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Die Wirtschaft im Vereinigten Königreich

Unser AußenwirtschaftsCenter in London hat die wichtigsten Informationen zur britischen Wirtschaft für Sie zusammengefasst

Wirtschaftslage 

In einem Referendum mit Rekordbeteiligung am 23.6.2016 entschieden sich trotz klarer Mehrheiten für „Remain“ in London, Schottland und Nordirland insgesamt 52% der Wähler im Vereinigten Königreich (VK) für einen Austritt aus der EU. Nach der formellen Austrittserklärung begann Ende März 2017 das in den EU Verträgen vorgesehene 2-jährige „Scheidungsverfahren". Unter Optimisten gilt es weiterhin als wahrscheinlich, dass der Austritt zwar de jure 2019, de facto aber erst nach einem Übergangsprovisorium zum Ende des laufenden EU Finanzrahmens am 31.12.2020 erfolgen könnte. Prognosen dazu werden allerdings mit zunehmendem politischen Chaos im VK immer schwieriger.

Nach einigen fetten Jahren auf der wirtschaftlichen Überholspur sorgt die nicht enden wollende Unsicherheit über das zukünftige Verhältnis des Königreichs zur Europäischen Union für eine merkbare Abkühlung der konjunkturellen Dynamik. Detaillierte Modelle dazu sind offenbar schwierig zu rechnen und daher – wie vielzählige Korrekturen und breite Bänder bei den Prognosen zeigen – auch ziemlich unsicher. 

Nach 2,3 % Wirtschaftswachstum 2015 hatten die Briten 2016, trotz bereits leicht abgeschwächter Binnennachfrage, noch ausreichend Schwung für eine auch im OECD Vergleich positive Bilanz (BIP 2016: +1,9 %).

Besondere Entwicklungen: Brexit 

2015 war alles noch „brilliant“. Die schottischen Separatisten hatten ihr Unabhängigkeitsreferendum verloren, die Konservativen gewannen unerwartet und zum ersten Mal seit 1992 eine absolute Mehrheit im Unterhaus und wirtschaftlich segelte die HMS Britannia nach langer Flaute wieder auf Siegerkurs.

Im Jahr darauf entpuppte sich das Referendum zur EU Mitgliedschaft – mit dem das „politische Leichtgewicht“ Cameron seine innerparteiliche Position absichern wollte – als eine der größten politischen Fehlkalkulationen der Geschichte. Mit Rekordbeteiligung entschieden sich am 23. Juni 2016 – trotz klarer Mehrheiten für „Remain“ in London, Schottland und Nordirland – insgesamt 52% der Wähler im VK für einen Austritt aus der EU. Das Ergebnis kommt für Gegner und Befürworter des Austritts unerwartet und reißt tiefe politische und gesellschaftliche Gräben auf, die innerhalb etablierter politischer Parteien verlaufen.

Nach dem Rücktritts der glücklosen Theresa May, die es nicht schaffte, eine Mehrheit für den von ihr ausgehandelten Deal im britischen Unterhaus zu bilden, wurde die Gallionsfigur der „Leave“ Kampagne, Boris Johnson, Ende Juli zu ihrem Nachfolger und von Queen Elisabeth II zum Premierminister ernannt. Mit einer mittels politischem Kahlschlag gebildeten, ideologisch linientreuen Regierung übernehmen damit die Brexit Harliner das Ruder in London. Was der charismatische Exzentriker Johnson, dem gewisse Lässigkeit im Umgang mit der Wahrheit und chamäleonhafte Wandlungsfähigkeit zugeschrieben werden, nun tatsächlich vorhat, bleibt Gegenstand vieler Spekulationen und politischer Analysen.

Ein Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU ist keine gute Nachricht für die am britischen Markt engagierten heimischen Unternehmen. Unsicherheit über die zukünftigen Entwicklungen des Marktes und des Standortes macht seit 3 Jahren strategische Weichenstellungen unmöglich.

Insgesamt reagieren viele Geschäftsführer der ca. 250 österreichischen Niederlassungen überraschend gelassen auf den „Brexit“. Problematisch sieht man vor allem die Volatilität des Wechselkurses. Diese verunsichert Kunden und macht Planungsprozesse schwierig. Sonst heißt es: „business as usual“, abwarten, sehen was tatsächlich passiert und sich dann auf die neue Situation einstellen. Viele der österreichischen Lieferanten wissen, dass sie in Nischensegmenten tätig sind, wo sie zwar von der Nachfrageschwäche betroffen werden, aber grundsätzlich nicht substituiert werden können. Der Handvoll österreichischer Firmen, die in Großbritannien produzieren und nach Europa liefern, könnte ein schwaches Pfund sogar nützen. 

Bis zu einem tatsächlichen Austritt der Briten – vielleicht aber bis zum Ende einer weiteren mehrjährigen Übergangsperiode – ändert sich nichts am Marktzugang für österreichische Unternehmen. Der Brexit Info-Point der WKO (W www.wko.at/brexit) bietet praktische Informationen zu den verschiedenen Austrittsszenarien und behandelt die wichtigsten Problemzonen der Geschäftstätigkeit im Vereinigten Königreich, in denen es durch den Brexit zu Rechtsfolgen und Kostenbelastungen für österreichische Unternehmen kommen könnte.

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich 

Nach einem moderaten Rückgang der österreichsichen Exporte in das Vereinigte Königreich im Jahr 2017, gewannen diese 2018 wieder an Fahrt und verzeichneten einen Zuwachs um +7,5% auf EUR 4,2 Mrd. Das starke Comeback ist dabei vorrangig auf das für die Gesamtbilanz bestimmende Gewicht der von Magna für den britischen Markt gefertigten Jaguar Modelle zurückzuführen, durch die ein Abwärtstrend in den anderen Produktgruppen wettgemacht wurde.

Neben dem einsetzenden Export-Turbo bei Fahrzeugen entwickelten sich auch die Produktgruppen der bearbeiteten Waren (+6%), Nahrungsmittel (+11,6%) und Getränke (+49,6%) stark positiv. Rückgänge verzeichneten hingegen die Warengruppen der Fertigwaren (-10%) und der chemischen Erzeugnisse (-3,1%), wo sich der Negativtrend des Vorjahrs weiter fortsetzte. 

Beim Dienstleistungsexport blickt Österreich auf ein äußerst erfolgreiches Jahr zurück: dieser verzeichnete ein Wachstum von +9,0% auf EUR 2,61 Mrd. Die größten Beiträge kamen vom Reiseverkehr (EUR 731 Mio. Euro), denn trotz teurem Euro blieb Österreich auch 2018 als Urlaubsdestination für die Briten attraktiv.

Insgesamt ist Österreichs Handelsbilanz mit dem Vereinigten Königreich auch 2018 sehr erfreulich: Sowohl beim Waren- als auch beim Dienstleistungsexport erwirtschaftete Österreich wieder einen substantiellen Bilanzüberschuss und zählt damit zu den profitabelsten Exportmärkten Österreichs.   

Ausführliche Informationen über die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung finden Sie in der Vollversion des AUSSENWIRTSCHAFT Wirtschaftsberichts aus dem Vereinigten Königreich.

Darüber hinaus steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter London für Auskünfte und eine persönliche Beratung zur Verfügung: Schicken Sie einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an.

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Großbritannien der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik.

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Ausführliche Informationen 

Damit Ihre Marktbearbeitung im Vereinigten Königreich problemlos abläuft, hat unser Team vor Ort Informationen zu außenhandels- und investitionsrelevanten Fach- und Branchenthemen, die Sie jederzeit beim AußenwirtschaftsCenter London anfordern können.

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Vereinigtes Königreich.

Das AußenwirtschaftsCenter London berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zum Vereinigten Königreich haben.