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Die griechische Wirtschaft

Unser AußenwirtschaftsCenter in Athen hat die wichtigsten Informationen zur griechischen Wirtschaft für Sie zusammengefasst

Wirtschaftslage 

Nach Jahren der Krise wächst die griechische Wirtschaft seit 2017 (+1,5 %) wieder. 2018 verzeichnete sie ein Plus von 1,9 %. In der Periode Jänner – September 2019 beschleunigte sich das Wachstum um +2,2 %, davon im 3. Quartal um +2,3. Der Gouverneur der Nationalbank, Giannis Stournaras, prognostiziert +2,5 % für das Gesamtjahr. Die EU Kommission rechnet mit +2,2 % für 2019 und +2,4 % für 2020.

Als wesentliche Konjunkturstützen sieht die Nationalbank 2019 Exporte, den privaten Konsum sowie Unternehmensinvestitionen.

Das Wirtschaftsklima befindet sich auf Vorkisenniveau. Der Indikator stieg im Dezember von 107,0 auf 109,5 und erreichte damit den höchsten Wert seit Oktober 2007. Die Geschäftserwartungen verbesserten sich in nahezu allen Sektoren. Laut einem Report von Ernst & Young gehen 73 % der griechischen Executives von einem weiteren Wirtschaftswachstum aus. Das Verbrauchervertrauen verbesserte sich im Dezember erneut (+24,8 %). Es lag damit am höchsten Stand seit September 2000.

Der griechische Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg im Dezember auf 53,9 Punkte. Basis war ein starker Produktionsanstieg und eine kräftigere Kundennachfrage – insbesondere aus dem Ausland. Die neuen Exportaufträge stiegen mit der schnellsten Rate seit April 2019. Griechische Unternehmen erhöhten die Zahl ihrer Arbeitskräfte infolge so rasch wie nie zuvor seit Mai 1999.

Griechenland ist mit einer Investitionslücke aus der Krise hervorgegangen ist. Der griechische Unternehmerverband (SEV) beziffert diese mit 100 Mrd. Euro. 2019 betrugen die Investitionen im Verhältnis zum BIP 11 % – vor der Krise waren es 26 %. Der Schnitt in der EU liegt bei etwas über 20 %.

Besondere Entwicklungen

Die Ratingagentur Fitch hob das Rating von "BB-" auf "BB" und den Ausblick von "stabil" auf "positiv" an. Damit liegt Griechenland nur noch zwei Stufen unter Investment Grade. Diese Hürde – die seit 2010 besteht – könnte im Frühjahr 2021 übersprungen werden. Gemäß der Agentur hat sich die Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung weiter verbessert. Man hob dabei einen stabilen politischen Rahmen, einen aus ihrer Sicht nachhaltigen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts und eine fiskalische Überperformance im Verhältnis zu den gesetzten Zielen hervor.

Die Renditen griechischer Anleihen befinden sich auf historischem Tiefststand. Der Anleihenmarkt sah ein Plus von 30 %. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen fiel am 10.2.2020 auf einen Tiefststand von 1,013 %. Noch zu Beginn des Jahres hatten Investoren mehr als 4 % dafür verlangt, Griechenland für zehn Jahre Geld zu leihen. Die fünfjährigen Bonds fielen auf 0,286 %. Insgesamt begab die staatliche Schuldenagentur PDMA 2019 vier neue Anleihen mit fünf, sieben und zehn Jahren Laufzeit im Umfang von 9 Mrd. Euro. In allen Fällen lag eine vielfache Überzeichnung vor. Die griechischen Titel waren im von negativen Renditen geplagten europäischen Markt jene mit den höchsten Erträgen.

Große Erwartungen gibt es mittlerweile auch im Bereich der Erdgasförderung. Die griechische Verwaltungsgesellschaft für Kohlenwasserstoffe (EDEY) hat nach der Analyse von seismischen Daten ein potentiell beachtliches Erdgasreservoir im Westen und Südwesten von Kreta identifiziert. Das Gebiet weise ähnliche Merkmale wie das ägyptische Gasfeld Zohr bzw. das israelische Leviathan Feld im östlichen Mittelmeer auf. Insgesamt hätte man mehr als 30 Ziele mit einer Gesamtgasmenge zwischen 2 und 2,55 Billionen Kubikmetern festgestellt. Das Gebiet grenzt an ein Feld, das an einem Konsortium bestehend aus Hellenic Petroleum (HELPE), Total und ExxonMobil konzessioniert wurde. Laut HELPE könnte das gesamte vorhandene Gas bis zu 280 Milliarden Kubikmeter betragen. Dies würde den Bedarf Griechenlands für 70 Jahre decken. Das Land verbraucht ca. 4 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich

In diesem Geschäftsumfeld legten die österreichischen Warenlieferungen zweistellig zu. Sie stiegen gemäß vorläufiger Daten der Statistik Austria im Zeitraum Jänner-November 2019 um +22,8 % und erzielten damit ein Wertvolumen von 493,2 Mio. Euro.

Ausführliche Informationen über die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung finden Sie in der Vollversion des AUSSENWIRTSCHAFT Wirtschaftsberichts aus Griechenland.

Darüber hinaus steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Athen für Auskünfte und eine persönliche Beratung zur Verfügung: Schicken Sie einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an.

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Griechenland der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik. 

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Schwerpunktbranchen des AußenwirtschaftsCenters & Geschäftschancen für österreichische Unternehmen

Agrarwirtschaft und Fischzucht

Die griechische Agrarwirtschaft und Fischzucht ist einer der am wenigsten von der Krise betroffenen Sektoren. Zuletzt trug er, mit einer Bruttowertschöpfung von insgesamt 6,7 Milliarden Euro, 3,7 % zum griechischen BIP bei. Aufgrund der großen Verflechtung mit der wichtigsten Industrie des Landes – der Nahrungsmittelindustrie – zählt er zu den Wachstumsmotoren der griechischen Wirtschaft.

Griechenland importiert Agrarprodukte aus der ganzen Welt (2017 ca. 4,4 Milliarden Euro), hauptsächlich jedoch von seinen EU-Partnern. Marktführer sind die Niederlande gefolgt von Deutschland, Bulgarien und Frankreich. Österreich hat einen Anteil von rund 1,1 %. Die nationale Marktkonzentration nimmt zu. Auf die zehn umsatzstärksten Unternehmen entfällt fast 60 % des Gesamtumsatzes, der bei rund 1,3 Milliarden Euro liegt.

Ein wesentlicher gesellschaftlicher Trend ist die Tatsache, dass es die junge Bevölkerung Griechenlands zurück in ihre Dörfer zieht. Somit entsteht eine neue Generation gut ausgebildeter Landwirtinnen und Landwirte mit ausgeprägtem Geschäftssinn.

Chancen für österreichische Unternehmen

Griechenland weist nicht zuletzt aufgrund seiner geografischen Lage und den idealen klimatischen Bedingungen ein großes Produktions-Potential auf. Infolge der aktuellen sozioökonomischen Verhältnisse entstehen zudem für österreichische Unternehmen objektive Marktchancen im griechischen Agrarsektor. Die derzeitige Marktstruktur – viele kleine Betriebe mit geringer Produktivität, primitiver Produktstandardisierung und kaum existierendem Branding – ist international begrenzt wettbewerbsfähig. Investitionen in die Aufstockung der Produktionskapazität zur Erzielung von Skaleneffekten sind nun dringend gefragt.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Agrarwirtschaft? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Nahrungsmittel/Softdrinks

Die griechische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie entwickelt sich in den letzten Jahren insgesamt wieder positiv. Der Gesamtwert belief sich 2016 auf 9,1 Milliarden Euro (+0,9 % im Vgl. zu 2015). Mehr als 87 % der verkauften Produktionsmenge entfällt auf Nahrungsmittel (7,9 Milliarden Euro, +1,4 %). Die Getränkeherstellung kam bei 1,2 Milliarden Euro (-2,8 %) zu liegen. Die wertmäßig wichtigsten Erzeugnisse der griechischen Nahrungsmittelindustrie sind: Käse – vor allem Feta, Milch und Rahm, Weizenmehl, Joghurt, und Oliven. Die dominierenden Getränkeerzeugnisse sind: Bier, Erfrischungsgetränke – hauptsächlich Typ Cola, Mineralwasser, Wein und Liköre/andere Spirituosen– mit Ouzo als wichtigste Unterposition. Das gesamte vorhandene Absatzpotential des griechischen Nahrungsmittel- und Getränkesektors wird auf jährlich 15,1 Milliarden Euro geschätzt.

Der Sektor umfasst 678 Unternehmen mit veröffentlichten Geschäftszahlen für das Jahr 2016. Der konsolidierte Gesamtumsatz beträgt 9,6 Milliarden Euro. Auf die 20 umsatzstärksten Unternehmen entfällt ein Anteil von 39,1 % des Gesamtumsatzes. Die Marktkonzentration nahm im Vergleich zu 2015 (35,6 %) deutlich zu. Marktführer sind Coca-Cola (Jahresumsatz: 412 Millionen Euro) und Nestle (378 Millionen Euro). Es folgen der griechische Geflügelhersteller Nitsiakos (302 Millionen Euro), Soya Hellas (252 Millionen Euro), der Molkereiproduktehersteller Delta Foods (239 Millionen Euro) und die Athenian Brewery (230 Millionen Euro) auf den weiteren Top-Positionen. 

Nahezu alle internationalen Food-Trends finden Eingang in die griechische Gesellschaft. Biologische Nahrungsmittel werden jedoch eher als „gesund“ und weniger als „öko“ empfunden. Besonders große Hoffnungen werden auf den globalen Gesundheitstrend der „Mediterranen Ernährung“ gesetzt, wo griechische Lebensmittel eine führende Rolle spielen. Eine zunehmende Marktkonzentration, angetrieben von Fusionen und Übernahmen, wird im Nahrungsmittel-und Getränkesektor erwartet. Durch Zusammenschlüsse einzelner Firmen unter gemeinsamen Markennamen könnten Skaleneffekte in der Produktion, Kostenreduzierungen und gezieltere Marketingstrategien gewährleistet werden. In den nächsten fünf Jahren ist demnach mit moderaten Wachstumsraten zu rechnen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Die griechische Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist traditionell ein guter Zielmarkt für Lieferungen österreichischer Maschinen, Geräte und Know-how-Transfers. Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage entstehen für österreichische Unternehmen objektive Chancen, direkt in die griechische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu investieren. Aufstockungen der Produktionskapazität zur Erzielung von Skaleneffekten sind nun dringend gefragt. Es bieten sich daher der Ankauf und Ausbau bzw. Modernisierung bestehender Standardisierungsanlagen an, wo österreichische Unternehmen über ein enormes Know-How verfügen. Ein weiterer ausbaufähiger Aspekt ist die Verpackung. Hier entstehen Chancen für die österreichische Verpackungs- und Designindustrie.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Nahrungsmittel/Softdrinks? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Software & ΙΤ/Telekommunikation (IKT)

Trotz aller Schwierigkeiten in der jüngsten Vergangenheit konnte die griechische IT/Software- bzw. Startup-Szene einige internationale Erfolgsgeschichten aufweisen (z.B. Taxibeat, Workable, e-food). Diese haben nicht zuletzt das Interesse großer internationaler IT-Konzerne hervorgerufen. Tesla beispielsweise hat ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Griechenland eröffnet. Der griechische IKT-Sektor hat sich insgesamt als ziemlich krisenresistent erwiesen und trägt konstant mehr als 3 % zum griechischen BIP bei (2016 ca. 5,4 Mrd. Euro). Aufgrund der engen Verflechtung mit nahezu allen Facetten des gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, sowie angesichts des objektiven Nachholbedarfs, der im Vergleich zum EU-Durchschnitt zweifelsohne besteht, wird der IKT-Sektor als ein naheliegender, realistischer "Wachstumspool" für die griechische Wirtschaft angesehen. Demzufolge wird er auch als wichtiger Treiber für die notwendige Reformierung des Landes behandelt.

Griechenland importierte 2017 IKT-Equipment im Wert von 2,0 Mrd. Εuro global aus insgesamt 108 Ländern, hauptsächlich jedoch von China, seinen EU-Partnern Niederlande und Deutschland sowie Vietnam. Österreich belegte hier den 14. Platz mit einem Anteil von rund 1,8 %. Die nationale Konkurrenzsituation spitzt sich im IT-Dienstleistungssektor zu. Nach zuletzt veröffentlichten und konsolidierten Geschäftszahlen von 2016 erwirtschafteten 237 Unternehmen einen Gesamtumsatz von 727,9 Mio. Euro.

Die wichtigsten Trends sind: Mobilität (getrieben von der großen Marktpenetration von Smartphones und Tablets), Social Media (durch die große Beliebtheit von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und YouTube – besonders bei der Generation Y), Cloud Computing und die Nutzung von Open Data (für die Entwicklung neuer Geschäftsideen). Weitere globale Trends wie IoT, 3D-Printing und 5G-Telekommunikationsnetzwerke treten ebenfalls sukzessive ein. Nicht zuletzt wäre da noch E-Commerce zu nennen. Der Gesamtumsatz durch E-Commerce B2C-Verkäufe verzeichnet im vergangenen Jahr ein Plus von bis zu 20 % und erreichte die 5 Mrd. Euro. Derselbe positive Trend wird auch für das laufende Jahr erwartet. Das kurz- und mittelfristige Potential des griechischen E-Marktes wird auf über 6 Mrd. Euro geschätzt.

Chancen für österreichische Unternehmen

Als Hauptargument für Griechenland gilt das exzellent ausgebildete Humankapital an IT-Spezialisten. Aufgrund des flächendeckenden Mangels an qualifiziertem IT-Fachpersonal in Österreich – bietet sich in erster Linie die Chance der Mitarbeiterakquirierung in Griechenland an. 

Im Verhältnis zu den lokalen Arbeitsbedingungen besteht im Land ein Überschuss an auszubildenden IT-Expertinnen und Experten sowie ein Pool an exzellent ausgebildetem Humankapital, mit ausgeprägtem mathematischen Grundverständnis und grundliegendem Out-of-the-box-thinking, welches außerordentlich kreativ und affin für neue Technologien ist. Die junge Generation griechischer MINT-Fachkräfte ist darauf eingestellt schnell, flexibel und effektiv sowohl selbstständig als auch in kleinen Teams zu arbeiten – auch unter intensiveren Bedingungen, wenn zur Zielerreichung benötigt. Durch die verinnerlichte EU-Kultur ist sie sehr anpassungsfähig und verfügt standardgemäß über sehr gute Englischkenntnisse. Die Bereitschaft langfristig in Österreich zu arbeiten und die deutsche Sprache, falls noch keine Kenntnisse vorliegen, zu erlernen ist sehr hoch.

In Kombination mit den nun vorliegenden – sehr attraktiven – Kostenstrukturen enstehen aber auch im griechischen Markt Chancen für österreichische Unternehmen. Aufgrund der derzeitigen finanziellen Lage ergibt sich für österreichische Unternehmen evtl. genau der richtige Zeitpunkt für eine Akquisition oder ein Joint Venture mit einem etablierten KMU oder einem der vielversprechenden griechischen Startups aus der IKT-Branche. Griechenland ist nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als Forschungs-/Entwicklungs-Hub und aufgrund der geostrategisch günstigen Lage für die Erschließung benachbarter Märkte in der Region zunehmend interessant geworden.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Software & IT? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Ausführliche Informationen 

Damit Ihre Marktbearbeitung in Griechenland problemlos abläuft, hat unser Team vor Ort Informationen zu außenhandels- und investitionsrelevanten Fach- und Branchenthemen, die Sie jederzeit beim AußenwirtschaftsCenter Athen anfordern können.

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Griechenland.

Das AußenwirtschaftsCenter Athen berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zu Griechenland haben.

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