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Die Wirtschaft im Vereinigten Königreich

Unser AußenwirtschaftsCenter in London hat die wichtigsten Informationen zur britischen Wirtschaft für Sie zusammengefasst

Wirtschaftslage 

Geplagt von den schmerzhaften Geburtswehen des EU Austritts und unsicheren Zukunftsperspektiven hat die britische Wirtschaft schon in den Jahren 2018 und 2019 nur um schwache 1,3% und 1,4% zugelegt. Nach dem formellen Abgang aus der Union am 31.1.2020 und wenig Hoffnung auf umfassenden Zugang zum Binnenmarkt nach Ende der Übergangsfrist am 31.12 2020 wurde auch für heuer und 2021 nur ein schwaches Plus von 1% erwartet.

In der Zwischenzeit manövrierte der durch die Covid 19 Pandemie bedingte wirtschaftliche Stillstand Großbritannien in eine historische Wirtschaftskrise. Ein kaputtgespartes Gesundheitssystem, die sehr hohe Bevölkerungsdichte (in England 4½-mal so hoch wie in Ö), soziale Ungleichgewichte (Armutsinfektion) und massive politische Versäumnisse in der Erstphase sorgen für die höchste „excess mortality“ Europas (8-mal höher als in Ö) und erzwangen lange andauernde, drakonische Betriebsschließungen und Zwangsmaßnahmen.

Schon im Q1 2020 schrumpft das BIP im VK um 2%, belief sich das Minus auf 20,4% und fiel damit drastischer aus als in allen anderen OECD Ländern. Auch wenn es im weiteren Jahresverlauf und 2021 zu einer allmählichen Erholung kommt, dürfte das BIP auch Ende nächsten Jahres noch immer um 2-3% unter dem Vorkrisenniveau liegen. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen Ökonomen in besten Fall mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um um fast 10%. Wenn eine zweite Infektionswelle allerdings für weitere Lähmungserscheinungen sorgt, oder die Auswirkungen der Pandemie auf Arbeitsmarkt, Konsumentenvertrauen und Insolvenzen dramatischer ausfallen als erwartet, ist auch eine weit steilere Talfahrt nicht ausgeschlossen.

Die schon seit Jahren anämischen Anlageinvestitionen werden durch Nachfrageeinbrüche, Materialmängel und Finanzierungsprobleme weiter massiv beeinträchtigt und dürften im laufenden Jahr um knapp 25% unter dem Niveau von 2019 liegen. Zukunftsängste und Vertrauensverluste, vor allem aber der drohende Anstieg der Arbeitslosigkeit auf bis zu 10% - zum Höhepunkt des „Lock downs“ Anfang Juni sind ein Viertel der Erwerbstätigen auf „Staatskosten“ „freigestellt“ -  lassen auch vom Konsum (2020: -12,3%) nichts an Antriebsenergie erwarten.

Weil auch die Auslandsnachfrage einbricht, muss der Staat wie überall in Europa den Erholungskurs der Wirtschaft mit milliardenschweren Förderprogrammen stützen. Neben einer Absenkung des Leitzinssatzes von 0, 25% auf 0,1% und dem Ankauf kurzfristiger Anleihen von Großunternehmen stellt die Regierung GBP 330 Mrd. für Kredithaftungen für Unternehmen zur Verfügung. Bis Ende Juli werden 80% der Gehälter „freigestellter“ Arbeitnehmer bis zu einer Maximalhöhe von GBP 2.500 (bis Ende Oktober 60%) übernommen. Darüber hinaus gibt es Beihilfen für Selbstständige und einen Sonderfond für Start-ups.

Die Finanzierung der umfassenden Hilfsmaßnahmen für Wirtschaft und Unternehmen, deren direkte Kosten für die nächsten zwei Jahre sich je nach Krisenverlauf und Inanspruchnahme auf GBP 160 bis 200 Mrd. belaufen dürften, werden zumindest im Haushaltsjahr 2020/21 für eine Ausweitung des Defizits auf über 18% des BIP sorgen (2021/22: 6,8%). Die damit auch im besten Fall verbundene Staatsschuldenspirale (2020: 111,7% vom BIP) macht mittel- und langfristig schmerzhafte Steuer- und Ausgabenkompromisse unvermeidlich.

Obwohl die Pfund-Schwäche für gewissen Preisdruck sorgt, halten Nachfrageanämie und billiges Öl die Infalationsrate 2020 bei oder unter 1%. Nach einem Krisentief im März (1:1,15U$) erholte sich der Pfundkurs mit der Einrichtung von Swap-Linien zwischen der Fed und anderen Zentralbanken, einschließlich der BoE, und lag Ende April wieder bei 1:1,25. Der Außenwert der britischen Währung bleibt jedoch noch 12 bis 18 Monate volatil.

Zu den „Abwärtsrisiken“ aller dieser Prognosen gehört neben einer zweiten Infektionswelle auch ein Scheitern der durch die Pandemie massiv behinderten Verhandlungen über eine Neuregelung der Wirtschaftsbeziehungen mit der EU nach Ende der Übergangsphase am 31.12.2020.

Da die britische Regierung bis heute eine Verlängerung der Übergangsperiode kategorisch ausschließt, und sich bei den von Anfang an verhärteten Verhandlungspositionen zu den Streitthemen keine Kompromisse abzeichnen, muss befürchtet werden, dass kein Freihandelsabkommen zustande kommt und ab 1.1.2021 im Handel mit dem VK die WTO Regeln zur Anwendung kommen.

Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich 

Nach einem starken Anstieg im Jahr 2018 von +7,5%, entwickelten sich die österreichischen Exporte in das Vereinigte Königreich (VK) auch im Jahr 2019 weiterhin sehr dynamisch und legten um starke +7,2% auf EUR 4,5 Mrd. zu.

Diese eher erratische und jeder Brexit-Logik entgegenlaufende Entwicklung ist auf das seit Jahren für die Gesamtbilanz bestimmende Gewicht der auftragsgefertigten PKWs (von Magna für den britischen Markt gefertigte vormals Mini jetzt Jaguar Mo-delle) zurückzuführen: während 2017 durch einen Modellwechsel bei der PKW-Lizenzfertigung ein temporäres „Lieferloch“ entstand, sind die KFZ Exporte seitdem wieder stark gestiegen und stehen im Jahr 2019 für knapp 28% der Gesamtausfuhren. Im selben Zeitraum war die Entwicklung in anderen Warengruppen, allen voran bei Industriezulieferungen (Maschinen, Anlagen, Fertigwaren, Halbzeuge) positiv, Rückgänge wurden bei Chemikalien und mineralischen Brennstoffen verzeichnet. Zudem liegt ein Teil des starken Wachstums 2019 sicherlich darin begründet, dass sich Unternehmen mit angstvollem Blick auf die ursprünglichen Austrittsdaten vom 31. März und 31. Oktober 2019 die Lager bis unters Dach anfüllten.

2019 entwickelten sich auch die österreichischen Dienstleistungsexporte weiter sehr positiv und stiegen um 3,3% auf EUR 2,75 Mrd. Das VK bleibt somit die Nummer 5 in der Weltrangliste der österreichischen DL-Zielmärkte. Stark auf das DL-Gesamtergebnis eingezahlt hatten 2019, wie schon in den vergangenen Jahren, unternehmensbezogene DL (EUR 607 Mio.), Transport (EUR 538 Mio.), sowie Telekommunikations-, EDV und Informations-DL (EUR 396 Mio.). Die größten Beiträge kamen vom Reiseverkehr (EUR 742 Mio. Euro). Österreich blieb auch 2019 als Urlaubsdestination bei den Briten sehr attraktiv. Trotz teurem Euro und Brexit Unsicherheit stiegen die Gesamterlöse (+1,2%) bei fallenden Ankünften (0,97 Mio. | -3%) und Nächtigung (3,68 Mio. | -3,3%) leicht.

Die vorläufige Exportbilanz für das 1.Quartal 2020 liegt auch wegen der 2019 aufgebauten Lagerbestände bereits um 14,6% im Minus. Leider ist zu befürchten, dass der durch weitläufige Betriebsschließungen und drakonische Zwangsmaßnahmen herbeigeführte wirtschaftliche Stillstand im 2.Quartal für weit drastischere Einbrüche sorgen wird.

Die Perspektiven für den weiteren Jahresverlauf und 2021 sind mit Rücksicht auf den dramatischen Konjunktureinbruch düster. Für Industrie und Bauwirtschaft werden massive Rückgänge befürchtet. Zulieferer im Infrastruktursektor (Straßenbau / Eisenbahn) könnten von der Sogwirkung hoher Modernisierungsinvestitionen in die Verkehrsinfrastruktur profitieren.

Chancen gibt es bis 2022 im Gesundheitswesen bei Krankenhausprojekten und großen staatlichen Beschaffungsinitiativen, sowie bei Lebensmitteln, im IT-Sektor, bei Versorgungsunternehmen, Banken, Versicherungen und im Bereich Logistik. Auch der Strukturwandel im Einzelhandel und die Substitution von Überseeimporten durch die Regionalisierung von Warenströmen könnte Liefermöglichkeiten bieten.

Ausführliche Informationen über die Wirtschaftslage und die wirtschaftliche Entwicklung finden Sie in der Vollversion des AUSSENWIRTSCHAFT Wirtschaftsberichts aus dem Vereinigten Königreich.

Darüber hinaus steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter London für Auskünfte und eine persönliche Beratung zur Verfügung: Schicken Sie einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an.

Statistik: Länderprofil 

Einen kurzen Überblick über die wichtigsten statistischen Daten zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bietet das Länderprofil Großbritannien der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und der Stabsabteilung Statistik.

Wichtige Wirtschafts- und Basisdaten und Informationen für eine Vielzahl weiterer Länder finden Sie auf den jeweiligen Länderseiten sowie in der Übersicht Länderprofile weltweit.

Ausführliche Informationen 

Damit Ihre Marktbearbeitung im Vereinigten Königreich problemlos abläuft, hat unser Team vor Ort Informationen zu außenhandels- und investitionsrelevanten Fach- und Branchenthemen, die Sie jederzeit beim AußenwirtschaftsCenter London anfordern können.

Allgemeines zu Wirtschaft, Land und Leute sowie persönliche Tipps finden Sie in unserem Länderreport Vereinigtes Königreich.

Das AußenwirtschaftsCenter London berät Sie gerne, sollten Sie weitere Fragen zum Vereinigten Königreich haben.

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