Power over Ethernet (PoE): Technischer Widerspruch und rechtliche Bewertung
Aktuell besteht keine widerspruchsfreie normative Grundlage für den Einsatz von PoE-Systemen im Außenbereich
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Aus Sicht der Berufsgruppe besteht aufgrund eines derzeit bestehenden Normenkonflikts zwischen der Gerätenorm IEC 62368-1 und der Installationsnorm IEC 60364-7-716 bzw. OVE E 8101-7-716 aktuell keine widerspruchsfreie normative Grundlage für den Einsatz von PoE-Systemen im Außenbereich.
Technischer Widerspruch
- IEC 62368-1(Gerätenorm): erlaubt im Fehlerfall bis zu 30 V DC (SELV/ESl-Bereich)
- IEC 60364-7-716 / OVE E 8101-7-716 (Installationsnorm): fordert im Außenbereich eine Begrenzung auf ≤ (kleiner oder gleich) 15 V DC im Fehlerfall
Daraus resultiert, dass ein nach Gerätenorm zulässiges PoE-Endgerät nicht normkonform betrieben werden kann, sobald es im Außenbereich eingesetzt wird.
Rechtliche Bewertung
Installationen müssen sich primär an Installationsnormen orientieren - gleichzeitig dürfen nur normkonforme Geräte betrieben werden. Bei widersprüchlichen Anforderungen ist die Einhaltung beider Normen gleichzeitig unmöglich. Damit entsteht ein regulatorisches Vakuum und eine Normenkollision!
- Konsequenz für die Praxis
- Eine rechtssichere Inbetriebnahme von PoE-Geräten im Außenbereich ist derzeit nicht eindeutig möglich
- Planer, Errichter und Betreiber tragen ein erhöhtes Haftungsrisiko
- Typische Anwendungen, die betroffen sind:
- Kameras
- Access Points
- Intercom-Systeme
- LCD-Anzeigen
- LED-Außenleuchten
- Außensensoren
- Radarsysteme
Aktueller Stand der Klärung
Die Thematik wurde an das IEC Komitee ACOS (Advisory Committee on Safety) übergeben. Ziel ist eine:
- Harmonisierung der Spannungsgrenzen oder die
- klare Abgrenzung der Anwendungsbereiche
zu erhalten.
Folgen für Mitglieder
Bis zu einer finalen Klärung bleibt die Situation normativ ungeklärt. Derzeit liegt aus Sicht der Berufsgruppe ein klassischer Fall einer unauflösbaren Normenkollision vor, bei der die gleichzeitige Einhaltung von Geräte- und Installationsnormen ausgeschlossen ist. Dies führt dazu, dass PoE-basierte Außeninstallationen aktuell faktisch nicht rechtssicher realisierbar sind und daher im Außenbereich keine PoE-Endgeräte zum Einsatz gebracht werden können, ohne das sich das negativ für den ausführenden Fachbetrieb auswirken könnte.