Englisch als Schlüssel zur Welt
Begabungsförderin Jessica Angerer über Mut, Sprachkompetenz und warum der Englisch-Redewettbewerb - gesponsert von der Sparte Industrie - junge Menschen weit über den Unterricht hinaus stärkt.
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Was war Ihr persönlich prägendster Moment mit der englischen Sprache? Gab es einen Satz, eine Reise oder eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Jessica Angerer: Einen einzelnen prägenden Moment herauszugreifen, ist gar nicht so einfach. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber die Erkenntnis, dass Sprachen generell Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen verbindet. Auf Reisen und bei internationalen Begegnungen habe ich erlebt, wie schnell man durch eine gemeinsame Sprache miteinander ins Gespräch kommt. Da wird einem erst bewusst, dass Englisch weit mehr ist als ein Schulfach – es ist ein Schlüssel, der Türen öffnet, neue Perspektiven ermöglicht und Menschen über Grenzen hinweg zusammenbringt.
Sie organisieren den Englisch-Redewettbewerb im Rahmen der Begabungs- und Begabtenförderung. Was macht dieses Format für junge Menschen so wertvoll?
Für mich liegt der besondere Wert dieses Wettbewerbs darin, dass Talent eine Bühne bekommt. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, ihr Können außerhalb des schulischen Alltags und ohne klassischen Prüfungsdruck zu präsentieren. Sie können zeigen, was in ihnen steckt, eigene Themen aufgreifen und ihre Persönlichkeit einbringen. Oft erleben die Jugendlichen dabei selbst, welche Fähigkeiten sie bereits besitzen und wie viel sie mit Engagement und Mut erreichen können. Der Wettbewerb bietet ihnen die Chance, über sich hinauszuwachsen und wertvolle Erfahrungen für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg zu sammeln.
Welche Fähigkeiten zeigen die Schüler:innen bei diesem Wettbewerb – über gutes Englisch hinaus?
An oberster Stelle steht für mich der Mut. Es braucht Selbstvertrauen, sich vor eine Jury, Mitschüler:innen , Lehrkräfte und oft auch fremde Zuhörer:innen zu stellen und die eigene Meinung zu präsentieren. Darüber hinaus zeigen die Teilnehmer:innen beeindruckende Präsentationsfähigkeiten, Kreativität, Schlagfertigkeit und die Fähigkeit, strukturiert zu argumentieren. Besonders beeindruckend finde ich die Entwicklung, die wir über die Jahre beobachten konnten. Den Englisch-Redewettbewerb gibt es mittlerweile seit 23 Jahren, und es ist wirklich erstaunlich, was sich in dieser Zeit getan hat. Heute stehen oft Schülerinnen und Schüler auf der Bühne, die keine Muttersprachler:innen sind, und argumentieren auf einem Niveau, das selbst eine erfahrene Fachjury beeindruckt. Manche sprechen mit einer Selbstverständlichkeit und Sicherheit Englisch, die vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre. Bemerkenswert ist auch, dass viele Jugendliche ihre Sprachkenntnisse längst nicht mehr ausschließlich im Unterricht erwerben. Sie lesen englische Bücher, schauen Serien und Videos im Originalton, nutzen digitale Medien oder pflegen Freundschaften mit Menschen aus anderen Ländern. Sie bringen sich vieles selbst bei und entwickeln dadurch ein beeindruckendes Sprachgefühl. Diese Eigeninitiative, Neugier und Lernbereitschaft sind für mich mindestens genauso wertvoll wie die sprachliche Leistung selbst.
Warum ist es gerade heute wichtig, junge Menschen darin zu stärken, frei zu sprechen, klar zu argumentieren und selbstbewusst aufzutreten?
Wir leben in einer Zeit, in der Kommunikation eine zentrale Rolle spielt. Man kann fachlich noch so kompetent oder intelligent sein – wenn man seine Ideen nicht vermitteln, seine Stärken nicht präsentieren und seine Meinung nicht überzeugend vertreten kann, bleiben viele Chancen ungenutzt. Deshalb halte ich die Fähigkeit, frei zu sprechen und klar zu argumentieren, für einen der wichtigsten Zukunftsskills überhaupt. Diese Kompetenzen sollten bereits in jungen Jahren gefördert werden, damit es für Kinder und Jugendliche selbstverständlich wird, vor anderen aufzutreten und ihre Gedanken auszudrücken. Wer gelernt hat, selbstbewusst zu kommunizieren, wird nicht nur im Berufsleben davon profitieren, sondern auch im privaten Umfeld und bei gesellschaftlichem Engagement.
Die Sparte Industrie unterstützt den Englisch-Redewettbewerb. Welche Verbindung sehen Sie zwischen Sprachkompetenz, Talentförderung und dem Industriestandort Kärnten?
Junge Menschen sind unsere Zukunft. Deshalb ist es entscheidend, ihre Stärken frühzeitig zu erkennen und gezielt zu fördern. Leider liegt im Bildungssystem oft noch viel Fokus auf Schwächen und Defiziten. Aus meiner Sicht sollten wir viel stärker darauf achten, Talente sichtbar zu machen und Potenziale weiterzuentwickeln. Genau das gelingt bei Wettbewerben wie diesem. Die Jugendlichen erleben Erfolg, gewinnen Selbstvertrauen und lernen, ihre Fähigkeiten einzusetzen. Davon profitiert letztlich auch der Industriestandort Kärnten. Unternehmen brauchen engagierte, selbstbewusste und sprachlich kompetente Nachwuchskräfte, die sich in einer international vernetzten Arbeitswelt sicher bewegen können. Wer Talente fördert, investiert gleichzeitig in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts.
Viele Industriebetriebe arbeiten international – welche Rolle spielt Englisch aus Ihrer Sicht für zukünftige Fachkräfte, Techniker:innen und Führungskräfte?
Englisch ist heute längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern eine Grundvoraussetzung. Ob technische Dokumentationen, internationale Projekte, Kundengespräche oder die Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen auf der ganzen Welt – Englisch gehört in vielen Branchen zum Arbeitsalltag. Gerade für Fachkräfte, Techniker:innen sowie zukünftige Führungskräfte eröffnet Sprachkompetenz zusätzliche Möglichkeiten und Karrierechancen. Wer Englisch sicher beherrscht, kann sich international vernetzen, Verantwortung in globalen Projekten übernehmen und aktiv an Entwicklungen mitwirken. Die Bedeutung wird in den kommenden Jahren sicherlich weiter zunehmen.
Was wünschen Sie sich von Unternehmen, wenn es darum geht, junge Talente früh zu erkennen, zu fördern und für berufliche Chancen zu begeistern?
Ich wünsche mir, dass Unternehmen noch stärker und früher auf junge Menschen zugehen. Altersgerechte Workshops, Schulkooperationen, Betriebsbesichtigungen oder Schnuppertage können dabei helfen, Berufe greifbar zu machen und Begeisterung zu wecken. Viele Jugendliche stehen nach ihrer Schulzeit vor wichtigen Entscheidungen, ohne wirklich zu wissen, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen. Nicht selten fehlt ihnen der Einblick in unterschiedliche Berufsfelder oder die Vorstellung davon, welche Wege überhaupt möglich sind. Deshalb wäre es wertvoll, wenn Unternehmen den Kontakt zu interessierten und talentierten jungen Menschen frühzeitig suchen und über längere Zeit aufrechterhalten würden. Wer Jugendliche ernst nimmt, ihnen Einblicke ermöglicht und ihre Begeisterung aufgreift, schafft Orientierung und Perspektiven. Davon profitieren am Ende alle – die jungen Menschen ebenso wie die Unternehmen, die auf der Suche nach motivierten Fachkräften von morgen sind.