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Top-Shot eines dunklen Tischs, auf dem verschiedene Werkzeuge zur Bearbeitung von Leder liegen. Unter den Werkzeugen liegen verschieden-farbige lederne Schnittmuster
© Parilov | stock.adobe.com

Eswatinis Lederindustrie vor großem Wachstumsschub

Veredelung von Rohstoffen verbessert die Wertschöpfung

Lesedauer: 3 Minuten

Eswatini Agrarwirtschaft Design Fashion Möbel/Interior
12.10.2026

Der Ledersektor in Eswatini verfügt über ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial und könnte den Wert von lokal erzeugten Häuten und Fellen von derzeit rund 78,7 Millionen Emalangeni auf etwa 943,8 Millionen Emalangeni steigern. Voraussetzung dafür ist eine stärkere lokale Verarbeitung und die Herstellung von Endprodukten anstatt des überwiegenden Exports von Rohmaterialien.

Eswatini produziert jährlich zwischen 220.000 und 250.000 Häute und Felle. Der Großteil dieser Rohstoffe wird jedoch bislang unverarbeitet oder lediglich in gesalzener Form exportiert. Durch die Verarbeitung zu fertigen Lederprodukten könnte ein deutlich höherer wirtschaftlicher Nutzen im Land verbleiben. Gleichzeitig würden neue Geschäftsmöglichkeiten für Klein-, Mittel- und Kleinstunternehmen entstehen.

Eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung der Branche ist das Fehlen einer kommerziellen Gerberei. Zudem ist der Markt für Schuhe und Lederwaren bisher stark von Importen abhängig. Viele lokale Hersteller müssen Leder und weitere Produktionsmaterialien aus dem Ausland beziehen, was die Kosten erhöht und ihre Wettbewerbsfähigkeit einschränkt.

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, wurde ein gemeinsamer Beschaffungsrahmen für die Lederbranche vorgeschlagen. Durch kollektive Einkäufe sollen Handwerker und kleine Unternehmen von Mengenrabatten, geringeren Transportkosten sowie einer stärkeren Verhandlungsposition gegenüber Lieferanten profitieren. Darüber hinaus soll ein zuverlässigerer Zugang zu hochwertigen Produktionsmaterialien geschaffen werden. Das Ministerium betrachtet diesen Ansatz als kurzfristige Maßnahme zur Stärkung der Branche.

Langfristig sollen Investitionen in die Verarbeitungskapazitäten für halb- und fertigverarbeitete Lederprodukte erfolgen. Weitere Investitionen seien insbesondere in den Bereichen Gerbereikapazitäten, Fachkräfteausbildung, Maschinen, Produktdesign, Qualitätsstandards, Finanzierung und Marktzugang erforderlich. Das übergeordnete Ziel bestehe darin, Eswatini schrittweise von einem Rohstoffexporteur zu einem Hersteller hochwertiger Lederprodukte zu entwickeln.

Auch die United Nations Economic Commission for Africa (UNECA) unterstützt die Initiative. Nach Ansicht der Organisation könnte der neue Beschaffungsrahmen die Grundlage für einen revolvierenden Finanzierungsfonds schaffen, der Leder- und Schuhunternehmen den Zugang zu Betriebskapital erleichtert. Die Bedeutung des Sektors wird durch die Entwicklung des afrikanischen Ledermarktes unterstrichen. Nach Angaben der UNECA lag dessen Wert im Jahr 2024 bei rund 3,9 Milliarden US-Dollar.

Mit wachsender Bevölkerung, zunehmender Urbanisierung und der fortschreitenden Umsetzung der Afrikanischen Freihandelszone wird eine weitere Nachfragezunahme erwartet. Chancen bestehen dabei nicht nur im Schuhsektor, sondern auch bei Handtaschen, Gürteln, Geldbörsen, Reisegepäck, Möbelbezügen, Autoleder sowie Schutz- und Spezialausrüstungen.

Die geplanten Maßnahmen könnten Eswatini dabei helfen, die heimische Wertschöpfung erheblich zu steigern und die Abhängigkeit vom Export unverarbeiteter Rohstoffe zu reduzieren. Gleichzeitig würden neue Arbeitsplätze geschaffen, lokale Unternehmen gestärkt und die Industrialisierung des Landes vorangetrieben. Die Lederindustrie könnte sich damit zu einem wichtigen Wachstumsmotor der nationalen Wirtschaft entwickeln.

Für österreichische Unternehmen eröffnen sich im Zuge des geplanten Ausbaus der Lederwertschöpfungskette in Eswatini Geschäftsmöglichkeiten. Besonders gefragt könnten Technologien und Anlagen für die Lederverarbeitung, Gerbereiausrüstung, Maschinen für die Herstellung von Schuhen und Lederwaren sowie Know-how in den Bereichen Qualitätsmanagement, Produktentwicklung und Berufsbildung sein.

Auch österreichische Anbieter von nachhaltigen Umwelt- und Abwassertechnologien könnten von möglichen Investitionen in moderne Gerbereien profitieren, da internationale Umweltstandards in der Lederproduktion zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Falls Sie Fragen zu aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen in Eswatini haben, steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Johannesburg mit individueller Beratung zur Seite.