In Mosambik sollen künftig private Unternehmen Teile des nationalen Eisenbahnnetzes betreiben. Hintergrund dieser Entwicklungen sind Bestrebungen der Regierung den regionalen Güterverkehr auszubauen und die Rolle ihrer Häfen im afrikanischen Handel zu stärken.
Im ersten Quartal 2026 wurden 3,6 Millionen Tonnen Güter von den Eisenbahnen des Landes befördert, was einem Anstieg von 14,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die Öffnung ausgewählter Strecken für private Betreiber könnte Exporteuren und Importeuren angesichts der steigenden Nachfrage nach Frachtkapazitäten mehr Optionen bieten. Das Güterverkehrsnetz ist zudem für Unternehmen, die Zugang zu internationalen Schiffrouten suchen, von großer Bedeutung, da heimische Häfen mit benachbarten Märkten verbunden werden. Der Maputo-Korridor verbindet den Süden Mosambiks über die Ressano-Garcia-Bahn mit Südafrika. Der Beira-Korridor verbindet Simbabwe über die Machipanda-Linie und Malawi über die Sena-Linie. Im Norden transportiert der Nacala-Korridor Kohle aus dem Moatize-Bergbaugebiet und versorgt Malawi.
Laut lokalen Medienberichten bereitet das staatliche Unternehmen Portos e Caminhos de Ferro de Moçambique (CFM) Ausschreibungen für private Unternehmen vor, die ausgewählte Eisenbahnstrecken betreiben sollen. Genauere Details wie die konkreten Strecken, um die es sich handelt oder der Zeitpunkt der Ausschreibungen sind jedoch noch nicht bekannt. Die vorgeschlagenen Änderungen sollen zudem dazu beitragen, den Schienen- und Seeverkehr stärker zu fördern, anstatt sich in hohem Maße auf den Straßengüterverkehr zu verlassen. Im April 2025 wurde ein Eisenbahn-Investitionsprogramm in Höhe von 14 Milliarden Metical (219,1 Millionen US-Dollar) angekündigt, das den Zeitraum von 2025 bis 2030 abdeckt. Es umfasst nicht nur den Ausbau ausgewählter Strecken um ein zweites Gleis, sondern auch den Kauf von Lokomotiven sowie die Anschaffung von 250 Güterwagen. Zudem sicherte sich Mosambik im Juli 2025 Finanzmittel in Höhe von 144 Millionen Euro (161,2 Millionen US-Dollar) für den Ausbau der Eisenbahnstrecke, die Maputo mit der südafrikanischen Grenze verbindet. Das Projekt soll die jährliche Frachtkapazität auf 19 Millionen Tonnen erhöhen.
Zusätzliche Kapazitäten allein werden Unternehmen jedoch nicht automatisch davon überzeugen, vom Lastwagen auf die Bahn umzusteigen. Im Juni 2026 forderte der Verband der Wirtschaftsverbände Mosambiks zuverlässigere Bahnverbindungen und eine Überprüfung der Frachttarife. Exporteure bevorzugen weiterhin den Straßentransport aufgrund unvorhersehbarer Lieferzeiten und den Mangel an verfügbaren Güterwagen. Der Erfolg des Ausschreibungsverfahrens wird davon abhängen, wie die Zuständigkeiten zwischen der CFM und privaten Betreibern aufgeteilt werden. Eine wichtige Rolle wird zudem spielen wie der Zugang der privaten Betreiber zum Schienennetz geregelt wird, welche Investitionsverpflichtungen bestehen sowie welche Betriebsvorschriften gelten.
Wettbewerb allein wird die Frachtkosten möglicherweise nicht senken. Eine bessere Koordination zwischen Eisenbahn, Häfen, Zoll und Straßentransport wird ebenfalls erforderlich sein, wenn Mosambik das wachsende Frachtaufkommen in eine stärkere Position im regionalen Handel ummünzen möchte. Für österreichische Unternehmen könnte die geplante Öffnung des Eisenbahnnetzes neue Geschäftschancen in den Bereichen Bahninfrastruktur, Logistik und Verkehrstechnik schaffen. Die laufenden Investitionen in den Ausbau des Schienennetzes sowie die mögliche Einbindung privater Betreiber könnten die Nachfrage nach Signal- und Leitsystemen, Ausrüstung für den Schienengüterverkehr, Engineering- Dienstleistungen und digitalen Logistiklösungen erhöhen.
Haben wir ihr Interesse am Transportsektor in Mosambik geweckt? Bei Fragen steht Ihnen das AußenwirtschaftsCenter Johannesburg gerne telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung.