Kommentar von Rudolf Grünanger
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Liebe Kolleg:innen,
nach den Osterfeiertagen sind die Bauern auf den Feldern, um Körnermais und Sojabohne auszusäen. Die Stimmung ist trüb wie der Himmel. Eine außergewöhnliche Winter-Trockenheit ohne Wasser-Polster und Reservoir für weiteres Wachstum lässt täglich auf Regen hoffen. Nach einem kalten Jänner (-3,7 Grad Klagenfurt Geosphere), liegen die Temperaturen seit Februar deutlich über dem Durchschnitt der letzten Jahre, im März sogar um +7,3 Grad Celsius. Dafür fehlt Niederschlag, nur 82 Liter Niederschlag wurden seit Jahresbeginn gemessen (Stand: 10. April) , ein Defizit von 58 Prozent bei der Messstation Klagenfurt.
Die globalen Getreidepreise dümpeln trotz der Sperre der Straße von Hormuz auf tiefen Preisen dahin, deutlich unter dem Vorjahr. Eine Erholung ist auf Grund der derzeitigen Ernteprognosen nicht zu erwarten. Dafür belasten hohe Energie-und Betriebsmittelpreise (Dünger) den Getreidehandel. Nahezu täglich erreichen Agrarhändler Forderungen von Frächtern nach Dieselzuschlägen.
Stabiler gestaltet sich das Marktumfeld für den Vieh- und Fleischhandel; wenngleich die Rinderpreise zuletzt nachgegeben haben, liegen die Notierungen deutlich über dem Vorjahr.
Im Mittelpunkt der agrarpolitischen Diskussion steht die Ausformulierung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik. Österreich betont die notwendige Eigenständigkeit der Agrarpolitik und versteht sie auch als Einkommenssicherung, die sich an die Inflationsentwicklung anpassen sollte.
Was tut sich in der Legistik und in Folge mit der Bürokratie? Mit der DurchführungsVO EU 2026/765, die sich mit Probenahmeverfahren und Analysemethoden bei Lebens- und Futtermitteln beschäftigt, werden wir uns bis 1.1.2027 beschäftigen müssen. Für Großbetriebe gilt seit 1. März 2026 das RKEG, das Resilienz Kritischer Einrichtungen Gesetz, welches langfristig die Versorgungssicherheit sicherstellen soll. Unternehmen, die auf Grund eines individuellen Bescheids in den Wirkungsbereich fallen, müssen Risikoanalysen durchführen, Resilienz Maßnahmen ergreifen und Meldepflichten erfüllen. Eine ähnliche Funktion im Bezug auf Cybersicherheit im Energie- und Lebensmittelbereich erfüllt das NISG, das Netz- und Informationssystem-Sicherheitsgesetz, welches am 1.Oktober 2026 wirksam werden wird. Die Versorgungssicherheit im Agrarhandel wird zunehmend gesetzlich verankert. Wenn damit auch die Wertschätzung für unseren Sektor steigt, dann sind wir damit gerne einverstanden.
Das heurige Jahr wurde von der UNO zum „Jahr der Bäuerinnen“ ausgerufen. Eine Idee, die die Sichtbarkeit von Frauen im Agrarbereich erhöht und auch auf manchmal fehlende Fairness gegenüber Männern hinweist. Für den Agrarhandel eine zweifache Reflexion: ein Dank an alle Frauen, die Führungsarbeit in unserer Branche übernehmen und der Hinweis, dass zunehmend Frauen unsere Ansprechpartner in den bäuerlichen Betrieben sein werden.
Alles Gute für die Anbausaison, einen guten Weideaustrieb – und ein herzliches Innehalten zum Muttertag!
Euer Rudi Grünanger, Gremialobmann