Mehrere Glühbirnen hängen von oben herab. Im Vordergrund ist eine einzelne Glühbirne, die als einzige Licht abgibt
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Erneuerbare Stromproduktion bleibt weit hinter den Zielen zurück

Frommwald: „Mit dem aktuellen Tempo sind die ehrgeizigen nationalen Ziele 2030 völlig außer Reichweite“

Lesedauer: 2 Minuten

11.01.2024

„Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wächst in Österreich deutlich langsamer als es für die Erreichung der nationalen Ziele erforderlich wäre“, sagt Erich Frommwald, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Diese unerfreuliche Tendenz wird durch die Daten im WIFO-Dashboard „Energiedaten für Österreich“ bestätigt. Im Jahr 2023 wurden in Österreich etwa 50,3 Terawattstunden (TWh) Strom aus Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik gewonnen. 2022 waren es 41,3 TWh, 2021 44,5 TWh und 2020 47,5 TWh.

Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz will Österreich bis 2030 im Strombereich den Gesamtverbrauch national bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen decken. Dazu soll die jährliche Stromerzeugung aus Wasser, Wind und Sonne vom Jahr 2020 bis zum Jahr 2030 mengenwirksam um 26 TWh gesteigert werden, pro Jahr also um 2,6 TWh. „Die Zielvorgaben des ‚Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes‘ schlagen sich nicht in der tatsächlichen Stromproduktion nieder. Im Gegenteil: Statt 7,8 TWh mehr erneuerbarer Stromproduktion war zwischen 2020 und 2023 nur ein Anstieg von etwa 2,8 TWh zu beobachten“, stellt Frommwald fest.

Wasserkraft witterungsbedingt stark, Windkraft stagniert, PV-Beitrag noch gering
Die erneuerbare Stromproduktion ist hauptsächlich von der Gewinnung aus Wasserkraft abhängig. Diese stieg 2023 witterungsbedingt deutlich auf etwa 39,7 TWh an (2022: 33,2 TWh, 2021: 36,8 TWh, 2020: 39,5 TWh). Die Windkraft stagnierte im selben Zeitraum bei etwa 7 bis 8 TWh. Die Photovoltaik wächst signifikant, spielt mit einem Beitrag von knapp über 2 TWh aber noch eine untergeordnete Rolle. „Fakt ist, dass die Anstrengungen zum Ausbau erneuerbarer Stromproduktion erheblich beschleunigt werden müssen. Bei dem aktuellen Tempo sind die ehrgeizigen Ziele 2030 völlig außer Reichweite. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, haben zudem leistungsstarke Netze und Speicher höchste Priorität. Die hohen Spitzenleistungen müssen durch leistungsfähige Netze aufgenommen und in groß dimensionierten Speichern gepuffert werden. Industrielle Prozesse müssen eine zentrale Rolle bei der künftigen Netzreserve spielen“, so Frommwald.

Endlich Rahmenbedingungen für die Umsetzung statt ständig neue Ziele
Nicht genug, dass der gesetzlich verankerte Zubau von 26 TWh außer Reichweite gerät, im „Österreichischen Netzinfrastrukturplan“ hat das Klimaschutzministerium im Sommer 2023 sogar noch deutlich ambitioniertere Ziele veröffentlicht. „Dort wurde ein Zubau bis 2030 von 38 TWh angenommen“, stellt Frommwald fest und ärgert sich über dieses Vorgehen: „Ständig neue Ziele zu setzen ändert nichts an der Tatsache, dass unser Land vom Reden ins Handeln kommen muss. Die Bundesregierung hat die Rahmenbedingungen für den erneuerbaren Ausbau zu schaffen. Dazu zählen rascheste Genehmigungsverfahren, wie sie bei der Ankündigung des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes in Aussicht gestellt wurden, ebenso wie attraktive Förderungen für Industriebetriebe.“

Eigenverbrauchsquote bei Photovoltaik-Förderung berücksichtigen
Die oberösterreichische Industrie stehe zu ihrer Verantwortung und investiere stark in Photovoltaik. „Große Auf-Dach-Anlagen von Industriebetrieben zeichnen sich meist durch hohe Eigenverbrauchsquoten aus. Anders als ‚Volleinspeiser‘ belasten solche Anlagen die Netze kaum. Dies muss bei künftigen Fördermodellen berücksichtigt werden“, fordert Frommwald.

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