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Porträt von Roman Lobner - Ausbildungsleiter von Flex Althofen
© Flex Althofen

Lehrlingsausbildung als Zukunftsinvestition

"Müssen die Ausbildungsqualität und die Chancen der Industrie-Lehre noch stärker vor den Vorhang holen." Ausbildungsleiter Roman Lobner spricht im Interview über Karrierewege, Fachkräftebedarf und erfolgreiche Nachwuchsarbeit bei Flex Althofen.

Lesedauer: 7 Minuten

13.01.2026

Herr Lobner, wie haben Sie persönlich Ihre Karriere begonnen - eventuell auch mit einer Lehre?

Roman Lobner: Ich habe meinen Berufsweg 1999 mit einer Lehre als Betriebselektriker und Maschinenschlosser begonnen. In den darauffolgenden Jahren konnte ich Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen sammeln. Seit 2024 bin ich Leiter des Ausbildungszentrums bei Flex in Althofen und gebe meine beruflichen Erfahrungen nun gerne an junge Menschen weiter.

Welche Rolle spielt die Ausbildung von Lehrlingen bei Flex in Althofen und warum ist sie Ihnen persönlich wichtig?

Die Lehrlingsausbildung hat bei Flex seit jeher einen hohen Stellenwert. Sie erlaubt es uns, qualifizierte Facharbeiter selbst auszubilden und jungen Technikerinnen und Technikern interessante berufliche Perspektiven zu eröffnen. Mir ist es dabei besonders wichtig, dass unsere Lehrlinge gerne ins Ausbildungszentrum kommen und nicht nur fachlich, sondern auch persönlich bestens auf ihren weiteren Lebensweg vorbereitet werden.

Wie viele Lehrlinge werden aktuell ausgebildet?

59 Lehrlinge für Flex, 27 Lehrlinge für Partnerbetriebe. Der Anteil an Mädchen in technischen Berufen beträgt 25 Prozent.

Was macht Flex als Lehrbetrieb besonders attraktiv für junge Menschen?

Wir bieten jungen Menschen in der Region eine interessante und innovative Ausbildung in einem internationalen Unternehmen sowie vielseitige Weiterentwicklungs- und Karrierechancen in einem hochtechnologischen Industriebetrieb.

Welche Lehrberufe und Ausbildungswege bietet Flex aktuell in Althofen an? Gibt es neue Schwerpunkte oder Erweiterungen, z. B. im IT-Bereich oder in der Mechatronik?

Aktuell bietet Flex am Standort Althofen eine breite Palette an technischen Lehrberufen und Ausbildungswegen an. Dazu zählen die Lehrberufe Elektronik - Elektrobetriebstechnik, Mechatronik - Elektrobetriebstechnik, Maschinenbautechnik - Technisches Zeichnen, IT-Technik sowie Applikationsentwicklung - Coding. Alle Lehrberufe können bei Flex auch mit Matura absolviert werden. Die fachliche Spezialisierung erfolgt direkt im Unternehmen in den jeweiligen Abteilungen, wo unsere Lehrlinge von erfahrenen und ausgebildeten Mentorinnen und Mentoren begleitet werden. So stellen wir sicher, dass Theorie und Praxis optimal miteinander verbunden sind.

Flex Althofen bietet auch eine "Lehre mit Matura" an. Wie wichtig ist dieser kombinierte Bildungsweg für Ihre Lehrlingsstrategie?

Die Lehre mit Matura ist ein wichtiger Bestandteil unserer Lehrlingsstrategie bei Flex Althofen. Durch das zusätzliche Angebot der Matura während der Lehrzeit erwerben unsere Lehrlinge nicht nur eine fundierte fachliche Ausbildung, sondern auch ein breites Allgemeinwissen sowie die Voraussetzung für ein mögliches späteres Studium. Gleichzeitig sprechen wir mit diesem kombinierten Bildungsweg gezielt Jugendliche an, die ursprünglich eine weiterführende Schule in Betracht ziehen. Die Lehre mit Matura eröffnet ihnen eine attraktive Alternative, die praxisnahe Ausbildung und akademische Perspektiven miteinander verbindet.

Wie setzt Flex bei seinen Lehrlingen auf Zusatzqualifikationen wie Persönlichkeitsentwicklung, Sprachkurse oder Exkursionen?

Neben der fachlichen Ausbildung legen wir bei Flex großen Wert auf Zusatzqualifikationen und die persönliche Entwicklung unserer Lehrlinge. Dazu gehören unter anderem sechs Wochen Fachpraxis in einem externen Gewerbebetrieb, um zusätzliche Einblicke zu gewinnen, sowie sechs Wochen IFA – Internationaler Fachkräfteaustausch, der interkulturelle Kompetenzen und internationale Erfahrung fördert. Ergänzt wird die Ausbildung durch gezielte Persönlichkeitstrainings, die soziale Kompetenzen, Kommunikation und Selbstständigkeit stärken. Zudem ermöglichen dreitägige Fachexkursionen praxisnahe Einblicke in andere Unternehmen, Technologien und Arbeitswelten. So stellen wir sicher, dass unsere Lehrlinge fachlich wie persönlich bestens auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet sind.

Wie kommt Flex zu Lehrlingen? Welche Kanäle oder Methoden haben sich bei der Gewinnung von Jugendlichen bewährt?

Die Gewinnung von Lehrlingen basiert bei Flex Althofen auf einer Kombination aus persönlicher Weiterempfehlung, regionaler Präsenz und frühzeitiger Nachwuchsarbeit. Ein besonders wichtiger Erfolgsfaktor ist die Mundpropaganda - nach dem Prinzip „Lehrlinge werben Lehrlinge“. Zufriedene Lehrlinge sind unsere besten Botschafter. Zusätzlich setzen wir gezielt auf regionale Medien, um Jugendliche und Eltern in der Umgebung zu erreichen. Messen, Ausstellungen sowie unser Tag der offenen Tür bieten die Möglichkeit, Flex als Ausbildungsbetrieb persönlich kennenzulernen und direkt mit Lehrlingen und Ausbildern ins Gespräch zu kommen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kooperationen mit Schulen. Wir beteiligen uns an Wettbewerben, ermöglichen Betriebsbesichtigungen und öffnen unser Ausbildungszentrum bereits für Schülerinnen und Schüler aus Volksschulen, um frühzeitig Interesse für technische Berufe zu wecken. Diese breite und langfristige Ansprache hat sich in der Lehrlingsgewinnung besonders bewährt.

Welche Maßnahmen ergreift Flex, um Jugendliche für eine technische Lehre zu begeistern - z. B. Schnupperpraktika, Kooperationen mit Schulen oder Informationsveranstaltungen?

Um Jugendliche für eine technische Lehre zu begeistern, setzt Flex Althofen auf frühzeitige Information, praktische Einblicke und enge Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen. Ein zentrales Element dabei sind Schnupperpraktika, bei denen Jugendliche den Arbeitsalltag im Ausbildungszentrum kennenlernen und erste praktische Erfahrungen sammeln können. Darüber hinaus ist Flex regelmäßig auf Lehrlingsmessen vertreten, um direkt mit Jugendlichen und ihren Eltern ins Gespräch zu kommen und über technische Ausbildungswege zu informieren. Ein weiterer wichtiger Baustein sind Kooperationen mit der Berufs- und Bildungsorientierung sowie mit Schulen. Durch diese Zusammenarbeit ermöglichen wir Informationsveranstaltungen, Schulprojekte und Betriebsbesichtigungen und wecken so frühzeitig Interesse an technischen Berufen. Diese Kombination aus persönlichem Erleben, direktem Austausch und kontinuierlicher Schulkooperation hat sich in der Ansprache junger Menschen besonders bewährt.

Gibt es besondere Programme oder Initiativen, um auch Mädchen und junge Frauen für technische Lehrberufe zu gewinnen?

Ja, Flex setzt gezielt Programme und Initiativen ein, um Mädchen und junge Frauen für technische Lehrberufe zu begeistern. Ein wichtiger Baustein ist der Girls’ Day, an dem Mädchen die Möglichkeit haben, technische Berufe praxisnah kennenzulernen und selbst auszuprobieren. So bauen wir frühzeitig Berührungsängste ab und zeigen, wie vielfältig technische Berufe sind. Zusätzlich beteiligen wir uns an der „Berufsspionage“, bei der Schülerinnen direkt in den Arbeitsalltag eintauchen und einen realistischen Einblick in unsere Ausbildungsberufe erhalten. Durch diese gezielten Angebote möchten wir Mädchen und junge Frauen ermutigen, technische Laufbahnen in Betracht zu ziehen und ihre Stärken in diesem Bereich zu entdecken.

Welche technischen oder digitalen Kompetenzen sehen Sie als besonders wichtig für Ihre Lehrlinge in den kommenden Jahren?

Der richtige und verantwortungsvolle Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen. Wir vermitteln KI als Chance und als praxisnahes Werkzeug.

Wie gelingt es Ihnen, Lehrlinge nach der Ausbildung an den Betrieb zu binden?

Die Bindung unserer Lehrlinge beginnt bei Flex bereits während der Ausbildung. Ab dem dritten Lehrjahr startet die individuelle Karriereplanung. Zuvor lernen die Lehrlinge im zweiten Lehrjahr alle relevanten Abteilungen kennen. Auf dieser Basis erfolgt gemeinsam mit dem Lehrling, der Mentorin bzw. dem Mentor und der Ausbildungsleitung die gezielte Zuteilung in den zukünftigen Fachbereich. Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich der Lehrling schrittweise zur fixen Fachkraft und kennt seine spätere Tätigkeit. Diese frühzeitige Perspektive schafft Orientierung, Motivation und eine nachhaltige Bindung an den Betrieb.

Wie erleben Sie den Fachkräftebedarf in der Industrie vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des Lehrlingsmangels?

Der Fachkräftebedarf in der Industrie wird durch die demografische Entwicklung und den zunehmenden Lehrlingsmangel immer spürbarer. Umso wichtiger ist es, junge Menschen frühzeitig für technische Berufe zu begeistern und ihnen die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten in Industriebetrieben sichtbar zu machen. Eine Aussage wie "Mein Betrieb ist total cool", ausgesprochen von einem Lehrling in seiner eigenen Community, hat oft weit mehr Wirkung als jede klassische Stellenausschreibung. Authentische Erfahrungen, persönliche Empfehlungen und positive Erlebnisse sind entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und Interesse zu wecken. Deshalb müssen wir die Ausbildungsqualität und die Chancen, die Industriebetriebe bieten, noch stärker vor den Vorhang holen und gezielt zeigen, wie attraktiv eine technische Lehre heute ist.

Abschließend: Welche Tipps geben Sie anderen Industrieunternehmen mit auf den Weg, wenn es um Lehrlingsausbildung geht?

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist der Erfahrungsaustausch. Industrieunternehmen sollten das Wissen und die Best Practices jener Betriebe nutzen, die bereits Mitglieder der IV sind. Durch Vernetzung und Austausch erhält man wertvolle Einblicke, wie moderne und erfolgreiche Lehrlingsausbildung in der Praxis funktioniert. Gleichzeitig ist es entscheidend, Lehrlingen von Beginn an zu vermitteln, dass sie ein wertvoller Teil des Teams sind. Wertschätzung, Einbindung und echtes Interesse an ihrer Entwicklung schaffen Motivation und Identifikation - und sind letztlich der Schlüssel für eine nachhaltige und erfolgreiche Lehrlingsausbildung.

 

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