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Agrarhandel, Landesgremium

Kommentar von Rudolf Grünanger 

Lesedauer: 1 Minute

20.01.2026

Liebe Kolleg:innen,

das neue Jahr beginnt ruhig und unspektakulär, sieht man von einzelnen frostigen Tagen ab. Zeit also, neben reiner Interessenspolitik auch politische Entwicklungen global und national zu analysieren.

Die geringere Nachhaltigkeitsgewichtung, formuliert im "Green Deal" der EU, lässt sich an der Verschiebung der Entwaldungs-Verordnung und an Diskussionen zu möglicher temporärer Aussetzung des Grenzausgleichsmechanismus für Dünger bei Marktverzerrungen ablesen. Der Geldmangel öffentlicher Kassen sowie der hohe Inflationsdruck in Österreich lassen die politische Fantasie sprießen. Mehrwertsteuersenkungen bei Lebensmitteln und ein gedeckelter Industriestrompreis für Schlüsselindustrien sollen im Wirtschaftsjahr umgesetzt werden. In Deutschland wird die Erbschaftsteuer wieder diskutiert. Alle diese Themen betreffen auch den Agrarhandel bzw. sollten in die interessenspolitische Diskussion eingebracht werden. Denn abseits von Schlüsselindustrien bewirkt ein günstiger Strompreis vor allem im Lebensmittelsektor eine Inflationsdämpfung.

Die Diskussionen und Demonstrationen zur bevorstehenden Unterzeichnung des Mercosur-Vertrages lenken Schlaglichter auf tatsächliche Ungleichgewichte im Agrarsektor. Einerseits müssen Bauern als einzige Berufsgruppe zu Weltmarktpreisen produzieren, sie stehen im direkten Wettbewerb mit südamerikanischen und ukrainischen Kollegen trotz unterschiedlichster Voraussetzungen, andererseits hilft reine Interessenspolitik hier nicht weiter. Es bedarf eines Systemwandels von Produktions- zu Einkommensstützungen, sollte der ländliche Raum besiedelt, Grünland in Kärnten genutzt und die Rolle des Fremdenverkehrs gehalten werden.

Politische Prioritäten und Geschäftsmodelle haben sich geändert. "Pflugscharen zu Schwertern" heißt die Devise in Europa, das wirtschaftlich noch immer Gewicht in der Welt hat. Die Reaktionsschnelligkeit muss sich erhöhen. Sicherheitsaspekte gewinnen an Gewicht, was sich an der Ukraine und an Grönland zeigen wird. Bildung und Forschung sind immer noch Assets auf einem alternden Kontinent, genauso wie eine wettbewerbsfähige Industriekultur. Und Europa muss sich in dieser unruhigen Welt Partner suchen, um gehört zu werden: in Südamerika (Mercosur), mit Kanada (CETA) und zukünftig auch mit Indien und anderen. Europa hat der Welt Freiheit, Demokratie und Wohlstand zu bieten. Unsere Welt ist zu wichtig, um sie zwischen den USA, Russland und China aufzuteilen. 

Mit dem FAO-Preisindex, der eine Maßzahl für die globale Preisentwicklung (73 globale Notierungen), gewichtet nach Exportanteilen der jeweiligen Produktgruppe (5 Teilindizes, wie Getreide, Fleisch, Milch, pflanzliche Öle und Zucker), lässt sich die globale Agrar-Marktentwicklung prägnant beschreiben.

Produktgruppe Punkte 2025

Veränderung zu 2024 im Durchschnitt

Getreide 107,9 -4,9%
Reis 103,5 -35,2%
Pflanzliche Öle 161,6 +17,1%
Fleisch 123,2 +5,1%
Milch 146,9 +13,2%
Zucker 104,3 -17%

(Quelle: AMA, Jänner 2026)

 

Euer Rudi Grünanger, Gremialobmann

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