Außenwirtschaft
März 2026
Lesedauer: 4 Minuten
WKÖ: Aktuelle Lage im Iran gefährdet Energiemärkte, Lieferketten und wirtschaftliche Dynamik in der Golfregion
WKÖ in ständigem Austausch mit Mitgliedsbetrieben zur Lage vor Ort – Info-Servicepoint eingerichtet
"Die aktuellen Kampfhandlungen im Iran, von denen auch die Golf-Staaten betroffen sind, haben auch wirtschaftliche Auswirkungen und verschärfen die Lage. Für die österreichische Wirtschaft sind die Entwicklungen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden – sowohl für Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in der Region als auch für energieintensive Branchen im Inland", so WKÖ-Präsidentin Martha Schultz zur aktuellen Lage im Nahen Osten.
Die wirtschaftliche Situation ist im Iran bereits vor der jüngsten Eskalation fragil gewesen. Strukturelle Defizite aber auch Faktoren wie Misswirtschaft und Korruption belasteten das Land ebenso wie die militärischen Auseinandersetzungen des vergangenen Jahres, internationale Sanktionen und die gewaltsam beendeten Proteste im Winter. Für österreichische Unternehmen war der iranische Markt daher schon bisher eine große Herausforderung. Exportiert wurden vor allem pharmazeutische Produkte und Maschinen. "Inzwischen ist die Zahl österreichischer Niederlassungen aber verschwindend gering", fasst Schultz zusammen.
Golfregion gewinnt strategisch an Bedeutung
Abseits des Iran entwickelte sich die Exportleistung in den Nahen Osten zuletzt aber positiv. 2024 exportierten österreichische Unternehmen Waren im Wert von 2,8 Mrd. Euro in die gesamte Region – ein Zuwachs von rund 7,5 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Besonders Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gewannen deutlich an Bedeutung. Die Exporte beliefen sich 2024 auf 816,1 Mio. Euro in die VAE und 798,4 Mio. Euro nach Saudi-Arabien.
Folgen für Industrie und Tourismus
"Die wirtschaftliche Dynamik in der Region war somit bisher positiv und erfährt durch die aktuelle Lage, sollte sie länger andauern, möglicherweise einen spürbaren Dämpfer", so WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger. Spürbar könnten die Folgen auch für Unternehmen in Österreich werden, besonders in der Industrie. "Denn eine Destabilisierung der Energiemärkte, wie wir sie derzeit sehen, führt zu steigenden Energiepreisen und setzt energieintensive Branchen wie Stahl, Chemie oder Düngemittel unter massiven Druck. Energie verteuert sich selbst ohne physische Knappheit – umso stärker, je länger die Kampfhandlungen andauern. Hinzu kommen mögliche Lieferkettenunterbrechungen und eine gedämpfte Nachfrage nach Industriegütern", betont Danninger.
Gefordert sei momentan auch die Tourismusbranche, insbesondere die Reisebüros aufgrund der Ausfälle im Flugverkehr. Der in der WKÖ zuständige Fachverband ist im engen Austausch mit seinen Mitgliedern. Es lasse sich daher sagen, dass die schon bei vergangenen Krisen erprobten Mechanismen auch jetzt greifen. Die Reisebranche verfolgt die Entwicklungen engmaschig und steht in laufendem Austausch mit Airlines, Partnern vor Ort und Behörden. Die Sicherheit und umfassende Betreuung der Reisenden steht dabei für die Branche an erster Stelle.
WKÖ richtet Info-Servicepoint ein
"Als WKÖ sind wir über die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA im ständigen Austausch mit unseren Mitgliedsbetrieben. Information, Service und Beratung zählen zu unseren Kernaufgaben und sind gerade in einer solchen Situation von besonderer Bedeutung. Aus diesem Grund haben wir online unter wko.at/nahost einen entsprechenden Info-Servicepoint eingerichtet, der laufend mit den wichtigsten Informationen aktualisiert wird", so Danninger.
Weitere Informationen:
INFO-SERVICEPOINT NAHOST(PWK076/RA)
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