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Agrarhandel, Landesgremium

Kommentar von Rudolf Grünanger 

Lesedauer: 3 Minuten

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18.02.2026

Liebe Kolleg:innen,

mit Maria Lichtmess am 2. Februar ist der halbe Winter vorbei, sagt eine Bauernregel. Tatsächlich erlebten wir heuer tiefe Wintertemperaturen, wobei die Saaten in Europa großteils durch eine ausreichende Schneedecke geschützt waren. 

Die Getreidemärkte dümpeln auf tiefem Niveau dahin. Als Kontrabass firmiert der Düngermarkt, der trotz tiefer Gaspreise mit kräftigen Preisausschlägen nach oben dagegenhält, was die Stimmung noch mehr drückt. Der Fokus liegt derzeit eher an der rechtzeitigen Verfügbarkeit von Düngemitteln für den Saisonstart.

Im Vieh- und Fleischbereich stellt sich in Europa beim Schweinefleisch ein Gleichgewicht auf niedrigem Preisniveau ein. Bei Rindfleisch scheint der obige Scheitelpunkt der Preiskurve erreicht zu sein, wiewohl die Preise derzeit um 20 bis 30 Prozent über dem Vorjahr liegen. In welchem Ausmaß das Preisgemetzel am Milchmarkt Auswirkungen auf den Fleischmärkten zeitigen wird, zeigt sich erst. Für den Agrarhandel ist die rechtzeitige Seuchenprophylaxe durch die Bauern mittels Blauzungenimpfung wichtig.

Im Mittelpunkt der interessenspolitischen Arbeit beim letzten Ausschuss des Getreidehandels in Wien standen Fragen der Zusammenarbeit innerhalb der Lebensmittelbranche. So wurde eine Mustervereinbarung zwischen Agrarhandel und Landwirten, die die Vereinbarung eines Börsenschiedsgerichts zum Inhalt hat, vorgelegt. Das hat in Bezug auf Schnelligkeit der Rechtsprechung und Fachkompetenz für alle Beteiligten Vorteile. Im Rahmen der CMO (Common Market Organization) soll die Stellung der Landwirte bei Verträgen gestärkt werden. Dabei sollen verbindlich schriftliche Verträge vorgeschrieben werden, aus denen Landwirte im Falle massiver Marktveränderungen aussteigen könnten. Diese Vorschläge hätten massive Auswirkungen auf die derzeitige Handelspraxis, die gelernt hat, mit hoher Preisvolatilität zu leben und diese abzusichern.

Im Mittelpunkt der europäischen Politik stehen derzeit Versuche, die europäische Wirtschaft zu stärken und Bürokratie abzubauen. Unstrittig ist, dass der "Grenzausgleich für Düngemittel" bei Beibehaltung des derzeitigen Importregimes die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft schwächen wird. Europa muss vielmehr trachten, die Energiepreise zu senken. Erfolge der Entbürokratisierung zeigen sich in der Verschiebung und starken Abwicklungsvereinfachung im Zuge der Entwaldungsverordnung, sodass zukünftig nur mehr Sorgfaltspflichterklärungen der Primärproduzenten einmalig einzusammeln wären. Die Verschiebung der Lieferkettenrichtlinie fällt ebenfalls in die Kategorie Bürokratieabbau. Innerösterreichisch forciert die IGP (= Industriegruppe Pflanzenschutz) die vereinfachte gegenseitige Anerkennung von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen der EU-VO, sodass beispielsweise eine Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland zu einer rascheren Zulassung in Österreich führt; unabdingbar angesichts des Auslaufens von Wirkstoffen einerseits und der Zunahme von Schädlingen andererseits.

Freilich: Noch gibt sich das Bürokratiemonster nicht geschlagen. Die aufkommende Diskussion in Deutschland Methanprüfgeräte in deutschen Milchviehställen aufzustellen, ist wohl das Ende des Hausverstands.

Überhaupt wird derzeit in der europäischen Diskussion die Agrarpolitik (GAP 2028-2034) von anderen Prioritäten, wie Industrie- und Wettbewerbspolitik sowie Sicherheitsfragen überlagert. Aber auch diese Themen wirken sich in hoher Intensität auf den Agrarhandel aus: man denke nur an die Vorschläge eines sofortigen EU-Betritts der Ukraine sowie der Balkanländer, wie sie aktuell geführt werden.

In diesem Sinne wünsche ich einen fröhlichen Karneval – ein befristetes Fleisch ade im wahrsten Sinne des Wortes – und eine besinnliche Fastenzeit!

Euer Rudi Grünanger, Gremialobmann

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