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Gruppe von rund 20 Teilnehmer:innen der UBIT-Studienreise steht in einem modernen Büro in Indien neben einem schwarzen Formelrennwagen mit grünen Akzenten („GenW.AI by Deloitte“).
© Daniel Kattnig | Fachgruppe UBIT

UBIT-Studienreise: Indien neu denken

Vier Tage in Bangalore und New Delhi zeigen: Indien ist längst mehr als ein Outsourcing-Standort. Wer Kooperation strategisch versteht, kann Tempo, Talent und Innovation gezielt für das eigene Geschäftsmodell nutzen.

Lesedauer: 4 Minuten

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03.04.2026

Am vierten Tag der heurigen UBIT-Studienreise nach Indien passiert etwas scheinbar Banales: Endlich ein Elefant. Ein kurzer Moment - und doch bleibt er hängen. Weil er sinnbildlich für das steht, was viele der Teilnehmenden in diesen Tagen erlebt haben: Indien ist nicht einfach "ein Markt". Es ist eine Kraft. Präsenz. Eigenlogik. Und vor allem: ein Partner, den man nicht oberflächlich verstehen kann.

Die Studienreise machte Stationen in Bangalore und New Delhi. Ein dichtes Programm, viele Gespräche, zahlreiche Eindrücke. Doch die eigentlichen Erkenntnisse entstanden oft zwischen den Terminen - im Bus, an Kreuzungen, beim ersten Blick aus dem Hotelfenster.

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Intensität statt Kulturschock

Indien empfängt nicht leise. Der Verkehr wirkt wie ein eigener Organismus: dicht, beweglich, kommunikativ. Was zunächst nach Chaos aussieht, entpuppt sich schnell als funktionierendes System. Überraschend für viele: Der oft erwartete Kulturschock bleibt aus. "Total anders - ja. Aber extrem freundlich", beschreibt es Fachgruppenobmann Martin Zandonella. Begegnungen sind offen, direkt und von einer positiven Grundhaltung geprägt. Eine Beobachtung, die für Unternehmer:innen entscheidend ist. Denn internationale Zusammenarbeit beginnt nicht bei Strukturen, sondern bei Vertrauen.

Kein Billigstandort mehr

Eine der zentralen Erkenntnisse der Reise: Indien hat sich grundlegend verändert. Das Land ist längst nicht mehr "verlängerte Werkbank", sondern entwickelt sich zunehmend zum Kompetenzstandort. Talente werden systematisch aufgebaut, Innovation wird schnell in Anwendungen übersetzt, und Wissen fließt aktiv zurück in Organisationen - auch international. Für UBIT-Unternehmen bedeutet das: Wer weiterhin nur auf Kosten schaut, greift zu kurz. Entscheidend ist die Frage nach Fähigkeiten, nicht nach Preisen.

Geschwindigkeit als System

Was besonders auffällt, ist die Umsetzungskultur. Geschwindigkeit entsteht hier nicht aus Druck, sondern aus klaren Strukturen: definierte Rollen, konkrete Programme, pragmatische Entscheidungswege. Innovationsprozesse sind erlebbar. Use Cases werden getestet, nicht nur diskutiert. Statt endloser Abstimmung steht die Frage im Raum: Was können wir in 90 Tagen umsetzen? Gerade für österreichische Unternehmen, die oft stark in Planung und Perfektion sind, ist das ein relevanter Impuls. Tempo kann bewusst gestaltet werden – wenn man es systemisch verankert.

Talententwicklung als Standortstrategie

Ein weiterer zentraler Unterschied: Talent wird nicht dem Zufall überlassen. Es wird aufgebaut. In Indien entstehen gezielte Talent-Pipelines durch das Zusammenspiel von Bildung, Wirtschaft und staatlichen Initiativen. Skilling und Upskilling sind strategische Themen – nicht operative Nebenschauplätze. Für Kärnten ergibt sich daraus eine klare Fragestellung: Welche Modelle lassen sich adaptieren? Welche Programme können im Kleinen starten und im Großen wirken? Und wie kann Talententwicklung aktiv als Standortvorteil genutzt werden?

Kooperation ist Kulturarbeit

So wichtig Strukturen und Programme sind - internationale Zusammenarbeit entscheidet sich letztlich auf menschlicher Ebene. Unterschiedliche Erwartungen, Kommunikationsstile und Entscheidungsprozesse erfordern bewusste Gestaltung. Vertrauen, Klarheit und regelmäßiger Austausch sind keine "Soft Facts", sondern Voraussetzung für funktionierende Kooperation. Gerade die persönlichen Eindrücke aus Indien zeigen: Wenn Offenheit und gegenseitiges Interesse vorhanden sind, wird Zusammenarbeit nicht nur möglich, sondern attraktiv.

Was bleibt - und was jetzt zählt

Die Reise hat keine fertigen Lösungen geliefert. Aber sie hat den Blick geschärft. Für neue Möglichkeiten, für andere Geschwindigkeiten, für ein erweitertes Verständnis von Partnerschaft. Für UBIT-Unternehmen lassen sich vier klare Ableitungen formulieren:

  • Indien ist ein Partner für Fähigkeiten, nicht nur für Kapazitäten. 
  • Tempo ist gestaltbar, wenn Prozesse richtig aufgebaut sind. 
  • Talententwicklung ist ein strategischer Erfolgsfaktor. 
  • Und Kooperation braucht aktive Kulturarbeit.

Oder, wie es Martin Zandonella formuliert: Man kann sich "eine Scheibe abschneiden". Nicht im Sinne einer Kopie, sondern als Einladung, neu zu denken.

Der Elefant bleibt

Eine Reise endet mit dem Rückflug. Ihre Wirkung beginnt oft erst danach. Indien hinterlässt kein fertiges Konzept, sondern ein neues Koordinatensystem. Einen Blick darauf, wie groß man denken darf, wie pragmatisch man handeln kann - und wie wichtig es ist, wirtschaftliche Zusammenarbeit auch menschlich zu gestalten. Der Elefant bleibt. Als Bild für Stärke und Eigenwilligkeit. Und als Erinnerung daran, dass Zukunft nicht wartet.

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