Lehrlinge sind die Fachkräfte von morgen
#unverzichtbar
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Die duale Lehrlingsausbildung ist und bleibt eine tragende Säule des österreichischen Wirtschaftsmodells – insbesondere für die Fachkräftesicherung im Gewerbe und Handwerk. Trotz ihrer zentralen Bedeutung gerät die duale Ausbildung zunehmend unter Druck.
Burgenlands Lehrlinge leisten einen wertvollen Beitrag für den wirtschaftlichen Erfolg in der Region. Ohne sie würde vieles stillstehen – in den Betrieben ebenso wie im öffentlichen Leben. Steigende Ausbildungs- und Personalkosten, wachsende bürokratische Anforderungen und die fehlende Anpassung der staatlichen Förderinstrumente stellen viele Lehrbetriebe vor große Herausforderungen. Um die Ausbildungsbereitschaft langfristig zu sichern, fordert Spartenobmann KommR Anton Putz die Weiterführung und Valorisierung der betrieblichen Lehrstellenförderung.
Gewerbe und Handwerk sind DIE Top-Talenteschmieden
Im abgelaufenen Jahr absolvierten im Burgenland 1.110 Lehrlinge eine Ausbildung in der Sparte Gewerbe und Handwerk, davon 281 im ersten Lehrjahr. Damit wird fast jeder zweite Lehrlinge in einem der rund 500 Lehrbetriebe im Gewerbe und Handwerk ausgebildet. Die Sparte ist die mit Abstand größte „Talenteschmiede“ des Landes. Die Anzahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr ist leicht rückläufig (- 1,1 %), ein Alarmsignal, nicht nur für diesen Sektor, sondern für die ganze Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben, denn über alle Sparten fällt der Rückgang mit 3,1 % noch deutlicher aus.
Staat spart bei Lehrlingsförderung
Die Lehrlingsausbildung verlangt den Betrieben einen großen personellen wie finanziellen Einsatz ab. „Unsere Ausbildungsbetriebe ermöglichen jungen Menschen eine persönliche wie berufliche Perspektive und leisten damit einen wichtigen Beitrag nicht nur zur regionalen Wertschöpfung, sondern zur Gesellschaft insgesamt“, betont Putz. Die meisten Ausbildungsbetriebe sehen ihren Einsatz als Verantwortung gegenüber Branche und Region und als Teil ihres gesellschaftlichen Engagements. Angesichts des zunehmenden Bedarfs an zusätzlicher Begleitung vieler Jugendlicher im schulischen und sozialen Bereich, wachsender Bürokratiebelastungen und der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession sei der steigende Aufwand für viele – insbesondere kleinere – Betriebe kaum mehr zu stemmen.
Sorgen der Ausbildungsbetriebe
Die Ausbildung des heimischen Nachwuchses, aber auch die Sorgen der Ausbildungsbetriebe, sind WK-Präsident Mst. Andreas Wirth ein großes Anliegen. Viele Unternehmen investieren über mehrere Jahre hinweg erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen in die Ausbildung junger Menschen. Gerade in der Anfangsphase der Lehre ist der Betreuungsaufwand hoch, die Produktivität naturgemäß geringer und der wirtschaftliche Nutzen für den Betrieb noch begrenzt. Umso problematischer ist es, dass fertig ausgebildete Fachkräfte zunehmend unmittelbar nach Lehrabschluss von öffentlichen oder staatsnahen Arbeitgebern abgeworben werden. Der ausbildende Betrieb verliert damit nicht nur eine dringend benötigte Fachkraft, sondern auch den Ertrag seiner Ausbildungsinvestition. Präsident Wirth fordert daher ein faires Ausgleichsmodell.
Lehre ist für den Staat die kostengünstigste Ausbildung
Dabei ist die betriebliche Lehrausbildung für den Staat die mit Abstand kostengünstigste Form der Ausbildung. Ein Lehrling verursacht der öffentlichen Hand jährlich rund 7.830 Euro an Kosten – für Berufsschule und Förderung, abzüglich Rückflüssen aus Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuer. Ein Schüler bzw. eine Schülerin an einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule schlägt für den Staat hingegen mit rund 12.612 Euro pro Jahr zu Buche, eine überbetriebliche Ausbildung im Auftrag des AMS sogar mit 22.804 Euro. „Wir fordern daher, dass die Lehrstellenförderung als das gesehen wird, was sie ist: ein Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe“, hält Putz fest.
Putz warnt eindringlich vor den langfristigen Folgen der aktuellen Entwicklung. Immer mehr Betriebe überlegen, die Lehrlingsausbildung auszusetzen. „Wenn Betriebe als Ausbilder einmal aussteigen, kommen sie oft nicht mehr zurück und der Fachkräftemangel verschärft sich weiter“, so der Spartenobmann abschließend.
Präsident Mst. Andreas Wirth und Spartenobmann KommR Anton Putz