Noch regiert die Vorsicht im oö. Gewerbe und Handwerk
Markus Redl, Obmann der oö. Sparte Gewerbe und Handwerk, hofft, das jüngste Maßnahmen Gewerbekonjunktur zeitverzögert anspringen lassen.
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„Allgemein stehen die Zeichen auf leichtes Wachstum. In unseren knapp 58.000 Gewerbe- und Handwerksbetrieben ist diese positive Grundstimmung aber noch nicht angekommen“, fasst Markus Redl, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKOÖ, die aktuelle Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria zusammen. „In manchen Branchen, etwa im Baugewerbe, wo die Nachfrage im Segment Einfamilienhäuser spürbar anzieht, zeichnen sich leichte Silberstreifen am Konjunkturhimmel ab. Allgemein bleiben aber die Erwartungen für das laufende Vierteljahr verhalten und auf niedrigem Niveau“, so Redl weiter. Er geht davon aus, dass es im 1. Quartal noch keinen großen Aufschwung geben wird, aber die Talsohle endgültig durchschritten ist.
Da die Impulse klarerweise nicht von heute auf morgen greifen, werden erste Verbesserungen bei Umsätzen und Auslastung erst mit einiger Verzögerung im Gewerbe und Handwerk ankommen.

Markus Redl
Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKOÖ
Nachdem die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS der heimischen Wirtschaft für heuer 1,2 Prozent Plus prophezeien, die Industrie sich „am Anfang eines flachen Erholungspfades“ sieht und seitens der Regierung einige konjunkturfördernde Maßnahmen gesetzt wurden, geht man auch im Gewerbe und Handwerk von einer Rückkehr zum Wachstum aus. Allerdings sind die Betriebe in OÖ noch vorsichtig. Spartenobmann Redl: „Da die Impulse klarerweise nicht von heute auf morgen greifen, werden erste Verbesserungen bei Umsätzen und Auslastung erst mit einiger Verzögerung im Gewerbe und Handwerk ankommen.“
Kurz- und mittelfristige Impulse bzw. Entlastungen erwartet sich Redl vom sogenannten „Günstiger-Strom-Gesetz“, von ersten Entbürokratisierungen und von der jüngst beschlossenen Industriestrategie. „Frei nach dem Motto ,Geht’s den großen Betrieben gut, geht’s auch den KMU gut‘ sollte von der Industriestrategie auch das Gewerbe und Handwerk profitieren“, ist Redl überzeugt.
Im Verbund mit den noch im Vorjahr umgesetzten oder demnächst kommenden Maßnahmen, wie das Aus der KIM-Verordnung, der Neuauflage der Klimaschutzförderungen mit den Säulen Heizungstausch, Fassadendämmung und thermische Gebäudesanierung, der Fortsetzung des Handwerkerbonus und die Erhöhung der Schwellenwerte im Baubereich auf 5,4 Mio. Euro und auf 216.000 Euro im Bereich Lieferungen und Dienstleistungen sollte die Konjunkturlokomotive Bau wieder Fahrt aufnehmen. Wichtige zusätzliche Impulse erwartet sich der oö. Gewerbeobmann von der Erhöhung des Investitionsfreibetrags von 10 auf 20 Prozent (bei Umweltinvestitionen von 15 auf 22 Prozent).
Stimmungsaufheller dringend nötig
„Diese Impulse und Entlastungen haben unsere Betriebe auch bitter nötig. Denn sie leiden unter der allgemeinen Konsum- und Investitionszurückhaltung“, erklärt Redl mit Blick auf die Konjunkturentwicklung im letzten Quartal 2025. So beurteilten nur noch 19 Prozent der oö. Gewerbe- und Handwerksbetriebe den Geschäftsgang mit „gut“, aber 34 Prozent mit „schlecht“. Der Auftragsstand in den investitionsgüternahen Branchen — von Bau und Baunebengewerbe über Metalltechnik bis Tischler und Kunststoffverarbeiter — ist gegenüber dem 4. Quartal 2024 noch einmal um 11 Prozent gesunken. Über die Hälfte der Betriebe (54 Prozent) könnten sofort einen Auftrag annehmen, 35 Prozent in drei Monaten. In den Konsumbranchen spürt man vor allem die hartnäckige Zurückhaltung der Privatpersonen. Laut Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria meldeten 29 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge und nur 17 Prozent ein Umsatzplus.
Das wirkte sich auch auf die Geschäftserwartungen für das erste Quartal 2026 aus. Immerhin rechnen 15 Prozent der Betriebe mit einem Plus bei Aufträgen und Umsätzen (Vorjahr 10 Prozent) und 25 Prozent mit einem Minus (Vorjahr 37 Prozent). Den Personalstand wollen die Betriebe praktisch unverändert lassen. Im Durchschnitt ist nur eine Erhöhung um 0,3 Personen geplant