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Vorsicht vor Online-Betrug beim Sourcing in China

Worauf Sie beim Sourcing achten sollten, um sich vor Online-Betrügern zu schützen

Lesedauer: 2 Minuten

China
10.05.2024

Die Beschaffung in China birgt aufgrund der hohen Komplexität und natürlicher Kommunikationsbarrieren traditionell bereits gewisse Herausforderungen. Noch schwieriger wird es, wenn sich Dritte mit unlauteren Absichten einschalten, um aus dieser komplexen Situation Profit schlagen zu können.

In einem uns vorliegenden Fall eines österreichischen Unternehmens, das in China sourct, verschafften sich Dritte Zugang zu den E-Mail Accounts mindestens einer der beiden beteiligten Unternehmen. Nachdem die Konversation so unbemerkt mitgelesen wurde und auf eine Gelegenheit gewartet wird, die mit einem unmittelbar bevorstehenden Geschäftsabschluss zusammenhängt, wird der Dritte aktiv.

Mit ähnlich lautenden – jedoch im Detail verschiedenen – E-Mail-Adressen schaltet sich die Person in die Konversation auf beiden Seiten ein und steuert das Geschäft in eine für sie selbst nutzbringende Richtung. Dabei werden beispielsweise Proforma Rechnungen manipuliert und Kontoinformationen des Dritten (oder anderer Personen) eingefügt, in der Hoffnung, dass der ahnungslose Kunde ungeprüft eine Überweisung tätigt.

Ist der Verlustfall einmal eingetreten, bestehen kaum Möglichkeiten, das Geld zurückzuerlangen. Strafanzeige bei der Polizei zu stellen, wird empfohlen, führt im Online-Betrug – gerade grenzüberschreitend – jedoch selten zum Erfolg.

Dringende Empfehlung:

Prüfen Sie stets die E-Mail-Adressen der Personen, mit denen Sie in Kontakt stehen, auf Korrektheit und adressieren Sie Änderungen auf mindestens einem anderen Weg, beispielsweise telefonisch, über einen WhatsApp Account, oder ähnliches. Überprüfen Sie gründlich die Proforma Invoice auf Schlüssigkeit. Insbesondere die Kontoinformationen sollten zu der Firma passen, mit der Sie tatsächlich im Geschäft sind.

Beispielfall im Detail:

Im Weiteren können Sie einen anonymisierten Beispielfall verfolgen, um sich mit dem Vorgehen der Betrüger vertraut zu machen.

Die österreichische Firma A ist mit der chinesischen Firma B bereits länger in Kontakt und besprechen ein anstehendes Geschäft. Dritte verschaffen sich unbemerkt Zugang zur E-Mail-Korrespondenz durch Hacking mindestens eines der E-Mail-Konten. In dem Moment, in dem das Geschäft zum Abschluss kommen soll, setzt der Betrüger an und beginnt selbst mit beiden Parteien zu korrespondieren. Dabei wählt dieser eine E-Mail-Adresse, die sehr ähnlich zu den tatsächlichen Adressen lautet, sich im Detail jedoch erheblich unterscheidet. Diese Unterschiede können jedoch gerade bei grenzüberschreitenden Transaktionen und im Eifer des Gefechts unbemerkt bleiben. Dabei werden zum Teil auch echte Aussagen der bisherigen Korrespondenz wiedergegeben, was den Eindruck bestärkt, es handele sich um dieselbe Person.

Der Betrüger drängt auf einen Abschluss des Geschäfts und versendet dann vom gefälschten E-Mail-Konto des Lieferanten eine manipulierte Proforma Invoice, in welcher eine völlig unbeteiligte chinesische Firma C als Zahlungsempfänger inklusive korrektem Bankkonto angegeben ist. Sobald die Zahlung erfolgt ist, bricht der Kontakt ab. Der echte Kontakt zwischen den tatsächlich beteiligten Personen kommt erst wieder über andere Kanäle (Alibaba Plattform und Telefonate) zustande, als die Firma A auf Lieferung der bezahlten Ware drängt.

Als die Firma C via Skype von einem Bestandskunden eine Anfrage nach einem Smartphone erhält, erkundigt sie sich bei dem Kunden, weshalb es sich bei dem Zahlungseingang um ein anderes Bankkonto handele. Der Dritte erklärt der Firma C, dies gehöre einem neuen Kunden, der ihn mit der Bestellung beauftragte. Die Firma C bestellt in Folge die Ware und übergibt sie dem Versand. Die Versandpapiere bescheinigen die Lieferung der Ware an eine unbekannte Person in Nigeria. Der Dritte tritt dabei mit nur sehr rudimentären Informationen und mehreren Accounts in Erscheinung. 

Im Falle von Fragen zu diesem oder anderen Themen, sprechen Sie uns gerne an!

AußenwirtschaftsCenter Guangzhou
Mag. Birgit Murr
T: +86 20 8516 0047
guangzhou@wko.at 

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