Guyana überholt Kolumbien als Erdölproduzent
Produktionsboom und Herausforderungen für Kolumbiens neuen Präsidenten
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Guyana Kolumbien EnergiewirtschaftLaut einer aktuellen Analyse des kolumbianischen Wirtschaftsforschungsinstituts ANIF entwickeln sich die Erdölsektoren Guyanas und Kolumbiens zunehmend in gegensätzliche Richtungen. Während Guyana seit den großen Offshore-Funden im Stabroek-Block einen beispiellosen Produktionsboom erlebt, kämpft Kolumbien mit rückläufiger Förderung und sinkenden Investitionen.
Guyana produzierte im Jahr 2025 durchschnittlich rund 777.000 Barrel Rohöl pro Tag und hat sich damit innerhalb weniger Jahre zum drittgrößten Erdölproduzenten Südamerikas entwickelt. Die Förderkapazität soll bis 2030 auf bis zu 1,7 Millionen Barrel pro Tag steigen. Treiber dieser Entwicklung sind neue Funde, die rasche Inbetriebnahme neuer Förderfelder sowie vergleichsweise niedrige Förderkosten.
Kolumbien verzeichnet hingegen einen gegenteiligen Trend. Die Rohölproduktion sank 2025 auf durchschnittlich 746.000 Barrel pro Tag. Gründe dafür sind unter anderem rückläufige Investitionen in Exploration und Förderung, die fehlende Vergabe neuer Explorationsverträge seit 2022 sowie die natürliche Erschöpfung bestehender Förderfelder. Zusätzlich belasteten Sicherheitsprobleme und operative Unterbrechungen die Produktion.
ANIF erwartet, dass sich die Schere weiter öffnet: Für 2027 wird Guyanas Produktion auf rund 1,06 Millionen Barrel pro Tag geschätzt, während die kolumbianische Förderung auf etwa 717.000 Barrel pro Tag zurückgehen könnte.
Trotz des Erfolgs stehen auch für Guyana Herausforderungen bevor. Internationale Organisationen warnen vor den Risiken einer sogenannten „Dutch Disease“, bei der hohe Rohstoffeinnahmen andere Wirtschaftssektoren verdrängen und die wirtschaftliche Diversifizierung erschweren können. Während Kolumbien vor der Aufgabe steht, Exploration und Reservenaufbau wieder anzukurbeln, muss Guyana die außergewöhnlichen Erdöleinnahmen nachhaltig managen und seine Wirtschaft breiter aufstellen.