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Bildungstag 2026
© Cityfoto

Bildungssystem muss mit technologischem Wandel Schritt halten können

„Bildung gestalten – Zukunft sichern“ lautete das Motto beim Bildungstag 2026 der Sparte Industrie und der Abteilung Bildungspolitik der WKO Oberösterreich mit Bildungsminister Christoph Wiederkehr.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 16.01.2026

„Oberösterreich ist ein leistungsstarker Wirtschaftsraum mit hoher industrieller Wertschöpfung. Diese Position verdanken wir vor allem gut ausgebildeten Menschen, die über Jahrzehnte hinweg Know-how, Innovationsgeist und unternehmerisches Denken aufgebaut haben. Bildung ist damit ein zentraler Standortfaktor. Laut aktueller IMAS-Studie zeigt die Einschätzung der Bevölkerung zu unserem Bildungssystem aber ein differenziertes Bild. Unser Bildungssystem wird vielfach als solide wahrgenommen, zugleich wächst aber das Bewusstsein, dass es laufend weiterentwickelt werden muss, um mit dem raschen wirtschaftlichen und technologischen Wandel Schritt zu halten“, sagte WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer anlässlich des Bildungstags.

„Bildungspolitik, Schulen und Wirtschaft müssen noch enger zusammenarbeiten, um Ausbildung vorausschauend weiterzuentwickeln und den Standort nachhaltig zu sichern. Bildung ist Werkzeug für ein selbstbestimmtes Leben. Daher brauchen wir ein Bildungssystem, das Kompetenzerwerb, Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft gleichermaßen fördert und entwickelt. Aktuelle Statistiken zeigen, dass sich fast jeder zweite 15-Jährige in Oberösterreich für eine duale Ausbildung entscheidet und so genießt die Lehre unbestritten den Status als die gefragteste Ausbildungsform. Das unterstreicht nicht nur die anhaltende Attraktivität der Lehre, sondern verdeutlicht auch, dass die bewährte Verbindung von theoretischem Fachwissen aus der Berufsschule und der praxisnahen Ausbildung im Lehrbetrieb genau den Zeitgeist trifft. Die Lehre mit ihrer dualen Ausbildung als Basis der Fachkräftesicherung ist also weit mehr als ein Erfolgsmodell, sie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und das Kernstück des Erfolges und der Lebensqualität unseres Wirtschaftsstandorts“, so Hummer.

Problemlösung, Teamfähigkeit und digitale Grundfertigkeiten

„Die Betriebe erleben täglich, dass viele Jugendliche nicht jene grundlegenden Kompetenzen mitbringen, die für einen erfolgreichen Einstieg in die Lehre oder weiterführende Ausbildung notwendig wären. Es geht dabei nicht nur um sinnerfassendes Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch um Problemlösung, Teamfähigkeit und digitale Grundfertigkeiten. Wenn die Pflichtschule nicht verlässlich auf die nächste Bildungsstufe vorbereitet, entstehen Defizite, die später nur mühsam kompensiert werden können. Österreich braucht eine klare Qualitätsoffensive mit modernen Lehrplänen, guter Ausstattung und dem Mut, pädagogische Standards konsequent einzufordern“, ergänzt die Präsidentin.

„Bildung ist für einen starken Standort ein zentraler Faktor und kein Einzelsystem sondern durchgängig“, startete WKOÖ-Vizepräsident Clemens Malina-Altzinger den Bildungstag und Valborg Burgholzer-Kaiser ergänzte: „Es braucht eine klare Qualitätsoffensive mit Mut, pädagogische Standards neu zu denken.

Bildung ist das Fundament für Gesellschaft und Wohlstand

„Bildung und Wirtschaft müssen gemeinsam gedacht werden. Bildung ist das Fundament für Gesellschaft und Wohlstand. Die Schule soll auf das Leben und auch auf die Wirtschaft vorbereiten. Das wird der ,Plan Zukunft‘, der 2026  vorgestellt wird, beinhalten. Es ist ein großer Umbau notwendig, weil sich die Gesellschaft stark verändert hat. Herausforderungen wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz  müssen abgebildet werden. An der Umfrage zum ,Plan Zukunft‘, die wir gestartet haben, haben bisher 36.000 Menschen teilgenommen. Die Bereitschaft, das System zu verändern, ist groß“, sagte Bildungsminister Christoph Wiederkehr.

„Die duale Ausbildung ist eine der größten Standortvorteile Österreichs. Wir brauchen ein starkes politisches Bekenntnis zur Berufsbildung. Dazu gehören Investitionen in die Modernisierung von Ausbildungseinrichtungen, attraktive Weiterentwicklungsmöglichkeiten für Lehrabsolventen und eine klare Kommunikation in Schulen, was die Industrie tatsächlich bietet, nämlich innovative Technik, zukunftsweisende Jobs und hervorragende Karrierechancen“, ist Gregor Dietachmayr, Bildungssprecher der Sparte Industrie in der WKO Oberösterreich, überzeugt.

Digitale Bildung ist eine Schlüsselqualifikation

„Technologiezyklen werden kürzer, Qualifikationen verändern sich schneller. Deshalb braucht es ein Bildungssystem, das flexibel ist und auch Betrieben und ihren Beschäftigten Möglichkeiten eröffnet, einen Zugang zu zeitgemäßen Qualifikationen zu finden. Digitale Bildung ist eine Schlüsselqualifikation. Ein verbindliches Fach stellt sicher, dass Jugendliche praxisnahe Informatikkenntnisse erwerben und auf Studium sowie Beruf vorbereitet sind. Reines Anwenderwissen reicht nicht aus. Schüler müssen verstehen, wie digitale Systeme funktionieren, um kritisch und sicher damit umzugehen. Programmieren und algorithmisches Denken fördern Problemlösung, Kreativität und bereiten auf Berufe mit Daten, Automatisierung und KI vor. Unsere Forderung dazu ist beispielsweise die Einführung eines verbindlichen Gegenstands ,Informatik‘ in der 6. bis 8. Klasse der AHS sowie ein Pflichtfach ,Informatik‘ mit zwei Wochenstunden in jeder Klasse der AHS-Oberstufe, aufbauend auf ,Digitale Grundbildung‘ in der Sekundarstufe I. Informatik ist Allgemeinbildung und eine Schlüsselqualifikation. Um dies sicherzustellen, braucht es die rasche, flächendeckende Einführung eines entsprechenden Lehramtsstudiums ,Digitale Bildung und Informatik‘ sowie gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote für alle Lehrkräfte“, so Dietachmayr.

„Die Digitalisierung ist auch für uns eine Herausforderung, es ist schwierig, hier die Kompetenz ins Haus zu bringen, berichtete Klaus Kumpfmüller, Vorstandsvorsitzender der Hypo Oberösterreich und Partner der Veranstaltung. „Wir müssen an vielen Rädern drehen, brauchen die besten Lehrer und die besten Rahmenbedingungen, dass diese auch gut unterrichten können“, sagte Alfred Klampfe, Bildungsdirektor für Oberösterreich.

„Wir leiden unter Fachkräftemangel und Defiziten bei Grundkompetenzen, da haben wir wirklich ein Zukunftsproblem. Wir müssen die Lehre bezüglich Wertigkeit in den Mittelpunkt rücken. Wichtige Kompetenzen werden in Zukunft beispielsweise kritisches Denken, Kommunikationskompetenz, Teamfähigkeit, Lernkompetenz, Kreativität, Demokratiekompetenz, Verantwortungsübernahme usw. sein, aber als Basis bleibt die Fachkompetenz“, schloss Thomas Mayr, Direktor des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) den Bildungstag.

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