Marokkos kritische Ressource: Wasser
Nationale Strategien und internationale Investitionen, um dem Wassermangel des nordafrikanischen Landes entgegenzuwirken
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Das Land befindet sich seit Jahren in einer zunehmend strukturellen Wasserkrise. Anhaltende Niederschlagsdefizite führen zu einer unzureichenden Auffüllung der Stauseen und einer sinkenden Neubildung des Grundwassers. Besonders betroffen ist der trockene Süden des Landes im Vergleich zum etwas niederschlagsreicheren Norden, wie die kürzlichen Überschwemmungen in den Regionen von Tanger und Tetouan zeigten. Angesichts von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und steigender Wasserentnahme für Landwirtschaft und Industrie werden nationale Maßnahmen getroffen, um die verfügbare Trinkwassermenge in den kommenden Jahren nach oben zu schrauben.
Mit dem Nationalen Programm für Trinkwasserversorgung und Bewässerung investiert das Land mehr als 45 Milliarden US-Dollar in zentrale Bereiche wie Entsalzungsanlagen, Abwasseraufbereitung, Wasserverteilung und -speicherung, Grundwassererkundung, ländliche Trinkwasserversorgung, grüne Infrastruktur sowie Aus- und Weiterbildung.
Im ganzen Land entstehen Staudamm-Projekte und Entsalzungsanlagen, die auch mit Wind- und Solarkraft betrieben werden. Neun Entsalzungsanlagen sind bereits in Betrieb, 13 weitere für die nächsten Jahre geplant – darunter die größte Afrikas bei Casablanca. Das Projekt befindet sich bereits in der Umsetzung und wird von der Al Baidaa Desalination Company SA (ADEC) mit Beteiligung der spanischen Gruppe ACCIONA getragen. Sie zielt darauf ab, 300 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aufzubereiten, und davon 250 Millionen Kubikmeter als Trinkwasser für Casablanca und die umliegende Region zur Verfügung zu stellen. In Nador entsteht eine weitere Großanlage mit einer ähnlich zu erwartenden – bis 2030 sollen diese Projekte eine jährliche Produktion von 1,4 Milliarden m³ entsalzten Wassers ermöglichen.
Zu den anderen beteiligten internationalen Unternehmen und Konsortien im Land zählen unter anderem Taqa und Nareva aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Marokko sowie der französische Konzern Veolia.
Auch österreichische Unternehmen leisten einen Beitrag zu den laufenden Wasser- und Energieprojekten in Marokko. Andritz Hydro hat in verschiedenen Speicherkraftwerken bereits rund 800 MW an installierter Leistung umgesetzt und bringt damit langjährige technische Expertise in den marokkanischen Markt ein. Amiblu ist mit seinen Rohrsystemen unter anderem bei mehreren Großprojekten vertreten und betreibt zudem ein eigenes Werk im Land. Darüber hinaus sind zahlreiche weitere österreichische Firmen als Zulieferer aktiv und nutzen die aktuellen Infrastrukturvorhaben, um ihre Präsenz in diesem zukunftsträchtigen Markt weiter auszubauen. Nicht nur die im Dezember 2025 abgehaltene Wirtschaftsmission anlässlich des World Water Congresses in Marrakesch hat gezeigt, dass bei österreichischen Unternehmen großes Interesse besteht, diesen Markt nicht zu vernachlässigen.
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