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Die griechische Wirtschaft

Unser AußenwirtschaftsCenter in Athen hat die wichtigsten Informationen zur griechischen Wirtschaft für Sie zusammengefasst

Wirtschaftslage 

Das griechische Bruttoinlandsprodukt verzeichnete 2018 ein Wachstum von +1,9%. Für 2019 lag die bisherige Staatsprognose bei +2,5%. Wie auch in den Vorjahren dürfte sie sich als etwas zu optimistisch erweisen. Im zweiten Quartal kam es nach einem schwachen Beginn (+1,3% Q1) zu einem Plus von 1,9%. Die EU Kommission geht von +2,2% aus und das Wirtschaftsinstitut IOBE prognostiziert +1,8%. Laut der Nationalbank (BOG) könnten negative Effekte eines bevorstehenden Abschwungs der Weltwirtschaft durch einen Aufholprozess nach der Krise ausgeglichen werden. Sie sagt ein Wachstum von +1,9% voraus.  Inwiefern sich die wirtschafts- und investitionsfreundlichen Maßnahmen der neu amtierenden Regierung bereits 2019 auswirken ist allerdings noch eine Unbekannte. Als wesentliche Konjunkturstützen sieht die Nationalbank 2019 vorallem Exporte, den privaten Konsum sowie Unternehmensinvestitionen.

Besondere Entwicklungen

Die Europawahl war von Premierminister Alexis Tsipras zur Vertrauensabstimmung erklärt worden. In einer Flucht nach vorne beschloss er daraufhin die für Herbst vorgesehenen Parlamentswahlen früher anzusetzen. Zwei Wochen nach der Wahlniederlage beantragte er beim Staatspräsidenten Neuwahlen und setzte als Termin den 7. Juli fest. Bei erneut geringer Wahlbeteiligung von 58% stimmten 39,85% dafür, dass die konservative Nea Dimokratia unter ihrem wirtschaftsliberalen Parteivorsitzenden Kyriakos Mitsotakis – mit absoluter Mehrheit im Parlament – die Geschicke in die Hand nehmen soll.

Das erste Reformmaßnahmenbündel wurde vom neu gewähltem griechischen Parlament bereits am 30.7. verabschiedet. Es enthält eine wertabhängige Reduktion der Immobiliensteuer ENFIA um 10% bis 30% – im Schnitt 22%. Vier Millionen Griechinnen und Griechen kommt dies unmittelbar zu Gute. Die Kosten für den Staat werden mit rund 205 Mio. Euro pro Jahr beziffert. Die Lohn- und Einkommenssteuer für Geringverdienende wird von 22% auf 9% gesenkt. Auch besteht weiter die Möglichkeit Schulden gegenüber dem Staat in Raten abzuzahlen – allerdings zu besseren Konditionen. Die Außenstände betragen aktuell 104 Mrd. Euro. In einem nächsten Schritt soll 2020 eine Absenkung der Körperschaftssteuer für das Geschäftsjahr 2019 von 28% auf 24% Unternehmen Entlastung verschaffen. Eine Reduzierung auf 20% ist für 2021 geplant. Eine Absenkung der Dividendensteuer von 10% auf 5% steht ebenfalls am Programm.

Im August 2019 verbesserte sich das Wirtschaftsklima (ESI) auf 108,4 Punkte - vor allem als Reaktion auf den Regierungswechsel und den damit verbundenen ersten Maßnahmenpaketen. Somit wurde nicht nur der Höchstwert seit 2007 erreicht, sondern lag dieser auch deutlich über dem Durchschnittswert von 103,1 Punkten der gesamten Euro-Zone.   

Zudem kündigte Premierminister Kyriakos Mitsotakis am 26.8.2019 die vollständige Aufhebung aller noch geltenden auslandsbezogenen Kapitalverkehrskontrollen an. Damit kehrt das Land nach insgesamt 50 Monaten zur wirtschaftlichen Normalität zurück.

Vorschusslorbeeren gab es bereits vom Kapitalmarkt. Die Begebung einer siebenjährigen Staatsanleihe war fünffach überzeichnet. Die Rendite lag bei 1,87% – ein für Griechenland historisches Tief. Der Ertrag für zehnjährige Bonds sank im September sogar auf 1,60% und jener von einjährigen Schatzscheinen auf 0,29%. Damit kann sich das ehemalige Sorgenkind Europas zu besseren Bedingungen finanzieren wie die USA.

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich

Die österreichischen Warenausfuhren nach Griechenland stiegen gemäß vorläufiger Daten der Statistik Austria im Zeitraum Jänner-Juni 2019 um +16,5% und erzielten damit ein Wertvolumen von 254,8 Mio. Euro. Umgekehrt stiegen auch die österreichischen Einfuhren griechischer Waren im 1. Halbjahr 2019 stark an. Sie beliefen sich auf 143,3 Mio. Euro (+7,1%).

Ausführliche Informationen über die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung finden Sie in der Vollversion des AUSSENWIRTSCHAFT Wirtschaftsberichts aus Griechenland.

Darüber hinaus steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Athen für Auskünfte und eine persönliche Beratung zur Verfügung: Schicken Sie einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an.

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Griechenland der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik. 

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Schwerpunktbranchen des AußenwirtschaftsCenters & Geschäftschancen für österreichische Unternehmen

Agrarwirtschaft und Fischzucht

Die griechische Agrarwirtschaft und Fischzucht ist einer der am wenigsten von der Krise betroffenen Sektoren. Zuletzt trug er, mit einer Bruttowertschöpfung von insgesamt 6,7 Milliarden Euro, 3,7 % zum griechischen BIP bei. Aufgrund der großen Verflechtung mit der wichtigsten Industrie des Landes – der Nahrungsmittelindustrie – zählt er zu den Wachstumsmotoren der griechischen Wirtschaft.

Griechenland importiert Agrarprodukte aus der ganzen Welt (2017 ca. 4,4 Milliarden Euro), hauptsächlich jedoch von seinen EU-Partnern. Marktführer sind die Niederlande gefolgt von Deutschland, Bulgarien und Frankreich. Österreich hat einen Anteil von rund 1,1 %. Die nationale Marktkonzentration nimmt zu. Auf die zehn umsatzstärksten Unternehmen entfällt fast 60 % des Gesamtumsatzes, der bei rund 1,3 Milliarden Euro liegt.

Ein wesentlicher gesellschaftlicher Trend ist die Tatsache, dass es die junge Bevölkerung Griechenlands zurück in ihre Dörfer zieht. Somit entsteht eine neue Generation gut ausgebildeter Landwirtinnen und Landwirte mit ausgeprägtem Geschäftssinn.

Chancen für österreichische Unternehmen

Griechenland weist nicht zuletzt aufgrund seiner geografischen Lage und den idealen klimatischen Bedingungen ein großes Produktions-Potential auf. Infolge der aktuellen sozioökonomischen Verhältnisse entstehen zudem für österreichische Unternehmen objektive Marktchancen im griechischen Agrarsektor. Die derzeitige Marktstruktur – viele kleine Betriebe mit geringer Produktivität, primitiver Produktstandardisierung und kaum existierendem Branding – ist international begrenzt wettbewerbsfähig. Investitionen in die Aufstockung der Produktionskapazität zur Erzielung von Skaleneffekten sind nun dringend gefragt.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Agrarwirtschaft? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Nahrungsmittel/Softdrinks

Die griechische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie entwickelt sich in den letzten Jahren insgesamt wieder positiv. Der Gesamtwert belief sich 2016 auf 9,1 Milliarden Euro (+0,9 % im Vgl. zu 2015). Mehr als 87 % der verkauften Produktionsmenge entfällt auf Nahrungsmittel (7,9 Milliarden Euro, +1,4 %). Die Getränkeherstellung kam bei 1,2 Milliarden Euro (-2,8 %) zu liegen. Die wertmäßig wichtigsten Erzeugnisse der griechischen Nahrungsmittelindustrie sind: Käse – vor allem Feta, Milch und Rahm, Weizenmehl, Joghurt, und Oliven. Die dominierenden Getränkeerzeugnisse sind: Bier, Erfrischungsgetränke – hauptsächlich Typ Cola, Mineralwasser, Wein und Liköre/andere Spirituosen– mit Ouzo als wichtigste Unterposition. Das gesamte vorhandene Absatzpotential des griechischen Nahrungsmittel- und Getränkesektors wird auf jährlich 15,1 Milliarden Euro geschätzt.

Der Sektor umfasst 678 Unternehmen mit veröffentlichten Geschäftszahlen für das Jahr 2016. Der konsolidierte Gesamtumsatz beträgt 9,6 Milliarden Euro. Auf die 20 umsatzstärksten Unternehmen entfällt ein Anteil von 39,1 % des Gesamtumsatzes. Die Marktkonzentration nahm im Vergleich zu 2015 (35,6 %) deutlich zu. Marktführer sind Coca-Cola (Jahresumsatz: 412 Millionen Euro) und Nestle (378 Millionen Euro). Es folgen der griechische Geflügelhersteller Nitsiakos (302 Millionen Euro), Soya Hellas (252 Millionen Euro), der Molkereiproduktehersteller Delta Foods (239 Millionen Euro) und die Athenian Brewery (230 Millionen Euro) auf den weiteren Top-Positionen. 

Nahezu alle internationalen Food-Trends finden Eingang in die griechische Gesellschaft. Biologische Nahrungsmittel werden jedoch eher als „gesund“ und weniger als „öko“ empfunden. Besonders große Hoffnungen werden auf den globalen Gesundheitstrend der „Mediterranen Ernährung“ gesetzt, wo griechische Lebensmittel eine führende Rolle spielen. Eine zunehmende Marktkonzentration, angetrieben von Fusionen und Übernahmen, wird im Nahrungsmittel-und Getränkesektor erwartet. Durch Zusammenschlüsse einzelner Firmen unter gemeinsamen Markennamen könnten Skaleneffekte in der Produktion, Kostenreduzierungen und gezieltere Marketingstrategien gewährleistet werden. In den nächsten fünf Jahren ist demnach mit moderaten Wachstumsraten zu rechnen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Die griechische Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist traditionell ein guter Zielmarkt für Lieferungen österreichischer Maschinen, Geräte und Know-how-Transfers. Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage entstehen für österreichische Unternehmen objektive Chancen, direkt in die griechische Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu investieren. Aufstockungen der Produktionskapazität zur Erzielung von Skaleneffekten sind nun dringend gefragt. Es bieten sich daher der Ankauf und Ausbau bzw. Modernisierung bestehender Standardisierungsanlagen an, wo österreichische Unternehmen über ein enormes Know-How verfügen. Ein weiterer ausbaufähiger Aspekt ist die Verpackung. Hier entstehen Chancen für die österreichische Verpackungs- und Designindustrie.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Nahrungsmittel/Softdrinks? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Software & ΙΤ/Telekommunikation (IKT)

Trotz aller Schwierigkeiten in der jüngsten Vergangenheit konnte die griechische IT/Software- bzw. Startup-Szene einige internationale Erfolgsgeschichten aufweisen (z.B. Taxibeat, Workable, e-food). Diese haben nicht zuletzt das Interesse großer internationaler IT-Konzerne hervorgerufen. Tesla beispielsweise hat ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Griechenland eröffnet. Der griechische IKT-Sektor hat sich insgesamt als ziemlich krisenresistent erwiesen und trägt konstant mehr als 3 % zum griechischen BIP bei (2016 ca. 5,4 Mrd. Euro). Aufgrund der engen Verflechtung mit nahezu allen Facetten des gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, sowie angesichts des objektiven Nachholbedarfs, der im Vergleich zum EU-Durchschnitt zweifelsohne besteht, wird der IKT-Sektor als ein naheliegender, realistischer "Wachstumspool" für die griechische Wirtschaft angesehen. Demzufolge wird er auch als wichtiger Treiber für die notwendige Reformierung des Landes behandelt.

Griechenland importierte 2017 IKT-Equipment im Wert von 2,0 Mrd. Εuro global aus insgesamt 108 Ländern, hauptsächlich jedoch von China, seinen EU-Partnern Niederlande und Deutschland sowie Vietnam. Österreich belegte hier den 14. Platz mit einem Anteil von rund 1,8 %. Die nationale Konkurrenzsituation spitzt sich im IT-Dienstleistungssektor zu. Nach zuletzt veröffentlichten und konsolidierten Geschäftszahlen von 2016 erwirtschafteten 237 Unternehmen einen Gesamtumsatz von 727,9 Mio. Euro.

Die wichtigsten Trends sind: Mobilität (getrieben von der großen Marktpenetration von Smartphones und Tablets), Social Media (durch die große Beliebtheit von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und YouTube – besonders bei der Generation Y), Cloud Computing und die Nutzung von Open Data (für die Entwicklung neuer Geschäftsideen). Weitere globale Trends wie IoT, 3D-Printing und 5G-Telekommunikationsnetzwerke treten ebenfalls sukzessive ein. Nicht zuletzt wäre da noch E-Commerce zu nennen. Der Gesamtumsatz durch E-Commerce B2C-Verkäufe verzeichnet im vergangenen Jahr ein Plus von bis zu 20 % und erreichte die 5 Mrd. Euro. Derselbe positive Trend wird auch für das laufende Jahr erwartet. Das kurz- und mittelfristige Potential des griechischen E-Marktes wird auf über 6 Mrd. Euro geschätzt.

Chancen für österreichische Unternehmen

Als Hauptargument für Griechenland gilt das exzellent ausgebildete Humankapital an IT-Spezialisten. Aufgrund des flächendeckenden Mangels an qualifiziertem IT-Fachpersonal in Österreich – bietet sich in erster Linie die Chance der Mitarbeiterakquirierung in Griechenland an. 

Im Verhältnis zu den lokalen Arbeitsbedingungen besteht im Land ein Überschuss an auszubildenden IT-Expertinnen und Experten sowie ein Pool an exzellent ausgebildetem Humankapital, mit ausgeprägtem mathematischen Grundverständnis und grundliegendem Out-of-the-box-thinking, welches außerordentlich kreativ und affin für neue Technologien ist. Die junge Generation griechischer MINT-Fachkräfte ist darauf eingestellt schnell, flexibel und effektiv sowohl selbstständig als auch in kleinen Teams zu arbeiten – auch unter intensiveren Bedingungen, wenn zur Zielerreichung benötigt. Durch die verinnerlichte EU-Kultur ist sie sehr anpassungsfähig und verfügt standardgemäß über sehr gute Englischkenntnisse. Die Bereitschaft langfristig in Österreich zu arbeiten und die deutsche Sprache, falls noch keine Kenntnisse vorliegen, zu erlernen ist sehr hoch.

In Kombination mit den nun vorliegenden – sehr attraktiven – Kostenstrukturen enstehen aber auch im griechischen Markt Chancen für österreichische Unternehmen. Aufgrund der derzeitigen finanziellen Lage ergibt sich für österreichische Unternehmen evtl. genau der richtige Zeitpunkt für eine Akquisition oder ein Joint Venture mit einem etablierten KMU oder einem der vielversprechenden griechischen Startups aus der IKT-Branche. Griechenland ist nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als Forschungs-/Entwicklungs-Hub und aufgrund der geostrategisch günstigen Lage für die Erschließung benachbarter Märkte in der Region zunehmend interessant geworden.

Sie suchen ausführlichere Informationen zur Branche Software & IT? Kontaktieren Sie das AußenwirtschaftsCenter Athen.

Ausführliche Informationen 

Damit Ihre Marktbearbeitung in Griechenland problemlos abläuft, hat unser Team vor Ort Informationen zu außenhandels- und investitionsrelevanten Fach- und Branchenthemen, die Sie jederzeit beim AußenwirtschaftsCenter Athen anfordern können.

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Griechenland.

Das AußenwirtschaftsCenter Athen berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zu Griechenland haben.