ein Keramik-Relief übergibt, welches an der Stützmauer am Hafnersteig befestigt wurde und noch heute bewundert werden kann.  Das Kunstwerk spielt mit verschiedenen Rillen – die feinen, welche für die verflossene Vergangenheit stehen und die breiten vertikalen Rillen, die gleich einer breiten Straße in die vor uns liegende Zukunft führen. Verschiedene  Kachelformen und Kachelöfen werden angedeutet und modelliert. Angefertigt wurde das 2,40 x 1,60 m große Relief aus glattgebranntem weißem Westerwälder Steinzeugton von Martina Funder, einer damals jungen Keramik-Studentin an der Hochschule für Gestaltung in Linz, die aufgrund eines ausgeschriebenen Wettbewerbs die Ehre erhielt, das Kunstwerk zu gestalten. Rückblickend war das Relief ihr Beginn in eine erfolgreiche Karriere. Noch heute arbeitet die in Baden bei Wien lebende Künstlerin sehr eng mit Hafnern zusammen und fertigt Kacheln für alle Arten von Öfen. Dass der Hafnersteig noch immer zahlreiche Merkmale für dieses Handwerk aufweist, beweist auch die Tatsache, dass allein in dieser kleinen Gasse über einem Hauseingang noch ein weiteres Kunstwerk von Martina Funder sichtbar ist.

 

Der Hafneraltar

Die Bruderschaft der Hafner stiftete 1515 den so genannten "Töpferaltar“. 1750 fiel das Altarbild in "Ungnade“, da es die drei göttlichen Personen in gleicher menschlicher Gestalt darstellte. Schon das Tridentinische Konzil hatte die Darstellung des Hl. Geistes in menschlicher Gestalt abgelehnt, 1745 wurde es offiziell verboten. Der Altar wurde daher 1751 aus St. Stephan entfernt und in die Pfarrkirche St. Helena in Baden transferiert.

Die Hafnerfahne

Neben den teilweise gut erhaltenen Kachelöfen aus der Geschichte gibt es noch ein weiteres Kleinod, auf das die Hafner heute immer noch stolz sind: die alte Zunftfahne. So oft galt sie schon als vergessen, verbrannt und verloren – immer wieder kehrte sie in die Zunft zurück und stand für die Mitglieder als Wahrzeichen für einen engen Zusammenschluss im Kampf um gemeinsame Interessen. "Die Fahne mahnt uns, alle selbstsüchtigen Ziele fallen zu lassen, denn Selbstsucht führt zur Zersplitterung und Zersplitterung schwächt uns in der Wahrung aller gemeinsamen Interessen“, liest man in der Hafner-Zeitung vom Februar 1948.


Die ersten Überlieferungen zur alten Zunftfahne gehen auf die Zeit der Türkenbelagerungen zurück, als auch die Hafner – so wie alle Zünfte – zur Verteidigung von Wien aufgerufen wurden. Im Kampf wurde der Schaft der Fahne zersplittert, die Fahne riss in Fetzen. 1751 wurde eine neue Zunftfahne angeschafft, welche – gemeinsam mit einer weiteren im Jahr 1908 geschaffenen neuen Fahne sowie zahlreichen anderen wertvollen Sammlungen aus dem städtischen Museum – im 2. Weltkrieg nach Stix bei Neunkirchen verfrachtet wurde, um vor den Bombenangriffen geschützt zu sein. Bereits 1890 hatte die Genossenschaft die Utensilien der Zunft, wie die Meisterlade, die Gesellenlade, Urkunden und Bücher dem Historischen Museum der Stadt Wien zur Aufbewahrung überlassen.

In den Kriegswirren wurden jedoch die Fahnen verbrannt! Die Trauer innerhalb der Zunft war groß, bis kurz darauf die Meldung einlangte, dass einige Fahnen bei Bauern in Salzburg sowie im Innviertel gefunden wurden. Unter ihnen auch die Zunftfahne der Hafner und Fliesenleger. Sie hat überlebt und wurde gerettet! Für die Mitglieder ein weiterer Beweis dafür, dass die Innung weiter bestehen wird – ob als Zunft oder Genossenschaft: auf jeden Fall immer als Gemeinschaft! Und immer wenn
die Fahne der Hafner und Fliesenleger von 1908 weht sollte man an diese Gemeinschaft denken!


Quellen:
Festschrift "750 Jahre Wiener Hafner“
www.martinafunder.at
Österreichische Hafner-Zeitung, Februar 1948