Erholung „light“
Nachdem die österreichische Wirtschaft 2025 um 0,5 Prozent gewachsen ist, wird für 2026 ein Wachstum von etwas über einem Prozent prognostiziert. Ein „stürmischer Aufschwung“ wird es allerdings nicht.
Lesedauer: 3 Minuten
Die aktuelle Prognose der Wirtschaftsforschungsinstitute
WIFO und IHS sieht für 2026 ein leichtes Wachstum von 1,2 bzw. 1,0 Prozent voraus. Die Inflation soll 2026 auf rund 2,5 Prozent sinken und bei der Arbeitslosenquote erwarten die Forscher einen leichten Rückgang von 7,4 auf 7,3 Prozent. „Diese Daten geben Grund zur Hoffnung“, so WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer. „Um weiter auf einem positiven Kurs zu bleiben, brauchen unsere Betriebe dennoch entlastende Maßnahmen der Regierung, insbesondere zur Senkung der Energiekosten und zum Bürokratieabbau.“
Nachdem durch die Zollpolitik der USA eine der wichtigsten Wachstumsstützen der Exportwirtschaft sehr unsicher geworden ist, setzt auch der zunehmende Wettbewerb mit China den heimischen Unternehmen zu.
Export breiter aufstellen
„Da die österreichische Exportmarktstruktur momentan sehr stark auf Europa und die USA konzentriert ist, müssen wir uns hier auf breitere Beine stellen und neue Märkte erschließen“, so Doris Hummer. Das EU-Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten dürfe nicht das Ende sein, stößt Gabriel Felbermayr, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO, in dasselbe Horn. Auch das EU-Handelsabkommen mit Indonesien bewertet er positiv: Es handle sich um einen Markt mit 300 Mio. Menschen und hohen Wachstumsraten. „Die brauchen unsere Maschinen und unser Know-how.“
Derzeit sieht es für Felbermayr so aus, als ob die österreichische Industrie wieder etwas Tritt fasst. „Ein stürmischer Aufschwung ist nicht zu erwarten.“ Wesentlich sei eine Anpassung der Industriepolitik: „Es geht nicht ums Konservieren, sondern ums Transformieren.“
Bürokratie: Ärger berechtigt
Der Ärger über eine überbordende Bürokratie ist seiner Meinung nach berechtigt. „Es gibt keine gute Industriepolitik, die darin besteht, die Bürokratie-Lasten immer größer werden zu lassen.“ Hier habe es zuletzt mit dem Bürokratieabbau Verbesserungen gegeben. Allerdings schließe ein Bürokratieabbau nicht aus, dass der Staat Rahmenbedingungen vorgibt. Als positive Beispiele führte Felbermayr hier etwa die CO2-Bepreisung sowie die Emissionsrechte an. „Dann kann man es den Unternehmerinnen und Unternehmern überlassen, wo sie das Geld investieren.“
WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer:
Voller Einsatz für den Standort
Das prognostizierte Wirtschaftswachstum für 2026 von 1,2 Prozent stimmt leicht positiv und zeigt vor allem: Der Kurswechsel ist eingeläutet! Die Weltwirtschaft steht jedoch nach wie vor in einer Phase der Neuordnung. Die Zollpolitik der USA oder auch die Schwemme an Billigprodukten aus China machen das Wirtschaften in Europa und Österreich schwer.
Umso mehr gilt es jetzt, die Verantwortung für unseren Standort zu übernehmen und alle Kräfte einzusetzen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Wir müssen uns auf unsere Stärken konzentrieren und diese weiter ausbauen. Eine dieser Stärken ist zum Beispiel der Export, der durch neue Handelsabkommen weiter ausgebaut werden könnte, vor allem in den Bereichen GreenTech und Kreislaufwirtschaft.
Ein besonders breites Feld, in dem die heimische Wirtschaft Potenzial hat, ist der Bereich Digitalisierung und KI. Ein kluger Einsatz dieser Technologien in unseren zahlreichen Klein- und Mittelbetrieben wird zu einer Erhöhung der Produktivität führen. Unsere Ausbildungsstruktur muss als Basis der Fachkräftesicherung ebenfalls abgesichert und immer weiter optimiert werden.
Und schließlich brauchen wir Unternehmer, die bereit sind, zu investieren, und Mitarbeiter, die bereit sind, Leistung zu bringen. Dafür, dass sich diese Leistungsbereitschaft lohnt, werden wir uns auch im Jahr 2026 einsetzen.
Es gilt, jetzt die Verantwortung für unseren Standort zu übernehmen und alle Kräfte einzusetzen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Wir müssen uns auf unsere Stärken konzentrieren und diese weiter ausbauen.

Doris Hummer
WKOÖ-Präsidentin