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Die griechische Wirtschaft

Unser AußenwirtschaftsCenter in Athen hat die wichtigsten Informationen zur griechischen Wirtschaft für Sie zusammengefasst

Wirtschaftslage 

Nach einer Stagnation in den Jahren 2015-2016 zeigte sich 2017 erstmals wieder ein Anstieg des BIPs (+1,3%). Dieser Trend setzte sich auch 2018 fort. Im ersten Halbjahr wuchs die Wirtschaft um +2,2%. Fast alle Makro-Zahlen konnten sich deutlich verbessern. Ein Primärüberschuss von 2 Mrd. Euro wurde erwirtschaftet. Der Produktionsindex erreichte ein Rekordhoch von 53,9 Punkten, die Wettbewerbsfähigkeit steigt. Sowohl Exporte (+15,7%) als auch Importe (+4,5%) verzeichnen Wachstumsraten, das Handelsbilanzdefizit sinkt. Zudem zeigt der Bausektor Wiederbelebungszeichen. Die Arbeitslosigkeit fiel - das erste Mal seit 2011 unter die 20% Marke. Der Economic-Sentiment-Index befindet sich auf dem bisherigen Höchststand seit der politischen Wende 2015. Die Erwartungen im Dienstleistungssektor liegen im Augenblick über dem Level der anderen Euro-Länder. Der Tourismus behauptet sich dabei als „Schwerindustrie“ des Landes. Nach über 27 Mio. Urlaubern im Vorjahr könnte 2018 erstmals die 30-Millionen-Schwelle übersprungen werden. All dies entgeht natürlich auch nicht den Ratingagenturen. Zuletzt erhöhte Fitch die Bonität Griechenlands um gleich zwei Stufen von "B" auf "BB-" hinauf. Prognosen zufolge kann für das Gesamtjahr 2018 mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu +2% und 2019 bis +2,3% gerechnet werden.

Besondere Entwicklungen

Am 20. August endete das dritte Hilfsprogramm für Griechenland. Der Abschluss der vierten und letzten Überprüfung des damit einhergehenden Maßnahmenpakets wurde von der Eurogruppe am 22. Juni ratifiziert. Damit war der Weg frei für die Auszahlung der letzten Tranche in Höhe von 15 Mrd. Euro. Am 6. August erfolgte letztlich der Transfer. Die Gelder sind für die Schuldenbedienung (5,5 Mrd. Euro) und der Errichtung eines monetären Puffers (9,5 Mrd. Euro) vorgesehen. Letzterer beträgt nun rund 24 Mrd. Euro. Damit sollte Hellas in der Lage sein, sich die nächsten 22 Monate selbstständig finanzieren zu können. Doch ganz ohne Auflagen wird das Land auch in Hinkunft nicht leben können. Bis 2022 muss das Budget jährlich einen Primärüberschuss von 3,5% des BIP aufweisen,  danach 2% bis 2060. Für 2019 sind weitere Pensionskürzungen und 2020 eine erneute Erweiterung der Steuerbasis vorgesehen. Die Umsetzung der Vereinbarungen wird vierteljährlich überprüft.

Nach langwierigen Verhandlungen entschieden die EU-Gläubiger im Juni, auch die Laufzeit eines Teils der Darlehen um 10 Jahre zu strecken. Der Durchschnitt liegt nun bei 42,5 Jahren. Zinsen und Tilgungszahlungen werden bis 2032 gestundet. Die Zinsen der ESM-Kredite betragen im Schnitt 1,62%. Griechenland erhielt damit einen verdeckten Schuldenschnitt. Manche Experten beziffern den Wert mit 34-47 Mrd. Euro. Hinzu kommt ein Verzicht auf Gewinne aus Anleihen im Besitz der Zentralbanken.

Schuldenschnitt, Streckung der Laufzeiten und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ließen die Renditen zehnjähriger griechischer Staatsanleihen von mehr als 14% im Jahr 2015 auf bis zu 3,65% im Februar des laufenden Jahres fallen. Seither bewegen sie sich zwischen 3,7% und 4,7%. Die Sorge der Finanzierungskosten bleibt jedoch. Bei externen Turbulenzen wie beispielsweise in Italien und der Türkei oder auch bei einem intern verursachtem Vertrauensverlust z.B. infolge Rücknahme von unpopulären Reformen könnte der Risikoaufschlag steigen.

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich

Die österreichischen Ausfuhren nach Griechenland stiegen gemäß vorläufiger Daten der Statistik Austria im 1. Halbjahr 2018 um 2,1% gegenüber der Vergleichsperiode 2017 auf 218,8 Mio. Euro. Auch die österreichischen Einfuhren griechischer Waren stiegen stark an. Sie beliefen sich auf 129,6 Mio. Euro (+17,8%).   

Ausführliche Informationen über die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung finden Sie in der Vollversion des AUSSENWIRTSCHAFT Wirtschaftsberichts aus Griechenland.  

Darüber hinaus steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Athen für Auskünfte und eine persönliche Beratung zur Verfügung: Schicken Sie einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an.

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Griechenland der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik. 

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Schwerpunktbranchen des AußenwirtschaftsCenters & Geschäftschancen für österreichische Unternehmen

Agrarwirtschaft und Fischzucht

Die griechische Agrarwirtschaft und Fischzucht ist einer der am wenigsten von der Krise betroffenen Sektoren. Zuletzt trug er, mit einer Bruttowertschöpfung von insgesamt 6,7 Milliarden Euro, 3,7% zum griechischen BIP bei. Aufgrund der großen Verflechtung mit der wichtigsten Industrie  des Landes - der Nahrungsmittelindustrie – zählt er zu den Wachstumsmotoren der griechischen Wirtschaft.

Griechenland importiert Agrarprodukte aus der ganzen Welt (2017 ca. 4,4 Milliarden Euro), hauptsächlich jedoch von seinen EU-Partnern. Marktführer sind die Niederlande gefolgt von Deutschland, Bulgarien und Frankreich. Österreich hat einen Anteil von rund 1,1%. Die nationale Marktkonzentration nimmt zu. Auf die zehn umsatzstärksten Unternehmen entfällt fast 60% des Gesamtumsatzes, der bei rund 1,3 Milliarden Euro liegt.

Ein wesentlicher gesellschaftlicher Trend ist die Tatsache, dass es die junge Bevölkerung Griechenlands zurück in ihre Dörfer zieht. Somit entsteht eine neue Generation gut ausgebildeter Landwirtinnen und Landwirte mit ausgeprägtem Geschäftssinn.

Chancen für österreichische Unternehmen

Griechenland weist nicht zuletzt aufgrund seiner geografischen Lage und den idealen klimatischen Bedingungen ein großes Produktions-Potential auf. Infolge der aktuellen sozioökonomischen Verhältnisse entstehen zudem für österreichische Unternehmen objektive Marktchancen im griechischen Agrarsektor. Die derzeitige Marktstruktur – viele kleine Betriebe mit geringer Produktivität, primitiver Produktstandardisierung und kaum existierendem Branding – ist international begrenzt wettbewerbsfähig. Investitionen in die Aufstockung der Produktionskapazität zur Erzielung von Skaleneffekten sind nun dringend gefragt.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Agrarwirtschaft? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Nahrungsmittel/Softdrinks

Die griechische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie entwickelt sich in den letzten Jahren insgesamt wieder positiv. Der Gesamtwert belief sich 2016 auf 9,1 Milliarden Euro (+0,9% im Vgl. zu 2015). Mehr als 87% der verkauften Produktionsmenge entfällt auf Nahrungsmittel (7,9 Milliarden Euro, +1,4%). Die Getränkeherstellung kam bei 1,2 Milliarden Euro (-2,8%) zu liegen. Die wertmäßig wichtigsten Erzeugnisse der griechischen Nahrungsmittelindustrie sind: Käse – vor allem Feta, Milch und Rahm, Weizenmehl, Joghurt, und Oliven. Die dominierenden Getränkeerzeugnisse sind: Bier, Erfrischungsgetränke - hauptsächlich Typ Cola, Mineralwasser, Wein und Liköre/andere Spirituosen– mit Ouzo als wichtigste Unterposition. Das gesamte vorhandene Absatzpotential des griechischen Nahrungsmittel- und Getränkesektors wird auf jährlich 15,1 Milliarden Euro geschätzt.

Der Sektor umfasst 678 Unternehmen mit veröffentlichten Geschäftszahlen für das Jahr 2016. Der konsolidierte Gesamtumsatz beträgt 9,6 Milliarden Euro. Auf die 20 umsatzstärksten Unternehmen entfällt ein Anteil von 39,1 % des Gesamtumsatzes. Die Marktkonzentration nahm im Vergleich zu 2015 (35,6%) deutlich zu. Marktführer sind Coca-Cola (Jahresumsatz: 412 Millionen Euro) und Nestle (378 Millionen Euro). Es folgen der griechische Geflügelhersteller Nitsiakos (302 Millionen Euro), Soya Hellas (252 Millionen Euro), der Molkereiproduktehersteller Delta Foods (239 Millionen Euro) und die Athenian Brewery (230 Millionen Euro) auf den weiteren Top-Positionen. 

Nahezu alle internationalen Food-Trends finden Eingang in die griechische Gesellschaft. Biologische Nahrungsmittel werden jedoch eher als „gesund“ und weniger als „öko“ empfunden. Besonders große Hoffnungen werden auf den globalen Gesundheitstrend der „Mediterranen Ernährung“ gesetzt, wo griechische Lebensmittel eine führende Rolle spielen.  Eine zunehmende Marktkonzentration, angetrieben von Fusionen und Übernahmen, wird im Nahrungsmittel-und Getränkesektor erwartet. Durch Zusammenschlüsse einzelner Firmen unter gemeinsamen Markennamen könnten Skaleneffekte in der Produktion, Kostenreduzierungen und gezieltere Marketingstrategien gewährleistet werden. In den nächsten fünf Jahren ist demnach mit moderaten Wachstumsraten zu rechnen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Die griechische Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist traditionell ein guter Zielmarkt für Lieferungen österreichischer Maschinen, Geräte und Know-how-Transfers. Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage entstehen für österreichische Unternehmen objektive Chancen, direkt in die griechische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu investieren. Aufstockungen der Produktionskapazität zur Erzielung von Skaleneffekten sind nun dringend gefragt. Es bieten sich daher der Ankauf und Ausbau bzw. Modernisierung bestehender Standardisierungsanlagen an, wo österreichische Unternehmen über ein enormes Know-How verfügen. Ein weiterer ausbaufähiger Aspekt ist die Verpackung. Hier entstehen Chancen für die österreichische Verpackungs- und Designindustrie.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Nahrungsmittel/Softdrinks? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Software & ΙΤ/Telekommunikation (IKT)

Trotz aller Schwierigkeiten in der jüngsten Vergangenheit konnte die griechische IT/Software- bzw. Startup-Szene einige internationale Erfolgsgeschichten aufweisen (z.B. Taxibeat, Workable, e-food). Diese haben nicht zuletzt das Interesse großer internationaler IT-Konzerne hervorgerufen. Tesla beispielsweise hat ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Griechenland eröffnet. Der griechische IKT-Sektor hat sich insgesamt als ziemlich krisenresistent erwiesen und trägt konstant mehr als 3% zum griechischen BIP bei (2016 ca. 5,4 Mrd. Euro). Aufgrund der engen Verflechtung mit nahezu allen Facetten des gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, sowie angesichts des objektiven Nachholbedarfs, der im Vergleich zum EU-Durchschnitt zweifelsohne besteht, wird der IKT-Sektor als ein naheliegender, realistischer "Wachstumspool" für die griechische Wirtschaft angesehen. Demzufolge wird er auch als wichtiger Treiber für die notwendige Reformierung des Landes behandelt.

Griechenland importierte 2017 IKT-Equipment im Wert von 2,0 Mrd. Εuro global aus insgesamt 108 Ländern, hauptsächlich jedoch von China, seinen EU-Partnern Niederlande und Deutschland sowie Vietnam. Österreich belegte hier den 14. Platz mit einem Anteil von rund 1,8%. Die nationale Konkurrenzsituation spitzt sich im IT-Dienstleistungssektor zu. Nach zuletzt veröffentlichten und konsolidierten Geschäftszahlen von 2016 erwirtschafteten 237 Unternehmen einen Gesamtumsatz von 727,9 Mio. Euro.

Die wichtigsten Trends sind: Mobilität (getrieben von der großen Marktpenetration von Smartphones und Tablets), Social Media (durch die große Beliebtheit von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und YouTube - besonders bei der Generation Y), Cloud Computing und die Nutzung von Open Data (für die Entwicklung neuer Geschäftsideen). Weitere globale Trends wie IoT, 3D-Printing und 5G-Telekommunikationsnetzwerke treten ebenfalls sukzessive ein. Nicht zuletzt wäre da noch E-Commerce zu nennen. Der Gesamtumsatz durch E-Commerce B2C-Verkäufe verzeichnet im vergangenen Jahr ein Plus von bis zu 20% und erreichte die 5 Mrd. Euro. Derselbe positive Trend wird auch für das laufende Jahr erwartet. Das kurz- und mittelfristige Potential des griechischen E-Marktes wird auf über 6 Mrd. Euro geschätzt.

Chancen für österreichische Unternehmen

Als Hauptargument für Griechenland gilt das exzellent ausgebildete Humankapital an IT-Spezialisten. Aufgrund des flächendeckenden Mangels an qualifiziertem IT-Fachpersonal in Österreich - bietet sich in erster Linie die Chance der Mitarbeiterakquirierung in Griechenland an. 

Im Verhältnis zu den lokalen Arbeitsbedingungen besteht im Land ein Überschuss an auszubildenden IT-Expertinnen und Experten sowie ein Pool an exzellent ausgebildetem Humankapital, mit ausgeprägtem mathematischen Grundverständnis und grundliegendem Out-of-the-box-thinking, welches außerordentlich kreativ und affin für neue Technologien ist. Die junge Generation griechischer MINT-Fachkräfte ist darauf eingestellt schnell, flexibel und effektiv sowohl selbstständig als auch in kleinen Teams zu arbeiten – auch unter intensiveren Bedingungen, wenn zur Zielerreichung benötigt. Durch die verinnerlichte EU-Kultur ist sie sehr anpassungsfähig und verfügt standardgemäß über sehr gute Englischkenntnisse. Die Bereitschaft langfristig in Österreich zu arbeiten und die deutsche Sprache, falls noch keine Kenntnisse vorliegen, zu erlernen ist sehr hoch.

In Kombination mit den nun vorliegenden -sehr attraktiven- Kostenstrukturen enstehen aber auch im griechischen Markt Chancen für österreichische Unternehmen. Aufgrund der derzeitigen finanziellen Lage ergibt sich für österreichische Unternehmen evtl. genau der richtige Zeitpunkt für eine Akquisition oder ein Joint Venture mit einem etablierten KMU oder einem der vielversprechenden griechischen Startups aus der IKT-Branche. Griechenland ist nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als Forschungs-/Entwicklungs-Hub und aufgrund der geostrategisch günstigen Lage für die Erschließung benachbarter Märkte in der Region zunehmend interessant geworden.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Software & IT? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Ausführliche Informationen 

Damit Ihre Marktbearbeitung in Griechenland problemlos abläuft, hat unser Team vor Ort Informationen zu außenhandels- und investitionsrelevanten Fach- und Branchenthemen, die Sie jederzeit beim AußenwirtschaftsCenter Athen anfordern können.

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Griechenland.

Das AußenwirtschaftsCenter Athen berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zu Griechenland haben.